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Archivzitat: Verwandtschaft von Denkmalpflege und Archivistik

” ….. Denkmalschutz darf sich nicht um gerade gängige oder persönliche Geschmacksvorlieben kümmern, Denkmalschutz muss historische Dokumente sichern. Kein Archivar würde Urkunden wegschmeißen, nur weil sie nicht gefallen. Häuser, Dörfer, Städte, die über die Zeiten hinweg gewachsen sind, sind solche Urkunden. Sie bezeugen Geschichte. ….”
Quelle:
Münchener Merkur (Link)

Die Macht der Archive: Brunis Nacktporträt und Hillarys Gedächtnis

“Starfotograf Michel Comte, der das Nacktporträt von Carla Bruni-Sarkozy geschossen hat, beklagt sich. Der Einstiegspreis bei der Versteigerung des Fotos sei mit 4000 Dollar zu niedrig. Das ist noch nicht alles. Er habe in seinem Archiv noch „Tausende Fotos” von Bruni – viele davon seien noch viel expliziter…..”
Quelle:
Link zum Welt-Artikel
“….. Die Korrespondentin des Senders CBS, die mit Hillary Clinton nach Bosnien geflogen war, entsann sich anders und durchforstete das Archiv. Am Montag strahlte CBS das Resultat ihrer Suche aus: Es gab eine Begrüßungszeremonie am Flugplatz Tuzla. Sogar mit Schulkindern. Kein Schuss war zu hören. Hillary Clinton schüttelte erst US-Offizieren die Hand und nahm sich dann Zeit für Fotos mit den Kindern. ….”
Quelle:
Link zum Welt-Artikel

Archive in der Kunst "Islands + Ghettos" in Heidelberg

“Das Beispiel ist nur eines von vielen, das der Heidelberger Kunstverein anführt, um das Phänomen territorialer Ein- und Ausgrenzung zu beleuchten. “Islands + Ghettos”, so der Titel der fünfteiligen Reihe, hinterfragt die Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts und zeigt, wie solche Siedlungsstrukturen auch physisch erlebbar werden. Den Auftakt zu diesem anspruchsvollen Projekt, das sich bis in den Sommer hinzieht und mit der Ausstellung von 35 Künstlern und Architekten im Heidelberger und Mannheimer Kunstverein, dem Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen und dem Heidelberger Forum für Kunst seinen Höhepunkt hat, bildet der Projektraum im Studio des Heidelberger Kunstvereins. Er ist wie ein offenes Archiv eingerichtet, in dem man Bücher zum Thema, aber auch Videos, in dem etwa Interviews mit den Slumbewohnern von Caracas zu sehen sind, zu finden sind. In einer Ecke des Raumes sitzen Assistentinnen und halten die Verbindung zu den Researchpartnern vor Ort: der American University of Sharaj am Persischen Golf und dem Urban Think Tank in Caracas.”
Quelle:
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20080326_srv0000002346268.html

Bonner Fossil des Monats: Conodonten ("Kegelzähne") als paläontologisches Archiv.

” ….. Zudem sind Klima- und Umweltveränderungen vor vielen hundert Millionen Jahren im Phosphat der winzigen Conodonten in Form der Isotopenzusammensetzung “archiviert“. Mit chemischen Verfahren können Paläontologen heute dieses Archiv auswerten und so wichtige Erkenntnisse über die damaligen Umweltbedingungen gewinnen. ….”
Quelle:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/153361

Archivare im Fernsehen: Krimiserie "Kommissar Rex" Folge"Jagd nach dem ewigen Leben (2000)

” In der Wiener Nationalbibliothek öffnet eine aufsehenerregende Ausstellung ihre Pforten. Das Werk des Grafen Egon Reichenberg, eines bedeutenden Botanikers des 19. Jahrhunderts, galt lange als verschollen und ist jetzt endlich wieder aufgetaucht. Der Legende nach hat Reichenberg in Tibet das Rezept für eine Lebensverlängerung gefunden. Der Graf wurde weit über 100 Jahre alt und starb schließlich eines unnatürlichen Todes. Die Aussicht auf großen Gewinn lässt jede Menge zwielichtiges Gesindel aufmarschieren, das den Nachlaß des Grafen nach dem verschlüsselten Rezept durchstöbert. Das gnadenlose Wettrennen fordert bald die ersten Opfer: Baron Felix Nordegg, ein Nachfahre des Grafen, und der Archivar Lutz kommen auf rätselhafte Art ums Leben. Als Brandtner und Rex dem geheimnisumwitterten Rezept auf die Spur kommen, gerät auch der Hund in Lebensgefahr. “
Quelle:
http://www.cinefacts.de/tv/details.php?id=krkbe2000000000000425998

Archivzitat: Ärmelschoner im GLAK

Das Generallandesarchiv ist ein unglaubliches Gebäude. Hohe, alte Räume. Stuck. Jugendstillampen. Uralte Aktenschränke. Mit gemustertem Milchglas verzierte hohe Portaltüren, hallende Gänge. Die vorletzte Jahrhundertwende steht einem dort so lebhaft vor Augen, als trete jeden Augenblick ein Offizier mit Schnauzbart oder ein badischer Beamter mit Ärmelschonern um die Ecke. Auch die Angestellten, die das Haus mit stillem eilendem Leben erfüllten, schienen aus einer anderen Zeit.

Eva Klingler, Blaublut. Ein badischer Krimi, Karlsruhe 2008, S. 191

Archive als Inspirationsquelle für die Mode: Alessandra Facchinetti

” ….. Mit der Präsentation ihrer ersten Prêt-à-Porter Kollektion vor zwei Wochen in Paris hat Facchinetti ihre Feuerprobe bestanden. Sie hat ihre Hausaufgaben im Sinne des Hauses gemacht und sich durchs Archiv inspirieren lassen. Ihre Kollektion wurde denn auch Valentinos Ästhetik gerecht. Gleichzeitig gelang es ihr aber auch, mit leichter Hand etwas mehr Frische in die Kreationen zu zaubern. Das Modepublikum war derart hingerissen, dass Bodyguards die zierliche Italienerin vor den Zuschauern beschützen mussten, die am Ende der Show die Bühne stürmten, um ihr zu ihrer Leistung zu gratulieren. …..”
Quelle:
http://punkt.ch/style/bildergalerie1.html?newsid=28224

Rosa in Riga

Der Tagespiegel bespricht Rosa von Praunheims Film “Meine Mütter”. ” ….Und weil er Regisseur ist, ist die Kamera immer dabei. Im Villenvorort von Riga-Kaiserwald, wo er als Kind im Garten gespielt hat. Im Archiv, wo er nach Anhaltspunkten zu seiner leiblichen Mutter sucht. …..”

Nachtrag 21.05.2008
http://www.goettinger-tageblatt.de/newsroom/kultur/dezentral/kulturlokal/art4257,598391

Ab ins Archiv: Franz Krahl

Nachdem der Oberschüler 1968 Anton Krahl bei der Botschaft der CSSR in der DDR eine Protesterklärung wegen des Einmarsches sowjetischer Truppen abgegeben hatte, wurde er im November zu drei Jahren Haft wegen staatsfeindlicher Hetze verurteilt. Sein Vater Franz Krahl verlor seinen Posten als Abteilungsleiter beim Neuen Deutschland und wurde “ins Archiv versetzt” (SPIEGEL 11/2008, S. 165).

Ab ins Archiv: Unwürdige Richter

In der Online-Debatte der Welt (Link) schreibt ein Kommentator zum Inzest-Urteil des Bundesverfassungsgericht:
” ….. Dass es überhaupt so ein Urteil gibt ist eine Schande und eigentlich sollte es eine
Instituion geben die solche unwürdigen Richter aus dem Gericht entfernt und sie als Aktensortierer ins Archiv verbannt. …..”

Dunkel wie im Bärenarsch

Am 29.2.2008 nahm sich das berühmte Streiflicht der SZ des Themas Archive an.

Was ist der Stille eines Klosters vergleichbar? Die Stille eines Archivs. Nichts bewegt sich, außer dem Staub natürlich, der sich mit der Zeit auf Akten, Urkunden, Zeitungen legt. Und dunkel ist es, dunkel wie im Bärenarsch. Manchmal kommt ein runzliges Männlein, das seine Brille wie ein Fernglas vor der Brust trägt, und schaltet das Licht an. Der plötzlich aufgewirbelte Staub flirrt durch die Luft und lässt das Männlein hüsteln. Es setzt seine Brille auf, brabbelt, na, wo haben wir dich denn, tippt mit seinem altpapiergelben Finger auf diverse Ordner und zieht endlich einen hervor. Im Benutzersaal wartet schon jemand. Auch dort Stille, unterbrochen nur durch ein leises Rascheln, ein vorsichtiges Stuhlrücken. Wer steht auf? Niemand wendet den Kopf, alle sind versunken in ihre Materialien, außer demjenigen natürlich, der sein Zeugs noch nicht hat. Er bekommt es jetzt. Eine rissige Kladde, aus der er ein paar Papiere herauszieht, die mit fasrigen Hanfseilen geschnürt sind, Arbeit für Stunden.

Aber es muss gar kein runzliges Männlein sein, alles Klischee. Es kann auch eine junge, schmale Frau sein oder ein Kerl wie ein Baum. Ja, bleiben wir bei dem: Theoretisch könnte er, wenn ein einzelnes Blatt verlangt ist, das ganze Hochregal heranschleppen, aber praktisch hat er das nicht nötig, denn er findet alles, was irgendwann irgendwo deponiert wurde. Wobei ja das Finden erst der zweite Schritt ist. Davor steht das Erinnern. Angenommen, jemand recherchiert zum Thema „Golfspielen als direkte Fortsetzung infantilen Murmelns”, so wird unser Mann nach wenigen Augenblicken mit leichtem Understatement erklären, er könne sich täuschen, glaube aber, dazu sei bereits im Olympiajahr 1972 eine lange, wenngleich etwas wirre und im Übrigen reich bebilderte Abhandlung veröffentlicht worden; ja, wird er präzisieren, es muss im Mai gewesen sein, und Erscheinungsort war entweder Buxtehude oder Worpswede, Moment, ich schau mal schnell, bin sofort wieder da.

Der Archivar, wenn er das liest, wird sehr traurig sein und gleich wissen, dass manches Lob nur dazu dient, das Gewissen derjenigen zu erleichtern, die es verteilen. Denn was ist mittlerweile geschehen? Allerorten wird munter gegoogelt, das hat sich so eingebürgert, scheinbar einfach geht es, doch in Wirklichkeit wühlt man sich durch einen Haufen Müll und muss sich mühevoll und zeitaufwendig das wenige darin enthaltene Gold herauspicken. Er aber, der gute Archivar, trennt das alles, und dann bietet er nur das Gold. Nicht ohne Stolz schiebt er es übern Tisch, und ohne viel Aufhebens verlässt er wieder den Raum. Also zurück zu ihm, gleich morgen. Morgen ist der bundesweite Tag der Archive, da und dort ist die Tür geöffnet, hinter der es still und staubig zugeht, perfekte Gelegenheit für eine reuige Umkehr.

Das ist so dicht, so packend beschrieben, dass wir unmöglich nur einen Auszug bieten können. Leser Jürgen Lotterer aus Stuttgart zollte denn auch in den Leserbriefen vom 7.3.2008 Beifall:

Zum ersten Mal in gefühlten 200 Leidensjahren ist es einem Journalisten gelungen, die Kernfunktion der Archive zumindest ansatzweise richtig zu beschreiben: Jawohl, Archivare trennen Goldkörner von Müll, indem sie nämlich pausenlos Unmengen von Aktenmaterial, vor allem behördlicher Herkunft, bewerten und Unterlagen von bleibendem Wert aufbewahren, verzeichnen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Für diese Erkenntnis sei dem Streiflicht-Schreiber all der andere poetische Unsinn von Bärenärschen und altpapiergelben Fingern gern verziehen […]

Schwulst

Während der im Gefolge Harold Blooms populär gewordene Kanon-Begriff immer eine Bewertung des Überlieferten impliziert, auf Exklusion beruht, scheint das Archiv allumfassend und wertneutral zu sein. Andererseits betont der Archiv-Begriff, im Gegensatz etwa zur Datenbank, die Materialität des Bewahrten und beinhaltet von vornherein eine historisch spezifische Situierung. Gegen dieses Archiv im engeren Sinne hat Giorgio Agamben zuletzt einen diskursanalytischen Archiv-Begriff verteidigt: „Als Gesamtheit der die Diskursereignisse definierenden Regeln steht das Archiv zwischen der langue – dem Konstruktionssystem der möglichen Sätze, also der Möglichkeiten zu sagen – und dem corpus, der Gesamtheit des schon Gesagten, der tatsächlich gesprochenen oder geschriebenen Worte. Das Archiv ist also die Masse des Nicht-Semantischem …“ (Agamben 2003, 125). Der Arbeitskreis Interdisziplinarität, im Rahmen des von der VolkswagenStiftung geförderten Tandem-Projekts „Historische Wahrnehmungsformen in Bild und Text“ seit April 2003 an der Universität Leipzig angesiedelt, will sich im Sommersemester in einer Reihe von Vorträgen und Diskussionen durch verschiedene kulturwissenschaftliche Disziplinen hindurch an diesen und andere Archiv-Begriffe annähern. Erstmals öffnet sich der Arbeitskreis in diesem Semester nach außen und lädt interessierte Wissenschaftler aus den Geistes- und Kulturwissenschaften ein, sich bei den Organisatorinnen mit einer Kurzbiographie und einer knappen Erklärung, worin das Interesse an der Veranstaltung besteht, anzumelden.

Silke Horstkotte (s.horstkotte@uni-leipzig.de)
Karin Leonhard (karin.leonhard@ku-eichstaett.de)

18.4. – Moritz Bassler (Germanistik, Bremen):
“Die neuen Archive und die Frage der Interpretation in den Geistes- und Kulturwissenschaften”

23.5. – Annina Klappert (Medienwissenschaft, Bonn):
“Bündelung und Streuung. Strategien der Archivierung in Jean Pauls Exzerptheften und hypertextuellen Speichern”

20.6. – Jo Jonas (Theaterwissenschaft, Leipzig):
“Kanonisierte Theaterbegriffe und deren Gültigkeit”

18.7. – Abschlußdiskussion:
Archiv, Kanon, Datenbank – was kann der Archivbegriff für die Kulturwissenschaften leisten?

jeweils von 17-19 Uhr, Universität Leipzig, GWZ, Beethovenstr. 15, Raum 5315.

Kontakt: Silke Horstkotte (s.horstkotte@uni-leipzig.de)
Typ: Akademische Ankündigungen
Land: Germany
Sprache: German
Klassifikation: Regionaler Schwerpunkt: Europa
Epochale Zuordnung: Epochal übergreifend
Thematischer Schwerpunkt: Historiografiegeschichte, Theorie- und Diskursgeschichte, Vergleichende Geschichte, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte
URL zur Zitation
dieses Beitrages: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=3797