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Eine Fälschung Bodmanns zur Lepraschau in Winkel 1492

Werner Friedrich Kümmel hat 1987 in seinem sehr lückenhaften Verfasserlexikons-Artikel über den 1509 in Mainz gestorbenen Arzt Albrecht Münsinger unter “Ausgaben” nur das angeblich von Münsinger gemeinsam mit den Mainzer Professoren Dietrich Gresemund und Peter von Viersen verfasste Leprazeugnis vom 6. Oktober 1492 aufgeführt.

http://www.libreka.de/9783110107548/415

Das Original sei verschollen. Abdruck bei Bodmann: Rheingauische Alterthümer … 1 (1819), S. 198

http://books.google.de/books?id=Jtk-AAAAcAAJ&pg=PA198

(Deutsche Zusammenfassung in Strambergs Rheinischem Antiquarius:

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.39015014662848;seq=466 )

Angeblich erschien die Frau Notburgis von Winkel im Rheingau vor der medizinischen Fakultät in Mainz und wurde gesund gesprochen. Ebenso wie die folgende Verordnung Erzbischof Bertholds von Mainz an die Mainzer medizinische Fakultät 1493 handelt es sich, wie man seit langem wissen könnte, um eine der vielen Fälschungen aus der Feder von Franz Joseph Bodmann. [ http://archiv.twoday.net/stories/97064349 ]

Gottfried Zedler konnte in seinen Kritischen Untersuchungen zur Geschichte des Rheingaus (1921, zugleich Nassauische Annalen 41), S. 43f. zeigen, dass Bodmann eine von Arnoldi 1798 (nicht online [7.10.2023 UB Augsburg]) abgedruckte Kölner Urkunde von 1486 als Vorlage benützt hat.

http://hdl.handle.net/2027/uc1.b2913196?urlappend=%3Bseq=63 (US)

Schaus nannte dieses Ergebnis in seiner sonst durchaus sehr kritischen Besprechung von Zedlers Arbeit “schlagend” (Histor. Vierteljahrschrift 1920, S. 473: frech nachgemacht):

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=inu.30000115818126;seq=485 (US)

[bzw. https://archive.org/details/historische-vierteljahrschrift-20.1920-21/page/473/mode/2up (7.10.2023). Siehe nun http://archiv.twoday.net/stories/97064148 – 7.10.2023 https://doi.org/10.11588/diglit.60615#0063]

2002 rezipierte Stephanie Irrgang die Fälschung (nach Terhalle):

http://books.google.de/books?id=kKvMtohKB38C&pg=PA232

Sie war keinesfalls die einzige, wie eine kurze Google-Suche zeigt:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=1492+gresemund+winkel

Wie ignorant kann man eigentlich sein? Der neue Mainzer Professorenkatalog (Stand: vermutlich 2017) fällt auf die Fälschung herein.

Fälschungen in Archivalia:
http://archiv.twoday.net/stories/96987511

#forschung

Lauterbachs Ausgabe des Oberrheinischen Revolutionärs ist online

http://www.dmgh.de/de/fs1/object/display/bsb00066361_00002.html

Asche über mein Haupt, dass ich meiner Rezensentenpflicht in Archivalia noch nicht nachgekommen bin. Aber da die Ausgabe wirklich gravierende Mängel hat, war eine gründliche Befassung angesagt und dann blieb die Arbeit – wie so manches andere – leider liegen.

Immerhin könnte die Volltextsuche die eklatanten Lücken des Registers in gewissem Maße ausbügeln. Wenn es sie denn gäbe 🙁

Niklashausen findet man in der dmgh-Volltextsuche nicht.

Übrigens übergeht nicht nur Lauterbachs Ausgabe meinen Aufsatz von 1988, in dem ich ausführlich auf den Oberrheiner eingehe, sondern – gewohnt mies – auch die “Geschichtsquellen”.

Update:
http://archiv.twoday.net/stories/219045545

Christian August Vulpius über das Beilager Johanns des Beständigen mit Sophia von Mecklenburg (1500)

In http://archiv.twoday.net/stories/96984948 schrieb ich

“Bericht über die Hochzeit Johanns des Beständigen in Torgau. Curiositäten IV, 163 ff. Sicher nicht von Spalatins Hand (dieser war noch zu jung), wie Vulpius sagt:

http://books.google.de/books?id=yWswAAAAYAAJ&pg=RA1-PA175

Ob die Festbeschreibung von Beust 1797 die Vorlage war? Die Angaben gehen jedenfalls auf einen zeitgenössischen Bericht zurück, der zitiert und verwertet ist im Aufsatz von Burkhardt 1894:

https://archive.org/stream/neuesarchivfur15sach#page/282/mode/2up

Anne-Beate Riecke war so freundlich, der Sache nachzugehen, wofür ihr herzlich gedankt sei.

“Vulpius bezieht sich mit der Formulierung in den Curiositäten IV, 163 (“Aus Spalatin’s Handschrift”) auf eine handschriftliche Materialie aus Spalatins früherem Besitz oder auf einen von dessen Materialbänden. Den “Originalbericht” von 1500 hat Spalatin sicher noch nicht selbst geschrieben, aber wenn es sich bei dem Vulpius vorliegenden Bericht um eine Abschrift für Spalatin handelt, ist wieder alles möglich: Sie kann ein Spalatin-Autograph sein – oder auch nicht.

Ein Bericht über das Beilager Johanns des Beständigen mit Sophia von Mecklenburg findet sich auch tatsächlich in einem der Materialbände, nämlich in ThHStA Weimar, EGA, Reg. O 24, 46r-69v (= Inserat II, von einer Hand aus Spalatins Umfeld bzw. dem des kursächsischen Hofes), im Band von Frau Meckelnborg und mir S. 531f. kurz beschrieben.”

Zu dem erwähnten (teuren) Band:
http://archiv.twoday.net/stories/75241623

Der “Vulpius-Text ist tatsächlich eine kürzende Bearbeitung (mit wörtlichen Anklängen) des Beilager-Berichts aus ThHStA Weimar, EGA, Reg. O 24, 46r-69v, wie er bei Burkhard Gotthelf Struve: Neu-eröffnetes historisch- und politisches Archiv … Teil 3, Jena 1719, S. 48-99 abgedruckt ist.

Auf was diese Bearbeitung allerdings zurück geht, ob direkt auf das Inserat in Reg. O 24, auf den Druck von Struve (der einleitend darauf verweist, dass seine Quelle von Schlegel unter den Mss. Spalatini aufgeführt wird), oder auf eine andere, auf Reg. O 24 beruhende Zwischenstufe von Spalatin – ein sehr weites Feld, und eine Frage, die ich ohne die Handschrift nicht entscheiden kann.”

Struve III, 48ff. ist online:

http://books.google.de/books?id=y4VMAAAAcAAJ&pg=PA46

Die etwas entlegene Publikation von Gerhard Pietzsch: Die Beschreibungen deutscher Fürstenhochzeiten von der Mitte des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts als musikgeschichtliche Quellen, in: Anuario Musical 15 (1960), S. 21-62, hier S. 34 Nr. 8 registriert den Vulpius-Bericht.

Zur Quellenkritik der Beschreibungen des Ansbacher Turniers 1485

In Ansbach fand vom 15. bis 18. Mai 1485 ein sogenanntes Vierlandeturnier statt, über das mehrere Turnierbeschreibungen ausführlich berichten. Es wird nun darum gehen 1. die fehlerhaften Zuordnungen der Turnierer zu Turniergesellschaften in den Editionen (zuletzt: Thumser 2002, Stamm 1986) der Aufzeichnungen von Ludwig dem Älteren von Eyb und seines Sohns Ludwig des Jüngeren aufzudecken; 2. den Quellenwert der Beschreibung im Rüxnerschen Turnierbuch einzuschätzen und 3. das in seiner Authentizität umstrittene Eptinger Hausbuch als weitere von Rüxner wahrscheinlich unabhängige Quelle, die auf eine alte Aufzeichnung zurückgeht, zu erweisen.

Hans H. Pöschko: Turniere in Mittel- und Süddeutschland von 1400 bis 1550. Katalog der Kampfspiele und der Teilnehmer. Diss. Stuttgart (Mikrofiche) 1987, S. 111f. hat die ihm bekannten Quellen zum Ansbacher Turnier zusammengetragen. In Betracht kommen hier nur die längeren Beschreibungen bei Rüxner (Pöschko lit. a), Ludwig von Eyb dem Jüngeren (lit. b), aus Raidenbuchers Turnierbuch (lit. c), bei Ludwig von Eyb dem Älteren (lit. g) und im Eptinger Hausbuch (lit. f).

Die übrigen zeitgenössischen Quellen sollen nur kurz aufgelistet werden.

Die 1515/16 niedergeschriebene Familienchronik des fränkischen Ritters Michel von Ehenheim (Pöschko lit. d) ist zu benutzen in der Ausgabe von Sven Rabeler: Das Familienbuch des Ritters Michel von Ehenheim (um 1462/63–1518). Frankfurt am Main 2007. Die Stelle zum Ansbacher Turnier S. 67f. Digitalisate der älteren Ausgaben:
http://de.wikisource.org/wiki/Michel_von_Ehenheim
Ausgabe von Christian Meyer:
https://archive.org/stream/ZeitschriftFrDeutscheKulturgeschichte1-1891#page/n135/mode/2up

Siegmund von Gebsattels “Turnierbüchlein” (Pöschko lit. e) zu 1484-1487 (überliefert im Cgm 300, 1484-1487 http://www.handschriftencensus.de/9559 ) wurde im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit NF 1 (1853/54), Sp. 67-69 ediert:
https://archive.org/stream/anzeigerfurkunde01germ#page/n53/mode/2up
Zum Text vgl. Gundolf Keil in ²VL 8 (1992), Sp. 1207f.

Die Aufzeichnung über den Streit zwischen Graf Eberhard im Bart von Württemberg und Graf Hans von Sonnenberg (Pöschko lit. h) wurde von Hans von Aufseß im Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1 (1832), Sp. 214-216 aus einer Vorlage im Hauptstaatsarchiv Stuttgart abgedruckt (alte Signatur ebd., Sp. 69 angegeben, das Stück habe ich im elektronischen Findbuch nicht gefunden):
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/277766
[“befindet sich heute im Bestand A 186 (Grafen von Sonnenberg), Bü 1, fol. 4-5.” Auskunft des Archivs, 13. Juli 2012.]

In der Ausgabe der Politischen Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles durch Felix Priebatsch Bd. 3, Leipzig 1898 beziehen sich fünf Schriftstücke (Pöschko lit. i, k nennt nur zwei) auf das Ansbacher Turnier: S. 372 Nr. 1058
https://archive.org/stream/politischecorre01priegoog#page/n373/mode/2up
S. 381 Nr. 1065 sowie drei bei Nr. 1058 erwähnte Schreiben.

2002 gab Matthias Thumser “Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502). Schriften” heraus, in denen er auch “Mein Buch” des ansbachischen Politikers edierte. Dieses nicht erhaltene Amtsbuch war die Grundlage von Staatsarchiv Nürnberg, Fürstentum Ansbach, Herrschaftliche Bücher Nr. 17 (angelegt 1492). Die Beschreibung des Ansbacher Turniers in dieser Vorlage Bl. 84v-93v steht bei Thumser S. 383-401. Wer Thumsers Edition nicht zur Hand hat, kann mit den älteren Ausgaben vorlieb nehmen, die digitalisiert vorliegen.
– Christian Meyer 1904
https://archive.org/stream/quellenundforsc13unkngoog#page/n220/mode/2up
– Schnitzlein 1774
http://books.google.de/books?id=xvM-AAAAcAAJ&pg=PA318
– Jung 1739
http://www.bsb-muenchen-digital.de/~web/web1001/bsb10016194/images/index.html?digID=bsb10016194&pimage=382

1510 ist “Raidenbuchers Turnierbuch” datiert, das nur durch den auszugsweisen Abdruck Gumppenbergs bekannt ist:
http://archiv.twoday.net/stories/83809128
Der Inhalt geht auf Hans Judman zurück, der am Ansbacher Turnier selbst teilnahm (Stamm, wie unten S. 51f.). Zum Ansbacher Turnier: S. 113-123
http://books.google.de/books?id=LeUSAAAAYAAJ&hl=de&pg=PA113

Sowohl als Digitalisat als auch in der Ausgabe von Heide Stamm – Das Turnierbuch des Ludwig von Eyb (cgm 961), Stuttgart 1986, hier S. 174-185 – liegt das Turnierbuch von Ludwig Eyb dem Jüngeren von 1519 vor. Bl. 80v-92r zum Ansbacher Turnier.
Zur Ausgabe Stamms siehe http://archiv.twoday.net/stories/83809128
Münchner Digitalisat:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00038996/image_168

Ein Digitalisat der Erstausgabe von Georg Rüxners Turnierbuch (Simmern 1530) wird womöglich noch lange auf sich warten lassen [1 Jahr später ist es bei Google ex ÖNB Wien: ?p=7104. Ich benutze daher das Digitalisat der Ausgabe von 1532. Das Ansbacher Turnier ist bei Rüxner das 33. seiner (überwiegend erfundenen) Turniere:
http://www.dilibri.de/rlbdfg/content/pageview/324668

Auf das Eptinger Hausbuch oder Familienbuch der Herren von Eptingen wird noch näher einzugehen sein. Die Ausführungen zum Ansbacher Turnier sind – in mäßiger Qualität – ediert bei Dorothea A. Christ: Das Familienbuch der Herren von Eptingen. Kommentar und Transkription, Liestal 1992, S. 386-390 nach einer Handschrift von 1621 in Schweizer Privatbesitz.
Siehe auch
http://de.wikisource.org/wiki/Burgunderkriege#Ludwig_von_Eptingen

Am 15. November 2011 erhielt ich eine Mail von Dr. Mario Müller über eine geplante Publikation, in der es heißt: “Der Ansbacher Stadtarchivar, Werner Bürger, wird einen kleineren Beitrag zum Ansbacher Turnier unter Albrecht Achilles im Jahr 1482 verfassen, da die entsprechende Beschreibung des Turniers in seinem Haus aufbewahrt wird.” Über diese Quelle ist mir noch nichts bekannt. [Am 23. Juli 2012 erreichte ich den Ansbacher Stadtarchivar, der eine entsprechende Anfrage per Mail unbeantwortet gelassen hatte, und dieser teilte mir mit, dass es sich nicht um eine Turnierbeschreibung handle, sondern um eine Stallungsliste (Liste der Ansbacher Bürger mit Angabe der Anzahl der Pferde, die sie von den Turniergästen unterstellen mussten), die in einem Sammelband des 18. Jahrhunderts überliefert sei.]

1. Fehlzuordnungen von Überschriften in “Mein Buch” Ludwigs von Eyb des Älteren

Das Missverständnis beginnt bereits bei Ludwig von Eyb dem Jüngeren, wenn nicht schon in der Abschrift von “Mein Buch” in der Handschrift von 1492. Ärgerlicherweise ist die derzeit maßgebliche Edition von Thumser genauso gedankenlos verfahren wie alle vorherigen, obwohl man bei genauem Hinschauen vergleichsweise schnell bemerkt, dass mit den Zuordnungen der Turnierer zu Rittergesellschaften in den Abschnitten “item dise sein geordnet worden auß den vier landen, kuntschafft zu hören” (Entscheidung über die Zulassung, Thumser S. 395-397) und “item dise hernach geschriben sein zu dem teyll geordent” (Helmteilung, S. 397-398) etwas nicht stimmen kann. Bayerische Ritter erscheinen etwa als Schwaben (obwohl sie in einem vorhergehenden Abschnitt Thumser S. 392 richtig eingeordnet sind), Wilhelm von Urbach ist einmal angeblich König von Fisch und Falken, bei der zweiten Nennung aber König der Einhörner.

Ludwig der Jüngere von Eyb (Stamm S. 182), der den gleichen Text wie sein Vater bietet, wollte natürlich nicht akzeptieren, dass eindeutig fränkische Ritter in der Überschrift als Bayern erscheinen und hat das Bayern der Vorlage (Thumser S. 396) in Franken geändert. Thumser hat diese Verschlimmbesserung übernommen und bayern in Franncken geändert, obwohl ihm seine textkritische Anmerkung auf S. 398 “Überschrift steht nach den Personeneinträgen” eigentlich zu denken hätte geben müssen. Es handelt sich nämlich um Unterschriften, nicht um Überschriften. Die Namen der Rittergesellschaften stehen in den beiden genannten Abschnitten also unter den Listen der Teilnehmer.

Es ist also zu lesen (S. 395)
“Graff Jorg von Werdenberg
Cunrat von Schellenberg ritter
Burckhart von Ellerbach
Heintz von Zulnhart
Auß der geselschafft Visch und Valcken”

Dann ist Wilhelm von Urbach (in Thumsers Register falsch bei Auerbach eingeordnet) König der Gesellschaft im Leidbracken. Die richtigen Zuordnungen hat Raidenbuchers Turnierbuch, wo unter den Schwaben S. 113 als erste die Leidbracken-Gesellschaft erscheint mit ihrem König Wilhelm von “Awrbach” (Horst Carl, Der Schwäbische Bund, 2000, S. 107 Anm. 237 erwähnt ihn auch als solchen, ebenso in: Gelungene Anpassung? 2005, S. 47).

Raidenbuch hat also – in anderer Reihenfolge – die richtigen Zuordnungen, desgleichen das Eptinger Hausbuch, in dem ebenfalls Wilhelm von “Urbach” als Leidbracken-König fungiert. Auch bei Rüxner ist Wilhelm von “Aurbach” König der Gesellschaft Bracken und Kranz.

In beiden angegebenen Abschnitten muss man also die unter den Namen stehenden Gesellschaften für die Zuordnung nutzen, um die verhängnisvolle Druckanordnung Thumsers, die vermutlich der Handschrift folgt, zu berichtigen.

2. Rüxner als Redaktor

Wie die wörtliche Übereinstimmung der Einleitung bei Rüxner mit der Einleitung bei Thumser S. 384 zeigt, lag ihm eine Fassung des bei Eyb d. Ä. und Eyb d. J. gegebenen Berichts vor, während Raidenbuchers Turnierbuch so sehr abweicht, dass ich anders als Thumser nicht von einer “anderen Redaktion” sprechen möchte.

Rüxner hat die einzelnen Abschnitte anders angeordnet und mit kurzen eigenen überleitenden Texten versehen. Rüxners Gliederung ist chronologisch und auch sonst schlüssiger. Erst kommt die Liste der Verordneten, die über die Zulassung entscheiden sollten (Kundschafts-Hörer), dann die Liste der Helmteiler (beide sind, wie eben gezeigt, bei Thumser in Unordnung geraten), gefolgt von der Angabe derjenigen, die an den Seilen standen, und der Grieswertel. Auf diese “Amtsträger”-Listen folgt eine Aufzeichnung über die Zulassung (Bl. 194r), die mit Thumser S. 393 zu vergleichen ist. Das Eptinger Hausbuch S. 389 entspricht mit wenigen Ausnahmen Eyb d.Ä., während Raidenbucher wieder abweicht (S. 122f.). Nur Rüxner hat die Dreiteilung Beweisführende, Ausgebliebe und Zugelassene, wobei die drei Ausgebliebenen nur bei ihm zu finden sind. Seine Angaben scheinen zuverlässig zu sein.

Bei Rüxner folgen nun noch die Teilnehmerliste der Helmschau, die Namen der Herolde, das Verzeichnis der Damen, Angaben über das Gesellenstechen und den abschließenden Tanz mit Ritter- und Stechdank.

Ein grober Fehler Rüxners ist die Angabe derjenigen, die zu Blatt getragen wurden. Eyb d. Ä./J. und Raidenbucher haben ganz andere vier Namen. Einige Fehlzuordnungen gibt es bei den Rittergesellschaften. Die Kronen-Mitglieder erscheinen fälschlich als Bracken-Mitglieder, Steinbock und Wolf sind verwechselt, die Einhörner stehen anders als Rüxner angibt nicht unter den Franken, sondern sind die von ihm als Bär und Fürspang bezeichnete Gruppe. Im Verzeichnis der Helmschau sind die Bayern falsch als Franken rubriziert.

Abgesehen von kleinen Zusätzen bei den Namen und dem erwähnten Sondergut zur Zulassung erübrigt sich somit eine Verwertung Rüxners als Faktenquelle. Rüxners fehlerhafte Zuordnungen sollten davor warnen, seine Angaben zu anderen Vierlande-Turnieren, bei denen es keine zeitgenössischen Berichte gibt, unkritisch zu übernehmen.

3. Zum Eptinger Hausbuch

Ich möchte vorausschicken, dass ich an meiner Skepsis hinsichtlich der Annahme einer einzigen spätmittelalterlichen Vorlage des Eptinger Hausbuchs festhalte:
http://swbplus.bsz-bw.de/bsz031802702rez.html
http://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=h-museum&month=0110&week=&msg=pxJa91%2bAD%2btCu2X9p99W7w&user=&pw=

Aber da gerade im Bereich des Turnierwesens authentische spätmittelalterliche Dokumente in dem am Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Familienbuch der Herren von Eptingen verarbeitet wurden, ist eine übertriebene Vorsicht nicht am Platz. Offenbar liegt in dem Familienbuch eine stark gekürzte Fassung eines der Version von Eyb d.Ä./d.J. nahestehenden Berichts vor. Das Sondergut (S. 386: 305 Helme, S. 389 Notiz zu den Neuzugelassenen, S. 390 3800 Pferde) scheint mir unverdächtig. Als einzige Quelle bietet das Hausbuch S. 388 der offenbar gemeinsam auftretenden Bären und Fürspänger, wobei zwei Turnierer den Fürspängern zugewiesen werden, 12 Namen aber den Bären. Wenn die Bären dem Ansbacher Hof besonders nahestanden, ist das durchaus denkbar.

Nun gab es handschriftliche Rüxner-Register und einem sehr kundigen Bearbeitet wäre es womöglich auch ohne ein solches Hilfsmittel möglich gewesen, die Rüxnerschen Fehlzuordnungen von Rittergesellschaften für das Hausbuch auszubessern. Aber hätte ein solcher genialer Redaktor dann nicht auch einen Rüxner-Druck herangezogen, um die Namensentstellungen zu emendieren?

Da sich das Hausbuch an Listen hält, die auch Rüxner vorlagen, kann man bei Annahme eines genialen Redaktors nicht ohne weiteres die Eigenständigkeit des Hausbuchs erweisen. Der Redaktor hätte dann aber den in den Quellen sonst nicht auftauchenden Zusatz bei Kunz von Aufseß “zue Wolckhenstein” aus einem anderen Rüxner-Abschnitt einfügen müssen. Und er hätte auch bei den Herolden/Gesellschaftsknechten die ursprüngliche Reihenfolge Burggraf (Persevant, Knecht im Bär) wiederherstellen müssen, denn Rüxner ordnet hierarchisch, erst den Kündiger der Wappen (Hausbuch wie Eyb d.Ä./d.J.: König der Wappen), dann Burggraf, der aufgrund des Veranstalters – er war wohl auch markgräflicher Herold – in den Eyb-Handschriften an erster Stelle steht.

Die Liste auf Bl. 227v des Hausbuchs lautet (Christ S. 389f.):
“item Hanß Burggraf Persenant Knecht Im Beren, ein Kunig der Woppen.
Item ein König der Woppen auß dem Niderlandt.
Item ein Persenant der Gesellschafft Im Steinbockh
Item Hanß Monfort Psenant im falckhen undt Fisch genannt Pfaffhanß. [S. 390]
Item Utz Holffenstein Persenant Im Leytbrackhen.
Item Dummer Muot Knecht Im Steinbockh
Item Lazarus Beham Knecht Im Eßell
Item Manng Grünnenwaldt Knecht Im Landt zue Beyern.
Item Hannß Frey ein nachvolger der Wappen.”

Mein Buch Bl. 89v (Thumser S. 393f.) hat:
“Item Hans Burgraff, persevant knecht im Bern [zu Recht nach Eyb dem Jüngeren emendiert aus: in bayern]
Item ein kunig der wappen auß dem Nyderland, ein persevant der geselschafft des Steynpocks
Item Hans Monfart, persevant im Visch und Valcken, genant Pfaff hans
Item Utz Helffenstein, persevant im Laytbracken
Item Heintz Thumernut, knecht im Steinpock
Item Lazarus Behem, knecht im Esell [S. 394]
Item Mang Grundwald, der Bayern knecht
Item Hans Frey, ein nach volger der wappen”

In der älteren Überlieferung muss stutzig machen, wieso ein Wappenkönig Steinbock-Persevant sein soll. Die Herolds-Hierarchie war: Persevant, Herold, Wappenkönig. War der Wappenkönig der Ruwieren, damals Hermann Brüninghausen, in Ansbach? Und womöglich noch ein weiterer Wappenkönig? Ich glaube aber nicht, dass man Burggraf als Wappenkönig sehen kann, und auch die Lesart Burggraf, Wappenkönig aus dem Niederland, weiterer Wappenkönig, Persevant des Steinbocks geht wohl zu weit. Dagegen könnte man dem Hausbuch durchaus Glauben schenken, wenn es den Steinbock-Persevanten vom Wappenkönig der Niederlande trennt. Nach beiden Überlieferungen war der Steinbock-Persevant jemand anderes als der Steinbock-Knecht Heinz Dummermut.

Sehr viel schlüssiger als mit inhaltlichen Erwägungen kann anhand der Reihenfolge der Abschnitte gezeigt werden, dass die Eptinger Quelle keine bloße Rüxner-Ableitung ist. Denn auch wenn die Eybschen Aufzeichnungen und das Hausbuch sich in der Reihenfolge unterscheiden, lehnt sich das Hausbuch eben nicht an Rüxner an, sondern an die älteren Zeugnisse. Die Reihenfolge Zugelassene – Grieswärtel – Herolde stimmt überein, und auch der zweite Teil der Eybschen Aufzeichnungen (ab dem Ritterdank) liegt in gekürzter Form und ohne die an anderer Stelle verwerteten Damen im Hausbuch in gleicher Reihenfolge vor.

Dem Abschnitt im Hausbuch liegt also eine von Rüxner unabhängige zeitgenössische Quelle zugrunde, die es durchaus verdient hat, dass man sie nicht (wie Thumser das tut) übergeht.

***

Zum Würzburger Vierlande-Turnier 1479:
http://archiv.twoday.net/stories/83809128

Zum Heidelberger Vierlande-Turnier 1481
http://archiv.twoday.net/stories/96991891

Turniere in Archivalia
?s=turnier

#forschung

Katholische Apologetik

J.W. macht mich via Twitter aufmerksam auf:

http://jobo72.wordpress.com/2012/04/18/hexen

Die fehlerhaften Darstellungen in populärwissenschaftlichen Medienberichten und die daraus folgenden Fehlurteile basieren dabei zum Teil auf waschechten Fälschungen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema „Hexen“. Oft ist zu hören und zu lesen, die (katholische) Kirche habe im Mittelalter Millionen von Frauen in Europa als Hexen verbrannt, bevor die Aufklärung kam und dem Spuk ein Ende bereitete. In dieser Aussage stecken fünf Fehler.

Wir erinnern uns an unseren umstrittenen Link zu http://kreuz.net http://archiv.twoday.net/stories/96993842

Bis auf die Falschaussage, die letzte Hexe sei 1775 verbrannt worden (die Kemptener Hexenhinrichtung fand NICHT statt, wie man seit geraumer Zeit weiß), entsprechen die Ausführungen teilweise etwa dem Forschungsstand der heutigen Hexenforschung.

– Die meisten Hexenverfolgungen fanden in der Frühen Neuzeit statt. Stimmt

– Es gab keine 9 Millionen Opfer, sondern “nur” einige zehntausend. Stimmt

Anderes ist fragwürdig: Dass der Schwerpunkt der Hexenverfolgungen in Afrika liegt kann allenfalls dann behauptet werden, wenn man das Postulat eines überzeitlichen Hexenglaubens akzeptiert.

Insgesamt ist der Beitrag von unangenehmer katholischer Apologetik durchdrungen. Aber wer über Jahrhunderte Prügel bezogen hat, dem darf man nicht verwehren, dass er bei der Zurückweisung von Geschichtsmythen nun über die Stränge schlägt.

Heroldswesen in Frankreich und Burgund

Klara Hübner: Rezension zu: Hiltmann, Torsten: Spätmittelalterliche Heroldskompendien. Referenzen adeliger Wissenskultur in Zeiten gesellschaftlichen Wandels (Frankreich und Burgund, 15. Jahrhundert). München 2011, in: H-Soz-u-Kult, 18.04.2012, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-2-048

Deutlich wird der Rückstand des deutschsprachigen Raums, was die entsprechende Schriftlichkeit angeht.

Blicke ins Buch von Hiltmann ermöglichen:
http://books.google.de/books?id=qQ-rOpexELEC
http://www.libreka.de/9783486591422
http://www.amazon.de/Sp%C3%A4tmittelalterliche-Heroldskompendien-Wissenskultur-gesellschaftlichen-Jahrhundert/dp/3486591428

Hier (bei Amazon) kann man etwa S. 372 Hiltmanns wichtigen Fingerzeig auf Zusammenhänge des Empereur-Traktats mit dem deutschen Quaternionensystem nachlesen, wobei Hiltmann mein kurzer Hinweis von 1993 auf die Rolle der Herolde für die Ausbildung und Verbreitung dieses Konzepts nicht entgangen ist:

http://periodika.digitale-sammlungen.de/bdlg/Blatt_bsb00000333,00194.html

Weder Google noch Libreka finden zum Suchwort Quaternionen etwas, während Amazon zwei Treffer hat!

Zu Herolden in Archivalia:
?s=herold

Kaiserurkunde in der Fragmentenschachtel

http://derstandard.at/1334530997125/Mittelalterliches-Dokument-Sensationsfund-in-der-Wegwerfbox

Im Wiener Schottenstift wurde in einer Fragmentenschachtel eine Urkunde Friedrichs II. aus dem Jahr 1250 aufgefunden. Wenn die Darstellung des Standard zutrifft, ist das nur ein weiteres Beispiel für eine schändliche Kultur der Achtlosigkeit in kirchlichen Institutionen. In profanen Bibliotheken oder Archiven würde der Inhalt einer Fragmentenschachtel ganz und gar nicht weggeworfen. Aber im Wiener Kloster hat man offenbar zuviele Kulturgüter …

Lamothe-Langons Fälschungen zur Geschichte der Hexenprozesse wurden von 1829 bis 1975 nicht aufgedeckt

Ein instruktiver Artikel dazu:

http://www.kreuz.net/article.3453.html [wenn es den Text auf Deutsch auch anderswo gibt, verzichte ich gern auf die Verlinkung von http://kreuz.net, laut Wikipedia ein “Blog mit religions- und kirchenbezogenen Texten sowie rechtsextremen, antisemitischen und homosexuellenfeindlichen Inhalten”]
englische Fassung:
http://www.draeconin.com/database/witchhunt.htm

Norman Cohn (Europe’s Inner Demons, erstmals 1975) zeigte nicht nur, dass Lamothe-Langon gefälscht hat, er erwies auch ein Gutachten von Bartolo de Sassoferrata zu einem angeblichen Hexenprozess ca. 1340 in Novara als spätere Fälschung.

http://books.google.de/books?id=3mK_SJSZTooC (Auszüge aus Kieckhefers Buch, der unabhängig von Cohn Lamothe-Langon als Fälscher verdächtigte)

Fälschungen in Archivalia:
http://archiv.twoday.net/stories/96987511

Munders Stadtglocke-Fälschungen

“Die Stuttgarter Stadt-Glocke verbreitete Fortsetzungsgeschichten historischen und vaterländischen Inhalts, angekündigt als Sagen oder Erzählungen, die mündlich oder schriftlich von früheren Generationen überliefert worden seien. Tatsächlich waren die Texte jedoch frei erfunden, was der Leserschaft indes offenbar nicht immer klar war: Der fiktive Held der ersten Serie war Anton Webercus, ein angeblich mehr als hundertjähriger Mann, der in Tagebuchform die Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts niedergeschrieben haben sollte. Webercus, der angeblich am 1. April beim Abzählen von 500 Wäscheklammern gestorben war, fand Eingang in die Allgemeine Deutsche Biographie”
http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Stadt-Glocke

Zu Webercus siehe auch
http://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Webercus,_Anton

Die derzeit maßgebliche Darstellung zu Munders angeblichen “Sagen” habe ich 1995 in “Sagen rund um Stuttgart” vorgelegt:

http://books.google.de/books?id=DCbaAAAAMAAJ&pg=PA56

Ich vermute dort, dass die Geschichten doch auf den Stuttgarter Buchdrucker Johann Gottfried Munder zurückgehen, nicht, wie zuvor angenommen, auf seinen Bruder, den Pfarrer.

Wie man Munders Phantasien in Schwäbisch Gmünd als authentische Überlieferungen auffasste (Georg Stütz, Alois Marquart, Hildegard Meschenmoser) zeigte ich im einhorn-Jahrbuch 1998:

http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/enzing.htm
Siehe auch
http://de.wikisource.org/wiki/Untergang_der_Enzinger

Württemberg wie es war und ist 1 (1854):
http://books.google.de/books?id=2ak7AAAAcAAJ
2 (1854)
http://books.google.de/books?id=Fqo7AAAAcAAJ
3 (1854)
http://books.google.de/books?id=G7G2jSxxPPwC
4 (1855)
http://books.google.de/books?id=ev-DtvGkLpUC

Siehe auch
http://catalog.hathitrust.org/Record/000300416

Zu Fälschungen in Archivalia
http://archiv.twoday.net/stories/96987511

Nochmals: Die Herolde Jörg Elsässer

Aufgrund breiterer Quellen- und Literaturkenntnis und aufgrund strikterer Beachtung der Herolds-Hierarchie möchte ich meine Hypothese, Jörg Rüxner (alias Rugen, Jerusalem, Brandenburg) sei mit dem 1495 in Worms auftretenden königlichen Persevanten Jörg Elässer identisch, zurückziehen.

Ich knüpfe an meine Argumentation und die Belege in

http://archiv.twoday.net/stories/11475805

an.

Die Belege zu Rüxner finden sich unter

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7140

Das Hierarchie-Argument:

http://archiv.twoday.net/stories/96991398

Rüxner nennt sich bis 1505 stets Persevant, als Herold (“ernhalt”) erscheint er erstmals in der 1505 entstandenen Beschreibung des Kölner Reichstags. Im autographen Wiener Cod. 2799 nennt er sich 1515 erstmals König der Wappen (und gradierter Ernhalt auf Brandenburg, was immer das ist).

Da der ehemalige königliche Persevant Jörg Elsässer von Maximilian am 8. Oktober 1495 ausdrücklich als Herold bezeichnet wird, kann er – der Heroldshierarchie zufolge – nicht mit dem erst 1505 zum Herold promovierten Rüxner identisch sein.

Schon auf dem Regensburger Reichstag 1471 begegnet ein Herold Elsas des Erzherzogs Sigmund von Tirol (RTA ältere Reihe Bd. 22,2, 1999, S. 541) bzw. “Jorgen Elsess herzog Sigmunds zu Ostereich herolt” (ebd., S. 947). Wäre das Rüxner, müsste er – 1526 letztmals sicher zu belegen – recht alt geworden sein. Aber es gibt Gründe, in diesem Jörg Elässer nicht den späteren Persevanten zu sehen.

Der Herold ist mit dieser Bezeichnung in zwei Quellen 1471 bezeugt, ein Irrtum scheidet zwar nicht ganz aus, ist aber eher unwahrscheinlich. Denn noch ein zweites Argument kommt zu Hilfe, wenn es darum geht, einen älteren Herold von einem jüngeren Persevanten zu trennen. Am 16. September 1486 (RTA mittlere Reihe Bd. 1, 1989, S. 662f. Nr. 656) empfiehlt Kaiser Friedrich III. den zur Besprechung verschiedener Angelegenheiten zu Sigmund gesandten kaiserlichen Persevanten Jörg Elsässer: Dieser habe sich um die Belange des Hauses Österreich bereits sehr verdient gemacht. Es ist nicht anzunehmen, dass Friedrich seinem Verwandten eine Person in dieser Weise ans Herz legte, die dem Adressaten bereits 15 Jahre zuvor als Herold gedient hatte. Beide Argumente lassen es als plausibel erscheinen, einen älteren und einen jüngeren Herold Elässer zu unterscheiden.

Eine recht absurde Vorstellung von “bekannt” kultivierte Gerhard Pietzsch, Archivalische Forschungen zur Geschichte der Musik an den Höfen der Grafen und Herzöge von Kleve-Jülich-Berg (Ravensberg) bis zum Erlöschen der Linie Jülich-Kleve im Jahre 1609 (1971), S. 62f. als er vom “bekannten” Herold Jorg Elsass sprach, der Erzherzog Sigmund, Kaiser Friedrich III. und König Maximilian gedient habe. Dass ihm aufgrund seiner intensiven Quellenstudien (etwa in den Augsburger Baumeisterbüchern, aber auch in unzähligen anderen Quellen) diese Person gut vertraut war, mag sein. Aber von einem “Forschungsstand” kann man ganz und gar nicht sprechen (Elässer fehlt z.B. in Heinigs Herolde-Aufsatz). Pietzsch gibt leider nur einen einzigen Beleg zu dem “bekannten” Elsässer, nämlich Staatsarchiv Nürnberg Rep. 54, Nr. 18, Bl. 237v zu 1479: “Jorgen Elsasser herolt”. Das wäre also noch der ältere Elsässer. Ob er später noch bezeugt ist, wusste vielleicht Pietzsch – ich kann die mir bekannten jüngeren Belege nur auf den Persevanten beziehen, der als Herold erstmals 1495 erscheint (zugleich sein letzter Beleg).

Pietzsch zitiert einen Geleitbrief Herzog Wilhelms von Jülich-Berg vom Juli 1494 für “Jorghe Elsaisser, bewyser des brieffs, mancherley koenygen ind fuirstenhoue erfaren ind sich dermaissen daselffs gehalden hait dat he sulcher gunst erfolgen mocht wirdig geschatzt zo werden mit edem tytell ind namen wapen genoiss mit dem he wyder ind mere heymsoechonge ind erfaronge verdienen mocht hyralt zo werden”. Elässer wolle viele Reiche sehen, um erfahrener wiederzukehren (HStA Düsseldorf Jülich-Berg I Nr. 69/30 = Bl. 30-31 nach Nijsten, Shadow of Burgundy, 2003, S. 178f. mit ionghe statt Jorghe). Natürlich konnte Pietzsch diese Person nicht mit dem älteren Herold gleichsetzen, weil ja ausdrücklich in der Quelle stand, dass er erst Herold werden wollte. Er dachte daher an einen Verwandten (Sohn?).

In Augsburg erscheint 1511 ein Herold Jörg des Herzogs von Jülich (Pietzsch S. 63). Ich halte es für viel zu hypothetisch, diesen mit dem Elsässer von 1494 gleichzusetzen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich 1511 um Rüxner gehandelt hat, der ja bei vielen Herren ein und aus ging. Die fragmentarische Überlieferung zu Heroldsnamen verleitet dazu, bei gleichen Vornamen oder Amtsnamen an eine Kontinuität im Sinne einer “Festanstellung” zu denken.

Könnte der Jülicher Jörg Elsässer von 1494 der königliche Persevant sein? Ein Jahr später wollte dieser als Herold in die weite Welt: “KM gibt seinem Herold Georgio Elsas Heraldo einen Empfehlungsbrief an alle Kge, Fsten, Hge, Gfen etc.: Georg Elsaß hat die Absicht, das Hl. Grab in Jerusalem zu besuchen und verschiedene Teile der Welt zu bereisen, um die Sitten der Höfe, deren tapfere Taten (fortia gesta), ihre Wappen und alles, was zu seinen Pflichten gehört, zu erkunden. Wormatie 8. Octobris 1495.” Von einem Dienstverhältnis spricht die Jülicher Quelle anscheinend nicht, obwohl es für Pietzsch plausibel war, ihn als Jülicher Herold aufzufassen. Dass die sich ähnlichen Empfehlungsbriefe von 1494/95 sich auf zwei verschiedene Personen, die beide Jörg Elsässer hießen, beziehen, halte ich für eher unwahrscheinlich. Wenn man das trotzdem annehmen möchte und zugleich meiner Argumentation, dass es einen Herold Sigmunds Jörg Elsässer und einen davon verschiedenen Persevanten Jörg Elsässer gab, folgen, hätte man mit drei Personen des Namens zu rechnen!

Ich hatte ja argumentiert, dass der Persevant Jörg Rugen = Rüxner, der ja anscheinend Graf Eberhard im Bart auf dem Wormser Reichstag über die Reichsverfassung unterrichtete, mit dem Persevanten Elsässer identisch sein muss, wenn er in der Teilnehmerliste aufgeführt sein sollte (ausschließen wollte ich den Wind-Gesellschaftsknecht Jörg von Giengen, der wohl mit dem 1487 RTA mR Bd. 2, 2001, S. 661 auftretenden Jorg Aman, Wind-Gesellschaftsknecht identisch ist). Wenn Rüxner und Elsässer aber verschiedene Personen sind, was ich jetzt annehmen möchte, wird man zu folgern haben, dass entweder Rugen in der Teilnehmerliste vergessen wurde (etwa weil er nur zeitweilig anwesend war) oder dass er gar nicht anwesend war. Rüxner könnte ja beispielsweise aus Heidelberg eine schriftliche Äußerung an Eberhard gesandt haben.

Aber bei solchen Bastelarbeiten sollte man immer im Auge behalten, dass angesichts der schlechten Quellenlage bzw. der schlechten Erschließung der allzu verstreuten Quellen jede neue Quelle die bisherigen Konstruktionen wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lassen kann.

Nachtrag: Zu den Belegen für den Persevanten Elsässer kommt der bislang älteste hinzu:

Jörig Elsasser persinant (sic!) 1480 August 2
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1900/0312

Ein Herold Elsosser auf der Landshuter Hochzeit 1475:
http://archiv.twoday.net/stories/1022403203

30.7.2016: Nils Bock: Die Herolde … (2015), S. 402: Jörg Elsässer 1478, 1479 in Nürnberg belegt, 1494 in Augsburg.

29.9.2022 Patrick Leukel: “all welt wil auf sein wider Burgundi”. Das Reichsheer im Neusser Krieg 1474/75 (2019), S. 328: “Von der Ankunft des Kaisers und weiterer Fürsten in Frankfurt wurde der Henneberger durch einen gewissen Jorg Elsaß informiert. Der Kaiser würde in Begleitung des Herzogs Albrecht nach Wiesbaden weiterziehen. Elsaß gab an zu wissen, dass „die Welt dem Kaiser zuziehe“”.

#forschung

Zum Herold Hermann von Brüninghausen

Harm von Seggern hat 2002 dem Wappenkönig der Ruwieren Hermann von Brüninghausen eine kleine Studie gewidmet, in der er die zerstreute ältere Forschung zu dem niederrheinischen Herold zusammenfasste und neue Belege vor allem aus burgundischen Quellen beibrachte (Hermann von Brüninghausen. Wappenkönig der Ruwieren, in: Menschenbilder – Menschenbildner, 2002, S. 109-117. Ohne diesen Beitrag zur Kenntnis zu nehmen hat die Kunsthistorikerin Leonie Gräfin Nesselrode in ihrem Buch “Die Chorfenster von Ehrenstein” (2008) [Auszüge] die Urheberschaft Brüninghausens am Heroldsbuch des Jülicher Hubertusordens bestritten. Außer einem Aufsatz in einer Krakauer Zeitschrift (in: Prace Historyczne Zeszytów Naukowych Uniwersytetu Jagiellonskiego (History Notebooks) 137, 2010, S. 43-78, non vidi) hat sie ihre Beobachtungen auch im Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 36 (2010) publiziert (Neue Erkenntnisse zum Heroldsbuch und Bruderschaftsbuch des jülich-bergischen Hubertusordens, S. 131-162). Ihr Aufsatz in den Rheinischen Vierteljahresblättern 75 (2011) geht auf diese Frage nicht ein.

Das Heroldsbuch des unmittelbar nach der siegreichen Schlacht bei Linnich (1444) durch Herzog Gerhard II. von Jülich-Berg gegründeten gegründeten Hubertusordens war lange verschollen. Die Berliner Handschrift mgq 1479 befindet sich heute unter der alten Signatur in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau.

http://www.handschriftencensus.de/5306 (mit weiteren Nachweisen)

Bilder:
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Heroldsbuch_des_j%C3%BClich-bergischen_Hubertusordens [vor allem Schwarzweissfotos aus dem Aufsatz von Nesselrode, polnischer Publikationsort]

Nesselrode zeigt schlüssig, dass die bisherige Datierung um 1480 und die Zuschreibung an Hermann von Brüninghausen (sie nennt ihn Brunshofen) unzutreffend sind. Bl. 13v sagt “herman eyn tornyrkunde heralt”, dass er das Heroldsbuch gemacht und geordnet habe. Seine Hand unterscheidet sich von dem Vermerk Bl. 127v des Wappenkönigs Hermann von “brumhoyften” (so die Lesung Nesselrodes, auf meinem Gebrauchsscan der Abbildung 6 kann ich kaum etwas erkennen).

Da Nesselrode keine Angabe zu den einzelnen Händen der Handschrift macht – Degering meinte, sie sei im “wesentlichen von der Hand des Verfassers geschrieben – können ihre Angaben nicht nachvollzogen werden. Entgegen dem ausdrücklichen Wortlaut des Eingangsvermerks des Herolds Hermann sieht sie in ihm nur den Bearbeiter eines bereits vor 1463 bestehenden Buchs. Sie findet seine markante Hand in Eintragungen aus der Zeit um 1463, seine einzige datierte Eintragung stamme von 1463 (S. 140). Für die Anlage des Bandes erscheint der Zeitraum 1452/63 wahrscheinlich (S. 141). Hoffentlich wird der Codex in absehbarer Zeit digitalisiert, dann können Nesselrodes Beobachtungen besser überprüft werden. Nesselrode rechnet offensichtlich nicht mit der Möglichkeit, dass Hermann der geistige Urheber des Codex war, die Schreib- und Malarbeit aber anderen überlassen hat. Angaben über die Wasserzeichen liegen noch nicht vor.

Wenn die Frühdatierung (um oder vor 1463) zutrifft – daran möchte ich nicht zweifeln – kann gemäß der strengen Hierarchie des Heroldswesens (Persevant, Herold, Wappenkönig) Brüninghausen nicht mit dem 1463 wirkenden Herold Hermann (des Herzogs von Jülich bzw. des Hubertusordens) identisch sein (Nesselrode S. 142).

Zum Persevanten, Herold und schließlich Wappenkönig Hermann von Brüninghausen hat sich Wim van Anrooij 2009 geäußert (King of Arms of the Ruwieren: A Special Function in the German Empire, in: The Herald in Late Medieval Europe, 2009, S. 111-132, wobei er auf die unveröffentlichte Datenbank http://heraudica.org von Torsten Hiltmann und Franck Viltart zurückgreifen durfte.

Nach ebd., S. 128 wurde Hermann von Brüninghausen im Jahr 1470 Herold, er kann daher nicht mit dem um 1463 wirkenden Herold Hermann identisch sein.

Außer dem Aufsatz von Seggern bieten Belege zu Brüninghausen Gerhard Pietzsch, Archivalische Forschungen zur Geschichte der Motiv an den Höfen der Grafen und Herzöge von Kleve-Jülich-Berg (Ravensberg) bis zum Erlöschen der Linie Jülich-Kleve im Jahre 1609 (1971), S. 41f.; Gerard Nijsten, In the Shadow of Burgundy … (2003), S. 78 [Auszug] (Persevant Hermann zu 1470, auch bei Nesselrode S. 142).

Die bekannten Belege reichen von 1461 (Persevant Hermann) bis 1501/02 (Stadtrechnung Neuss, Herold Hermann). Zwischen 1471 und 1477 wurde er Wappenkönig der Ruwieren.

[Auch Heinrich von Heessel – http://archiv.twoday.net/stories/59206605 – war Wappenkönig der Ruwieren. Die Bezeichnung geht auf den Raumnamen Ripuarien zurück.]

Außerdem ist auf eine Urkunde aus Brauweiler hinzuweisen: “Hermann von Brüninghausen, Herold, und seine Frau Barbara haben dem Abt und Konvent 6 1/4 Morgen Wiesen in der Herrlichkeit Kernen verkauft. – 1489 Jan. 21. Orig.: HStAD, B, Urk. 96.”
(FS Odilo Engels 1993, S. 216 [Schnipsel]

Leider nicht auf den Herold bezieht sich eine Nennung eines “Hen(n)man von Brünykofen hofmeister”, die ich in der Eheabrede zwischen Graf Heinrich von Württemberg und Graf Simon Wecker von Zweibrücken-Bitsch (1485) im Hauptstaatsarchiv Stuttgart fand:

http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-24954-1 (Digitalisat)

Die Adelsfamilie nannte sich nach Brünighofen bei Altkirch im Elsass:

http://gov.genealogy.net/item/show/BRUFENJN37OQ

Diverse Belege zur Familie und Sekundärliteratur gibt:

http://www.monuments-alsace.com/alsatia/alsatia.pdf

Ein Hamman von Brünighofen war zeitweilig in Mulhouse ansässig:

http://books.google.de/books?id=KFlMAAAAMAAJ&q=“von+brunighofen”

Henemann de Brinighoffen heiratete 1488 Marie de Vaudrey nach

http://books.google.de/books?id=IYD4_xhf2MAC&pg=PA184

Die Herkunft des Herolds bleibt im Dunkeln. Aufgrund einiger in Betracht kommender Orte hat Seggern ganz darauf verzichtet, auf den Ortsnamen Brüninghausen einzugehen. Im Rheinland gibt es anscheinend keinen Ort, der in Betracht kommt, von den westfälischen Orten kommen am ehesten die nächstgelegenen Siedlungen bei Dortmund (Brüninghausen, Brünninghausen) und Brüninghausen bei Lüdenscheid in Betracht. Brüninghausen bei Lüdenscheid war ein wichtiger Ort der Grafschaft Mark und Sitz eines Freigerichts. Kleve-Jülich-Berg gab es um 1440 – damals dürfte Hermann geboren worden sein – noch nicht, aber Kleve-Mark. Über Kleve am Niederrhein könnte die Beziehung zu Jülich-Berg gelaufen sein, doch könnte man sich natürlich auch einen direkten Kontakt zum Herzogtum Berg vorstellen. Mehr als eine vage Hypothese ist die Herkunft aus Brüninghausen bei Lüdenscheid aber nicht, andere Möglichkeiten können keineswegs ausgeschlossen werden.

Außer dem Heroldsbuch soll Brüninghausen nach Seggern und Anrooij auch das Bruderschaftsbuch des Hubertusordens, laut Nesselrode eine “Bestandsaufnahme unter Herzog Wilhelm 1481/82” (S. 143), geschrieben haben, aber die Beschreibung von Marianne Reuter sagt davon nichts:

http://codicon.digitale-sammlungen.de/inventiconCod.icon.%20318.pdf

BSB Cod, icon. 318 ist im Netz:
http://codicon.digitale-sammlungen.de/Band_bsb00006309.html

Ich möchte seine Schrift eigentlich nicht mit der Schriftprobe Brüninghausens aus dem Heroldsbuch gleichsetzen, will mich aber nicht auf paläographisches Glatteis begeben.

Seit kurzem im Netz ist der 1481 von Brüninghausen nachweislich geschriebene Wiener Cod. 2899

http://manuscripta.at/?ID=4735 (mit weiteren Nachweisen)

Digitalisat über
http://data.onb.ac.at/rec/AL00167269

Wunderschöne Bilder! Aus dieser Handschrift stammt das Umschlagsbild von Barbara Hammes, Ritterlicher Fürst … 2011.

“Herman von Bruninckusen”, wie Menhardt liest, nennt sich als Autor dieser pfälzischen Genealogie, die nun bequem näher untersucht werden könnte.

Zwischen dem u und dem c befinden sich drei Striche mit einem waagerechten Strich darüber. Bruinnkusen, Brunnikusen, Brummkusen usw. wären also paläographisch ebenso möglich. Aber auf Bruninckusen kann man sich wohl einigen.

In ihrer Beschreibung des von Hartmann Schedel wohl um 1480 angelegten Clm 338 weist Birgit Studt, Fürstenhof und Geschichte, 1992, S. 86f. auf hochinteressante “pfälzische Heroldsdichtung” Bl. 194v-198v hin. Die Wiener Handschrift gibt eine Ahnenprobe Philipps von der Pfalz und seiner Frau Margarethe von Bayern (die Hochzeit war 1474), die Münchner Handschrift bietet eine gereimte Ahnenprobe für das gleiche Fürstenpaar, gefolgt Bl. 195r-198v von einem gereimten Gedicht auf die Lehensträger der Pfalz wohl von einem Herold (Textbeginn: “Ich heralt in myn wapencleid”), das von der landesgeschichtlichen Forschung anscheinend nicht weiter beachtet wurde, obwohl es hinsichtlich des “Repräsentationsaspekts” doch ein interessantes Seitenstück zum mit Wappen geschmückten pfälzischen Lehenbuch darstellt. Ob auch diese Gedichte von Bruninghusen stammen, schreibt Studt, bleibe zu prüfen. Sie sagt leider nicht, wie eine solche Prüfung erfolgen könne. Die Schreibsprache des Stücks spricht jedenfalls nicht für die Verfasseridentität.

Nachtrag August 2014:

Krakau Mgq 1479 ist online:

http://fbc.pionier.net.pl/id/oai:jbc.bj.uj.edu.pl:194948

Mögliche Darstellung Hermanns von Brüninghausen (Juliers Herold) in einer Handschrift des 17. Jahrhunderts, Brüssel, Königl. Bibliothek IV 164, vor Bl. 1r. Anrooij S. 128 Anm. 59 verweist auf C. van den Bergen-Pantens, De heraldiek … Brüssel 1985, S. 57.

#forschung

Materialien zum Thema Geschichtsfälschung

Wichtig sind die Hinweise von Dieter Martin: Barock um 1800 (2000), S. 449f.
http://books.google.de/books?id=PlowdbAI6ioC&pg=PA449

***

Syndikus Koch erschuf Valentin Gierth

“Das im Jahr 1830 erschienene Werk Denkwürdigkeiten aus dem Leben der Herzogin Dorothea Sibylla von Liegnitz und Brieg: geborenen Markgräfin von Brandenburg und ihrer Leib- und Hebeamme Margaretha Fuss. Wörtlich aus des Rothgerbers Valentin Gierths Haus-und Tagebuche mit einem Vorworte des Syndicus Koch (Falch, 1830[2]) stellte wenige Jahre später der Historiker Heinrich Wuttke als Erfindung des Verfassers heraus.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Sibylle_von_Brandenburg

Text von Koch:
http://books.google.de/books?id=RbBJAAAAIAAJ

Zum Autor Ernst Koch
http://books.google.de/books?id=g2YYAQAAIAAJ&pg=PA630
http://books.google.de/books?id=dp4FAAAAQAAJ&pg=PA674

Kritik von Heinrich Wuttke
http://books.google.de/books?id=28oDAAAAcAAJ

Hinweis auf weitere Kritik Kaysers
http://books.google.de/books?id=d2o_AAAAYAAJ&pg=PA337

Erinnerungen Hoffmanns von Fallersleben
http://books.google.de/books?id=JzM6AAAAcAAJ&pg=PA112

Grieger, Rudolf: Denkwürdigkeiten aus dem Leben der Herzogin Dorothea Sibylla von Liegnitz und Brieg gebornen Markgräfin von Brandenburg”: Geschichte einer Fälschung (Jb Schles KiG 71, 1992, 69-104).

[Siehe auch Staatsarchiv Darmstadt
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2849079

Grünhagen 1869
http://www.sbc.org.pl/dlibra/docmetadata?id=7251 (Scan 142)
Siehe dazu auch die Stellungnahme von Müller
https://books.google.de/books?id=LkYKAAAAIAAJ&pg=PA199

19.8.2019 Maximilian Eiden: Das Nachleben der schlesischen Piasten (2012), S. 224-232]

29.12.2024 https://archivalia.hypotheses.org/218606

***

Meinholds Bernsteinhexe, angeblich nach einem alten Manuskript

diverse Beiträge in

https://www.listserv.dfn.de/sympa/arc/hexenforschung

[23.7.2022 https://archivalia.hypotheses.org/4140]

***

Wackernagels Erfindung “Zwey bruchstükke” (Waltram-Skandal) behandelt Günter Hess, Minnesangs Ende, in: Befund und Deutung 1979 sowie Richter, Massmann:

http://books.google.de/books?id=-QaKZnakYbQC&pg=PA213

[3.10.2016 https://books.google.de/books?id=wT5WAAAAcAAJ]

***

Wackernagels Rezension der Norica-Novellen Augusts von Hagen

http://books.google.de/books?id=FNoAAAAAcAAJ&pg=PA711

[ http://archiv.twoday.net/stories/714905947 ]

***

Allgemeines

Elisabeth Frenzel: Gefälschte Literatur, in: Archiv für die Geschichte des Buchwesens 1963 (anscheinend sehr wenig rezipiert)

Klaus Weimar: Fälschung, RL LitG 1 (1997)
http://books.google.de/books?id=twEAYhU3eckC&pg=PA562
[23.7.2022 weitere Lexika-Artikel: https://archivalia.hypotheses.org/63368]

[Ausstellungskatalog: Gabriele Hooffacker: Literarische Fälschungen der Neuzeit (1986)]

http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Geschichtsf%C3%A4lschung

http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug_und_F%C3%A4lschung_in_der_Wissenschaft#Geschichtsquellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Fingierter_Lexikonartikel

Auch sonst ist die Wikipedia sehr materialreich, siehe zum Beispiel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Wilkens

Siehe auch den Seminarplan:

http://amor.cms.hu-berlin.de/~h2187e6n/WS_2011_12_MA_Taeuschung_Seminarplan.pdf [vorsorglich: Internet Archive]

Zum Band “Lügen und Betrügen” (2000):
http://www.koeblergerhard.de/ZRG119Internetrezensionen/LacourLuegen20010903.htm

[Nachtrag:

Band “Fake”
http://books.google.de/books?id=LaUnOztbkP4C Vollansicht ]

***

Beiträge in Archivalia:
http://archiv.twoday.net/stories/96987511

Übersicht: Fälschungen in Archivalia

Da die deutsche Geschichtswissenschaft keinen Fälschungsbeauftragten hat, stelle ich mal zusammen, was in Archivalia zu Fälschungen veröffentlicht wurde. [Laufend aktualisiert]

***

Alchemie-Digitalisat
http://archivalia.hypotheses.org/53245

Apokryphen
https://archivalia.hypotheses.org/170355

Archäologie, Ausstellung 2018 in Herne
https://archivalia.hypotheses.org/71270
– Fujimura https://archivalia.hypotheses.org/127610

Archäologie, Schädelfunde gefälscht
https://archivalia.hypotheses.org/214851

Archäologie, Scherbe in Israel
https://archivalia.hypotheses.org/167646

Augsburger Excerptum ex Gallica Historia
https://archivalia.hypotheses.org/167486

Ausstellungskatalog “Books, Crooks and Readers: The Seduction of Forgery, 1600-1800” online
https://archivalia.hypotheses.org/103252

Austen, Jane (fälschte Heiratseinträge)
https://archivalia.hypotheses.org/64191

Autographen (Widmungsexemplare von Büchern)
https://archivalia.hypotheses.org/253061

Auszug einer Bayerischen Chronik 1484-1498
http://archiv.twoday.net/stories/894829462

Bach, Johann Sebastian – gefälschte Silhouette
https://archivalia.hypotheses.org/101282

Basel
Basler Familienchronik 1622
http://archiv.twoday.net/stories/96985386
*
Giselberts Tagebuch
?p=9611#comments

Becker, Johann Nikolaus (gefälschte Deutschordensgeschichte)
https://archivalia.hypotheses.org/219391

Beltracchi
http://archiv.twoday.net/stories/706568265

Bertrand, Paul – Monographie 2025 siehe Konstantinische Fälschung

Bibliotheca Fictiva – Freeman-Sammlung zum Thema Fälschungen von Johns Hopkins University erworben
http://archiv.twoday.net/stories/156266142
https://archivalia.hypotheses.org/240041

Birk, Johannes
http://archiv.twoday.net/stories/233330746

Bodmann, Franz Joseph, insbesondere Lepraschau-Urkunde 1492
http://archiv.twoday.net/stories/97008197
http://archiv.twoday.net/stories/97064148
http://archiv.twoday.net/stories/97064349

Breslauer Goldschmiedechronik, eine Fiktion von Curt Rudolf Vincentz
http://archiv.twoday.net/stories/109333192

Briefmarken
https://archivalia.hypotheses.org/155290

Buch: Literary Forgery in Early Modern Europe (2019)
https://archivalia.hypotheses.org/99178

Byron, Major
https://archivalia.hypotheses.org/216802

Chatterton, Thomas
https://archivalia.hypotheses.org/59660

Chichiarelli, Antonio, Kunstfälscher, Film
https://archivalia.hypotheses.org/249075

Chronologiekritik
https://archivalia.hypotheses.org/101206

Codexmythen und Codexphantasien
http://archiv.twoday.net/stories/326528152

Corveyer Fälschungen (Paullini u.a.)
http://archiv.twoday.net/stories/1022468020

Cranach
http://archiv.twoday.net/stories/1022375236

Decker-Hauff, Hansmartin
Rotes Buch des Klosters Lorch
https://archivalia.hypotheses.org/192644
http://archiv.twoday.net/stories/6412734
http://archiv.twoday.net/stories/4981495
*
Hauffsches Epitaphienbüchlein
http://archiv.twoday.net/stories/38735149
https://archivalia.hypotheses.org/95352
ausführlich: https://archivalia.hypotheses.org/195500

Deutschsprachige Lexikonartikel zum Lemma Fälschung
https://archivalia.hypotheses.org/63368

Dokumentarfilm
https://archivalia.hypotheses.org/130570

Doll, Martin: Fälschung und Fake (Rezension)
http://archiv.twoday.net/stories/1022465983

Eco, Umberto – gefälschte Kriminalnovelle “Carmen Nova”
https://archivalia.hypotheses.org/177399

Einbandfälschungen
https://archivalia.hypotheses.org/74808

Erfurt, Ausstellung 2018
https://archivalia.hypotheses.org/9580

Ethnographische Fälschungen
https://archivalia.hypotheses.org/63365

Fake-Blog von Müller-Straten
http://archiv.twoday.net/stories/453146894

Fake Jews
https://archivalia.hypotheses.org/178406

Fake-News (2016)
https://archivalia.hypotheses.org/60739

Fake-Science
https://archivalia.hypotheses.org/173264

Falsche Fürsten und Prinzen
https://archivalia.hypotheses.org/68364

Fisenne, Otto von, Andernach
https://archivalia.hypotheses.org/171385
https://archivalia.hypotheses.org/217877

Flämisches Gebetbuch – im 19. Jahrhundert gefälscht oder restauriert?
https://archivalia.hypotheses.org/112535

Forging History: Making It and Faking It
https://archivalia.hypotheses.org/68683

Freiburger Weihnachtsbräuche
https://archivalia.hypotheses.org/187945

Gaismair, Michael – Tiroler Landesordnung (2017)
https://archivalia.hypotheses.org/63577

Galileo-Fäschungen von De Caro
http://archiv.twoday.net/stories/581438334
http://archiv.twoday.net/stories/582029534

Genealogie
Der genealogische Fälscher von heute nützt die Wikipedia
http://archiv.twoday.net/stories/4289674
*
Siehe auch Rotthauwe, Rüxner

Gerstenbergk, Heinrich von, Schiller-Fälscher
https://archivalia.hypotheses.org/183318

Göttinger Liebesbriefe
http://archiv.twoday.net/stories/1022482413

Gottschalk in Benediktbeuren
http://archivalia.hypotheses.org/53033

Grandidier, Philippe André
http://archiv.twoday.net/stories/109324369

Lederer, Wilhelm (Blaubeuren): Aufzeichnungen des Philipp Jakob Andreä
https://archivalia.hypotheses.org/238938

Grün, Robert
https://archivalia.hypotheses.org/170741

August Hagens Novellen Norica (1829)
http://archiv.twoday.net/stories/714905947

Handschriften
https://archivalia.hypotheses.org/195975

Handschriftenfälschungen dank Digitalisaten
https://archivalia.hypotheses.org/93041
https://archivalia.hypotheses.org/183294

Hase, Karl Benedikt, Hellenist
https://archivalia.hypotheses.org/191882

Haugwitz, Nikolaus von, erfundener Dichter
https://archivalia.hypotheses.org/103876

Heideloff, Karl Alexander
https://archivalia.hypotheses.org/176434
Siehe unten: Inschriften

Hennynk de Han – die Fälschung eines niederdeutschen Textes im 18. Jahrhundert
http://archiv.twoday.net/stories/1022476328

Hexenprozesse
http://archiv.twoday.net/stories/96993842

Hexenteller Schwäbisch Gmünd
http://archiv.twoday.net/stories/1022489226

Hitler-Tagebücher
https://archivalia.hypotheses.org/171834

Hofmann, Alois von siehe Onuphrius

Hofmann, Mark, Mormonen-Dokumente
https://archivalia.hypotheses.org/130174

Hosemann, Abraham
http://archiv.twoday.net/stories/728846446

Idilia Dubb zu Lahneck
http://archiv.twoday.net/stories/1022380659

Igorlied (keine Fälschung?)
https://archivalia.hypotheses.org/151546

Inschriften
Humanistische Inschriftenfälschungen in Österreich
Wilhelmine Grabenweger sichtet in ihrer Wiener Diplomarbeit die Falsa im CIL. Der Haupterfinder falscher römischer Inschriften war Wolfgang Lazius.
http://othes.univie.ac.at/2433/1/2008-11-07_9505205.pdf
*
Fälschungen von Carl Alexander von Heideloff und Hansmartin Decker-Hauff
http://archiv.twoday.net/stories/38735149
*
Epigraphic fakes in Spanien
http://archiv.twoday.net/stories/418665347
*
Antike Inschriften, Datenbank
https://archivalia.hypotheses.org/115745

Islamische Wissenschaft, gefälschte Bilder
https://archivalia.hypotheses.org/81099

Kamphoevener, Elsa Sophia, Märchenerzählerin
https://archivalia.hypotheses.org/181961

Kanzlerakte, Aktenfälschung
http://archiv.twoday.net/stories/752348326

Kirchenbuchfälschungen, Freiherren von Canstein
https://archivalia.hypotheses.org/140471

Koch, Ernst (Brieger Aufzeichungen des Valentin Gierth)
https://archivalia.hypotheses.org/9578
https://archivalia.hypotheses.org/218606

Konstantische Fälschung
https://archivalia.hypotheses.org/243766

Kunstfälschungen, Bibliographie
http://archiv.twoday.net/stories/714919050
*
Standardwerk
https://archivalia.hypotheses.org/121222
*
Sammelband
https://archivalia.hypotheses.org/136321
*
Künstlerische Praktiken im Mittelalter und Früher Neuzeit – Tagungsbericht
http://archiv.twoday.net/stories/444864510
*
Vorteile eines zentralen Fälschungsarchivs
https://archivalia.hypotheses.org/138256
Heidelberger Institutssammlung
https://archivalia.hypotheses.org/161891
https://archivalia.hypotheses.org/204829
Ausstellung 2024
https://archivalia.hypotheses.org/194624
https://archivalia.hypotheses.org/199893
*
Copies & Fakes in Art during the Renaissance
https://archivalia.hypotheses.org/155025
*
The Role of Photographs in the Fight against Forgeries in the Early Twentieth Century
https://archivalia.hypotheses.org/160785
*
Video: „Kunst“-Fälscher und die Rolle der Medien
https://archivalia.hypotheses.org/208698
* Neun berühmte Kunstfälscher
https://archivalia.hypotheses.org/263682

Künstliche Intelligenz
– fälscht Faulhaber-Schreiben 1930
https://archivalia.hypotheses.org/203346

Kyrieleis, Hermann
http://archivalia.hypotheses.org/53650

Lamothe-Langon, Étienne de
https://archivalia.hypotheses.org/72256

Landkarten
https://archivalia.hypotheses.org/69716

Legipont, Oliver OSB
https://archivalia.hypotheses.org/588

Literarische Fälschungen, Zusammenstellung von Heinrich Klenz
https://archivalia.hypotheses.org/137008
Buch von Hermann Hagen
https://archivalia.hypotheses.org/137420
Verkaufskatalog 2024
https://archivalia.hypotheses.org/205803
Aufsatz 1840
https://archivalia.hypotheses.org/218801
Zeitungsartikel 1931
https://archivalia.hypotheses.org/222683

Lobo, Sascha – Fake-Rezension
http://archiv.twoday.net/stories/1022481421

Pierre Louÿs: Lieder der Bilitis (1894)
https://archivalia.hypotheses.org/247333

Mainzer Mittelalterfälschungen
http://archiv.twoday.net/stories/1022369926

Materialien (eine erste Zusammenstellung 2012)
http://archiv.twoday.net/stories/96987714

Meegeren, Han van, Kunstfälscher
https://archivalia.hypotheses.org/139260

Meinholds Bernsteinhexe
http://archiv.twoday.net/stories/894828673

Mengeles Koffer
https://archivalia.hypotheses.org/112615

Moderne Fälschungen in: Hilfswissenschaftliche Bibliographie von Thomas Frenz
https://archivalia.hypotheses.org/170359

Müller, Nikolaus (Mainz)
https://archivalia.hypotheses.org/183831

Munders Stadtglocke-Fälschungen
http://archiv.twoday.net/stories/96993822

Münzfalschungen
https://archivalia.hypotheses.org/204400

Museumsobjekte gefälscht
https://archivalia.hypotheses.org/207242

Musikgeschichte
https://archivalia.hypotheses.org/262562

Nationalsozialismus
https://archivalia.hypotheses.org/132843 (Hitler-Attentat)
https://archivalia.hypotheses.org/167535
Siehe auch oben Hitler-Tagebücher

Naturdokus
https://archivalia.hypotheses.org/128283

Nicotra, Tobia
https://archivalia.hypotheses.org/153088

Onuphrius, Münchener Quellen
https://archivalia.hypotheses.org/124012

Österreichische Museen: Fake objects
http://archiv.twoday.net/stories/1022374953

Palaeography and forgery: Thomas D.’s Book of the Hartshorn in Southwark (saec. XV)
https://archivalia.hypotheses.org/121781

Panzerschokolade in Archivalia
https://archivalia.hypotheses.org/131277

Passfälscher Adolpho Kaminsky
https://archivalia.hypotheses.org/166495

Paullini siehe Trithemius

Pilgramsbuch Herzog Christophs von Bayern
http://archiv.twoday.net/stories/790549607

Plagiat und Fälschung, Buch von Reulecke 2016
https://archivalia.hypotheses.org/196019

Pirckhammers Heidelberger Turnierbuch
http://archiv.twoday.net/stories/351210593

Pristaff, Gottlieb Samuel
http://archiv.twoday.net/stories/752347839

Privilegium Maius
https://archivalia.hypotheses.org/86462

Protokolle der Weisen von Zion
https://archivalia.hypotheses.org/68328

Pseudo-Isidor
https://archivalia.hypotheses.org/145914

Qumran-Fragmente
https://archivalia.hypotheses.org/88001
https://archivalia.hypotheses.org/121558

Rauhe, Johann Georg (Naumburg)
https://archivalia.hypotheses.org/103987

Regeln für Lehrerinnen 1915
https://archivalia.hypotheses.org/67461

Reichzga Gräfin von Lupburg, frühneuzeitliche Fälschung früh- und hochmittelalterlicher Familiennamen für Stiftsdamen im Stift Niedermünster, Regensburg
https://archivalia.hypotheses.org/134136

Reportagen-Fälschungen (Causa Relotius)
https://archivalia.hypotheses.org/?s=relotius&submit=Suchen

Rhodokanakis, Demetrios
https://archivalia.hypotheses.org/69275

Roth, Ferdinand Wilhelm Emil
http://archiv.twoday.net/stories/1022477029 und viele weitere

Rotthauwe, Friedrich (Gelsenkirchen)
https://archivalia.hypotheses.org/135811

Rüxner, Georg
Mit seinem Turnierbuch einer der einflussreichsten Fälscher überhaupt
Zahlreiche Beiträge:
https://archivalia.hypotheses.org/?s=r%C3%BCxner&submit=Suchen

Schaeffer, Heinrich
https://archivalia.hypotheses.org/240511

Schott, Georg Friedrich
https://archivalia.hypotheses.org/170321

Siegelfälschungen
https://archivalia.hypotheses.org/254469

Simonides, Konstantinos
https://archivalia.hypotheses.org/9580

Spanish Forger
http://archiv.twoday.net/stories/615268265
https://archivalia.hypotheses.org/99792

Stanikowski, Christoph Stanislaus
https://archivalia.hypotheses.org/262574

Stasi-Fake unter dem RAF-Stern (Schleyer-Entführung)
https://archivalia.hypotheses.org/170426

Symposium Fabrication, Verification, Authentication
https://archivalia.hypotheses.org/63840

Testament Zar Peters des Großen
https://archivalia.hypotheses.org/68962

Trautmann, Franz siehe Pilgramsbuch; Onuphrius

Trithemius, Paullini und Grandidier als Fälscher
https://archivalia.hypotheses.org/176841

Ura-Linda-Chronik
https://archivalia.hypotheses.org/158349

Urkunden der Stauferzeit
http://archiv.twoday.net/stories/453142598

Vasters, Reinhold, Kunstfälscher
https://archivalia.hypotheses.org/139276

Vella, Giuseppe (Sizilien, 18. Jahrhundert)
https://archivalia.hypotheses.org/104690

Volksliedfälschungen
https://archivalia.hypotheses.org/97998

Vulpius, Christian August
http://archiv.twoday.net/stories/96984876
Fortsetzungen:
https://archivalia.hypotheses.org/?s=vulpius

Vulpius, Johannes
https://archivalia.hypotheses.org/71352

Waldseemüller-Karten
https://archivalia.hypotheses.org/70487

Wappenfälschung um 1500
http://archivalia.hypotheses.org/53592

Ware, Robert (Irland)
https://archivalia.hypotheses.org/134108

Weißenfels, Küchenzettel von “1303”
http://archiv.twoday.net/stories/96986355

Wikipedia
http://archiv.twoday.net/stories/418665773

Winkelhofer, Familie in Ehingen
http://archiv.twoday.net/stories/1022479602

Zimmern-Chronisten
http://archiv.twoday.net/stories/985929969

Wird fortgesetzt …

Vulpius-Quellen in den Curiositäten Bd. 6, 1817

Fortsetzung zu: http://archiv.twoday.net/stories/96984948

Selbstbekenntnisse des Alchemisten Carl von Hattenbach, Curiositäten 6, 1817, S. 103ff.

http://books.google.de/books?id=kXw5AAAAcAAJ&&pg=PA103

Muss überprüft werden, handschriftliche Aufzeichnungen Hattenbachs sind in der Tat in Kassel vorhanden:

http://books.google.de/books?id=uT64AAAAIAAJ&q=“karl+von+hattenbach”

Rezeption nach den Curiositäten 1927:
http://books.google.de/books?id=sd0ZAAAAMAAJ&q=%22carl+von+hattenbach%22

***

Der “Dialogus der Rede und Gesprech, so Franciscus von Sickingen vor der Hymmels Pfortten mit Sant Peter und dem Ritter Sant Jörgen gehalten” ist eine Zwickauer Flugschrift von 1526:

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00025710/image_7

Wie Vulpius, der sie zugegebenermaßen modernisiert hat, den Text bearbeitet hat, sieht man im gleichen Bd. 6, S. 299ff.

http://books.google.de/books?id=kXw5AAAAcAAJ&pg=PA299

***

Waltmann von Sattelstädt, ebd. S. 359ff.

http://books.google.de/books?id=kXw5AAAAcAAJ&pg=PA359

Keine Fälschung, aber ohne Quellenangabe abgeschrieben aus Bergner 1804:

http://books.google.de/books?id=zO1DAAAAcAAJ&pg=PA250

***

S. 475 ff. Das Lied vom schwarzen Mönch ist in der modernisierten Fassung von Vulpius zum Volkslied geworden, es stammt tatsächlich aus einer Weimarer Handschrift, die übrigens auch die Vorlage für Briefe von 1547 war (Cur. Bd. 2, S. 117ff.)

Beschreibung Pensels, an die alte Beschreibung

http://dtm.bbaw.de/HSA/Weimar_700443700000.html

als PDF angehängt:

http://dtm.bbaw.de/HSA/Q013b.pdf

Erfundene Basler Familienchronik

Herr Waldschütz wies ja soeben auf den Aufsatz von Sieber-Lehmann hin, der auch die von Jakob Mähly fürs Basler Jahrbuch erfundene Familienchronik erwähnt.

Jakob Mähly, Aus einer Basler Familienchronik des Jahres 1622, in: Basler Jahrbuch 8 (1888), S. 199-215
[ https://archive.org/details/BaslerStadtbuchJahrbuchFrKulturUndGeschichte1888 ]
http://books.google.de/books?id=RNEpAAAAYAAJ&pg=PA199 (US)

Erwähnung bei Sieber-Lehmann
http://retro.seals.ch/digbib/view?rid=bzg-002:2005:105::130&id=browse&id2=browse1&id3=

Die Rezeption hielt sich in engen Grenzen, urteilt man nach:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=%22basler+familienchronik%22+1622

Pikant ist allerdings, dass die Mitarbeiter der Basler Selbstzeugnisse-Datenbank Gudrun Pillert und Sebastian Leutert 1998 in einer Rezension der Arbeit von Krusenstjern in der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte vorwarfen, diese Quelle übersehen zu haben!

http://retro.seals.ch/digbib/view?rid=szg-006:1998:48::300&id=browse&id2=browse1&id3=

Immerhin hat es das Falsum nicht in die Datenbank geschafft.

Vulpius-Fälschungen – nächste Lieferung

Bd. 1 der Curiositäten enthält Wolf Wolfraths Tagebuch und Wiener Turnierbericht 1565:

http://books.google.de/books?id=0_QIAAAAQAAJ&pg=PA24

S. 5 der Vorrede kündigt “Enthüllung merkwürdiger Betrügereien und Täuschungen” an. Nachdem ich http://archiv.twoday.net/stories/96984876 den Anfang mit der Darstellung von Vulpius-Fälschungen gemacht habe, habe ich in den Bänden gestöbert und stieß auf obige Quelle.

Gerhard Winkler kannte 1980 ( http://archiv.twoday.net/stories/5613023 ) die Beschreibung des Turniers, das 1560, nicht 1565 stattgefunden hat, nur aus der Zeitschrift Austria. Trotz Bemühungen hätte die Beschreibung nicht aufgefunden werden können:

http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/WM_1_0105-0120.pdf

Das wundert ja nicht, da Vulpius auch diesen Text erfunden hat.

Wenn ich nichts übersehen habe, hat niemand der vielen Autoren, die diese Quelle benutzt haben, einen Fälschungsverdacht geäußert:

https://www.google.de/search?q=%22wolf%20wolfrath%22&tbm=bks

Der Text beginnt:

Ich war siebenzehn und ein halbes Jahr alt, als mein gestr. Herr Jost von Neydeck zu meiner Mutter sprach: Frau Elsbeth, es ist euer Sohn nun herangewachsen und hat mancherlei Dinge gelernt, die ihn wohl in der Welt fortbringen werden. Er kann leidlich schreiben, ein wenig Latein, kann singen und die Harfe spielen, und ich meine daher, es sey wohlgethan ihn an einen Hof zu bringen. Denn was soll er länger hier thun? Auch werde ich älter, und weiß nicht, wie’s meine Nachkommen mit ihm halten wollen.

Eigentlich hätte bereits danach klar sein können, dass so eigentlich kein authentisches Selbstzeugnis des 16. Jahrhunderts beginnt.

Möchte vielleicht der Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, regelmäßiger Leser dieses Weblogs, die Echtheit des Textes verteidigen? Oder sonstwer vom archivischen Fußvolk? Oder vielleicht wurde der Text längst als Fälschung erwiesen, ohne dass dies rezipiert wurde?

Nachtrag: In Uhlands Briefwechsel fällt immerhin das Adjektiv “verdächtig”:

https://archive.org/stream/briefwechsel03uhlauoft#page/96/mode/2up
https://archive.org/stream/briefwechsel03uhlauoft#page/84/mode/2up

Die Heidelbergischen Jahrbücher lobten dagegen noch 1811 die hinreißende Lebendigkeit der Schilderung:
http://books.google.de/books?id=j55NAAAAcAAJ&pg=PA958

Claudius Sittig, Archivalia-Lesern durch http://archiv.twoday.net/stories/29760027
bekannt, nannte 2010 (Kulturelle Konkurrenzen S. 277 Anm. 110) den erfundenen Autor nach Barthold 1848:
https://www.google.de/books?jtp=64&id=W1QHAAAAQAAJ&pg=PA64

Bericht über die Hochzeit Johanns des Beständigen in Torgau. Curiositäten IV, 163 ff. Sicher nicht von Spalatins Hand (dieser war noch zu jung), wie Vulpius sagt:

http://books.google.de/books?id=yWswAAAAYAAJ&pg=RA1-PA175

Ob die Festbeschreibung von Beust 1797 die Vorlage war? Die Angaben gehen jedenfalls auf einen zeitgenössischen Bericht zurück, der zitiert und verwertet ist im Aufsatz von Burkhardt 1894:

https://archive.org/stream/neuesarchivfur15sach#page/282/mode/2up

[Zum Text siehe jetzt die Stellungnahme von Riecke:
http://archiv.twoday.net/stories/97000117 ]

Höchst verdächtig die angebliche Schrift des Andreas Hase
http://books.google.de/books?id=yWswAAAAYAAJ&pg=RA1-PA399-IA1
Sie wird nur zitiert, soweit ich sehe in
http://books.google.de/books?id=wmtAAAAAIAAJ&pg=PA6

Sicher gefälscht Meinhard Schwalinger Cur. III, 398ff.
http://books.google.de/books?id=IH85AAAAcAAJ&pg=PA398

Auf diese Quelle fiel z.B. herein Matthias Beer, Eltern und Kinder … (1990), siehe Register. Weitere Rezeption:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=meinhard+schwalinger

Der Roman Nagels “Georg von Frundsberg und sein Waffengefährte Meinhard Schwalinger von Memmingen. Historisch romantisches Kriegs- und Familiengemälde aus den letzten Zeiten des Ritterthums” (1831) nach dieser Quelle kann via Nationallizenz gelesen werden, vgl. auch
http://www.uibk.ac.at/germanistik/histrom/cgi/wrapcgi.cgi?wrap_config=hr_bu_all.cfg&nr=80300

Sodann erfunden Fritz Schicker Cur. II, S. 365ff.

http://books.google.de/books?id=1-saAAAAYAAJ&pg=PA365

was Beer loc. cit. nicht abgehalten hat, den Text zu verwerten (S. 90). Die Elslein-Geschichte ist gar zu verdächtig. Rezeption:

https://www.google.de/search?&q=%22fritz%20schicker%22&&tbm=bks

[Es handelt sich um einen Bericht vom Konstanzer Reichstag 1507. Angeregt worden sein könnte Vulpius vom Bericht des sächsischen Hofdiensters Karl, der mit Georg von Sachsen in Konstanz war, handschriftlich in der Würzburger Ratschronik, abgedruckt von Judith Rützel, Mfrk. Jb. 1997, S. 72-75. Ein Zeitgenosse hätte sicher nicht auf die Erwähnung der Totenfeier vom Maximilians Sohn verzichtet. Zum Konstanzer Reichstag siehe jüngst Buck (PDF). Ein Teilnehmerverzeichnis des Requiems übrigens in Anna Reitmors Cgm 929, Bl. 19-22v: https://www.archive.org/stream/diechronikender02kommgoog#page/n488/mode/2up ]

Fortsetzung:
http://archiv.twoday.net/stories/96986259

Christian August Vulpius als Quellenfälscher

Christian August Vulpius (1762 Weimar – 1827 Weimar) ist heute nur noch wenigen bekannt, vor allem als Schwager Goethes und Autor des trivialen Räuberromans “Rinaldo Rinaldini” (Erstausgabe 1799).

Bereits die fleißige Wikisource-Seite
http://de.wikisource.org/wiki/Christian_August_Vulpius
zeigt, dass der 1797 an der Weimarer Bibliothek tätige Autor ein “Vielschreiber” war.

Das Urteil über Vulpius ist im Lauf der Zeit milder geworden. Roberto Simanowski widmete ihm 1998 eine moderne Monographie
http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00040532/images/index.html
und Dieter und Sylke Kaufmann entwarfen 2001 ein positives Bild von Vulpius als Altertumsforscher
http://www.libreka.de/9783930036516/147 (Auszüge, Widerspruch kam von Karl Peschel in der Praehistorischen Zeitschrift 78, 2003, S. 218-225).

[Zusammenfassend zu Vulpius siehe zuletzt den Artikel von Ines Köhler-Zülch in der Enzyklopädie des Märchens 14 Lief. 1 (2011), Sp. 381-386]

Der neueren Vulpius-Forschung unbekannt geblieben sind ältere Nachweise, dass Vulpius in seiner angesehenen Zeitschrift “Curiositäten der physikalisch-literarisch-artistisch-historischen Vor- und Mitwelt” (10 Jahrgänge 1811-1825) Quellen aus Mittelalter und Renaissance gefälscht hat.

Digitalisat der Zeitschrift:
http://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpjournal_00000039

Wenn kleine Geister sich über andere erheben wollen, eignet sich der Nachweis, dass die anderen auf Fälschungen hereingefallen sind, dafür vorzüglich.

Eckehard Simon, Germanist in Harvard, und der renommierte Mainzer Buchwissenschaftler Stefan Füssel sind nur die beiden prominentesten Autoren, die sich von den von Vulpius erfundenen Selbstzeugnissen eines angeblichen Nürnberger Handlungsgehilfen Ulrich Wirschung täuschen ließen. Und das, obwohl an verschiedenen Stellen in der älteren Literatur darauf aufmerksam gemacht worden war, dass es sich um Fälschungen handelt!

Im fünften Stück des zehnten Bandes der Curiositäten erschien 1825 ein nicht namentlich gezeichneter, also vom Herausgeber Vulpius stammender Artikel “Schwank aus dem Fastnachtswesen in der Vorzeit zu Nürnberg. (Nach einer alten Handschrift.)” (S. 390-407).

http://books.google.de/books?id=P2swAAAAYAAJ&pg=PA390

Vulpius will das auf dem Titelblatt 1588 datierte Nürnberger Manuskript im Makulatur-Magazin eines ignoranten Gewürzkrämers gefunden haben. Er gibt an, er habe das überwiegend in Versen nach der Meistersänger-Manier geschriebene Werk für den Druck bearbeiten müssen, also in Prosa umgesetzt. Wer den Text aufmerksam liest, sollte eigentlich ziemlich schnell stutzig werden. Der damalige Nürnberger Stadtarchivar Emil Reicke (1865-1950) publizierte an kaum zugänglichem Orte 1904 im Unterhaltungsblatt des Fränkischen Kuriers Nr. 21 und 23 (laut ZDB nur in der Stadtibliothek Nürnberg vorhanden) eine ausführliche Kritik der Mystifikation, aus der im Fränkischen Kurier Nr. 68 und 86 Mitteilungen erfolgt waren.

https://archive.org/details/ZuDemAltnuernbergerFaschingsleben

Reicke meinte, derjenige, der nur ein wenig mit “Sitte und Schriftum” jener Tage vertraut sei, könne keinen Zweifel daran haben, dass es sich um eine Mystifikation handelt, ein Urteil, dem ich mich ungeachtet der Tatsache, dass nicht wenige die Quelle ernstgenommen haben, voll und ganz anschließen möchte. Ein Hauptverdachtsmoment ist schlicht und einfach, dass es sich um eine viel zu “schöne Quelle” handelt, deren Aussagereichtum von den anderen Quellen jener Zeit absticht. Reicke überprüft etliche tatsächliche Angaben und kommt zu dem Schluss, dass der angebliche Zeitgenosse Wirschung Falschangaben über Dinge macht, über die er bestens informiert sein müsste, beispielsweise über die Namen der Kinder seines Chefs Viatis. Reickes Aufsatz ist durchaus lesenswert und zeigt schlüssig, dass Vulpius sich das Ganze aus den Fingern gesogen und nicht einmal die Andeutung einer Vorlage gehabt hat. Noch unglaubwürdiger als die Beschreibung des Nürnberger Karnevals kam Reicke die Beschreibung des Karnevals zu Venedig vor, die Vulpius, nachdem seine Nürnberger Ausführungen offenbar großen Beifall gefunden hatten, im folgenden Stück präsentierte: “Ulrich Wirschung’s Ausfahrt nach Venedig, in die fremde Welt” (S. 531-545).

http://books.google.de/books?id=P2swAAAAYAAJ&pg=PA533

Er hat also eine Fortsetzung zu seiner Quellenfälschung erfunden.

Offenkundig war Reicke nicht bekannt, dass bereits Johannes Bolte – freilich viel zu zurückhaltend – zu dem Text in der Zeitschrift für deutsches Altertum 32 (1888), S. 21-23 Stellung bezogen hatte.

https://archive.org/stream/zeitschriftfrd32wiesuoft#page/n29/mode/2up

Dass das angebliche Faust-Zeugnis mit Erwähnung des “Gretle” eindeutig anachronistisch ist, hätte der bedeutende Erzählforscher sehr viel deutlicher sagen können, auch wenn der Abschnitt “Moderne Fälschungen” überschrieben ist. Bolte beruft sich auf eine Auskunft aus Weimar von dem Bibliothekar Reinhold Köhler, dort sei keine Wirschung-Handschrift bekannt. “Vielleicht” handle es sich um eine Fiktion des Vulpius.

Otto Höfler bezieht sich in seinen Geheimbünden I, 1934, S. 19 auf eine Auskunft von Julius Petersen, die Schilderung der Fastnachtslustbarkeiten (mit Erwähnung der Frau Holda) sei eine Fälschung.

http://books.google.de/books?id=YcAoAAAAYAAJ&q=vulpius+fälscher

1965 widmete Hans-Ulrich Roller in seinem Buch “Der Nürnberger Schembartlauf” der Quelle nur eine kurze Notiz (S. 56 Anm. 157): Leider habe die Schilderung des Fastnachtstreibens durch Wirschung den Mangel, “dass sie sehr wahrscheinlich erfunden ist; das verraten schon Inhalt und Stil des Berichts”.

Werner Lühmann: St. Urban, 1968, S. 123f. verwies zustimmend auf den Artikel von Reicke 1904 und stellte fest: “Teil eines Fastnachtsaufzuges ist das Urbanibrauchtum in Nürnberg niemals gewesen.”

http://books.google.de/books?id=ASbkAAAAMAAJ&%22&q=vulpius

Damit ist das mir bekannte Material an kritischen Stellungnahmen erschöpft. Reicher ist die Ausbeute an Autoren, die Vulpius geglaubt haben.

Vulpius’ Beitrag wurde im Nürnberger Alterthumsfreund 1842 nochmals abgedruckt:
http://books.google.de/books?id=CmJEAAAAcAAJ&pg=PT44

Ebenso von Friedrich Nick 1861
http://books.google.de/books?id=CmJEAAAAcAAJ&pg=PT44

Karl Ueberhorst verwertete die Fastnachts-Schilderung in der Gartenlaube 1879:
http://de.wikisource.org/wiki/Seite:Die_Gartenlaube_(1879)_149.jpg

Ebenso Johannes Janssen in seiner nicht nur von Katholiken viel gelesenen Geschichte des deutschen Volkes 1894:

https://archive.org/stream/geschichtedesdeu08jansuoft#page/270/mode/2up

Der Kulturhistoriker Alwin Schultz verwies 1903 auf beide angeblichen Texte Wirschungs:

https://archive.org/stream/dashuslichelebe00schugoog#page/n398/mode/2up

Nach Lühmann hat Adolf Spamer in seinem Beitrag “Sitte und Brauch” (Handbuch der deutschen Volkskunde II, 1904) S. 76 ebenfalls die gefälschte Quelle als echt behandelt.

Auch Will Erich-Peuckert fiel nicht nur 1928 herein:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=peuckert+wirschung+kaufmannsdieners

Desgleichen Sumbergs Schembart-Monographie von 1941:

http://books.google.de/books?id=mXCBAAAAMAAJ&q=%22wirschung%22

1993 formulierte der bereits erwähnte Füssel in einem Aufsatz zu Faust-Zeugnissen (MVGN 1993) zwar durchaus vorsichtig, hielt aber am Quellenwert des Berichts unverständlicherweise fest:

http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00000994,00209.html?prozent=1

Immerhin erfahren wir, dass das Manuskript, das es ja nie gegeben hat, weder im Stadtarchiv noch im Staatsarchiv Nürnberg aufgefunden werden konnte.

Weitere unkritische Rezeption im Kontext der Faust-Forschung ist in Google Book Search nachweisbar:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=%22wirschung%22+faust
http://books.google.de/books?id=CJpAAQAAIAAJ&q=wirschung
https://www.google.de/search?tbm=bks&q=faust+1588+n%C3%BCrnberg+vulpius
https://www.google.de/search?tbm=bks&q=%22German+Faust+play+of%22+1588

John A. Walz: A German Faust play of the sixteenth century. In: The Germanic review 3 (1928), S. 1-22 hatte dem Wirschung-Text sogar einen eigenen Aufsatz gewidmet, wobei es ihm vor allem um den angeblich sicheren Nachweis eines deutschen Faust-Theaterstücks 1588 geht. An der Authentizität seiner Quelle zweifelt Walz überhaupt nicht. Dagegen vermutete Hans Albert Maier in den Monatsheften 1953, S. 407 zurecht, Vulpius habe den Namen des Gretchens eingeschmuggelt (Toll Access: http://www.jstor.org/stable/30165987).

Simons “Die Anfänge des weltlichen Deutschen Schauspiels 1370-1530” erschien 2003 in der angesehensten altgermanistischen Schriftenreihe (MTU), und trotzdem verwertete Autor im Abschnitt zum Nürnberger Schembartlauf (S. 333-343, hier S. 343 mit Hinweis auf Füssel) das angebliche Wirschungsche Manuskript ohne Vorbehalt.

Auf einer Friesacher Tagung 2007 zitierte Horst Kaufmann von der Schembart-Gesellschaft Nürnberg die vermeintliche Quelle sogar wörtlich. Sein Text steht als Volltext im Netz:

http://www.schembart.de/media/2007__Kaufmann-Friesach-Schembart-06Feb08.pdf [3.7.2021 Archivversion]

Ist einmal eine literarische Fälschung in der Welt, ist sie offenbar kaum auszurotten, selbst wenn es – wie hier – nur eines sehr geringen quellenkritischen Gespürs bedarf, um sie zu erkennen. Als nachteilig erweist sich auch die Tatsache, dass die Widerlegungen in der Literatur verstreut sind, während die unkritische Rezeption an durchaus prominenten Stellen erfolgte. Nach der Zwergen-Riesen-Metapher ist es erst durch die Retrodigitalisierung und insbesondere durch Google Book Search möglich geworden, sich sehr rasch einen Überblick über die “Wirschung-Rezeption” zu verschaffen. Dies muss zwar den früheren Autoren, die Vulpius geglaubt haben, zugutegehalten werden, trotzdem bleibt der irritierende Befund, dass die Fälschungs-Diagnose eigentlich von jedem gefällt werden könnte, der sich intensiver mit Texten des 16. Jahrhunderts beschäftigt.

Den zitierten Kritikern ist es verborgen geblieben, dass am Ende des 19. Jahrhunderts zwei weitere Quellenerfindungen von Vulpius namhaft gemacht werden konnten.

In der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 4 (1881) hatte Wilhelm Erman “Zwei angebliche deutsche Pilgerschriften des 15. Jahrhunderts” als Fälschungen des Vulpius erwiesen – auch sie sind den “Curiositäten” entnommen:

https://archive.org/stream/zeitschriftdesde03deut#page/200/mode/2up

Kurz zuvor hatten die damaligen beiden Koryphäen der Pilgerreise-Forschung Reinhold Röhricht und Reinhold Meisner in ihrem Standard-Werk Auszüge aus den Fälschungen geboten, obwohl Erman bereits nach kurzer Lektüre Zweifel an der Authentizität bekommen hatte.

Vulpius gab in Bd. 2, 1812 den Pilgerbericht eines Just Artus aus Bebenhausen (Link zum Jenaer Digitalisat mit viel zu langem Permanentlink.

Vulpius will den Text in einem Archive halb vermodert aufgefunden zu haben – bereits dies erregt Verdacht! Der Name des Wundscherers Artus – hier bereichert um den Vornamen Just und um den Herkunftsort Bebenhausen – ist der bekannten Reisebeschreibung von Felix Fabri (via Feyerabends Reyßbuch) entnommen, und der Artus-Text konnte von Erman als dürftiges “Cento” aus Fabri erwiesen werden.

Auch hier überwiegen die unkritischen Stellungnahmen zu dem mehrfach nachgedruckten Pilgerbericht vom Ende des 15. Jahrhunderts:

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=%22jost+artus%22

Zur Kritik:

http://www.digiberichte.de/Hirschbiegel&Kraack_2000_Niederlaendische_Reiseberichte.pdf (S. 96f.)
https://archive.org/stream/fratrispauliwal01waltgoog#page/n170/mode/2up

Literaturgeschichtlich einflussreich ist die Fälschung geworden, da Mörike von den Abenteuern des Artus fasziniert war und sie in eine geplante Veröffentlichung integrieren wollte. 1846 schrieb er den Text eigenhändig ab:

http://books.google.de/books?id=_xej-qj60hIC&pg=PA326

1875 hatte Titus Tobler dem angeblichen Reiseschriftsteller Jost Artus einen ADB-Artikel gewidmet, und obwohl Erman wenige Jahre später die Fälschung erwies, was Röhricht/Meisner 1900 anerkannten, gelangte Artus als Reiseschriftsteller ohne ein Wort der Distanzierung ins digitale ADB-NDB-Register und die PND der Deutschen Nationalbibliothek! [DNB weist jetzt auf die Fälschung hin: http://d-nb.info/gnd/135746051 ]

http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Artus,_Jost

Auch Hans Raininger aus Buchhorn, dessen Bericht Vulpius aus dem ebenfalls im Feyerabendschen “Reyßbuch” stehenden Breidenbach-Bericht zusammenstoppelte

http://books.google.de/books?id=EAsJAAAAQAAJ&pg=PA323 (Curiositäten 6, 1817, S. 323-324),

hat es nie gegeben. Unkritisch behaupten Röhrich/Meisner 1900, S. 82 Anm. 375

https://archive.org/stream/deutschepilgerr00rhgoog#page/n94/mode/2up

er sei eine historische Persönlichkeit. Die angeführten Sprüche im Cgm 270 stammen aber von Hans Raminger!

Befremdlich ist auch die von ihnen gewählte Formulierung zur Erzählung über Franz von Brünn aus dem Artus-Text (dasselbe, nämlich dass es sich um einen modernen Roman handle, “dürfte” auch für die von Hormayr 1837 mitgeteilte Erzählung gelten):

https://archive.org/stream/deutschepilgerr00rhgoog#page/n92/mode/2up

Dass man dort vielerlei Neues über den Bartscherer Artus lesen könne, erklärt sich einfach so, dass die Episode über Franz von Brünn erzählerisch ausgesponnen wurde:

http://books.google.de/books?id=Q6K6AAAAIAAJ&pg=PA117

Zur Rezeption der Erzählung “Der schöne Franz von Brünn”:

https://www.google.de/search?&q=%22sch%C3%B6ne%20franz%20von%20br%C3%BCnn%22&tbm=bks

Das Bild unten ist eine Illustration aus der Zeitschrift “Haus-Chronik”
http://books.google.de/books?id=NItEAAAAcAAJ&pg=PA336

Neben der auf Nürnberg und Venedig bezüglichen Wirschung-Fälschung hat Vulpius also auch zwei spätmittelalterliche Pilgerschriften erfunden. Ansonsten kann ich aus PBB 1937 S. 176 beibringen: Die Curiositäten 2, 472f. mitgeteilten Verschen seien nach Böhme, Kinderlied und Kinderspiel, 1924, S. 393 “moderne Machwerke”.
[ https://archive.org/stream/DeutschesKinderliedUndKinderspiel#page/n469/mode/2up ]

Schaut man sich die angegebene Stelle aus einem Aufsatz “Mancherlei Kirchen-Feierlichkeiten und Volksgebräuche im XVI. Jahrhundert” (Digitalisat Jena) näher an (anscheinend stimmen die Seitenzahlen nicht, da Kinderverse etwas später erscheinen), so stellt man erstaunt fest, dass Ulrich Wirschung, angeblich ein Zeitgenosse des 16. Jahrhunderts, sich wörtlich an den Text des offenbar von Vulpius verfassten Aufsatzes bei der Beschreibung des wütenden Heers anlehnt (man vergleiche Bd. 2, S. 472 mit Bd. 10, S. 397) – ein wohl ziemlich schlagendes Fälschungs-Indiz.

Vulpius mischt in dem soeben genannten Aufsatz geschickt Zitate authentischer alter Quellen mit Erfundenem. Bereits Reicke hat aus seinen beobachtungen zur Wirschung-Fälschung die Konsequenz gezogen und vor der Verwertung solcher Angaben von Vulpius gewarnt, die nicht anderweitig belegbar sind. Dem ist zuzustimmen. Man müsste die umfangreichen Curiositäten auf weitere Fälschungen durchgehen (was ich nicht getan habe [inzwischen aber doch!]). Aber auch wenn diese undankbare quellenkritische Arbeit noch zu leisten bleibt, sollte man dringend davon absehen, Quellen aus Vulpius zu zitieren. Wenn sie anderweitig nicht nachweisbar sind, könnte es sich um Fälschungen handeln; sind sie dagegen auffindbar, versteht es sich ja wohl von selbst, dass man nach der Vorlage und nicht nach dem Weimarer Vielschreiber zitiert.

Mundus vult decipi! Auch wenn schon viel Kopfschütteln angebracht ist, was die unkritische Verwertung vergleichsweise einfach erkennbarer Fälschungen angeht, so ist das natürlich nicht der einzige Aspekt, unter dem man diese Texte betrachten kann. Auch als Falsifikate sind es kulturgeschichtliche Zeugnisse, nur eben nicht für das 15. und 16. Jahrhundert, sondern für die Mittelalter- und Renaissance-Rezeption der Goethe-Zeit, die sich gern mit kuriosen Altertümern aus alten Handschriften unterhalten ließ. Eine entsprechende unvoreingenommene Würdigung bleibt ebenfalls zu leisten, doch bereits jetzt darf darauf hingewiesen werden, dass Vulpius mit Eduard Mörike ja wahrlich kein literarisches Leichtgewicht zu beeindrucken imstande war. (Mörike war übrigens auch von den Fälschungen der Munderschen Stuttgarter Stadtglocke angetan, siehe Graf, Sagen rund um Stuttgart

http://books.google.de/books?id=DCbaAAAAMAAJ&pg=PA58&lpg=PA58 )

Man mag die Quellenfälschungen von Vulpius als Makel ansehen, der Autor Vulpius ist dadurch jedoch meines Erachtens eher noch interessanter geworden.

Fortsetzung: http://archiv.twoday.net/stories/96984948 (von dort aus weitere erreichbar)

Zum Thema Fälschungen in Archivalia: http://archiv.twoday.net/stories/96987511

Nachtrag: Erika Timm, Frau Holle, 2003, S. 108: “Der im Wort- und Detailreichtum schwelgende Stil der Darstellung ist aber allzu klar Vulpius’ eigenes Produkt und spricht jedem Gedanken an textliche Authentizität Hohn. (Ähnlich das Urteil von Roller 1965: 56 Anm. 157.)” Sie bezieht sich auf die Arbeit von Karl Meisen, der einen kurzen Auszug aus Vulpius in seinem Quellenbuch zum wütenden Heer publizierte (mir vorliegend in der italienischen Ausgabe von Sonia Maura Barillari, Allesandria 2001, S. 304-306).

#forschung

Schlachtengemälde Leonardos entdeckt?

Um 1500 malte Leonardo da Vinci seine berühmte “Schlacht von Anghiari”. Das Monumentalgemälde verschwand. Jetzt wollen Forscher es in Florenz lokalisiert haben.

http://www.welt.de/kultur/history/article13918046/Spuren-von-Leonardos-Schlachtengemaelde-entdeckt.html

http://en.wikipedia.org/wiki/The_Battle_of_Anghiari_%28painting%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Anghiari

Zu mittelalterlichen Schlachtenbildern siehe auch
http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/nachruh.htm#t55

Update:
http://archiv.twoday.net/stories/96993587

Zäher Rüxner-Glaube in Sandizell

Hoch über dem Eingang des imposanten Wasserschlosses Sandizell bei Schrobenhausen sieht man eine Kartusche mit den Daten 948-1948, und wenn man im Kirchenführer der benachbarten wunderbaren ehemaligen Hofmarkskirche nachliest, bestätigt sich der Verdacht, dass dieses Datum 948 aus Georg Rüxners Turnierbuch stammt: “Als erster Vertreter ist in Turnierbüchern ein Jakob von Sandizell auf dem Turnier von ‘Costnitz’ 948 genannt. Dies spricht zum mindesten für das hohe Alter dieses Hauses” (4. Aufl. Mainburg 1987, S. 2).

Obwohl man spätestens seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiß, dass Rüxner alle frühen Turniere und ihre Teilnehmer erfunden hat, werden seine Angaben bis heute leichtgläubig und unkritisch weitergetragen. Sein 1530 erstmals im Druck erschienenes Turnierbuch ist eine der wirkmächtigsten Fälschungen überhaupt.

Zur Rezeption siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/5782749

In der Wikipedia heißt es: “Moritz von Sandizell […] stammte aus einem seit 948 nachgewiesenen Adelsgeschlecht mit Stammsitz im Wasserschloss Sandizell bei Schrobenhausen.”
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Moritz_von_Sandizell&oldid=85029776

Im Hauptartikel zur Familie wurde das Datum bei einer Überarbeitung 2009 getilgt:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sandizell_%28Adelsgeschlecht%29&diff=61719649&oldid=61618237

2008 veröffentlichte ich hier “Wikipedia glaubt Rüxner: Adelsfamilien-Artikel rekordverdächtig schlecht” – http://archiv.twoday.net/stories/5069417 – kein Grund für die Wikipedia, etwas zu ändern, wie schon der erste Link zeigt.

Auf der Schlosshomepage steht selbstverständlich das Datum 948 ohne eine Relativierung:
http://www.schloss-sandizell.de/index.php?id=42
Auch im WELT-Artikel über ein Familienmitglied 2010:
http://www.welt.de/wissenschaft/article9628594/Die-riskante-Jagd-nach-den-versunkenen-Schaetzen.html

Ebenso findet sich das Datum auf diversen anderen Websites.

1948 gab es eine Festschrift zum 100jährigen Jubiläum, und auch im offiziellen Historischen Atlas von Bayern (Schrobenhausen, 1977, nicht online) begegnet das erfundene Datum:

http://books.google.de/books?id=TG0jAQAAIAAJ&q=sandizell+%22948%22

Mundus vult decipi.

Ausstellungseröffnung "Josel von Rosheim (1478 bis 1554)"

Josel von Rosheim (1478 bis 1554). Zwischen dem Einzigartigen und Universellen. Ein engagierter Jude im Europa seiner Zeit und im Europa unserer Zeit.
Die deutsch-französische Wanderausstellung, deren deutsche Version heute in Erfurt präsentiert wird, wird zwischen Ende Mai und Ende Juni 2012 in Speyer Station machen.

Zum Inhalt: Josel ben Gerschon von Rosheim (1478-1554) ist eine herausragende jüdische Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Er unterhielt enge Verbindungen zu Kaiser Karl V., die er nutzte, um die Rechtsstellung und Sicherheit der Juden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in einer Zeit des Umbruchs zu schützen. Die Reformation, die seit 1517 das Reich religiös zunehmend spaltete, führte zu tiefgreifenden Veränderungen, die sich zum Teil in gewalttätigen Übergriffen äußerten. In dieser Zeit wurden jüdische Gemeinden des Reiches häufig in die Position eines Sündenbocks gedrängt.
Als erster und einziger schetadlan (Fürsprecher) erreichte Josel von Rosheim eine reichsweit anerkannte Position sowohl bei den jüdischen Gemeinden des Reiches als auch bei den christlichen Landesregierungen, durch die er längerfristig eine stabilere Rechtsstellung jüdischer Gemeinden unter christlichen Herren durchsetzen konnte. Mit persönlichem Engagement verhinderte Josel vielfach religiös oder wirtschaftlich motivierte Austreibungsversuche lokaler Obrigkeiten (… http://www.alte-synagoge.erfurt.de/jle/de/kleinesynagoge/projekte)

Dass ich das noch erleben darf: Rüxners Sächsische Genealogie ist in der Darmstädter Handschrift online

Im Darmstädter RSS-Feed sah es zunächst nur nach den üblichen unendlich öden Graupneriana aus, aber dann kam der Knüller: Das (von mir bezahlte) Digitalisat der Sächsischen Genealogie Georg Rüxners, Handschrift 203:

Rixner, Georg
Genealogie des Sächsischen Hauses
nach 1573
Sammlung
Persistente URL: http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Hs-203
URN: urn:nbn:de:tuda-tudigit-28352

Zur Einordnung der Handschrift existiert bislang nur, was ich 2009 darüber schrieb:

Um 1520 schrieb Rüxner einen Brief an den kursächsischen Historiographen Georg Spalatin über die alten Herzöge von Sachsen, der in einer Handschrift Spalatins erhalten geblieben ist. […]

Dieser Brief steht im Kontext der Beschäftigung Rüxners mit der Genealogie der Wettiner, die ihren Niederschlag gefunden hat in einer bisher unbekannten umfangreichen Ausarbeitung, von der ich drei Handschriften nachweisen kann. Die älteste Handschrift der Genealogie des Hauses Sachsen (“der recht blutstam des
Churfürstlichen Haus zu Sachsen”) bis auf Johann Friedrich I. aus der Zeit um 1520, aber wohl kein Autograph, ist: Jena, Thüringische Universitäts- und Landesbibliothek, Ms. Prov. f. 262. Mit hunderten kolorierter Wappendarstellungen auf etwa fünfzig beschriebenen Blättern handelt es sich um eine prächtig ausgestattete Handschrift. In der Widmung an Herzog Georg den Bärtigen von Sachsen Bl. 3v-4v nennt sich Jörg Rixner genannt Jerusalem als Verfasser. Das späteste im Chroniktext angegebene Datum der anlegenden Hand ist 1518. Gegen Ende häufen sich Nachträge von anderen Händen mit Datumsangaben von 1525 bis 1573. Auf die Zeit um 1520 deuten auch die Wasserzeichen. Die Handschrift ist unvollendet, denn abschließend sind nur noch Wappendarstellungen zu finden mit Freifeldern für Texte. Das Stück wurde 2001 bei Reiss aus den damals zerstreuten Resten der Herzoglichen Bibliothek zu Meiningen ersteigert.

Offenbar getreue Kopien der Jenaer Handschrift einschließlich der Wappen und der Fortführung bis 1573 sind die beiden anderen Handschriften, die beide wohl dem Ende des 16. Jahrhunderts angehören. Aus der Darmstädter Hofbibliothek stammt Hs. 203 der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (54 Bl.). Die Forschungsbibliothek Gotha verwahrt unter der Signatur Chart. A 532 eine weitere Überlieferung.

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7140/pdf/Graf_Ruexner.pdf (S. 119f.)

Update: Zur Gothaer Handschrift Rathgeber 1835:
https://books.google.de/books?id=KtlWAAAAcAAJ&pg=PA330

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache

Die folgende Rezension erschien in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 155 (2007), S. 551-553

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache WMU auf
der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden
bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein
und Ursula Schulze erarbeitet von Sibylle Ohly, Peter
Schmitt und Nicole Spengler (ab Lief. 20: erarbeitet von
Sibylle Ohly und Daniela Schmidt). Berlin: Erich Schmidt
Verlag. 17. Lieferung: schuolhof – sprechen S. 1537-1632
(2001); 18. Lief.: sprechen – swester S. 1633-1728 (2002);
19. Lief.: swesterkint – ûf S. 1729-1824 (2003); 20. Lief.:
ûfbieten – unrehte S. 1825-1920 (2004); 21. Lief.: unrehte
– vaschang S. 1921-2016 (2005); 22. Lief.: vaschanchuon –
verswern S. 2017-2112 (2006).

Gut 80 Prozent dürfte geschafft sein. Pünktlich jedes Jahr
legte die Berliner Arbeitsstelle des Wörterbuchprojekts
eine neue Lieferung des Spezialwörterbuchs zur Geschäfts-
und Rechtssprache des 13. Jahrhunderts vor. Geht man von
sechs ausstehenden Lieferungen aus, so wird das
ambitionierte Unternehmen 2012 beendet sein. Die Rezension
der ersten Lieferung erschien in dieser Zeitschrift 1988,
es folgten drei weitere Besprechungen (1991, 1996 und
2002).

Qualitätsschwankungen waren nicht zu registrieren, die
Bearbeiter haben ein hohes Niveau durchgehalten.
Selbstverständlich ist der Historiker ab und an mit den
Erklärungen unzufrieden. Wenn “stuolbruder” als
“Angehöriger einer (Laien-)Bruderschaft” erklärt wird, so
ist das zu unpräzise. Der Beleg bezieht sich auf die zwölf
Bamberger Stuhlbrüder. Es geht nicht um irgendeine
Laienbruderschaft, sondern eine spezifische Institution des
Memorialwesens, die den Lesern der ZGO aus Speyer vertraut
sein dürfte. Und ob “konzessionierte Schenke” für “rehten
taevern” nicht doch eine Spur zu anachronistisch ist,
darüber mag man trefflich streiten.

Für das Nachschlagen unbekannter Wörter wird man dieses
Wörterbuch freilich ohnehin kaum nutzen, wie überhaupt sein
Hauptadressatenkreis weniger die Historiker und
Rechtshistoriker sind als die Sprachhistoriker und
Lexikographen. Sie finden hier unschätzbares Material zu
den Schreibsprachen des 13. Jahrhunderts, das stets genau
lokalisierbar und datierbar ist.

Historiker und Rechtshistoriker können das WMU vor allem
als “Sachregister” zum “Corpus der altdeutschen
Originalurkunden bis zum Jahr 1300” verwenden, das im WMU
sozusagen “verzettelt” ist. Es enthält aufschlußreiche
Belege zur Rechtssprache und zum agrarhistorischen
Vokabular. So wird man die Artikel selde, seldener,
seldenhûs, seldenlêhen, selhûs und selman als willkommene
Ergänzung zu der von dem Tübinger Geographen Hermann Grees
erstellten Tabelle von Selden-Nennungen vor 1300
heranziehen müssen (Ländliche Unterschichten und ländliche
Siedlung in Ostschwaben, 1975, S. 87-91). Erwähnung
verdienen auch die vielen Personennamen-Deutungen. Nicht
selten erscheinen die Begriffe nur als Bestandteil eines
Personennamens (z.B. solsnîder, Sohlenschneider: her
Gotfrid der solsneider in Wien).

2004 hat der Schmidt-Verlag das Corpus neu aufgelegt. Für
die vier 1932 bis 1963 erschienenen vier Urkundenbände, den
Nachtragsband (bis Lieferung 54, 1986) und den
Regestenband, insgesamt 4500 Seiten, muss man stolze 1788
Euro auf den Tisch legen. Glücklicherweise steht inzwischen
die von Kurt Gärtner in Trier veranlasste Digitalisierung
der Corpus-Texte (ohne Regesten) online kostenfrei zur
Verfügung: http://www.corpus.uni-trier.de. Ein großartiges
Angebot, das für viele nicht-sprachhistorische
Fragestellungen das WMU entbehrlich macht! Mit der
Volltextsuche kann man nun auch mehr als die 100 Belege
auffinden, die das WMU maximal nachweist. Allerdings muss
man im digitalen Volltext alle denkbaren Wortformen suchen,
während das WMU mit normalisierten Lemmata punkten kann.

Da die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
unterstützte Open-Access-Bewegung die freie Zugänglichkeit
von mit öffentlichen Mitteln erstellten
Forschungsergebnissen im Internet fordert (vgl. Klaus Graf,
Edition und Open Access, in: Vom Nutzen des Edierens, 2005,
S. 197-203), wäre es an der Zeit, eine kostenfreie
Online-Ausgabe des WMU ins Netz zu stellen. Auch wenn eine
Volltextsuche im WMU keine Erschließung nach Wortfeldern
ersetzt, die zusätzlich dringend wünschenswert wäre (siehe
ZGO 2002, S. 604f.), so steht doch außer Zweifel, dass mit
einer Volltextsuche die Qualität der Recherche in einem
Nachschlagewerk erheblich zunimmt. Alle Erfahrungen mit
“Open Access” zeigen überdies, dass dieser den Verkauf
ankurbelt und nicht etwa beeinträchtigt. Das Heidelberger
Deutsche Rechtswörterbuch hat den kompletten Bestand des
gedruckten Nachschlagewerks kostenlos ins Netz gestellt. Es
wäre zu wünschen, dass die Bayerische Akademie der
Wissenschaften als Projektträger sich bei der Entscheidung
über eine digitale Ausgabe des WMU darauf besinnt, dass
Wissenschaft betrieben wird, um Wissen möglichst weit zu
verbreiten und nicht, damit traditionelle Verlagsstrukturen
mit “Apotheken-Preisen” für immer fortbestehen.

***

Kommentar: Die letzte 27. Lieferung erschien 2010.

Update: http://archiv.twoday.net/stories/110777038
[= https://archivalia.hypotheses.org/8992]

24.3.2019

Das Wörterbuch kostet 1194 Euro. Eine Online-Ausgabe existiert nicht. Ich dokumentierte im Folgenden meine Besprechungen.

Gedruckt: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 136 (1988), S. 493f. (korrigierte OCR meines Typoskripts), Digitalisat Commons.

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache auf der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein und Ursula Schulze erarbeitet von Sibylle Ohly und Peter Schmitt (Veröffentlichungen der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). 1. Band 1. Lieferung. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1986. 96 S., Brosch. DM 64‚-.

Das hier anzuzeigende Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache (WMU) ist auf drei Bände zu je 9 Lieferungen berechnet und soll etwa 10000 Stichwörter enthalten. Es erschließt den gesamten Wortschatz der von Friedrich Wilhelm 1929 begonnenen und erst jetzt abgeschlossenen Edition deutschsprachiger Urkundenausfertigungen bis zum Jahr 1300. Die Konzeption des WMU ist “primär sprachhistorisch()” (S.12), es soll “die Sprachbeschreibung des Mittelhochdeutschen, die fast ausschließlich auf versrhythmisch gestalteten, abschriftlich überlieferten und editorisch geglätteten Texten beruht, durch datierbare und lokalisierbare Zeugnisse einer Gebrauchssprache (…) ergänzen und (…) differenzieren”(S. 2). Dem entspricht auch die in der ausführlichen Einleitung zur 1. Lieferung
(S. 1-12) erläuterte Gliederung der einzelnen Artikel. Der Kopfteil gibt das Stichwort in nach Lexer normierter Form, die Wortart, eine Bedeutungsübersicht und die Anzahl der Belege an. Teil Al charaktersiert Schreibweise und regionale Verteilung der Vorkommen auf das deutsche Sprachgebiet, A2 gilt den Wortbildungsvarianten und Flexionsformen. Die semantischen, syntaktischen und kontextuellen
Aspekte des Wortgebrauchs werden in B durch meist ausführliche Textzitate dokumentiert. Da auf diese Weise die Bedeutungsangaben kontrolliert werden können, darf man dem WMU bescheinigen, daß die
Bedeutungen sorgfältig und mit der nötigen Vorsicht angesetzt sind. Daß man in Einzelfällen Korrekturen und Ergänzungen anbringen könnte (z.B. bei “agestein” S. 37 die im südwestdeutschen Raum gebräuchliche
Bedeutung “Gagat”), schmälert nicht die große Leistung der Bearbeiterinnen und Bearbeiter.

Der Historiker wird im WMU relativ wenige Wörter finden, die nicht in den gängigen mittelhochdeutschen Wörterbüchern nachgewiesen sind (S. 4). Gleichwohl kann sich das WMU, das vor allem die zwei Jahrzehnte von 1280 bis 1300 abdeckt, in Einzelfällen als nützliches Hilfsmittel erweisen. Vor allem der begriffsgeschichtlich orientierte Rechtshistoriker wird für die Belegangaben (bis 100 Belege werden alle Vorkommen genannt) und Textzitate dankbar sein (man vergleiche etwa die Stichwörter almeinde,
almeine, almuosen, ambahte, ambetliute, ambetman), enthält doch das Deutsche Rechtswörterbuch in der Regel spätere Belege. Inwieweit das WMU auch als punktuelle Ergänzung von Kleiber [Vorlage: Kleiner]/Kunze/Löffler, Historischer Südwestdeutscher Sprachatlas, dienen kann (vgl. z.B. dort Bd. 1, S. 150—152 almende/almeinde), müssen andere beurteilen.

Bedauerlich ist der lange Erscheinungszeitraum; vorgesehen ist jeweils nur eine Lieferung pro Jahr.

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Gedruckt: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 139 (1991), S. 531-532

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache auf der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein und Ursula Schulze erarbeitet von Sibylle Ohly und Peter Schmitt (Veröffentlichungen der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). 1. Band 2. Lieferung: anegesigen – bereiten. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1987. S. 97-192. 3. Lieferung: bereitschaft – bret. 1988. S. 193-288. 4. Lieferung: brief – dingen. S. 289-384. 1989. 5. Lieferung: dingen-enzwischen. S. 385-480. 1990. Jeweils Brosch., DM 64,-.

Von dem hier erstmals 1988 (ZGO 136, S. 493 f.) angezeigten Wörterbuch (WMU) sind inzwischen (d.h. bis Frühjahr 1991) weitere vier Lieferungen erschienen. Von einem “zügigen Fortgang”, wie der Verlag es tut, wird man kaum sprechen können, bedenkt man, daß der Abschluß des dreibändigen Werkes erst für das Jahr 2012 zu erwarten ist. Auch ohne prophetische Gaben läßt sich voraussagen, daß die Bände zu diesem Zeitpunkt wohl eher “fossil” wirken werden. Möglicherweise wird das zugrundeliegende “Corpus” dann auf CD-ROM in Verbindung mit einem automatisierten “Lexer” zur Verfügung stehen.

Den großen Wert der vorgelegten Leistung für die sprachgeschichtliche Forschung betonen die mir bekanntgewordenen germanistischen Rezensionen, von denen nur zwei genannt seien: Norbert Richard Wolf, in: Anzeiger für deutsches Altertum 100 (1989), S. 22-24 und der Besprechungsaufsatz von Klaus Matzel, Ein Spezialwörterbuch des Mittelhochdeutschen, in: Zeitschrift für deutsche Philologie 109 (1990), S. 86-98. Hier soll indessen nur von einigen Wortfeldern die Rede sein, die den Historiker besonders interessieren könnten. Meine kleine subjektive Auswahl kann den reichen Stoff natürlich nicht annähernd erschöpfen.

Aus dem Wortfeld der Schriftlichkeit sind naturgemäß etliche Begriffe vertreten (ahtebuoch, abeschrieben, aneschriben, artikel, beschriben, brief). Der Artikel “buoch” belegt u.a. ein Güterverzeichnis, ein Jahrzeitbuch (von dem WMU etwas unglücklich mit “Memorialbuch” übersetzt) und ein Stadt(rechts)buch. Agrarhistoriker werden etwa die Belege für “anwande”, “anwender”, “biunte” usw., Wirtschaftshistoriker die um “briuwe” gruppierten Zeugnisse für einen Schwerpunkt des Brauwesens in Regensburg dankbar zur Kenntnis nehmen. Für die Stadtgeschichtsforschung ist insbesondere der Artikel “burc” interessant. Das Wort, das in 800 Belegen vorliegt, wurde nach Auskunft des WMU ausschließlich zur Bezeichnung von Burgen (nicht von Städten) verwendet. Aufschlußreich ist jedoch, daß in den Zusammensetzungen mit “burc” sich einige Bedeutungen erhalten haben, die sich ausschließlich auf städtische Sachverhalte beziehen (burcmez, burcmure, burctor). Bei einigem Suchen entdeckt man sogar etwas zur Brauchgeschichte: Bereits am Ende des 13. Jahrhunderts erfreute man sich in der Fasnachtszeit im Alemannischen an Plätzchen, wie aus einer in dem Artikel “blez” zitierten Datierungsangabe hervorgeht (“do man vierzehen tage hatte bletz gessen”).

Diese wenigen Beispiele lassen den Wunsch aufkommen, daß der Versuch unternommen werden möge, das gesamte Material auch nach Sachgruppen oder Wortfeldern gegliedert darzubieten. Wörterbücher, so nützlich sie auch sein mögen, vereinzeln die Wörter, indem sie sie von den sinnverwandten Wörtern und den Sachgemeinschaften isolieren. Was die jüngst verstärkt beachteten Austauschvorgänge im spätmittelalterlichen Wortschatz angeht, sei auf ein bemerkenswertes neues Instrument der Wortforschung hingewiesen: Ulla Williams, Die elsässische ‘Legenda aurea’. Band III: Die lexikalische Überlieferungsvarianz. Register. Indices, Tübingen 1990. Wer die nicht zuletzt aus diesem Werk ablesbaren vielfältigen Beziehungen der Wörter untereinander ernstnimmt und die Möglichkeiten in die Überlegungen miteinbezieht, die eine Abbildung begrifflicher Beziehungen in einem sogenannten Thesaurus bietet, wird die ausschließliche Anordnung von Begriffen nach dem Alphabet unter informationellen Gesichtspunkten für obsolet halten müssen.

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Gedruckt: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 144 (1996), S. 444-445

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache auf der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein und Ursula Schulze erarbeitet von Sibylle Ohly und Peter Schmitt (= Veröffentlichungen der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). Erster Band: ab – hinnen. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1994, XVI, 864 S. Ganzln., DM 678,-. 10. Lieferung: hinnen dar – jehen. 1995, S. 865-960. 11. Lieferung: jehen – künic. 1996, S. 961-1056. Jeweils Brosch., DM 69,-.
Schreibortverzeichnis zum Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache. Unter Leitung … (Bearbeiter und Reihenangabe wie oben). Ebd. 1991, 140 S. Brosch. DM 86,-.

Nachdem 1957 mit der Verzettelung des gesamten deutschen Wortbestandes des von Friedrich Wilhelm 1929 in Angriff genommenen “Corpus der altdeutschen Originalurkunden” begonnen worden war, konnte 1986 die erste Lieferung des seit 1957 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Wörterbuchs vorgelegt werden (besprochen ZGO 136, 1988, S. 493f.). In der Zwischenzeit sind im Jahresrhythmus zehn weitere Lieferungen herausgekommen (Besprechung der Lieferungen 2-5: ZGO 139, 1991, S. 531f.), dazu 1991 ein Schreiborteverzeichnis. Von der wissenschaftlichen Kritik ist das großangelegte Unternehmen, das nach dem bisher vorgelegten Tempo ungefähr im Jahr 2012 abgeschlossen sein wird, bislang sehr wohlwollend aufgenommen worden. “Das WMU wird”, prophezeit Hans-Werner Eroms, “mit seinen klar gegliederten, typographisch exzellenten und verständlich aufbereiteten Wortartikeln ein Arbeitsinstrument sein, das Sprachwissenschaftler, Historiker und alle kulturgeschichtlich Interessierten an das Material der altdeutschen Originalurkunden heranführt” (Archiv für Kulturgeschichte 77, 1995, S. 221-227, hier S. 227). Und ein Kollege vom “Deutschen Wörterbuch” meinte an renommierter Stelle, das WMU zeige “unbeschadet einzelner Vorbehalte eine tragfähige konzeptionelle Fundierung und verbindet lexikographische Professionalität mit gründlicher elementarphilologischer Informationsdarbietung” (Michael Schlaefer, Göttingische Gelehrte Anzeigen 1991, S. 221-232, hier S. 232). Hinzuweisen ist auch auf die Beiträge von Ernst Dittmer und Ursula Schulze in dem Sammelband: Wörter und Namen, Marburg 1990, S. 46-58, 189-197.

Die Informationsrevolution unserer Tage mit ihrem Hang zur Ungeduld läßt das WMU als altmodisch und unzeitgemäß erscheinen. Eine Corpus-CD-ROM mit lemmatisiertem Index (und einem Sachgruppen bildenden Thesaurus) wäre ein Hilfsmittel bei der Belegsuche, das mit einem Bruchteil der für das WMU seit 1957 eingesetzten öffentlichen Finanzmittel realisiert werden und die diesbezüglichen Einschränkungen des WMU (vollständige Belegliste nur bei unter 100 Vorkommen) leicht überwinden könnte. Seit 1974 liegt von Ulrich Goebel ein maschinell erstellter “Wortindex zum 1. Band des Corpus der altdeutschen Originalurkunden” vor – allzu vornehm übergeht die Einführung zum WMU dieses nützliche Suchinstrument.

Nun soll das WMU ja eigentlich kein Sachregister zum Corpus sein, sondern ein sprachwissenschaftliches Wörterbuch. Historiker und Rechtshistoriker müssen das WMU gerechterweise an seinen konzeptionellen Vorgaben messen. Dringend wünschenswert wäre freilich eine Mitarbeit und Beratung der Redaktion durch Forscher dieser beiden Disziplinen, denn manche Bedeutungserklärung liest der Historiker nur mit einem Kopfschütteln. Von einem Wörterbuch erwartet man kontextübergreifende, allgemeingültige Bedeutungsangaben, nicht nur Übersetzungshilfen für den Einzelfall. So sind Gotteshausleute, wie man sich anhand des Haberkern/Wallach (s.v.: Ecclesiastici) leicht überzeugen kann, eben nicht: “Dienstleute eines Klosters” (S. 753). Es sind die Leute (Eigenleute, Hörige, Zensualen usw.) eines Gotteshauses, was S. 751 weniger eng mit “kirchl. Körperschaft: Domkapitel, Kloster, Stift” erläutert wird (aber vielleicht noch nicht weit genug, denkt man an Pfarrkirchen). Daß ein Chorherr der Angehörige eines Klosters (und nicht etwa eines Stifts) ist (S. 1027), nimmt man mit Erstaunen zur Kenntnis. Der umgekehrte Fall liegt vor bei “istôrje”, das mit “Erzählung, Legende” zu unpräzise übersetzt wird (S. 951) – es handelt sich um einen willkommenen Frühbeleg für die liturgische Historie (Offizium), vgl. Joachim Knape, ‘Historie’, 1984, S. 188. Einmal bleibt sogar die Logik auf der Strecke: aufgrund des Belegs “lihterunge vnsers geltis” dem Terminus “gelt” eine Bedeutung “finanzielle Notlage” zuzuweisen, geht ja wohl nicht an (S. 624f.).

Das Schreibortverzeichnis kann auch jenen Besitzern des Corpus empfohlen werden, denen das WMU als Ganzes zu teuer ist. Es weist zu den einzelnen Urkunden erstens die für “deren Herkunft relevanten Angaben” (S. 8), also Aussteller, Urkundspartei und Ausstellungsort, nach und liefert zweitens eine alphabetische Ortsliste der so erfaßten Angaben mit (nicht immer geglückten) geographischen Identifikationen. Abgesehen davon, daß durch zweispaltigen Druck des ersten Teils eine Menge Platz hätte gespart werden können, stimmt die Tatsache unfroh, daß niemandem bei der Verfertigung dieses Hilfsmittels eingefallen ist, durch eine zusätzliche regionale Zusammenfassung der Schreiborte – sei es durch eine Karte, sei es durch eine Aufstellung der Orte nach politischen Bezirken (wie in den bayerischen Urkunden- und Regestenpublikationen dankenswerterweise üblich) – dem an überörtlichen Zusammenhängen interessierten Benutzer einiges an Arbeit zu ersparen. Angesichts des hohen Preises des Werks wäre es eine nette Geste, wenn den Beziehern unberechnet eine (sicher auch literaturgeographisch aufschlußreiche) Karte der Schreiborte zur Verfügung gestellt werden könnte.

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Gedruckt: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 150 (2002), S. 604-605

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache auf der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein und Ursula Schulze erarbeitet von Sibylle Ohly und Peter Schmitt (= Veröffentlichungen der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). 2. Band 12. Lieferung: künicbrief-lônen S. 1057-1152. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1996, 13. Lieferung: lônen-mordaere S. 1153-1248, 1997, 14. Lieferung: mordaere – oberenthalp S. 1249-1344, 1998, 15. Lieferung: oberhalben – rihtunge S. 1345-1140, 1999, 16. Lieferung: rihtunge – schuolhof S. 1441-1536, 2000. Jeweils Brosch., EUR 37,84.

Dieses großangelegte Akademieunternehmen hat planmäßig jedes Jahr eine neue Lieferung vorgelegt. Das Wörterbuch wurde in dieser Zeitschrift erstmals 1988 besprochen (ZGO 136, S. 493f.). Auf die Lieferungen 2-5 wurde 1991 (ZGO 139, S. 531f.), auf die Lieferungen 6-11 sowie das 1991 vorgelegte Schreiborteverzeichnis 1996 (ZGO 144, S. 444f.) eingegangen. An der grundsätzlichen positiven Einschätzung des Vorhabens, die in diesen Stellungnahmen zum Ausdruck gebracht wurde, hat sich nichts geändert. Für die politische-soziale Sprache des 13. Jahrhunderts steht mit dem “WMU” ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur Verfügung, das der Historiker, der es mit volkssprachlichen Texten zu tun hat, meist mit Gewinn zu Rate ziehen wird. Auf einzelne Stichwörter soll hier nicht eingegangen werden, zumal Heinrich Meyer zur Ermgassen in den Nassauischen Annalen jede Lieferung sorgfältig und detailliert unter Anführung besonders aufschlussreicher Lemmata aus der Perspektive des Historikers würdigt.

Ich möchte jedoch an einem willkürlich herausgegriffenen Beispiel nochmals die Konzeption des WMU illustrieren. Der Artikel “schranne” (S. 1524) sagt zunächst, daß es sich um ein starkes Femininum handelt und gibt dann als Bedeutung “Schranne: Verkaufsstand; Gerichtsstätte” an. Man erfährt, daß 16 Belege im “Corpus” vorliegen und entnimmt dem Teil A (den Sprachformen gewidmet), daß alle Belege bairischer Herkunft sind. Teil B zitiert zu den beiden Bedeutungen einen bzw. fünf Belege im Urkundenkontext und weist weitere nach. Am Schluss stehen Verweise auf das HRG und das Lexikon des Mittelalters. Andere Einträge enthalten hier auch Verweise auf weitere Artikel etwa zu Komposita.

Die rasante Entwicklung der Neuen Medien seit der letzten Besprechung bestätigt die dort geäußerte Kritik am “altmodischen” Medium eines alphabetischen Lexikons voll und ganz. Stünde das “Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahre 1300”, das dem WMU zugrundeliegt, auf CD-ROM oder online zur Verfügung, so würden die durch den langsamen Fortgang des WMU und die Einschränkung, daß eine vollständige Belegliste nur bei unter 100 Vorkommen gegeben wird, gegebenen Auswertungshindernisse wegfallen. Eine solche digitale Aufbereitung könnte mit einem Bruchteil der für das WMU aufgewendeten immensen Gelder realisiert werden. Ein digitales WMU, das sich der Verlag sicher nicht entgehen lassen wird, müsste durch eine Erschliessung nach Wortfeldern, wie sie die online zur Verfügung stehende Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank versucht, ergänzt werden.

Vergleichbare Unternehmungen wie das Deutsche Rechtswörterbuch haben mit großem Erfolg die Herausforderungen des Internets aufgenommen und beachtliche Online-Präsentationen vorgelegt. Unter Leitung von Kurt Gärtner wird in Trier die Wörterbucharbeit dem digitalen Zeitalter angepasst, und es existiert dort auch ein Editionsprojekt zu westdeutschen Urkunden des 14. Jahrhunderts, das an das “Corpus” zeitlich anschließt. Das WMU aber verschließt sich, soweit bekannt, diesem Zeitgeist. Während andere Wörterbuchprojekte für ihre Arbeit erfolgreich im Internet werben, ist ein kleiner Abschnitt auf der Homepage der Berliner Germanistik, wo die Arbeitsstelle des WMU angesiedelt ist, geradezu lächerlich unergiebig. Man mag mit guten Gründen den euphorischen Heilsversprechungen des World Wide Web mit einiger Skepsis gegenüberstehen, die glatte Ignoranz des WMU lässt den Rezensenten jedoch kopfschüttelnd zurück.

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Hier ist obige 2007 erschienene Rezension einzufügen.

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Gedruckt: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 160 (2012), S. 622f.

Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache WMU auf der Grundlage des Corpus der altdeutschen Originalurkunden bis zum Jahr 1300. Unter Leitung von Bettina Kirschstein und Ursula Schulze (ab Lieferung 25: Unter Leitung von Ursula Schulze) erarbeitet von Sibylle Ohly und Daniela Schmidt. Berlin: Erich Schmidt Verlag. 23. Lieferung: verswigen – vorder S. 2113-2208 (2007); 24. Lieferung: vorder – wagen S. 2209-2304 (2008); 25. Lieferung. wâgen – widersage S. 2305-2400 (2009); 26. Lieferung: widersagen – zesamenetragen S. 2401-2496 (2009); 27. Lieferung: zesamenevüegen – zwîvelrede. Nachträge abebenen – zilboum. Bemerkungen zum Abschluss des WMU S. 2497-2619 (2010). Brosch.

“Nach einer Publikationszeit von 24 Jahren liegt das ‘Wörterbuch der
mittelhochdeutschen Urkundensprache’ 2010 abgeschlossen vor. (Die
Planung hatte Ende der 50er Jahre begonnen. Es umfasst in 27
Lieferungen 8986 Lemmata von abbet bis zwîvelrede, dazu kommen 439
Nachtragsstichwörter” (S. 2613). Stolz resümiert die Projektleiterin
Ursula Schulze – 1960 von Helmut de Boor als Hilfskraft eingestellt – in den
abschließenden Bemerkungen ihr Langzeitprojekt. Am Schluss steht eine
Danksagung, die leider eine Gruppe ausspart: die Rezensenten des
voluminösen Werks. Seit dem Jahrgang 1988 dieser Zeitschrift quäle ich
mich mit diesem zunehmend ungeliebten gedruckten Nachschlagewerk
(weitere Rezensionen, die mehrere Lieferungen zusammenfassen,
erschienen 1991, 1996, 2002 und 2007). Dass ich als junger Referendar
im Generallandesarchiv 1987 beim ersten Heft zugriff, war rückblickend
betrachtet eine Fehlentscheidung. Weder beruflich noch privat habe ich
von diesem Spezialwörterbuch in nennenswertem Umfang profitiert, und
ob meine Rezensionen irgendeinen Nutzen gestiftet haben, möchte ich
bezweifeln. Obwohl von Anfang an ausgemacht war, dass nicht jede
Lieferung einzeln besprochen werden kann, drängte der Verlag und
setzte die Schriftleitung unter Druck. Da ich mich – anders als der
Rezensent der Nassauischen Annalen – dagegen entschieden hatte,
einzelne Lemmata kommentierend aufzulisten, musste ich mir jedesmal
einigermaßen neue Aspekte einfallen lassen. Was ich in der Sache
zusammenfassend zum WMU zu sagen habe, habe ich bereits in der letzten
Besprechung formuliert (der Text ist abrufbar unter:
http://archiv.twoday.net/stories/75224744).

Je weiter das Unternehmen fortschritt, um so unzufriedener wurde ich
mit seiner teuren gedruckten Präsentationsform. Der offizielle Preis
des Gesamtwerks beträgt 1194 Euro in Deutschland. Unter anderem
“verlagsrechtliche Gründe” hätten eine Umstellung des Werks auf
elektronische Bearbeitung nicht zugelassen, erfährt man (S. 2613).
Dass es in absehbarer Zeit die dringend wünschenswerte
Open-Access-Version, die an die Seite der höchst verdienstvollen
Corpus-Digitalisierung (http://www.corpus.uni-trier.de) treten könnte, geben
wird, halte ich für unwahrscheinlich. Die öffentliche Hand hat mit
viel Steuergeldern das Projekt finanziert, während der Verlag fette
Profite einstreichen durfte. So wird es sich womöglich auch bei der
angekündigten Online-Fassung verhalten. Ein freies nachnutzbares WMU
(unter der Lizenz CC-BY – Creative Commons Attribution) könnte der
Forschung unschätzbaren Nutzen bescheren. Aber darum kümmern sich die
Verkrustungen des traditionellen Verlagswesens nicht. Freilich wäre es einseitig, nur die Verlage verantwortlich zu machen. Die konservativen Open-Access-Verhinderer an den Akademien tragen eine erhebliche Mitschuld.

EHRI – Workshop “Truth and Witness”: Call for paper bis 18. März verlängert!

Mitteilung aus der EHRI-Website (http://www.ehri-project.eu):

Truth and Witness
An International Workshop on Holocaust Testimonies
of the European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)
at the Wiener Library for the Study of the Holocaust and Genocide
Monday 30th April – Wednesday 2nd May 2012

EHRI would like to invite you to an international workshop to be held at EHRI partner The Wiener Library on Holocaust Testimonies. Written and oral testimonies of Holocaust survivors, along with personal documentation such as letters and diaries, can provide information and details otherwise unavailable in the numerous official sources concerning the persecution and murder of the Jews. Consequently, the use of these sources has both practical and ethical imperatives – testimony can add telling details, and it can also allow the individual characters of the victims to emerge. However, the many survivor testimonies that are now available have all been collected at different times, and often in very different contexts. This can make them problematic and challenging when used as a source of historical evidence.

This workshop will focus on some core issues currently facing researchers, archivists and scholars across all disciplines and collection-holding institutions. In reviewing some of the many testimony collections and works undertaken in the past 65 years, we hope to reflect on the content, structure and form of the survivor testimonies.

Read the Call for Papers and find out how to participate. The deadline for submissions of proposals is Sunday 18 March 2012.

http://www.ehri-project.eu/webfm_send/76

Was war ein Turnierblatt?

Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm lässt uns im Stich, nicht aber ältere Nachschlagewerke:

Scherz: Glossarium 1784
http://books.google.de/books?id=dL0RFZxG2EkC&pg=PT194
https://books.google.de/books?id=LoQ-AAAAcAAJ&pg=RA1-PT703

Danach die Definition Tuch mit Wappen der Turnierkönige in Jägers Heilbronner Geschichte
http://books.google.de/books?id=1WQAAAAAcAAJ&pg=PA176

Weitere Belege in Brinckmeiers Glossarium
http://books.google.de/books?id=gpNEAAAAcAAJ&pg=PA439

[Haltaus 1758:
http://books.google.de/books?id=LoQ-AAAAcAAJ&pg=RA1-PT70 ]

Im Leipziger Ms 1674, Bl. 119r gibt es eine Schemazeichnung “Das plat der vierlande” zur Ausschreibung des Würzburger Turniers 1478
http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0516_b270_jpg.htm

Mehrfach werden Turnierblätter im Eptinger Hausbuch erwähnt, siehe etwa die Ausgabe von Christ S. 69f. und meine Rezension von 1995
http://swbplus.bsz-bw.de/bsz031802702rez.htm

Update:

http://archiv.twoday.net/stories/75245202

Nachtrag 2015:

https://books.google.de/books?id=zMhd_j3Q-iIC&pg=PA698

Stamm S. 173
https://books.google.de/books?id=XsiMRYkC3ukC&pg=PA143

Definition Rüxners zum fiktiven Zürcher Turnier
https://books.google.de/books?id=j8RUAAAAcAAJ&pg=PT334

Crusius rätselte:
http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/LI24_fol-3/0050
dt.
https://books.google.de/books?id=QDZPAAAAcAAJ&pg=PA752

Kaiserer 1804
https://books.google.de/books?id=ichcAAAAcAAJ&pg=PA126

Wahl der Turniervögte:
https://books.google.de/books?id=xhlfAAAAcAAJ&pg=PA41 (Reibisch)

Fertigung von Schildern (Blättern) schon 1402 aus einem Rechnungsbuch der Rittergesellschaft Esel
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11041056_00050.html

Pietzsch: Archivalische Forschungen … (1971), S. 56: Nürnberger Rechnung 1480 “des herzogen von Gulich perseuanten genant Klar Steynpeck, der das plat des turneys halb zu Mentz vff Ass.Marie furgenomen außfürt, ist 1 gulden zu erung geben”; 1482 ebenda: “des hertzogen von Gulich persefant der den plat des turneys zu Koblentz […] verkundet hat” 1 fl. als Trinkgeld.

Blätter als Quellen des Grünenberg’schen Wappenbuchs
http://frueheneuzeit.hypotheses.org/1847#footnote_95_1847

Turnierblatt 1481 nach Straßburg gebracht
http://hdl.handle.net/2027/njp.32101077882783?urlappend=%3Bseq=719

#forschung

Timelab MIR

Post aus Wien:

Sehr geehrter Herr Graf,
wir dürfen Sie auf ein neues gemeinsames Online-Angebot der drei in
Editionsgroßunternehmungen engagierten Arbeitsgruppen des Instituts für
Mittelalterforschung der ÖAW aufmerksam machen:
unter der URL
http://www.oeaw.ac.at/imafo/arbeitsgruppen/interne-kooperationen/timelab-mir
/ (Menüpunkt: “Texte”) werden in lockerer zeitlicher Folge kürzere
essayistische Beiträge als pdf abrufbar sein, die einem breiteren Publikum
die Vielfalt historischer Themen und Fragestellungen vermitteln sollen, die
auf dem Weg zur Edition vorbereitend oder vertiefend zu bearbeiten sind. Den
Anfang dieser Serie macht ein Beitrag von Karel Hruza zu den Ablässen des
Zisterzienserklosters Schöntal an der Jagst.
Wir hoffen, daß diese Online-Publikationsleiste auf Interesse stößt und
ersuchen, etwaige Kommentare und Rückfragen an die unter der genannten URL
aufgeführten Kontaktadressen zu richten.
Mit dem Ersuchen, die URL nach Möglichkeit in ARCHIVALIA zu posten, sowie
mit besten Grüßen im Namen des MIR-Teams
Andreas Zajic
PD Dr. Andreas Zajic, MAS
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Institut für Mittelalterforschung
Wohllebengasse 12-14/4. Stock

Auf der Website wird treffend das Problem beschrieben, dass am Rand der Arbeit an Großprojekten (hier: M = MGH, I = Inschriften, R = Regesta Imperii) wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, die nur ansatzweise in den Kommentaren der gedruckten Editionen dargestellt werden können:

Die in dieser Plattform präsentierten Beiträge richten sich an Fachleute, Studierende und alle geschichtlich interessierten Laien. Sie machen deutlich, dass eine Fülle von Einzelergebnissen und wissenschaftlichen Funden den Weg zu den über mehrere Jahre hinweg erarbeiteten Editionsbänden säumt. Obwohl es sich bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen um wichtige, oft unerlässliche Vorarbeiten für die Editionen handelt, ist es in der Regel kaum möglich, sie in den Kommentaren zu den edierten Texten in allen Facetten zur Sprache zu bringen.

Offenbar eignen sich diese Ergebnisse auch nicht immer für eine Publikation in einer gedruckten Zeitschrift.

Dieses Konzept entspricht ganz der hier verfolgten Linie, kurze wissenschaftliche Beiträge in diesem Blog unterzubringen. Siehe dazu auch mein Plädoyer für einen neuen Fragment-Kult und die Wiederbelebung des Miszellenwesens:

http://archiv.twoday.net/stories/29751181

Zu Handschriftenfunden:
http://archiv.twoday.net/stories/59206478

Allerdings hat der erste Beitrag von Hruza eher populären als wissenschaftlichen Charakter:

http://www.oeaw.ac.at/imafo/fileadmin/bilder/MIR/MIRtext1.pdf

Immer wieder: Enzyklopädieprojekte, die nichts von der Wikipedia gelernt haben

Erst heute sah ich beim Aufräumen einen ungeöffneten Brief des bayerischen Landtags, der ohne nähere Begründung meine Beschwerde über die Bayerische Staatsbibliothek als Betreiberin des Historischen Lexikons Bayerns zurückgewiesen hat:

http://archiv.twoday.net/stories/28712184

Der Landtag nimmt also trotz Guttenberg keinen Anstoß an einem glasklaren Verstoß gegen alle wissenschaftliche regeln, indem substantielle Hinweise ohne Kennzeichnung des Urhebers für das Lexikon vereinnahmt wurden.

Dass dieses Lexikon als Online-Edition nichts als Murks ist, habe ich zur Genüge belegt:
?s=lexikon+bayer+

B. Majerus kritisiert die geplante Enzyklopädie 1914-1918:

http://majerus.hypotheses.org/150
via
http://schneeschmelze.wordpress.com/2012/01/30/how-to-write-an-encyclopaedia

Sportgeschichte als Gesellschafts- und Kulturgeschichte am Beispiel Westfalens.

“Die vom LWL-Institut für westfälische Landesgeschichte herausgegebene Zeitschrift “Westfälische Forschungen” versteht sich als wissenschaftliches Publikationsorgan der modernen Regionalgeschichte Westfalens. Für Band 63/2013 ist ein Schwerpunkt zum Thema “Sportgeschichte als Gesellschafts- und Kulturgeschichte am Beispiel Westfalens” geplant. Hiermit fordern wir interessierte Historikerinnen und Historiker auf, sich mit Beiträgen für diese Publikation zu bewerben.

Die Sportgeschichtsschreibung hat sich in den letzten etwa zwanzig Jahren sehr verändert. Seither haben sporthistorische Arbeiten ihre sie lang bestimmende Ausrichtung auf einzelne Vereine und Verbände, bedeutende Athleten oder Atheltinnen, Mannschaften und ihre Rekorde zugunsten zunächst sozialhistorischer und dann auch kulturhistorischer Fragestellungen erweitert und somit dabei zentrale Verschiebungen der Historiografie insgesamt nachvollzogen und auch mitgeprägt. Im Einklang mit der sozial- und gesellschaftsgeschichtlichen Forschung nutzt die Sporthistoriografie Sport und Bewegungskultur als Linse für die Beobachtung und Analyse weiträumiger gesellschaftlicher Zusammenhänge. Sie fragt, wie Menschen im Sport und durch den Sport vermittels kategorialer Fremd- und Selbstzuschreibungen in soziokulturellen Ordnungen agieren und innerhalb derart strukturierter Räume um Teilhabe und Zugriffsmöglichkeiten auf Ressourcen jedweder Art (ökonomischer, sozialer, kultureller,…) ringen. Sportgeschichtsschreibung in diesem Sinne ist eine Geschichte der Gesellschaft, welche die hohe Bedeutung und Popularität dieses Feld zum Ausgangspukt nimmt, um darin Spuren sozialer Stratifizierung, von Ungleichheit, Macht, politischer Regulierung oder medialer Repräsentation zu finden.

Diese sozialhistorische Akzentuierung wird seit einigen Jahren kulturhistorisch erweitert, und zwar nicht konfrontativ, sondern ergänzend. Innerhalb eines solchen Analyserahmens sind Sozial- und Kulturgeschichte ineinander verschränkt, und sie bekräftigen sich wechselseitig. Die eher kulturhistorisch zu erfassenden Fremd- und Selbstzuschreibungen von Bedeutungen und Identitätsfacetten wirken elementar in den sozialhistorisch beobachtbaren Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten unterschiedlicher Menschen in Gesellschaften sowie auf deren Zugriffsmöglichkeiten auf Ressourcen – und vice versa.

Im Zuge dieser Entwicklung ist die Sportgeschichtsschreibung internationaler geworden, sowohl in ihrer akademischen Kooperation und Vernetzung als auch in ihren Fragestellungen und Themen. Kategorien des „Nationalen“, des „Regionalen“ wie des „Lokalen“ sind dabei oft zugunsten von Perspektiven auf Verschränkung, Transfer, Austausch und Kontakt aufgegeben worden. Vor diesem Hintergrund möchte der vorgeschlagene Band bewusst und aktiv die Frage angehen, welche Rolle und welche Funktionen einer ausdrücklich regional fokussierten Sportgeschichtsschreibung in der Gegenwart zukommen. Wie fügt sich eine Regionalgeschichte des Sports und der Bewegungskulturen am Beispiel Westfalens in eine sich methodisch-theoretisch rasch verändernde und sich konzeptionell wie inhaltlich internationalisierende historische Sportforschung? Wie fügen sich alltagsgeschichtliche Forschungen in den Rahmen ein? Wie kann und sollte die regionale oder lokale Perspektive dabei helfen, übergeordnete Aspekte in den Blick zu nehmen? In welchen Wechselverhältnissen stehen regionale oder lokale Aspekte des Sporttreibens mit solchen auf nationaler oder gar internationaler Ebene? In welcherlei Hinsicht ist die Sportgeschichte Westfalens mit derjenigen anderer deutscher oder internationaler Regionen verknüpft, inwieweit lassen sich Trends in anderen Regionen in Westfalen wiederentdecken oder warum kommt es zu besonderen Entwicklungen?

Mögliche Themenfelder für die Gliederung des Bandes:
– Sportgeschichte im Wandel / Regionalgeschichte und Sportgeschichte
– Sport & Wirtschaft (z.B. Sponsoren, Kommerzialisierung, Tourismus, Wirtschafsförderung durch Imagebildung etc.)
– Sport & Medien (z.B. Presselandschaft, Regionalsport in Radio, TV, neuen Medien, unabhängige Medien, Museen, Sportkonsum)
– Sport & Politik (z.B. das Politische im „unpolitischen“ Sport, Manipulation u. Indienstnahme von Sport durch Politik, Sportförderung, Sportinfrastruktur)
– Sport und Gesellschaft (z.B. Fragen von Sport & Geschlecht, Leistungs- und Breitensport, Sport & Migration, Sport & Behinderung, Vereinskultur vs. unorganisierter Sport, Sport & Sozialisation / Bildung / Kirchen, Fankulturen usw.)
Weitere Themenfelder für den Band sind selbstverständlich denkbar.

Die Beiträge sollen in der Regel etwa 12-15 Seiten nicht überschreiten. Bitte schicken Sie Vorschläge für mögliche Artikel bis zum 01. April 2012 an Dr. Olaf Stieglitz (Universität zu Köln), Email: olaf.stieglitz@googlemail.com. Deadline für die zur Publikation ausgewählten Artikel ist dann der 01. Sept”
Quelle: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=18324