” …. Miert ist ein bisschen das, wogegen er antritt – aber dann auch ganz und gar nicht, was seine Erfolglosigkeit erklärt, denn jemand, dem der “Aktenschwund im Stadtarchiv” auffällt, wonach “kein Harlander Kommunalpolitiker, Lehrer, Journalist, Unternehmer, Gastwirt, Gewerkschafts- oder Handelskammerfunktionär und so weiter jemals Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen” war, der ist unbeliebt.
….In ihm und um ihn regiert Verwüstung, aber gutbürgerlich; nur insgeheim oder im vor allem aus sozusagen ästhetischen Gründen gemiedenen Notfall liegt alles offensichtlich in Trümmern, Wegen eines Archivars, der Interesse an Zwangsarbeiter-Meldescheinen zeigt: “Sehen Sie, der kleine Schreibtisch ist penibel ausgeräumt worden, bevor sie ihn zertrümmert haben.” ….”
Manfred Wieninger: Rostige Flügel. Ein Marek-Miert-Krimi.
Haymon Verlag, Innsbruck 2008.
Quelle:
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11985
Kategorie: Wahrnehmung
Stereotype Archiv-Mystery in Lübeck
” …. Das Baugrundgutachten, das jetzt die Sperrung ausgelöst hat, stammt aus dem Jahr 1988. Damals war die Brücke zuletzt saniert worden. …. Das Gutachten wurde als unproblematisch eingestuft und verschwand im Archiv. Erst mit den jetzigen Arbeiten tauchte es wieder auf. ….”
Quelle:
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=43790
Archivar im Hörspiel: "Vernagelt" von Ulrich Land
“Im Wald beim Frankfurter Flughafen wird die Leiche des seit 1981 verschollenen Forstarbeiters Walter Bruckner gefunden. Mord durch eine Motorsäge. Für die Sensationspresse bestätigt sich ein alter Verdacht. Aber Kommissar Droemel und seine Chefin Hartmann stehen vor einem Rätsel.
Jeder erinnert sich an die damaligen Kämpfe um die Startbahn West und an den Versuch der Startbahngegner, das Abholzen der Bäume zu verhindern. Mit Nägeln sollte der Kahlschlag durch die Motorsägen sabotiert werden. Aber der Tote wurde in einem ganz anderen Waldstück gefunden.
Regie: Sven Stricker
Mitwirkende:
Hauptkom. Hartmann: Sonsee Neu
Kommissar Droemel: Heinz-Werner Krähkamp
Malle Sanner: Maria Hartmann
Bernd Schlick: Bjarne Mädel
Rainer Faber: Timo Dierkes
Horst Schenker: Wolfgang Condrus
Hein Heinerts: Chajim Königshofen
Archivar: Wilfried Hochholdinger
Nachbarin: Barbara Becker
Geologe: Stephan Szász
Gehilfe: Sebastian Becker
Sprecher: Gerd Grasse
Sprecherin: Ulrike Hübschmann
Ton: Alexander Brennecke
Schnitt Eugenie Kleesattel
Komposition: Frank Spilker
Redaktion: Torsten Enders
Regieassistenz: Roman Neumann
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2008
Länge: 46’40
Ulrich Land, geboren 1956, studierte Germanistik, Geografie, Philosophie. Lebt als freier Autor in Hattingen, schreibt Features, Prosa und Hörspiele. DeutschlandRadio Berlin produzierte “Abriss” (2000), “Entsorgung” (2002), “Marlowe’s Drama” (2003), “Krupp, wie er sich auf Capri ergeht” (2005) und zuletzt “Ins Gras gebissen” (DKultur 2006). – Siehe auch Klangkunst am 6. Juni”
Quelle:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kriminalhoerspiel/771429
Archivzitat: " … weder neutral noch objektiv noch Archivarin .."
“Frau Birthler ist eigentlich zur Neutralität und Objektivität verpflichtet. Sie ist Archivarin. Aber bei mir will sie weder neutral noch objektiv noch Archivarin sein.” Was sind wir denn nun, Herr Gysi ?
Gregor Gysi, Berliner Kurier, 30.05.2008
http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/politik/220554.html
Archivzitat: ein wahrlich trauriges Archiv.
” …..Die Doku ist gründlich: Man hat im traurigen Archiv der Gewalttätigkeiten gegen offen schwule Spieler geblättert, ….” so die TAZ über “Das große Tabu – Homosexualität und Fußball”, eine DSF-Doku.
Archiv und Kunst: "Archive für Genauigkeit und Seele"
Der DLF stellt Werke der Ausstellung “Digitale Raumkunst” im Duisburger Lehmbruck-Museum vor:
” ….. Das Spannungsfeld von technischer Objektivität und künstlerischer Subjektivität interessiert Karin Sander, und auch wenn die neue Technologie in ihrer Arbeit so breiten Raum einnimmt, wird sie ihr niemals zum Selbstzweck.
“Ich glaub, dass die Kunst zuerst da ist, man hat sich ja schon lange mit dem Porträt und dem Abbilden beschäftigt, die Idee, eine Figur abzunehmen und wiederzugeben, ist eine sehr alte, und dass die Technik das auch versucht, ist eigentlich nur ‘ne logische Folgerung aus dem.”
Diese Einschätzung teilen auch die Düsseldorfer Künstler Marie-Charlotte Hoffmann und Christof Hartmann, die eine sakral anmutende Rauminstallation geschaffen haben: Wie das Fundament einer Kirchenruine wirkt ein Karree aus kniehohen Reliefs, die aus Beton gegossen sind. Es ist umstellt von Masken und Köpfen, die aussehen wie primitive Kultfiguren. Und auf einem altarartigen Block in der Mitte steht ein langsam rotierender Laserscanner, der permanent den ganzen Raum abtastet und aus verschiedenen Perspektiven Bilder errechnet, die die Besucher und ihre Bewegungen ebenfalls einbeziehen. Als zweidimensionale Projektion in magisch grün flimmernden Linien wird sie auf die Wand geworfen.
“Archive für Genauigkeit und Seele” nennen die Künstler diese Arbeit.
“Das ist ‘ne neuere Entwicklung, ich hab mich da seit Jahren mit auseinandergesetzt so nebenbei, das hat sich vorbereitet. Wir haben das verfolgt über die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Wissenschaftlern und daraus hat sich das ergeben, das Verfahren in direkten Zusammenhang zu bringen. Das ist enorm inspirierend, das wird sicher die bildhauerische Arbeit verändern und wird sich vertiefen.”
Sagt Marie-Charlotte Hoffmann, die nicht nur die Düsseldorfer Kunstakademie absolviert hat, sondern auch ein Medizinstudium mit Schwerpunkt Neurologie. Diese rätselhafte Installation thematisiert auf sehr komplexe Weise die Zeit und die Ambivalenz der Zeiterfahrung: Was so urtümlich aussieht, ist heute geschaffen und aktualisiert nur eine Erfahrung von Tradition, die uns alle prägt. Was technisch geradezu futuristisch wirkt, bildet doch einen Moment ab, der bereits vergangen ist.
“Es hat was Archaisches und es hat was Modernes, und dieses Ineinander find ich besonders schön.”
Christof Hartmann ist überzeugt, dass neue Technologien das Berufsbild des bildenden Künstlers erweitern und verändern werden – auch was rein handwerkliche und ausbildungspraktische Aspekte angeht – nicht aber das eigentliche künstlerische Konzept.
“Das müsste man mir noch mal genau erklären, wieso ich etwas nur machen kann, wenn ich es im Rechner – es muss ja vorher mal in meinem Hirn gewesen sein, damit ich es in den Rechner projizieren kann, und insofern gibt es für mich nur einen Quellcode, der ist sowieso ganz woanders.”
Nachtrag 14.06.2008:
Ausstellungsbesprechung der WAZ mit Bilderstrecke (auch: “Archiv für Genauigkeit und Seele”)
Archivzitat: Archive in Ostimor – obskur und alt.
“ ….. Und schon zieht er ein altes Buch aus dem vollgestopften Regal, erzählt so begeistert über seinen Fund in einem obskuren alten Archiv, als wolle er diesen Schatz am liebsten sofort nach neuen trickfilmreifen Szenen durchkämmen. ….”
Quelle:
http://www.n-tv.de/971213.html
Archivzitat: Unbetrachtetes im Archiv
“Die Bilder von Friedrich Fuchshuber müssen gezeigt werden und dürfen nicht unbetrachtet im Archiv bleiben”, sagt Prim. Dr. Ekkehard Lindner, Leiter des Instituts für Medizinische Radiologie-Diagnostik.
Fuchshuber fotografiert seit seiner Kindheit – seit zwei Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Digitalfotografie.
Quelle:
http://www.im-salzkammergut.at/salzkammergut/alle_themen/artikel-lesen/frmArticleID/4306
Archive im Film: Wim Wenders "Palermo Shooting"
” …… In seiner Heimatstadt Düsseldorf anhebend und teilweise in deutscher Sprache gedreht (zum ersten Mal seit „In weiter Ferne, so nah“ vor 15 Jahren), lässt „Palermo Shooting“ sich als seit langem persönlichstes Dokument des 62-jährigen weltberühmtesten lebenden deutschen Filmregisseurs lesen. Auch findet, recht spät im Film, eine für Wim Wenders’ Verhältnisse unerhört leicht anhebende Liebesgeschichte Raum; nur kann sie sich, zwischen dem auch sprachlich sentimentalen Overdrive des Beginns und dem übersinnlichen Brimborium des Finales, nicht richtig entfalten.
Der Tote-Hosen-Sänger Campino spielt, wohl als Wenders’ sinnsuchendes Alter Ego, den erfolgreichen Fotografen Finn, den es von der Kunst immer mehr in die Welt der Mode verschlägt. Er ist über 40, von Schlafproblemen gebeutelt und stellt sich Fragen – und Off-Kommentar auch ausdrücklich dem Zuschauer –, die in ihrer Naivität geradezu niederschmetternd sind. Das klingt etwa so: „Geht’s Ihnen auch so, dass Sie sich nie anwesend fühlen?“, sinniert er, als sein Handy 23 Anrufe in Abwesenheit meldet. „Man merkt’s erst hinterher. Wenn es zu spät ist.“
Also steigt Finn aus, Richtung Palermo, freilich nicht ohne diesen Predigerton mit auf die Reise zu nehmen. In der sizilianischen Hafenstadt, die er bald wie ein Tourist mit der Kamera durchstreift, begegnet er der Restauratorin Flavia (Giovanna Mezzogiorno). Sie versucht ihn vor mysteriösen Attacken eines Bogenschützen abzuschirmen und nimmt ihn bei sich auf. Dieser Feind ist kein Geringerer als Gevatter Tod, der – das trifft sich – auch in einer ihrer Restaurierungs-Wandarbeiten als berittener Bogenschütze abgebildet ist.
Finn begegnet ihm schließlich persönlich: In einem staubigen Archiv tritt Dennis Hopper als fahlweiß ausgeleuchteter Kapuzenmann aus der Kulisse. Er sei es müde, den bad guy zu geben, klagt der Tod alias Hopper, um Finn alsbald in eine verblüffend kenntnisreiche Debatte über moderne Filmherstellungstechniken zu verwickeln. „Echte Dunkelheit“ und „echtes Licht“, so jedenfalls O-Ton Tod, seien jeglicher digitaler Bildproduktion vorzuziehen.
Nicht ironisch, wie diese Details vermuten ließen, sondern überwiegend bedeutungsvoll raunend ist „Palermo Shooting“ geraten – ein erratisches Alterswerk, in dem schwindende Ausdruckskraft mit wachsender Mitteilungswut einhergeht. …..”
Quelle:
http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/Cannes-Filmfestival;art137,2536650
Gysi und Birthler – (k)ein archivisches Traumpaar ?
“All jene politischen Gegner und Journalisten, die hoffen, aus mir etwas machen zu können, was ich nie war, werden auch diesmal scheitern. Das gilt auch für Frau Birthler, die als Archivarin bezahlt wird und bei mir regelmäßig versucht, sich als eine Art Polizeiermittlerin aufzuspielen.”, Pressemitteilung Gysis v. 24.5.2008
Quelle:
http://www.dailynet.de/Politik/17803.php
Pressemitteilung der BStU: Link
Blutige Steine im Staatsarchiv Venedig – Archive als Drehorte
Die gestrige Folge “Blutíge Steine” in der Reihe der ARD-Verfilmungen von Romanen Donna Leons wurde u.a. in den Magazinräumen des Archivio di Stato di Venezia gedreht.
Homepage der Krimi-Reihe:
http://www.daserste.de/donnaleon
Homepage des Staatsarchivs Venedig:
http://www.archiviodistatovenezia.it
Verstaubt ev. Bekenntnis duch Wahl eines schwulen Bischofs im Archiv ?
” …. Die Wahl würde ….. Papst Benedikt XVI. in der Überzeugung bestärken, dass es sich bei der Nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche „bestenfalls um eine kirchliche Gemeinschaft handele, deren verhandlungsfähige Bekenntnisse längst vergessen im Archiv verstauben“. …..”
Gleichlautende Quellen
Radio Vatikan
Idea-Freikirchlicher Nachrichtendienst
Archivzitat: Planlose Archivare ?
Aus der Indiana-Jones-4-Besprechung der Jungen Welt:
“Allegorisch betrachtet, ist der Kistenhaufen ein Bild der Geschichte, wie es sich ergibt, wenn man ein Archiv, aber keinen Plan hat. “
Quelle:
http://www.jungewelt.de/2008/05-22/011.php
Archive und Kunst: "Overlapping voices" im Essl-Museum Klosterneuburg
” ….. Oder die der Misrachi-Frauen, aus arabischen und muslimischen Ländern stammende Jüdinnen, für deren Rechte sich die israelisch-iranische Künstlerin Shula Keshet einsetzt. Beide Beispiele gehören zu insgesamt vier „Utopia-Projekten“, die Künstler mit oder als NGOs entwickelt haben und in der Essl-Ausstellung präsentieren. „Die Presse“ stellte bisher drei davon vor, Keshets 1999 mitbegründete feministische Organisation „Achoti“, „Schwester“, schließt die Serie ab, ihr war im Symposium auch eine eigene Gesprächsrunde gewidmet.
Denn der Misrachi-Feminismus unterscheidet sich wesentlich von dem der aschkenasischen (west- und ostjüdischen) Frauen. Es gehe nicht um Gleichberechtigung in Spitzenpositionen in der Wirtschaft, so Keshet, sondern ums Überleben. In einer Bienenwaben-Installation, die mit Büchern und Katalogen ergänzt gleichzeitig als Archiv funktioniert, präsentiert Keshet in der Essl-Ausstellung Kunsthandwerk der Frauen, Olivenöl, Honig, Lesezeichen etc. Der Erlös geht direkt an die Produzentinnen. ….”
Quelle:
http://diepresse.com/home/kultur/news/384862/index.do?_vl_backlink=/home/kultur/index.do
Archivzitat: Archivfriedhof ?
Aus der Besprechung einer Aufführung von Aki Kaurismäkis »Wie feuere ich meinen Mörder« am Volkstheater Rostock des ND:
” … Özgür Platte zeigt uns präzise das reduzierte Leben eines kleinen Angestellten, der inmitten seiner gut gepflegten Topfpflanzen verkümmert. Ein auf somnambule Weise Mensch gewordener Aktenvorgang, den nur ein Registraturfehler davor bewahrt, für immer im Archiv abgelegt zu werden. Lebensbejahung bedeutet nicht weniger, als es auszuhalten, täglich mehr beschädigt zu werden. Das meint die spröde Poesie Kaurismäkis, für deren Heroismus man ihn lieben muss. …”Quelle:
Archiv und Kunst: Joseph Beuys ,Barraque D´Dull Odde’
In diesem Regal „Barraque“ lagern etwa 1000 von Beuys sorgfältig arrangierte Objekte. ” …. Ein „dreidimensionales Stillleben“ nannte Thomas Wagner die „Barraque“, zugleich „Fundus, Archiv, Experimentierkasten“. ….”
Quelle:
http://www.rp-online.de/public/article/krefeld/568776/Beuys-Untrennbar-mit-Krefeld-verbunden.html
Archäologie und Archivistik II
” …..Archäologische Funde kommen oft nur durch so einen Zufall zu Tage. Immer wieder werden dabei aber Zeugnisse im Boden durch Bagger für immer vernichtet. „Niemand würde auf die Idee kommen und in einem Archiv eine Urkunde zerstören“, zieht Professor Päffgen den Vergleich zu alten Dokumenten, die oft sogar in besonders klimatisierten Tresoren verwahrt werden. Während die archäologischen Zeugnisse Jahrhunderte und Jahrtausende in der Erde relativ geschützt waren, muss es meist schnell gehen, sind sie erst einmal gefunden. ….” (Bernd Päffgen, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Uni München und Vorsitzender der Gesellschaft für Archäologie)
Anm.: Warum beklagen sich eigentlich Archvierende vor dem Hintergrund des bemitleidenswerten Schicksals der Archäologen ?
Quelle:
Welt
s. a. Archivalia: http://archiv.twoday.net/stories/4287186
Hirn als Archiv ?
“[S]icher kann die Amerikanerin Jill Price sagen, was sie, um willkürlich ein Beispiel herauszugreifen, am 19. Oktober 1979 machte. „Ich kam von der Schule nach Hause. Weil es ungewöhnlich kalt war an diesem Tag, aß ich eine Suppe“ (Price, muss man wissen, lebt im sonnigen Los Angeles).
Seit sie zehn ist, kann sich die Amerikanerin an jeden einzelnen Tag ihres Lebens erinnern. Was sie an diesem Tag tat. Was im Fernsehen lief. Was die Nachrichten meldeten. ….. Jill selbst vergleicht das Phänomen mit einer Videokamera. Die zeichnet Minute für Minute alles detailgetreu auf. Abends nimmt die Besitzerin den Film heraus und legt ihn ins Archiv, wo sie ihn jederzeit wieder hervorkramen kann. Nur dass ihr Archiv keines mit Regalen und Nummern ist, sondern ihr eigenes Hirn. „Ich habe mein eigenes Leben im Kopf“, sagt Price.”
Quelle:
Rheinische Post Link
Schnippler und Spurensucher – der Ortschronist
” ….. Ein Ortschronist sammelt und durchforscht prinzipiell jedes Druckwerk, das bei ihm im Ort erscheint oder den Ort zum Thema hat. Von Tages- und Wochenzeitschriften, Dorfzeitungen, Flugblättern, Plakaten, Fremdenverkehrsprospekten, Pfarrbriefen und diversen Aussendungen verschiedener Vereine bis hin zu Postkarten, Liftkarten, Briefmarken und Sterbebildchen wird zuerst einmal alles nach Sachgebieten geordnet und in Schachteln verstaut.
In einem schlecht organisierten Archiv würde das Material dort auch bleiben, aber Chronisten treibt ja nicht nur die Sammelleidenschaft, sie haben auch eine Aufgabe zu erfüllen. Deshalb holt man nach einem Sicherheitsabstand von ungefähr zwei Jahren – nach dieser Zeitspanne lässt sich erkennen, welche Stücke aus dem Sammelsurium es wirklich wert sind, aufbewahrt zu werden – die Schriftstücke wieder hervor, schneidet die relevanten Artikel sorgfältig aus, versieht sie mit Quellenangabe, kopiert sie und gibt sie in einen Ordner. ….”
Quelle:
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&cob=346578¤tpage=0
Archiv als Wunderkammer der Moderne
” …… Seit 40 Jahren sammelt der Kunstliebhaber und Publizist Egidio Marzona die künstlerische Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Im Bielefelder Kunstverein wird davon eine Auswahl präsentiert.
Werke aus der riesigen Sammlung des 63-jährigen Kunstliebhabers und Publizisten Egidio Marzona, der sie selbst “Archiv” nennt, soll hier doch die Avantgarde des vergangenen Jahrhunderts dokumentiert werden. ……
Zwei Säulenheilige kennt diese Bielefelder Auswahl: neben Duchamp ist es der Dichter Paul Scheerbart mit Erstausgaben seiner Texte und phantasievollen Lithographien. Denkbar vielfältig ist das Material, das Marzona in seine Kollektion aufgenommen hat: Bücher, Originalmanuskripte, Postkarten, Briefe, Fotos und sogar Noten. Traktate für eine neue Architektur finden sich hier genauso wie das surrealistische Gründungsmanifest oder der fluxus-selige Aufruf Wolf Vostells von 1968 an alle Bürger, doch bitte die Klinken von Banken und Tankstellen regelmäßig zu putzen und sich dabei fotografieren zu lassen. ……
Für Stefanie Heraeus, die Leiterin des Kunstvereins, ist diese Vielfalt geradezu ein Grund, die Kollektion vorzustellen:
“Man kann das 20. Jahrhundert im Grunde erst verstehen, wenn man in dieses Archiv blickt. Denn man sieht nicht nur die bekannten Werke, die Gemälde und Fotografien – sondern die Paratexte, man sieht Einladungskarten, Widmungstexte, Erstausgaben und ganz viele Bezüge – z.B. zwischen Dada und Fluxus. Und das öffnet die Augen und erklärt erst, was tatsächlich in dieser Kunst stattgefunden hat. Denn es kommt ja nicht nur auf die schönen Werke an, die man isoliert im Museum sieht, sondern es geht um die vielen Gespräche, die Kollektivarbeiten, den Austausch zwischen den Künstlern. Und das kann man erst begreifen, wenn man in eine solche Sammlung eindringt.”
Der in Bielefeld gezeigte Teil deutet die Möglichkeiten seines “Archivs” nur an – jener kaum noch überschaubaren Sammlung von Originalwerken und Materialien, die er in Berlin einmal in einem noch zu errichtenden Gebäude allgemein zugänglich machen will. Für wen ist dieses Panorama gedacht?
“In erster Linie natürlich für die Öffentlichkeit! Es ist ja mein Lebenswerk: ich bin seit 40 Jahren damit beschäftigt und werde bis an mein Lebensende daran arbeiten, dieses Archiv zu perfektionieren. Es wird ein Forschungszentrum sein – mit der Möglichkeit, permanent Ausstellungen und Publikationen zu produzieren, die in diesem Riesenkonvolut verborgen sind und in diesem Institut dann erarbeitet werden.”
Die Ausstellung “Sammlung Marzona – Ein Archiv zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts – Von Paul Scheerbart bis zur Fluxus-Bewegung” ist vom 16. Mai bis 13. Juli 2008.”
Quelle:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/785203
Weiterführend zur Sammlung Marzona:
http://www.wdr.de/tv/kulturweltspiegel/20011118/2.html
http://www.akmb.de/web/pdf/herbst2004_lailach.pdf
Archivarin im Film: "Dead & Breakfast"
“…. Die Archivarin wird von einem Zombie angegriffen und pustet ihm dank ihrer Spezialausbildung das Hirn an die Wand. …. ”
Das DVD-Forum stellt in der Rubrik “Bodycount” Filme vor, deren Qualität eigentlich nicht vermuten lassen, dass sie für diesen Blog interessant sein könnten. Aber – für dieses Zitat würde ich sprichwörtlich meilenweit gehen …. meine persönliche Nummer 1. Diesen Kurs muss ich in Marburg verpasst haben.
Der Vollständigkeit halber soll der erste Auftritt, der archivischen Powerfrau nicht verschwiegen werden:
“…. Die Archivarin erzählt die Geschichte des Hotelbesitzers Mr. Wise. Er hatte einen Sohn, der bei einem Autounfall ums Leben kam. …..”
Quelle:
http://www.dvd-forum.at/400/bodycount.htm
Archiv und Kunst: "Parrworld" in München
” …. “Parrworld” im Münchner Haus der Kunst ist eine höchst vergnügliche Schau, sie stellt Kitsch neben Kunst, Billiges neben Exquisites und Altes zu Neuem – und will einen Eindruck vermitteln nicht nur vom Werk, sondern vom Kosmos des Künstlers, vom Archiv seiner Bilderwelt. …..”
Quelle:
http://oe1.orf.at/inforadio/90779.html?filter=5
zu Martin Parr s.a.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Parr
http://www.martinparr.com/index1.html
Kunst und Archiv: Simone Anton anlässlich des Forums Junge Kunst im Kunstverein Elmshorn
“…. Um einen Raum zu gestalten, kann Simone Anton auf ein großes Archiv zurückgreifen. Fein säuberlich sind daheim in Kartons die unterschiedlichsten Papiere gesammelt und aufbewahrt. Farbige Reste von Stanzvorgängen gehören ebenso dazu wie Lochstreifen, Tüten und kleine gefaltete Papierteile, in denen einzelne Pralinen aufbewahrt werden.
…..Kleber, Klebestreifen und Fäden sorgen für den Halt der einzelnen Elemente des Gesamtkunstwerkes, das allerdings nicht von Dauer ist. Mit dem Ende der Ausstellung wird alles, soweit es geht, wieder in den Archivschachteln verstaut. “Was bleibt sind Fotos”, sagt Simone Anton. ….”
Quelle:
http://www.abendblatt.de/daten/2008/05/10/880025.html
Übliche Verwechslung
In einem Artikel über das Olympia-Attentat 1972 lesen wir:
Die Filmemacherin Sarah Morris erlebte Ähnliches. Telepolis erzählt sie vom Dreh im Bayerischen Staatsarchiv. Eigentlich wollte sie nur den Überwachungsfilm des polizeilichen Videotrupps von den Trauerfeierlichkeiten. Ein entgeisterter Bibliothekar stammelte nur noch “Das gibt´s doch gar nicht.” Denn die Filme waren verschwunden. Stattdessen lagen Bänder einer Demo in der Box. Am nächsten Tag habe Georg Sieber gesagt: “Sie glauben doch wohl nicht, dass dies ein Zufall war, oder?”
München statt Wiesbaden
” …. Ein Beispiel ist der Ein-Euro-Jobber im Archiv des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Seine Tätigkeit sei nicht zusätzlich, sondern Teil der “ordnungsgemäßen Aufgabenerfüllung” der Behörde.”
Quelle:
FR-Artikel
Archive in der Literatur: Gedächtnis und Archiv
Die Berliner Literaturkritik stellt eine Leseprobe des neuen Roman von Mario Calabresi vor:
” …. Ich habe zwei Erinnerungen an die damalige Zeit: an den 14. Mai, einen Sonntag, und diese Erinnerung ist unscharf. Sie besteht aus einem starken, schönen Gefühl, und es ist das einzig Fassbare, Reale, das ich von meinem Vater habe. Und ich erinnere mich an einen Mittwochmorgen, den 17. Mai, an dem er getötet wurde. Diese Erinnerung ist klar, detailliert und genau.
Als Kind packte ich sie weg, tat sie gleichsam in eine Schachtel, um sie auf diese Weise die Zeit meines Heranwachsens überdauern zu lassen. In meinen Gedanken schuf ich einen besonderen Raum dafür, um sie unversehrt bewahren zu können. Ich behielt sie lange ganz für mich allein und holte sie nur nachts heraus, im Dunkeln vor dem Einschlafen, mit großer Behutsamkeit, um sie nicht zu beschädigen. Später erzählte ich meiner Mutter davon, aber da war ich schon auf dem Gymnasium, und erst während der Prozesse sprach ich offen über die Erinnerung an den Tag, an dem mein Vater starb. Bis ich bemerkte, dass sie durch das wiederholte Erzählen zerfiel wie ein Film, den man zu oft angesehen hat: Das Bild verschleißt, die Einzelbilder gehen verloren. Also schuf ich Abhilfe und tat sie ins Archiv zurück, bestrebt, sie dadurch zu retten. Aber es war wohl zu spät dafür, und heute hat sie einen Teil jener überwältigenden Kraft verloren, die sie über zwanzig Jahre lang für mich besaß. Die andere dagegen hält stand. Sie erinnert mich daran, dass ich sein Sohn bin…..”
CALABRESI, MARIO: Der blaue Cinquecento. Geschichte meiner Familie im Schatten des Terrorismus. Übersetzt aus dem Italienischen von Michaela Wunderle. SchirmerGraf Verlag, München 2008. 224 S.
Quelle:
http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=18003
Zufall oder Symbolik?
Eingang zum Kreisarchiv in Eisenberg, Thüringen
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Wo nur Altes lagert, ist nie viel los: im Archiv ….
So betitelt der Stern ein Bild eines arbeitsrechtlichen Artikel zum Thema “Liebe am Arbeitsplatz”. Das nachfolgende Zitat rückt Archive in eine leicht schlüpfrige Ecke:
“Knutschen am Kopierer, Fummeln im Archiv, frivole Mails – Liebe am Arbeitsplatz ist bisweilen besonders knisternd.”
Archive als abgeschiedene Orte erotischer Zweisamkeit ? Ein Sichtweise, die nicht gerade als stereotyp durchgeht.
Thorsten Drostes "Archiv" zur romanischen Erotik
” ….. Ein Projekt hat der Kunsthistoriker aus Leidenschaft noch vor Augen, “eine Nische wäre zu bescheiden gesagt, ein großes Kapitel der romanischen Kunst” werde es sein, “das bislang brach gelegen hat, das kein Mensch beachtet hat, obwohl es überall in Bildern präsent ist”, enthüllt Droste langsam das Thema “Erotik und Askese”. So könnte auch der Titel des Buches lauten über “Bilder der Lebensfreude und der Lebenswirklichkeit in der romanischen Kunst”. Inzwischen habe er ein Kompendium von hunderten von Motiven und Bildern zusammengetragen. Hier öffne sich eine neue Dimension, “ein neues Verständnis der moralischen Kunst”, urteilt Droste. “Die Zeit ist reif für ein solches Buch”, in zwei bis drei Jahren will er es schaffen. Schließlich habe er seit 20 Jahren ein Archiv zu dieser Thematik aufgebaut.” …..
Archiv oder Sammlung ?
Quelle:
Artikel in der Welt
Literarisches Archiv seiner Zeit: John O’Haras Großstadtroman „Butterfield 8“
“… Was einmal für die Popliteratur der Gegenwart als Wesenskriterium ermittelt wurde – dass sie nämlich ein Archiv ihrer Zeit sei –, trifft auch auf O’Haras Roman zu: Das Nachtleben spielt eine gehörige Rolle, Zeitungsnotizen werden gesammelt, Schauspieler tauchen auf, Gossip und Ereignisse des Jahres 1930 werden zitiert. ….”
Quelle:
http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/;art138,2524673