Laut Google News-Exzerpten wurde am 23. Januar 2003 von der Badischen Zeitung gemeldet, in Freiburg i. Br. sollten Staatsarchiv, Stadtarchiv und Universitätsarchiv zusammengelegt werden. Darauf hätten sich Landeswissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU), Uni-Rektor Wolfgang Jäger und Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) verständigt . Weiss jemand mehr?
Kategorie: Staatsarchive
War der Tiroler Landeshauptmann Wallnhöfer ein Nazi?
http://derstandard.at/?url=/?id=1962349
Eine Bundesarchiv- bzw. BDC-Akte sorgt in Österreich für Wirbel. Siehe auch:
http://news.google.de/news?num=100&hl=de&lr=&tab=wn&ie=UTF-8&scoring=d&q=walln%C3%B6fer+nsdap
Mitteilungen aus dem Bundesarchiv 2004/2 nicht online
Wie nicht anders zu erwarten: Wenn man zum Auffinden von 2004/1 die Suchfunktion bemühen muss
http://www.bundesarchiv.de/aktuelles/aus_dem_archiv/mitteilungen/index.html
dann kann man sicher auch nicht damit rechnen, dass zeitgleich mit dem Erscheinen der nun vorliegenden Druckausgabe 2004/2 auch ein PDF bereitsteht. Archivare sollten sich auch mal Gedanken machen, dass eine stabile Adresse der Art http://www.bundesarchiv.de/mitteilungen nicht nur Bibliothekaren entgegenkommt.
Da ich keine Lust habe, das Inhaltsverzeichnis abzuschreiben (vielleicht kommt das PDF ja tatsächlich in den kommenden Jahren) begnüge ich mich mit dem subjektiven Hinweis auf drei DDR-Beiträge: zum NS-Archiv des MfS, zu Johannes R. Becher und zum DDR-Militärarchiv.
Zentrale Nachlassdatenbank
Nun ist die vom Bundesarchiv betreute Datenbank der Nachlässe in Archiven auch unter
http://www.nachlassdatenbank.de
erreichbar.
Kabinettsprotokolle online besprochen
Die vom http://www.bundesarchiv.de digitalisierten Kabinettsprotokolle bespricht
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=73&type=rezwww
Ba-Wü: Archivnachrichten Nr. 29, Dezember 2004
Polen und Württemberg 1830-1838
http://www.landesarchiv-bw.de/stal/polen/index.htm
Virtuelle Ausstellung des Staatsarchivs Ludwigsburg.
Die französische Julirevolution von 1830 löste eine Reihe weiterer Revolutionen aus, u.a. den polnischen Novemberaufstand. Nach seiner Niederschlagung 1831 flohen viele Polen nach Frankreich, Belgien und England. Wie ganz Deutschland wurde damals auch Württemberg von einer Welle der Polenbegeisterung erfasst. In den damaligen deutsch-polnischen Beziehungen spielte Ludwigsburg eine außergewöhnliche Rolle: Hier entfalteten Polenfreunde nicht nur, wie auch andernorts, rege humanitäre Aktivitäten: Sammeln von Verbandsmaterial und Geld im Polenkomitee, in einer Polenlotterie, in Polenkonzerten. Hier diente das Polenkomitee unter dem unverfänglichen Namen “Häusler’sche Gesellschaft” (benannt nach einem Gastwirt) als Deckmantel einer Verschwörung von Militärs und Bürgern, an deren Spitze der Oberleutnant Ernst Ludwig Koseriz stand.
Historische Kartenbestände des Oberrheins
http://www.ub.uni-freiburg.de/eucor/karten/index-d.html
Ein Kooperationsprojekt des Generallandesarchivs Karlsruhe mit EUCOR-Bibliotheken im Aufbau, aber schon jetzt sind etliche Karten des 19. Jahrhunderts online.
Einige digitale Texte betreffen Tullas Rheinkorrektion.
Birthler: Bundesarchiv kein Tabu
In der Süddeutschen Zeitung vom 15. Januar wurde Marianne Birthler zum Schicksal ihrer Behörde interviewt. Auszug:
SZ: Kulturstaatssekretär Knut Nevermann hat vorgeschlagen, die Birthler-Behörde aufzulösen und ins Bundesarchiv zu überführen. Die Auflösung ist vom Tisch, das Thema Bundesarchiv wird aber weiter diskutiert. Auch von Ihnen.
Birthler: Das Thema Bundesarchiv ist ja kein Tabu. Aber bevor man das erwägt, muss man sich gut überlegen, ob man diesen weltweit einzigartigen Bestand auseinander reißt. Das Land Sachsen hat angekündigt, seine Akten dann ins Landesarchiv zu holen. Das hieße, viele Betroffenen müssten in mehreren Archiven nach ihren Unterlagen suchen. Stasi-Akten dürfen nach der gültigen Rechtsprechung auch nicht nach normalen Archivstandards genutzt werden, sondern genießen besonderen Schutz.
SZ: Nach der Klage von Helmut Kohl musste das Stasi-Unterlagengesetz geändert werden. Wie mühselig ist es, alle Betroffenen zu benachrichtigen?
Birthler: Die Benachrichtigungspraxis hatte wir ja schon vorher, und ich finde sie berechtigt. Wenn jemand Teile meiner Akte für ein Buch oder einen Artikel benutzen will, möchte ich sie als erste zu sehen bekommen, nicht als letzte. Für die Behörde ist das umständlich. Sehr umständlich. Aber es ist gut begründet.
SZ: Also alles kein Problem?
Birthler: Es gibt Details der Neuregelung, die für uns sehr belastend sind. Früher mussten wir Informationen, die erkennbar durch Menschenrechtsverletzungen gesammelt wurden, etwa durch Abhören, besonders sensibel behandeln. Jetzt ist die Beweislast umgekehrt. Wir müssen ausschließen, dass Menschenrechte verletzt wurden. Wer die Akten kennt, weiß, dass die Quelle der Information oft nicht zu erkennen ist.
SZ: Was bedeutet denn das?
Birthler: Wenn in meiner Akte Dinge stehen, die gar nicht brisant sind, also: “über Birthler wurde bekannt, dass sie drei Kinder hat”, müssen solche banalen Sätze jetzt geschwärzt werden, weil wir nicht beweisen können, dass sie aus harmlosen Quellen stammen. Das macht uns ganz große Schwierigkeiten. Es verkennt auch, dass die Stasi insgesamt keine harmlose Quelle war. Bisher haben wir uns daran orientiert, ob eine Information die Persönlichkeitsrechte verletzt. Jetzt geht es primär darum, wie die Stasi die Information bekommen hat.
Siehe auch den Leserbrief von Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk (wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung der BStU, Berlin) in der FAZ vom 8.1.2004, Text unter
http://www.augias.net/art_archiv_net_4248.html
Sächsisches Staatsarchiv gegründet
Seit 14 Tagen besteht es nun, das Sächsische Staatsarchiv, das das bisherige Referat 44 im Innenministerium und die Staatsarchive in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg in einer Struktureinheit in sich vereinigt. Seine Geburt war lange geplant (siehe Sächsisches Archivgesetz vom Stand 16. Juli 1999, welches tatsächlich noch in seiner längst überholten Fassung auf der Homepage der Sächsischen Archive archiviert wird, die letzte Gesetzesänderung finden wir auch im Web), ARCHIVALIA hatte zeitnah darüber informiert. Aus dem ursprünglich aus baden-württembergischen Gefilden anher gebrachten Gedanken einer Landesarchivdirektion wurde ein Landesarchiv, dessen Benennung durch die Legislative noch einmal in Sächsisches Staatsarchiv, wie es einem Freistaat gebührt, verschlimmbessert wurde.
Das mit dem Jahreswechsel entstandenene Sächsische Staatsarchiv setzt sich aus den Dienststellen
- Zentrale Aufgaben, Grundsatz
- Hauptstaatsarchiv Dresden
- Staatsarchiv Leipzig
- Staatsarchiv Chemnitz und
- Bergarchiv Freiberg zusammen.
Dass die vorstehend angeführte längere Planungsphase nicht gleichbedeutend mit einer gewollten langfristigen Vorbereitung der neuen Archivstruktur anher ging, davon zeugt die Tatsache, dass für die Stelle des künftigen Direktors des Sächsischen Staatsarchives noch immer keine Ausschreibung erfolgte. Die Leitung des Hauses erfolgt kommissarisch durch den bisherigen Referatsleiter 44 beim Innenministerium, Dr. Wolf, dem dieser Umstand bei der Unterzeichnung seiner Grußworte nicht so ganz willkommen gewesen zu sein scheint. An der Kürze der Zeit kann es nicht gelegen sein. Die allgemeine Vermutung, dass es sich dabei um den ersten Schritt zur Schaffung vollendeter Tatsachen handelt, kann sich wohl nur noch durch eine alsbaldige Stellenausschreibung entkräften lassen.
Ebenso kurzfristig und kommissarisch erfolgte die Besetzung der Abteilungsleiterstellen für “Personal, Haushalt, Organisation, IuK” sowie “Grundsatz, Recht” der neuen Dienststelle “Zentrale Aufgaben, Grundsatz”, der gleichermaßen keine Ausschreibungen voraus gegangen sind.
Es bleibt zu wünschen, dass die neue Behörde recht bald zu einer Transparenz in der personellen Besetzung ihrer Leitungsebenen findet, bevor eine Festschreibung der Geburtsfehler dauerhafte Schäden verursacht.
Broschüre „Landesarchiv Nordrhein-Westfalen“ erschienen
Knapp ein Jahr nach der Neuorganisation des staatlichen Archivwesens in Nordrhein-Westfalen stellt sich das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen mit einer neuen Broschüre einer breiten Öffentlichkeit vor.
Eine ausführliche Einleitung bietet den Leser(inne)n Informationen über Organisation und Aufgaben der drei zentralen und vier regionalen Abteilungen des Landesarchivs in den Bereichen Übernahme, Bestandsbildung und Erschließung, Bestandserhaltung, Benutzung und Öffentlichkeitsarbeit. Ein weiterer Abschnitt der Einführung widmet sich neuen Technologien und neuen Herausforderungen.
Die als regionale Fachabteilungen im Landesarchiv aufgegangenen staatlichen Archive an den Standorten Düsseldorf, Münster, Detmold und Brühl werden umfassend mit ihrer Geschichte und Zuständigkeit, ihrer Beständestruktur und ihren Serviceangeboten vorgestellt. Adressangaben, Hinweise auf Öffnungszeiten, Nahverkehrsverbindungen und weiterführende Literatur machen die Broschüre zu einem praktischen Wegweiser für den Archivbesuch. Darüber hinaus bietet die Publikation ein Verzeichnis aller bis 2004 erschienen Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die reich bebilderte Broschüre kann kostenlos über die vier regionalen Fachabteilungen des Landesarchivs oder über die Abteilung Grundsatzfragen und Öffentlichkeitsarbeit bezogen werden (Kontakt: http://www.lav.nrw.de).
Dr. Martina Wiech
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Abteilung 2
Grundsatzfragen und Öffentlichkeitsarbeit
Graf-Adolf-Str. 67
40210 Düsseldorf
Neues aus der Schweiz
Archivar Markus Trüeb teilte freundlicherweise mit:
Für 2005 sind beim online-Angebot des Schweizerischen Bundesarchiv zwei Neuerungen angesagt:
Ab 1.1.2005 sind ist das Schweizerische Bundesblatt seit 1848 online (als Teil des Projektes Online-Amtsdruckschriften). Im Verlauf des Jahres soll der Online-Katalog aufgeschaltet werden.
Allgemeine Informationen dazu unter: http://www.rechtsinformation.admin.ch/Bulletin/Copiur_2_04_d.pdf
Das neue Recherche-Portal des Bundesarchivs findet sich unter: http://virtor.bar.admin.ch (dort Einstieg zum Bundesblatt: http://virtor.bar.admin.ch/de/suc/amt.aspx )
Das Bundesamt für Kultur hat sein neuestes Journal (13/2004) dem Eidgenössischen Archiv für Denkmalpflege gewidmet. Das Heft enthält u.a. Beiträge zu “Kartierte Erinnerung – Archiv und Memopolitik” oder über “Konservatorische Probleme der Fotosammlung”. Seit Anfang des Jahres ist es auch online verfügbar: http://www.bak.admin.ch/bak/files/bakjour/bakjour13.pdf
Freundliche Grüsse
Suva
Bereich Administration
Robert Kempners Nachlass wird versteigert
Update zu: http://archiv.twoday.net/stories/102620
Sandra Kegel erinnerte in der FAZ vom 5.1.2004 S. 38 an den Ankläger im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess
Die Sammelwut des 1993 in Königstein bei Frankfurt verstorbenen Juristen führte dazu, daß zahlreiche Dokumente, Vermerke, Briefe, Redeentwürfe und Denkschriften aus Nürnberg erhalten sind. Einen Teil davon, die gut sechzig Jahre Holocaust-Forschung umfassen, kommt am 12. Januar bei einem Auktionshaus in Philadelphia zur Versteigerung. Das Konvulut aus Schriften, Fotografien und Karten, das gut 15 000 Seiten umfaßt und erst vor einigen Jahren in Kempners ehemaligem Wohnhaus in den Vereinigten Staaten gefunden wurde, befand sich in Privatbesitz. Zu den bedeutendsten Funden dürfte die Kopie eines Berichts zum “Unternehmen Barbarossa”, dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941, gehören. Daneben finden sich Manuskripte etwa für einen Aufsatz “Tausend Wort Recht” aus dem Jahr 1929, zahlreiche Briefwechsel, darunter der mit dem FBI-Chef J. Edgar Hoover Anfang der fünfziger Jahre, schließlich Materialien zum “Warren Report” über die Ermordung des Präsidenten Kennedy.
Als Ankläger in Nürnberg hatte Kempner Zugriff auf das Beweismaterial. Wie er in seinen Memoiren “Ankläger einer Epoche” notierte, hatte er sich die “ausdrückliche Genehmigung besorgt, Kopien all meiner Vernehmungen und Akten mitzunehmen”. Von Originalen war dabei wohl nicht die Rede gewesen. Kempner rechtfertigte sich damit, daß er das wertvolle Material vor dem endgültigen Verlust gerettet habe. […] Zur Ironie der Geschichte gehört es, daß sich seine “geretteten” Unterlagen nun nicht im Museum wiederfinden, sondern auf dem freien Markt, auf dem sich auch Sammler von obskuren NS-Memorabilien finden. Kempners Dokumente stehen zusammen mit Nazi-Flaggen, Offiziersgürteln und Adolf-Hitler-Zigaretten zum Verkauf.
Hitlers Steuerakte
Steuarakten aus der Zeit nach 1945 unterliegen bekanntlich einer 80jährigen Sperrfrist nach Abschluss. Für Hitlers Steuerakte im Hauptstaatsarchiv München gilt das nicht, und so wurde sie denn jüngst ausgewertet und in der Presse verhackstückt, etwa in der SZ:
Schweriner Archiv gibt alte Urkunden an Italien zurück
Bologna. Das Landeshauptarchiv von Schwerin gibt demnächst mittelalterliche Urkunden an die Stadt Bologna zurück, die lange Zeit unerkannt in Schwerin gelagert hatten. Wie die deutsche Botschaft in Rom am Freitag mitteilte, handelt es sich um insgesamt vier Pergament-Dokumente, die in den Jahren 1109 und 1229 in der norditalienischen Region um Bologna ausgestellt worden seien. Sie dokumentierten Immobilienverkäufe und Schenkungen an ein Kloster.
Die Schriftstücke seien erst im vorigen Jahr beim Aufräumen in den Schweriner Archiven zufällig entdeckt worden, hieß es weiter. Wie sie nach Schwerin kamen, sei nicht geklärt. Sie seien in einem Kuvert mit der Aufschrift „Gefunden 1950 auf dem Schweriner Güterbahnhof“ gewesen. Die Urkunden sollen am kommenden Dienstag feierlich übergeben werden. (dpa)
Quelle: Sächsische Zeitung (Samstag, 11. Dezember 2004)
Birthler nun bei Weiss
Innenminister Schily (SPD) wird die Zuständigkeit für die Stasi-Unterlagenbehörde an die Staatsministerin für Kultur und Medien, Weiss (SPD), abgeben. Das teilten Schily und Weiss am Freitag in Berlin mit. Damit erhält die Kulturstaatsministerin die Rechtsaufsicht über die Behörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, die frühere “Gauck-Behörde”. Im Bundeskanzleramt wird auf diese Weise Zuständigkeit für einen großen geschichtspolitischen Apparat versammelt, zu dem neben Museen, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Bundesarchiv künftig die Aufarbeitung der DDR-Geschichte gehören wird.
[…]
Die Leiter des Bundesarchivs und einiger Landesarchive plädierten dafür, den Aktenbestand des MfS in das Bundesarchiv und den der Stasi-Bezirksverwaltungen in die Landesarchive zu überführen und den Zugang nach dem Bundesarchivgesetz zu regeln.
Das Bundesarchiv sei zur Übernahme bereit und fähig, wie etwa sein Umgang mit sensiblen Daten wie den NS-Euthanasieakten belege, sagte sein Präsident Hartmut Weber. Seiner Auffassung nach verwahrt Frau Birthler “Archivgut des Bundes”, dessen Weg in die Staatsarchive 1991 durch das Stasi-Unterlagengesetz und die Errichtung einer eigenen Behörde “unterbrochen” worden ist. Der Leiter des sächsichen Landesarchivs, Jürgen Wolf, warnte Frau Birthler vor den Umzügen, die sie in ihrem Regionalkonzept für einige Außenstellen plant: Sie seien “unwirtschaftlich und nicht sachgerecht”.
Archive auf dem Markt?
Vermarktung und Verwaltung archivischer Dienstleistungen
Vorträge im Rahmen des 63. Südwestdeutschen Archivtags am 17. Mai 2003 in Ludwigshafen am Rhein, hg. von Nicole Bickhoff, Stuttgart 2004.
Der 63. Südwestdeutsche Archivtag 2003 in Ludwigshafen setzte sich mit der Frage auseinander, ob die Archive angesichts des enormen Kostendrucks neue Wege bei der Finanzierung ihrer Aufgaben und/oder andere Formen der Aufgabenerledigung beschreiten sollen, ja müssen. Sieben der dort gehaltenen Vorträge, die jeweils Teilaspekte aus ihrer spezifischen Sicht behandeln, sind nun durch die Landesarchivdirektion Baden-Württemberg veröffentlicht worden.
Zum Inhalt:
Irmgard Christa Becker: Effizienz und Effektivität = Einsparpotentiale? Einige Beispiele aus dem Stadtarchiv Saarbrücken, S. 15-22
Christoph Popp: Dokumenten-Management/Schriftgutverwaltung. Von der archivischen Kernkometenz zur Beratungsdienstleistung, S. 23-30
Wolfgang Kramer: Subsidiär, aber nicht umsonst. Dienstleistungen der baden-württembergischen Kreisarchive für Gemeinden und andere, S. 31-39
Jürgen Treffeisen: Ergänzungsdokumentation und Sicherung nichtstaatlicher Unterlagen. Archivfachliche Betreuung von Körperschaften, Vereinen und Verbänden als (kostenpflichtige) Dienstleistung, S. 39-46
Tessa Neumann: Archive gestalten. Dienstleistungen für öffentliche Archive, S. 47-52
Susan Becker: Zwischen Markt und Unternehmen. Archivische Dienstleistungen. Innenansichten eines Unternehmensarchivs, S. 53-60
Petra Klug: BIX für wissenschaftliche Bibliotheken, S. 61-66.
Die Veröffentlichung ist über den Buchhandel zu beziehen.
200 Anfragen an ein Staatsarchiv
Vom StA Basel ins Netz gestellt:
http://www.baselland.ch/docs/archive/hist/fragen/main_fragen.htm
Sächsisches Archivblatt
http://www.sachsen.de/de/bf/verwaltung/archivverwaltung/index.html
PDF-Download des neuen Heftes 2004/2
INHALTSVERZEICHNIS
Prüfung der Sächsischen Archivverwaltung durch den Rechnungshof abgeschlossen
(Dr. Jürgen Rainer Wolf) 3
Deutsche Werkstätten Hellerau – ein wertvoller Archivbestand
(Bernd Scheperski) 3
Zur Benutzung der sächsischen Staatsarchive seit 1990
(Dr. Jörg Ludwig) 5
Begutachtung von flutgeschädigtem Archivgut im Hauptstaatsarchiv Dresden –
Studienpraktikum im Fachbereich Restaurierung
(Heidi Lennig) 8
Münzfund im Staatsarchiv Chemnitz
(Dr. Michael Wetzel) 10
Einsatz vor Ort. Behördenpraktikum der Archivreferendare
(Dr. Mathis Leibetseder/Dr. Rouven Pons) 11
Projekt „Nachweisbeschaffung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter“ in Sachsen erfolgreich abgeschlossen
(Dr. Jörg Ludwig) 12
Verzeichnisdienste – Active Directory in der staatlichen Archivverwaltung
(Bernward Helfer/Jörg Werzinger/Christian Wortmann) 15
Startsignal für zukunftsweisende Baumaßnahmen
(Dr. Volker Jäger) 17
Überblick unter Tage – Beständeübersicht des Bergarchivs Freiberg erschienen
(Dr. Andreas Erb) 18
Schlüssel zur Geschichte der Leipziger Region – neue Beständeübersicht des Staatsarchivs Leipzig
(Birgit Richter) 19
„32 Millionen im Gepäck“ – Innenminister Rasch zu Besuch im Hauptstaatsarchiv Dresden
(Dr. Peter Wiegand) 20
Tag der Archive 2004 – Entdeckungsreise durch sächsische Archive
(Dr. Jörg Ludwig) 20
Archivarsaustausch zwischen Sachsen und Tschechien fortgeführt
(Petra Sprenger) 21
Archive leisten einen Beitrag für die Wissensgesellschaft
(Dr. Hans-Christian Herrmann) 22
Neu erworbene Nachlässe im Staatsarchiv Leipzig
(Dr. Hans-Christian Herrmann) 22
Ausstellungen zu aktuellen Themen im Staatsarchiv Leipzig
(Dr. Hans-Christian Herrmann) 22
Sachverständigenausschuss konstituiert
(Silke Birk) 23
Mehr als 33.000 Besucher sahen Ausstellung „Passage Frankreich–Sachsen“
in Schloss Moritzburg
(Dr. Lorenz Friedrich Beck) 23
Ortsgeschichte braucht Archive
(Dr. Hans-Christian Herrmann) 24
Staatsarchiv Leipzig beim „Tag der Sachsen“ in Döbeln
(Birgit Richter) 24
Rezensionen 25
Virtuelles Hamburgisches Urkundenbuch rezensiert
Ingrid Heidrich bespricht in H-SOZ-U-KULT Jürgen Sarnowskys VirtHambgUB
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezwww&id=64
URL des UB:
http://www.rrz.uni-hamburg.de/hamburgisches_ub
Auszug aus der Rezension:
Für eine gründliche wissenschaftliche Aufbereitung, das ist Sarnowsky klar, wäre sowohl eine stärkere zeitliche Begrenzung der aufzunehmenden Dokumente als auch eine genauere Untersuchung und eine entsprechende einleitende Präsentation der Archivalien, z.B. des Liber memorandorum (Gedächtnisstiftungen) und des Liber contractuum (Verträge, auch Eheverträge, Nachlässe) notwendig. Ohne Zweifel wäre dies eine lohnende Aufgabe, die auch im Interesse des Hamburger Staatsarchivs läge, könnte doch damit zugleich die Erstellung von online Findbüchern für die frühen Zeiträume eingeleitet werden, über die andere Archive bereits verfügen; man vergleiche etwa die online Findbücher des Hauptstaatsarchivs Stuttgart (zugänglich über http://www.lad-bw.de ) und dort z.B. speziell das von Peter Rückert 2001 erstellte Findbuch A43, Urgichten und Malefizakten für den Zeitraum 1501-1820. Derlei Vorhaben, die die Benutzung der Dokumente und die Vorbereitung von Archivarbeit ungeheuer fördern würden, scheitern bei uns jedoch zur Zeit (und besonders in der Stadt Hamburg, für deren Universität in den nächsten Jahren einschneidende Kürzungen ins Haus stehen) an den fehlenden finanziellen Mitteln. Für das Hamburger Archiv existieren bisher online nur PDF-Dokumente für die Beständeübersicht und die Findbücher zu den Beständen des Norddeutschen Rundfunks, der Eisenbahndirektion und der Gesamtregistratur der Senatskanzlei. Dabei müssten die finanziellen Mittel gar nicht besonders umfänglich sein, würden doch meist ein oder zwei Stellen von fest angestellten Mitarbeitern genügen (aber „nebenher“ können diese Aufgaben eben nicht erledigt werden, weder von Archivaren noch von Universitätshistorikern). Neben den fehlenden finanziellen Mitteln ist es die mangelnde Kontinuität sowohl der Leitung und Betreuung solcher Unternehmungen als auch des Stabes der Mitwirkenden, die derlei Vorhaben üblicherweise im Wege stehen.
Fazit: Wenn Historiker das Internet nutzen, um Quellenmaterial und die wissenschaftlichen Methoden zu dessen Aufarbeitung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist das stets positiv zu werten. Das Unternehmen des Verfassers, das er ohne äußere Unterstützung eingeleitet hat (leider ist das bei den meisten Pionierarbeiten so), ist in seinen Zielsetzungen zu begrüßen, in der Planung der Arbeitsschritte durchdacht, in der bisherigen Präsentation akzeptabel, wenn auch verbesserungsfähig. Inhaltlich hat es noch den Charakter einer beginnenden Baustelle.
Kein Geld für Stasi-Puzzle
Zu http://archiv.twoday.net/stories/102770
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die Anschubfinanzierung für die elektronische Rekonstruktion von Stasi-Akten in Höhe von 2,2 Mio. Euro nicht genehmigt.
http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/041026/politik/story711933.html
Archivalisches Waterloo?
Mit der Unauffindbarkeit der von der kommunistischen Regierung Polens am 23.8.1953 gegenüber der DDR abgegebenen Verzichtserklärung hinsichtlich von Reparationen befaßt sich die FAZ vom 30.10.2004 S. 4. Weder im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts noch in polnischen Archiven ist das Schriftstück im Original aufzufinden. Die Erklärung besteht wohl darin, dass ein solches offizielles Schriftstück nie existiert hat. Die Pressemeldung in der Parteizeitung Trybuna Ludu sei wohl das einzige, was man habe – nicht ungewöhnlich für den laxen Umgang mit Aktenschriftlichkeit in stalinistischer Zeit.
Politisches Archiv nicht forschungsfreundlich
Leser Dr. Hans-Jürgen Döscher (Osnabrück) wendet sich in der FAZ vom 25.10.2004 S. 11 gegen die Darstellung von Leserin Dr. Maria Keipert (FAZ 11.10.2004) vom Politischen Archiv, dieses habe sich stets bemüht, forschungsfreundlich zu sein. Auf eine wissenschaftliche Geschichte des Archivs habe die Forschung vergeblich gewartet. Zeitgleich wurden manche, auch ältere Sachakten dem wissenschaftlichen Benutzer als nicht “vorlagefähig” bezeichnet, weil sie sich angeblich noch im Geschäftsgang befanden für die geplante Amtsgeschichte. Erst mit dem Bundesarchivgesetz von 1988 sei es besser geworden.
Bundesarchiv erhält Akten aus Paris
Das Koblenzer Bundesarchiv hat […] wichtige Aktenbestände aus der Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg erhalten. Der Großteil der Akten sei im August 2003 bei Aufräumarbeiten im Archiv der elsässischen Stadt Colmar gefunden worden, sagte die französische Europa-Ministerin Claudie Haigneré bei einer Übergabezeremonie im Pariser Außenministerium.
Landesarchiv von Kärnten ist 100
Das Kärntner Landesarchiv feiert seinen 100. Geburtstag. Die Institution war im Jahre 1904 offiziell installiert und der Historiker August Jaksch Ritter von Wartenhorst zum ersten Archiv-Leiter bestellt worden. Heute lagern in den Räumlichkeiten in Klagenfurt rund 150 Millionen Seiten beschriebenes Papier, darunter Kostbarkeiten wie die “Millstätter Genesis”, das erste Siegel mit dem Kärntner Wappen aus dem Jahre 1253 und das Khevenhüller-Archiv.
Die ersten Spuren eines Archivwesens im Raum Kärnten gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. […] Mit der Gründung des Geschichtsvereines Kärnten im Jahr 1844 wurde das Archivwesen konsequent betrieben.
Landeshauptmann Jörg Haider (F) rief Mittwoch Abend in einer Feierstunde dazu auf, dass das Archiv weiterhin erfolgreich Widerstand gegen politische Instrumentalisierung leisten und seine stets wissenschaftlich korrekte Position beibehalten solle. Es hätte immer wieder Versuche gegeben, die Landesgeschichte umzuinterpretieren, die jeweilige Leitung des Landesarchivs habe sich jedoch nicht vereinnahmen lassen. (APA)
http://derstandard.at/?url=/?id=1825150
Keine “Jubiläums-Homepage”:
http://www.landesarchiv.ktn.gv.at
(Aber einiges zur Geschichte.)
Aktenkampf
Astrid M. Eckert: Kampf um die Akten. Die Westalliierten und die Rückgabe von deutschem Archivgut nach dem Zweiten Weltkrieg. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004. 534 Seiten, 68,- [Euro].
Kein Buch für die Fachausbildung im Archivwesen. Astrid M. Eckert betrachtet vielmehr die Verhandlungen über die Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Archivguts nach 1945 als eine aufschlußreiche Komponente im Kräftefeld der westdeutsch-westalliierten Beziehungen und der bundesdeutschen Souveränitätsbestrebungen. Sie interpretiert die Geschichte der Aktenrückgabe zunächst als Auseinandersetzung um historiographische Deutungsmacht. Soll “das Ausland” die deutsche Geschichte schreiben? Sind “die Deutschen reif” für die Akten? Welche Gefahrenherde liegen in Zugangsklauseln oder in der Duplizierung durch Mikroverfilmung? Solche zeitgenössischen Fragen greift die Autorin auf und fügt eigene Fragen hinzu: Wie aktengläubig waren die in das Rückgabethema involvierten Geschichtsschreiber und Geschichtsinteressenten? Wie reflektierten die deutschen Archivare, die so lebhaft die Rückgabe forderten, den deutschen Kulturraub im Zweiten Weltkrieg, an dem sie zum Teil selber kräftig beteiligt gewesen waren? Neben dem dezidiert geschichtspolitischen Interesse an der Gestaltung der “Aktenlage” wird auch anderes Nutzungsbegehren erkennbar; so gab es ein paar Einsprengsel britischer Wirtschaftsinteressen an Industrieakten, und manche penible Lagekarte des Generalstabs erfreute sich in den fünfziger Jahren jenseits des Atlantiks wieder aktiver Benutzung.
Sodann fragt die Autorin nach der Relevanz der Akten für die Formierung der Deutschland-Geschichtsschreibung in den beteiligten Ländern, vor allem aber für die Anfänge der westdeutschen Zeitgeschichtsforschung. Sie beleuchtet Bezüge zwischen den Rückgabeverhandlungen und der Gründung des Bundesarchivs und des Instituts für Zeitgeschichte sowie der Wiedergründung des Politischen Archivs des Auswärtigen Amts. Nebenbei gelingt ihr eine präzise Darstellung der Nazifizierung und Entnazifizierung deutscher Archivare, ihrer Abwehrstrategien im “Fegefeuer der Entbräunung” (wie es im kollegialen Schriftverkehr hieß) und ihrer nahezu ungebrochenen Kontinuität. […]
Das Buch von Frau Eckert liest man wegen der spannend erzählten Passagen und der eleganten Formulierungen mit Vergnügen. […] Dieses Buch ist ganz und gar mit dem Methodenarsenal der alten Zeitgeschichte geschrieben – und gerade deshalb so vorzüglich.
meinte Hans Günter HOCKERTS in der FAZ vom 8. Oktober 2004 S. 8
Archive arbeiten totalitäre Vergangenheit auf
Der Vortrag auf dem Wiener Archivkongress von Präsident Weber (Bundesarchiv) zur Aufarbeitung der NS- und DDR-Geschichte ist im Volltext (PDF) online unter:
http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/stab/1.pdf
Mitteilungen aus dem Bundesarchiv 2004/1 online
http://www.bundesarchiv.de/aktuelles/aus_dem_archiv/mitteilungen/index.html
Die Hauszeitschrift enthielt immer wieder wichtige Beiträge, war aber eigentlich nie so richtig für die Öffentlichkeit bestimmt, eher “graue Literatur”. Nun ist sie mit 2004/1 endlich im Online-Zeitalter angekommen. Die einzelnen Beiträge liegen als PDFs vor.
Die “Mitteilungen” erscheinen seit 1993 ab 2004 mit zwei Druckausgaben pro Jahr und stehen jetzt auch online zur Verfügung.
Bei Fragen zu den “Mitteilungen”, steht Ihnen Frau Gisela Müller, Tel. 0261 – 505 221, zur Verfügung.
[Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern]
[Der Zentrale Kaderdatenspeicher des Ministerrates der DDR]
[Die überregionale Erschließung personenbezogener Quellen zu Angehörigen der Wehrmacht, Luftwaffe und Waffen-SS]
[Aus der Arbeit der Projektgruppe Rationalisierung der Bewertung in der Abteilung B]
[Erwerb und Bestandsbildung der Zeitgeschichtlichen Sammlung – ein Überblick]
[“Archivwesen” im Bundesnachrichtendienst und Bestand B 206 im Bundesarchiv]
[Findbuch zum Bestand DP 3 – Generalstaatsanwalt der DDR (1949-1990)]
[Bewertung und Erschließung als Teamarbeit. Arbeitsbericht über die Anfertigung eines Findbuches zum Bestand DH 1]
[Erschließung des Bestands Pers 14 – Generale und Admirale der Nationalen Volksarmee]
[Alain-Fournier und das Bundesarchiv-Militärarchiv]
[Verwendung von Mitteln aus dem Restvermögen des FDGB von Unterlagen gewerkschaftlicher Provenienz]
[“Unbekannte Archive”: Deutsches Kabarettarchiv]
[Bundesarchiv – Statistik 2003]
Digitale Erschließung und Edition. Archivische Dienstleistungen im Informationszeitalter
Der Tagungsbericht ist online unter
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=585
Auszug:
“Die Frage der Kostenfreiheit der vorgeführten Angebote wurde aufgeworfen. Aufgrund der DFG-Förderung und der Tatsache, dass persönliche Benutzung im Lesesaal in der Regel kostenfrei ist, bleiben auch die Online-Angebote kostenlos.”
Auch auf dem Münsteraner Kolloquium vergangenen Dienstag griff Bundesarchiv-Präsident Weber das Stichwort “Open Access” auf und unterstrich, dass er sich für eine kostenfreie Präsentation eingesetzt habe. Demnächst würden auch eine Masse neuer Wochenschaufilme kostenfrei eingestellt.
Gar nicht geheim
„Tag der Archive” im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin
Nachricht vom 23.09.2004 Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare hat alle Archive in der Bundesrepubik Deutschland zur Gestaltung eines “Tages der Archive” am Samstag, 25. September 2004, aufgerufen. Die Aktion findet nach 2001 zum zweiten Mal statt. Sie soll interessierten Bürgerinnen und Bürgern Entdeckungsreisen durch Kulturinstitutionen ermöglichen, die sonst eher im Ruf stehen, verschlossen zu sein. Umso mehr wollen die Archive ungewohnte Einblicke in ihre Arbeitswelten geben und damit die Neugier potenzieller Benutzer wecken. So wird die Aufgabe eines jeden Archivs an seinem Ort und in den Grenzen seiner Zuständigkeit transparent: Geschichte in ihren Schriftzeugnissen retrospektiv erfahrbar zu machen – durch das Bewahren, Erhalten und Erschließen dieser Schriftzeugnisse.
Im Kontrast zu anderen Staatsarchiven geht dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz der Ruch des Secreten in seinem singulären Namen per se voraus. “Warum seid gerade ihr ‚geheim’”, lautet die meistgestellte Frage von Passanten und Besuchern an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses an der Dahlemer Archivstraße – während die Benutzerinnen und Benutzer, die dort täglich ihre Akten studieren, längst wissen, dass sich das ehrwürdige ehemalige “Preußische Geheime Staatsarchiv” engagiert darum bemüht, eine moderne und für jedermanns Anliegen aufgeschlossene Dienststelle im kulturellen Service-Sektor zu sein. Allerdings steht die Arbeit mit dem Archivmaterial unter bestimmten inhaltlichen und formalen Vorgaben, die den Umgang mit den Quellen oft erschweren und eben so geheimnisvoll, wo nicht unmöglich machen.
Rainer Maria Rilke hat dieses Problem vor genau hundert Jahren auf den Punkt gebracht: in einem Familienarchiv fühlte er einmal “in allen Nerven die unmittelbare Nähe von Schicksalen, das Sichregen und Aufstehen von Gestalten, von denen nichts mich trennte als die alberne Unfähigkeit, ältere Zeichen zu lesen und zu deuten und Ordnung zu schaffen” (an Lou Andreas-Salomé, 3. Mai 1904).
Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz hat daher bei der Gestaltung seines Beitrags zum diesjährigen “Tag der Archive” einen besonderen Akzent gesetzt: “Gebrauchsanleitung für archivische Handwerkszeuge. Zugänge zu wichtigen Quellen der brandenburg- preußischen Geschichte” soll das Thema sein. Unter dieser Vorgabe werden am 25. September 2004 zwischen 9.30 und 16 (Einla-Schluss: 15.30) drei Standard-Archivführungen (um 10, 12 und 14 Uhr) angeboten; ebenso drei Sonderführungen durch die Ausstellung “Brandenburg, Preußen und Europa. Gegenseitige Einflüsse vom 13. bis ins 20. Jahrhundert” (um 11, 13 und 15 Uhr). Darüber hinaus bieten sich ständig verschiedene Anlaufstationen und Aktionen zum Besuch an: “Archivalien suchen und finden”: Archivische Findtechniken vom Findbuch zur Website; “Archivalien lesen und verstehen”: Archivisches ABC vom Erschließen zum Auswerten schriftlicher Quellen; “Archivalien sehen und bestaunen”: Zimelien-Ausstellung mit Höhe- und Tiefpunkten aus sechs Jahrhunderten brandenburg-preußischer Geschichte; “Archivalien selber machen”: Kinder malen Ritter-Wappen, schreiben wie die Urgroßmutter, hören von Prinzen-Alltag und Kinderarbeit in vergangenen
Zeiten.
Weiterhin lädt ein Büchertisch mit Verkaufsangeboten zu reduzierten Preisen und Gratis-Abgaben zum Stöbern ein.
Quelle: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
weitere Informationen im Internet:
http://www.gsta.spk-berlin.de