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Papst sieht Missbrauch eher als menschliches, weniger als systemisches Problem

https://katholisch.de/artikel/70654-papst-leo-xiv-und-das-systemische-am-missbrauch

Hildegund Keul schildert die Reaktionen, als die Äußerung des Papstes auf einer Fachtagung bekannt wurde.

„In einer Pause beugten sich Betroffene, Forschende und Betroffen-Forschende über ihre Handys und reagierten mit einer Mischung aus Enttäuschung, Empörung, Verletzung, Wut, Nicht-Glauben-Können. Wie kann der Papst so etwas sagen? Ist das nicht erneut Vertuschungsvulneranz, die die Ritualmacht des päpstlichen Pressestatements nutzt, um das Ausmaß von Missbrauch und Vertuschung zu verschleiern?

Spätestens seit den 1960er Jahren war Ausmaß bekannt

Die Emotionen waren auch deshalb so stark, weil sich bei der Tagung das Abgründige der Verbrechen erneut gezeigt hatte. Auch den meisten Forschenden waren jene Erkenntnisse zuvor unbekannt, die die französische Kirchenhistorikerin Agnès Desmazières 2024 in ihrem Buch “Sans Loi ni Foi” (“Ohne Gesetz und ohne Glauben”) publiziert hatte. Desmazières stieß während eines Forschungsaufenthalts an der US-amerikanischen Universität Berkeley in den lateinischen Akten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) auf einen kurzen Text, der eine Verschärfung der Strafen für sexuellen Missbrauch an Minderjährigen vorschlug. Hellsichtig erkannte sie dessen Bedeutung: “Spätestens seit den 1960er Jahren war das Ausmaß der Pädokriminalität unter Priestern den kirchlichen Behörden bekannt!”, schreibt sie in ihrem Buch. Daraufhin begab sie sich – ganz Kirchenhistorikerin – in die Archive des Vatikans. Dort entdeckte sie viel mehr, als sie selbst befürchtet hatte. Zu den Taten, die eventuell mit schärferen Strafen zu belegen wären, gehörte nicht nur ein unfassbares Ausmaß sexueller Verbrechen an Kindern, sondern auch an Frauen, das heißt an Ordensfrauen, Witwen, Hausangestellten, Katechetinnen, Beichtenden.“

Das erwähnte Buch liegt leider nur auf Französisch vor.

Studie zu Vorwürfen physischer, psychischer und sexueller Gewalt am Studienseminar St. Michael in Traunstein (1960 bis 1990)

https://www.iss-ffm.de/aktuelles/pressemitteilung-bildungschancen-und-gewaltvolle-paedagogik-aufarbeitungsstudie-zu-den-jahren-1960-1990-im-studienseminar-st-michael-veroeffentlicht mit Link zur Studie

Missbrauch im Bistum Trier

4. Zwischenbericht als PDF https://aufarbeitung.uni-trier.de/

Explicit:

Die systematische Verdrängung der vielen Schattenseiten des „Klerikalismus“ gehört vermutlich zu den wichtigsten Ursachen dafür, dass vor allem Intensivtäter eine so schreckliche Spur sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen im Bistum Trier in diesen Jahrzehnten anrichten konnten. „Vertuschung“ ist in diesem Fall nur die Spitze eines strukturellen Zusammenhangs von Verdrängung, Ignoranz und Doppelmoral.

https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/trier/zwischenbericht-zu-sexuellem-missbrauch-im-bistum-trier-unter-bischof-bornewasser-und-bischof-wehr-100.html

Geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften

Open Access https://www.aschendorff-buchverlag.de/digibib/?digidownload&tid=25270

„Diese Studie untersucht am Beispiel von zwei Geistlichen Gemeinschaften im Bistum Osnabrück und der Diözese Münster grundlegende Fragen dieses Phänomens Welche Voraussetzungen lassen geistlichen Missbrauch entstehen, welche Praktiken und Mechanismen zeichnen ihn aus und halten ihn aufrecht? Welche theologischen Überzeugungen und anthropologischen Konzepte begünstigen ihn? Wie sind die Bistumsleitungen mit den Gemeinschaften und entsprechenden Vorwürfen umgegangen?
Die Studie ist als praktisch-theologische mit einem qualitativ-empirischen, pastoral- zeitgeschichtlichen und einem archivalischen Zugang angelegt.“

Zur einen Gemeinschaft wurde ein Wikipedia-Artikel gelöscht:

https://de.everybodywiki.com/Christusgemeinschaft#google_vignette

Dank eines ausgeprägten Anonymisierungswahns hat die Studie aus meiner Sicht keinerlei wissenschaftlichen Wert.

Dazu auch das anwaltliche Drohschreiben:

https://media-kanzlei.com/anonymisierte-stellungnahme-mk-4118/

Urbar D des Zisterzienserstiftes Rein 1395 online

https://archiv.graz-seckau.at/actaproweb/document/Vz_2855c31c-217e-41eb-96fa-178944db5ad5

Bei anderen Amtsbuchdigitalisaten zickt der Viewer. Eine Übersicht der sehr vielen Digitalisate (nicht nur von Amtsbüchern) habe ich nicht gefunden.

Von den Schreibkalendern in Abteilung XIX stammt der älteste von 1615:

https://archiv.graz-seckau.at/actaproweb/document/Vz_1903f8d1-ee35-4fb4-9cf8-f7ad90dbf4c9

Archivkunde studieren im Vatikan: Ein Job für das Gedächtnis der Kirche

https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2026-07/archivkunde-studieren-im-vatikan-ein-job-fur-das-gedachtnis-der.html (Danke an JMN)

Die Päpstliche Schule für Paläographie, Diplomatik und Archivwissenschaft im Vatikan bildet seit bald 150 Jahren Fachleute aus, die die Geschichte der Kirche erschließen und bewahren.

Die Diözesen Konstanz, Augsburg, Basel, Speier, Worms nach ihrer alten Einteilung in Archidiakonate, Dekanate und Pfarreien

Das Buch von Thudichum 1906 ist aus meiner Sicht völlig veraltet:

https://doi.org/10.3931/e-rara-149066

Es fehlt für die Bistümer des Alten Reichs eine moderne Zusammenstellung. Wikipedia und Genwiki fallen aus, ChatGPT und Gemini halluzinieren bei entsprechenden Fragen. Für Baden-Württemberg bietet LEO BW keine Angaben zur kirchlichen Zugehörigkeit. Für Württemberg ist nach wie vor Hoffmann 1932 relevant. Die Quellen auf dem Stand von 1972 weist Meinrad Schaabs Beiwort zur Karte über die kirchliche Gliederung nach (PDF).