Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Finanzpolitik und Schuldenkrisen

Finanzpolitik und Schuldenkrisen 16.-20. Jahrhundert. Hrsg. von Andreas Hedwig (=Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 28). Marburg: Hessisches Staatsarchiv Marburg 2014. XII, 361 S. mit zahlreichen Abbildungen.

Inhaltsverzeichnis
http://d-nb.info/1060655136/04

Der Sammelband enthält nach einer Einleitung von Andreas Hedwig zehn wissenschaftliche Aufsätze, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Der zweite Teil ist der Katalog einer Ausstellung 2012/13 im Staatsarchiv Marburg. Begleitend wurde 2013 ein Kolloquium veranstaltet, aus dem der Aufsatzteil hervorgegangen ist.

Organisiert werden die Beiträge in drei Abschnitten: Rahmenbedingungen und Akteure frühneuzeitlicher Finanzpolitik (Fallstudien zu den Domänen in Hessen-Kassel, Kurbayern 1648-1803, Städte im Habsburgerreich, Universität Marburg); Geldverkehr und Zahlungsmittel (Frankfurt am Main, Inflation 1922/24); Finanzpolitik und Finanzkrisen im 19. und 20. Jahrhundert (Öffentliche Kredite, Internationale Finanzkommission für Griechenland 1898-1914; NS-Kriegsfinanzierung 1939-1945, internationaler Vergleich). Auch der nicht speziell an Finanzfragen Interessierte findet Studien, die aktuellen Debatten über die Finanzkrise historische Tiefenschärfe verleihen können. Kaum jemand weiß etwa, dass Griechenland schon 1893 den Staatsbankrott erklären musste und in der Folge eine internationale Schuldenverwaltung installiert wurde.

Mit einer steilen These beginnt der Ausstellungs-Kurator Karl Murk seine Einführung in den Katalogteil: “Archivarinnen und Archivare sind immer am Puls der Zeit” (S. 141). Die 71 kommentierten Abbildungen betreffen überwiegend unattraktive Flachware. Ärgerlicherweise steht die Ausstellung nicht auf http://www.digam.net auch virtuell zur Verfügung.

Ein Register wäre nützlich gewesen.

Cruikshank: Le Deficit 1788 (vgl. S. 314 Abb. 43)

Epitaph in Krumbach gibt Nachricht über Gregor Lamparter

Nur von Lokalhistorikern beachtet worden sei das Krumbacher Epitaph des württembergischen Kanzlers Gregor Lamparter (gestorben 1523), verkündet ein mit “KF” (Karl Konrad Finke?) gezeichneter Beitrag in der Schwäbischen Heimat 2014/4, S. 472.

GND:
http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=136241948

Biogramm des Mertens’schen Bebel-Projekts:

http://web.archive.org/web/20070616145618/http://www.histsem.uni-freiburg.de/heinrich-bebel/test/biogramm.php?nr=141

Reuchlin-Briefwechsel 4 (2013), S. 391f.

Obige Behauptung ist schlicht und einfach falsch.

Seit 1997 ist das Denkmal in der überregionalen Publikationsreihe der Deutschen Inschriften erfasst (Die Inschriften des Landkreises Günzburg).

Auf die Studien von Norbert Jopek 2002 gehen die ausführlichen Angaben auf der Website des Londoner VAM zurück (Reiter: More):

http://collections.vam.ac.uk/item/O70327/st-john-the-evangelist-statue-daucher-hans

Hier findet man fundiertere Informationen zum Begräbnis Lamparters als in dem kleinen Beitrag in der Schwäbischen Heimat.

lamparter_wappen_greifenstein Modernes Lamparter-Wappen am Krumbacher Rathaus

Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe

Wolfgang Stelbrink, Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Versuch einer Kollektivbiographie mit biographischem Anhang (Veröffentlichungen der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen, Reihe C, Bd. 48) Münster 2003.

Online:
http://www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/westfalen/BilderKartenLogosDateien/die_kreisleiter_der_nsdap.pdf

Dietrich von Bern in Joachim von Watts Wiener Poetik-Vorlesung

Peter Wiesinger: Joachim von Watts Wiener literaturwissenschaftliche Vorlesung im Wintersemester 1513/14. In: Jahrbuch für internationale Germanistik 44/1 (2012), S. 25-49, hier S. 42-44
(kostenpflichtig: http://dx.doi.org/10.3726/82040_25 ) geht auf die Stelle zur Dietrichepik in des Vadianus ‘De poetica et carmine ratione liber’ (gedruckt 1518) ein.

Lienert, deren Dietrich-Testimonien hier schon öfter Anlass zur Kritik gaben

http://archiv.twoday.net/stories/156272722
?s=lienert

konnte natürlich diesen Aufsatz noch nicht kennen, hat aber das Zeugnis als Nr. 289 (S. 211) nach Müllers Gedechtnus-Buch

http://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00046030_00198.html

und der Ausgabe von Peter Schäffer. Weder erfährt man, dass der 1518 gedruckte Text auf die Wiener Vorlesung von 1513/14 zurückgeht, noch die VD 16-Nummer (V 33).

Drei Digitalisate des seltenen Drucks aus München sind online, dazu eines aus Jena, eines aus Wien

http://gateway-bayern.de/VD16+V+33 (ohne das Jenaer und Wiener Digitalisat)
http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:urmel-e3d8d3a0-736a-44d8-bcf1-b4097f8e236d2-00000016-0114
http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ185285006

Wer sich auf eine lange Sucherei nach der Dietrich-Stelle (in Ermangelung der Ausgabe Schäffers) gefasst machen musste, wird durch Googles OCR freudig überrascht. Die Suche nach gigante Sigenoto (aus Lienert)

https://www.google.de/search?q=%22gigante+siginoto%22&tbm=bks

führt sofort zu

http://books.google.de/books?id=GM1RAAAAcAAJ&pg=PT30 (Bl. 14v der handschriftlichen Zählung)

Wie nicht selten hat Lienert zu wenig Kontext vom Zeugnis gegeben. Auch wenn die Ausgabe Schäffers leider nicht online ist, kann man sich anhand des alten Drucks einen Eindruck von Vadians Argumentation verschaffen.

***

Zu Ermenrikes dot (Lienert Nr. 308) sei nachgetragen: Claudia Händl: Geschichte und Heldensage in der niederdeutschen Literatur des Mittelalters. Balthasar von Esens und Dietrich von Bern in der Flugschrift Berlin, Staatsbibliothek, Yf 8061R. In: Medieval German textrelations (2012), S. 1-14

Die Liedflugschrift ist hoffentlich bald online:

http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001798800000000 [17.7.2017 ist online]
=
http://gateway-bayern.de/VD16+V+364

Zu Weddiges Ausgabe 1995:
http://www.degruyter.com/view/product/50132

#heldensage

Lied und Medienwechsel im 16. Jahrhundert

Die folgende Rezension erschien in der Zeitschrift für Volkskunde, Jahrgang 110, Heft 2, 2014, S. 344-346.

Nils Grosch: Lied und Medienwechsel im 16. Jahrhundert.
Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2013, 206 S., 56
Schwarzweißabb. (Populäre Kultur und Musik Bd. 6).

“Über das Alter der Populären Musik, die Erfindung des
‘Volkslieds’ und die Konstruktion von ‘Tenorliedern’”. Die
Überschrift des ersten Kapitels – eine Einleitung gibt es
nicht – zeigt die Richtung an, die diese Basler
musikwissenschaftliche Habilitationsschrift von 2009
einschlägt. Sie siedelt im Überschneidungsbereich von
Musikwissenschaft, Mediengeschichte, Volkskunde und
Literaturwissenschaft.

Während die Erforschung moderner Populärer Musik diese vor
allem als Industrieprodukt begreift, hat der – seit
längerem in Misskredit geratene – Volkslied-Begriff seinen
Gegenstand ahistorisch und ohne Bezug auf den
mediengeschichtlichen Kontext konstruiert. Herders
Volkslied war eine ästhetische Kategorie, die das gesamte
Volk als Kulturgemeinschaft meinte. Im 19. Jahrhundert
wurden die Volkslieder dann zu Liedern des einfachen Volks
umgewertet. Musikwissenschaftlich korrespondiert diesem
Prozess die Etablierung des sogenannten “Tenorlieds”, das
definiert wird als eine “umfassende Kategorie für die
überlieferten, mehrstimmigen Kompositionen über
deutschsprachige Texte von der Mitte des 15. bis zur Mitte
des 16. Jahrhunderts” (S. 23). Die Tenorstimme
mehrstimmiger Lieder hat man regelmäßig als Volksliedbeleg
gewertet (S. 27). Grosch lehnt die Tenorlied-Theorie (in
der NS-Zeit gern: “deutsches Tenorlied”) als “ideologisch
motiviertes Konstrukt” ab (S. 31) und betont die
industrielle Produktion und kommerzielle Distribution
populärer Musik.

Nach erfolgreicher Aufräumarbeit unternimmt es Grosch, im
zweiten Kapitel die Rolle des Lieds in der
‘Gutenberg-Galaxis’ (McLuhan) zu bestimmen. Da
Gattungsdifferenzierungen für das (weltliche) Lied wie
Volkslied, Gesellschaftslied, Kunstlied oder Hofweise die
Gefahr zirkulärer Argumentation mit sich bringen,
bezeichnet er die Gattung einfach als Lied. Er behandelt
Liederhandschriften, Liedflugschriften und überwiegend mit
Noten versehene gedruckte Liederbücher, die zunächst im
Mehrphasendruck vervielfältigt wurden. In den 1530er Jahren
setzte sich als technologische Innovation der
Einphasendruck mit beweglichen Lettern durch.

Um die Rezeption und den Gebrauch des Lieds geht es dem
dritten Kapitel, das auf die Erweiterung der Abnehmerkreise
ebenso aufmerksam macht wie auf den “Standortwechsel als
Medienwechsel” (vom Hof in die Stadt). Lieder spielten in
der Jugendkultur eine besondere Rolle und wurden als
Medienobjekte nicht nur als Vorlagen für das Singen
geschätzt.

In fünf detailreichen Fallstudien, allesamt
weitverbreiteten Liebesliedern gewidmet, wird jeweils nach
dem“konstruktiven Anteil der Medien an der Realität und
Praxis des Liedes” (S. 109) gefragt. Den Schlussabschnitt
(“Das Lied im intermedialen Transkriptionsprozess”) hätte
man wohl auch etwas weniger ambitioniert und wesentlich
konziser abfassen können.

Der ständige Verweis auf die mediengeschichtlichen
Rahmenbedingungen (prägend waren vor allem die Studien von
Michael Giesecke) ist vor dem Hintergrund ihrer
Vernachlässigung in der Forschungsgeschichte über lange
Zeit mehr als verständlich. Grosch ist davon überzeugt,
dass der “Medienapparat die kulturelle Kommunikation immens
prägte und dabei die Gattung Lied nicht nur selbst als
Medium nutzte, sondern sie auch in anderer Gestalt,
Erscheinungsform und Funktion entließ, als er sie
vorgefunden hatte” (S. 67). Eine bedeutende
Grundlagenarbeit für alle Beschäftigung mit dem weltlichen
Lied des 16. Jahrhunderts stellt die 1974/75 erschienene
zweibändige Monographie des Volkskundlers Rolf Wilhelm
Brednich zur Liedpublizistik dar, der im Jahrbuch für
Volksliedforschung 1974 “Das Lied als Ware” präsentierte.
Dass Grosch immer wieder die Einbindung in ein
“frühkapitalistischen Netzwerk” (S. 80) unterstreicht und
das Lied als kommerzielles Industrieprodukt bestimmt, wirkt
jedoch ein wenig einseitig.

Fundiertes über die Rolle der Mündlichkeit hat Grosch nicht
zu sagen, da er das Lied vor allem als Gegenstand medialer
Verbreitung in den Blick nimmt. Literaturwissenschaftliche
Studien wie die von ihm nicht rezipierten Arbeiten von
Harald Haferland haben sich aber durchaus zeitgemäß mit
mündlicher Varianz befasst.

Die Rolle des Performativen (also den Aufführungs-Aspekt
bzw. das gemeinschaftliche Singen) spielt Grosch herunter,
während er individuelle und private Nutzungen aufwertet.
Tabulaturdrucke sieht er als “Versuch interaktionsfreier
Kommunikation von Musik” (S. 71, vgl. auch S. 85), der das
Selbstlernen an die Stelle der persönlichen Unterweisung
durch einen Lehrer setzen wollte. Neben der Aufführung sind
auch “ganz andere Formen des Gebrauchs – Lesen, Kodieren,
Verschenken, Sammeln usw. – “ in Rechnung zu stellen (S.
103). Liederhandschriften dokumentierten die individuellen
Vorlieben der Besitzer. Angemerkt sei, dass sowohl das
Phänomen der “Liederstammbücher” (S. 47) als auch der
Erwerb von Lieder-Kleindrucken als Erinnerungsstücke, die
das “Habhaftwerden eines eigentlich flüchtigen
performativen Ereignisses und dessen Verlängerung in das
Privatleben hinein” ermöglichten (S. 51), eng mit der
Erinnerungskultur des 16. Jahrhunderts in Verbindung
stehen.

Offensichtlich sei, “dass der Zweck von Musikbüchern und
Flugschriften im Bereich der individuellen Adaption bis hin
zur Identifikation und Persönlichkeitsbildung liegt und
somit aufführungspraktische Zwecke im Sinne professioneller
Musikpraxis in den Hintergrund treten” (S. 91). In das
Gesamtbild des damaligen “populären” Musiklebens gehört
aber auch eine Erscheinung stadtbürgerlicher Provenienz,
die auf das Performative setzt und eben nicht von höfischen
Kreisen oder einem Patriziat getragen wird: der von
Handwerkern in Gesellschaften praktizierte Meistersang.

Für den Historiker spannend sind die Ausführungen zum “Sitz
im Leben” des Lieds. Im Rahmen einer “Geschichte der
Freizeit” ist der Befund zu beachten, dass Liedersingen als
hochwertige Alternative zu dem “grossen unfletigen
sewischem sauffen und zenckischem haderischen spilen” (so
Georg Forster 1549, zitiert S. 93) geschätzt wurde.
Mehrstimmige Liebeslieder hatten einen wichtigen Platz
schon in der damaligen Jugendkultur. Oberflächlich bleibt
Groschs Analyse hinsichtlich der “Propagierung einer neuen
Moral” (S. 96) – der Historiker war es lange gewohnt, an
dieser Stelle die (inzwischen doch recht umstrittene)
“Sozialdisziplinierung” als Trumpf-As aus dem Ärmel zu
ziehen. Überhaupt kommt die Reformation als
mediengeschichtlicher Faktor so gut wie nicht vor.

Wenn ich recht sehe, liegt die Erforschung der Sozial- und
Kulturgeschichte der frühneuzeitlichen Musikpraxis fast
ausnahmslos in den Händen der Musikwissenschaftler, während
literarische Praktiken nicht selten auch aus
geschichtswissenschaftlicher Perspektive untersucht werden.
Groschs anregende Hinweise auf Freizeitverhalten und
Jugendkultur könnten solche musikhistorischen Studien
inspirieren.

Die großen Linien herauszuarbeiten ist wichtig. Trotzdem
möchte ich einige formale Mängel nicht unter den Tisch
fallen lassen. Im Literaturverzeichnis sind manche Lücken
und eine sehr selektive Berücksichtigung der nach 2009
erschienenen Arbeiten zu konstatieren. Dies betrifft
insbesondere den 2010 erschienenen wichtigen Sammelband
NiveauNischeNimbus, aus dem Grosch nur zwei Beiträge von
Andrea Lindmayr-Brandl und Nicole Schwindt ins
Literaturverzeichnis aufgenommen hat, nicht aber seinen
eigenen Aufsatz oder die buchgeschichtliche Studie von
Hans-Jörg Künast.

Ergänzend zu musikwissenschaftlichen Referenzwerken hätte
unbedingt das VD 16 zitiert werden müssen. Wenn häufig eine
unveröffentlichte Datenbank von Eberhard Nehlsen 2003 als
einziger bibliographischer Verweis angegeben wird (obwohl
manchmal “Nehlsen 2008f.” am Platz gewesen wäre), stellt
sich die Frage: Cui bono? Im Einzelfall hätte Grosch
gründlicher recherchieren müssen, was bei Nutzung von
Internetressourcen auch ohne weiteres möglich gewesen wäre.
Beispielsweise ist der älteste Einblattdruck von “Entlaubet
ist der Walde” (S. 156) ganz bestimmt kein Produkt von
Konrad Dinckmut (nicht: Dinckmuth) 1496. Der beigegebene
Holzschnitt wird von Matthäus Elchinger in Augsburg ca.
1523/30 verwendet, was einen Anhaltspunkt für die Datierung
liefert (vgl.
http://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/GWXI346A.htm ).
Seit 2002 liegt eine moderne Edition (Chronik der Bischöfe
von Würzburg Bd. 4, S. 280) der S. 49 nach Brednich
zitierten Chronik des Lorenz Fries vor.

Die mediengeschichtlich revolutionäre Ausweitung der
Quellenbasis durch Digitalisate – zu nennen sind vor allem
die Projekte der Bayerischen Staatsbibliothek (Musikdrucke)
und der Staatsbibliothek Berlin (Lieddrucke) – kommt bei
Grosch nicht vor. Er hat noch nicht einmal für die
Drucklegung die paar Internetadressen, die er nennt,
aktualisiert. Ein “Zugriff vom 24.10.2005″ in einer 2013
gedruckten Publikation ist nicht gerade vorbildlich zu
nennen. Die schon etwas angejahrte Internet-Anthologie
http://www.lyrik-und-lied.de, an der Grosch selbst
mitgearbeitet hat (auch in Bezug auf die Lieder seiner
Fallstudien), erwähnt er S. 108 nicht einmal. Schon
mindestens seit Ende 2009 steht ein Digitalisat von Hans
Judenkönigs Tabulaturbuch (1523) im Netz, das Grosch hätte
dazu verwenden können, die ungenaue Wiedergabe eines Zitats
(S. 74 nach Brown 1965) zu korrigieren.

Gleichwohl: ein wertvoller, angenehm straff geschriebener
Diskussionsbeitrag, der auch außerhalb der
Musikwissenschaft gelesen werden sollte.

Datenbank zu englischen Freiwilligen des Roten Kreuzes im Ersten Weltkrieg

“Die bedeutendste unheimliche Geschichte, die je geschrieben wurde, ist möglicherweise ‘Die Weiden’ von Algernon Blackwood.” Zitiert die Wikipedia H. P. Lovecraft.

Blackwood gehörte den zu vielen Freiwilligen, über die ein neues Portal unterrichtet.

http://www.redcross.org.uk/en/About-us/Who-we-are/History-and-origin/First-World-War/Algernon-Henry-Blackwood
http://www.redcross.org.uk/en/About-us/Who-we-are/History-and-origin/First-World-War

Verein Naturschutzpark am 23.10.1909 gegründet

Der “Verein Naturschutzpark” wurde am 23.10.1909 in München mit dem Ziel gegründet, nach Vorbild der amerikanischen Nationalparke großflächig Naturschutz zu betreiben.

http://www.verein-naturschutzpark.de

Zwei Broschüren aus der frühen Geschichte des Vereins liegen digitalisiert im Internet Archive vor:

“Naturschutzparke in Deutschland und Österreich. Ein Mahnwort an das deutsche und österreichische Volk”

https://archive.org/stream/naturschutzparke22635vere#page/n0/mode/2up

“Der erste deutsche Naturschutzpark in der Lüneburger Heide : eine Werbeschrift”

https://archive.org/stream/dererstedeutsche00vere#page/n5/mode/2up

Keimzelle des Vereins ist die 1904 unter dem Dach der später umbenannten “Franckh’schen Verlagshandlung” in Stuttgart gegründete “Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde”. Mitglieder der “Kosmos”-Gesellschaft erhielten regelmäßig die Zeitschrift “Kosmos – Handweiser für Naturfreunde”, in der Kurt Floericke im April 1909 in einer “Umschau über die Naturschutzbewegung” für die Schaffung eines möglichst großen Naturschutzparks warb. Dem Aprilheft lag ein “Aufruf zur Gründung von Naturschutzparken” bei:

https://archive.org/stream/naturschutzparke22635vere#page/n57/mode/2up

Nach einem überraschend großen Erfolg des Aufrufs kam es noch im gleichen Jahr zur Gründung des Vereins, dem im Laufe der kommenden Jahre zahlreiche Interessierte beitraten. Die Entwicklung der Naturschutzpark-Idee und die ersten Bestrebungen des Vereins zur Wahl und zum Ankauf für das Vorhaben geeigneter Flächen lassen sich anhand der Berichterstattung in “Kosmos” nachvollziehen (Auswahl):

I. Floericke, K.: “Umschau über die Naturschutzbewegung”, Kosmos (1909), Heft 4
II. Ders.: “Der gegenwärtige Stand der Naturschutzpark-Bewegung”, Kosmos (1909), Heft 12
III. Ders.: “Entwicklung, Stand und Aussichten der Naturschutzparkbewegung”, (1912?)

https://archive.org/stream/naturschutzparke22635vere#page/6/mode/2up

außerdem: Regensberg, F.: “Umschau über die Naturschutzparkbewegung”, Kosmos (1910), Heft 12

Kurze Notiz zum Naturschutzgedanken (Zitate aus III.): Floericke verwirft das “Nützlichkeitsprinzip”, nach dem nur diejenigen Lebewesen geschützt werden, welche nach Maßgabe des Menschen einen Nutzen erfüllen, und stellt diesem ein ästhetisches Prinzip gegenüber: “[…] wir wollen den Vogel schützen um des Vogels selbst willen, weil er in seiner Art ein herrliches Geschöpf ist, ein Dichtergedanke gewissermaßen der schaffenden Natur, weil ohne die anmutigen Bewegungen, die bunten Farben und die lieblichen Gesänge unserer Vögel unsere Wälder und Fluren unendlich öde, tot und traurig erscheinen würden.” Beginnend mit dem starken “um des Vogels selbst willen”, setzt Floericke im Fortgang dem engen Prinzip der Nützlichkeit eines der Ästhetik entgegen, welches aber gleichermaßen vom Menschen her gedacht wird.

Dem Bestreben, einzelne herausgestellte Tier- und Pflanzenarten zu schützen, setzt Floericke ein ökologisches Modell entgegen: “Alles bildet ja ein zusammengehöriges, unauflösliches Ganzes, und eben dieses Ganze wollen wir uns erhalten, wenn es natürlich auch nur streckenweise und in kleinen Restbeständen möglich sein wird.” Dieses Modell eines aufeinander abgestimmten Zusammenwirkens der Lebewesen, für das Floericke an anderer Stelle in geradezu mechanistische Metaphorik verfällt, findet man auch heute noch in populären Naturschutzbestrebungen. Dabei lässt sich das Ganze der Natur nur als Prozess begreifen, der das Entstehen und Vergehen einzelner Arten beinhaltet. Metaphern von einem Räderwerk, dessen Teile reibungslos ineinandergreifen oder einer Kette, deren Glieder lückenlos zusammenhängen, entlarven unzulässige Idealisierungen.

Der Sitz des “Vereins Naturschutzpark” verlagerte sich im Laufe der Vereinsgeschichte von Stuttgart über Hamburg nach Niederhaverbeck in der Lüneburger Heide. Hier kamen im frühen 20. Jahrhundert Bemühungen auf, die überkommene historische Kulturlandschaft durch Ankauf von Flächen im Umkreis von Wilsede vor Bebauung und Überformung zu schützen.

Wolfgang Brandes, Stadtarchivar in Bad Fallingbostel, arbeitet den Beitrag der Heimatschutzbewegung zur Entdeckung und Erhaltung der historischen Lüneburger Heide heraus:

Brandes, W.: “»Wer dies Bild kommenden Geschlechtern erhielte, der täte ein großes gutes Werk«”, Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (2006), S. 133ff:

https://archive.org/stream/Niedersaechsisches_Jahrbuch_fuer_Landesgeschichte_2006#page/n147/mode/2up

In Arbeit ist eine auf vier Bände angelegte Publikation, deren Bände auch online verfügbar sein werden:

Thomas Kaiser (Hg.): “Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide – Natur- und Kulturerbe von europäischem Rang”
Bd. 1: http://www.verein-naturschutzpark.de/downloads/schriften_004_web.pdf

Hingewiesen sei hier noch auf die beliebte Monographie Richard Lindes:

https://archive.org/stream/dielneburgerheid00lind#page/n3/mode/2up

außerdem: http://de.wikisource.org/wiki/Lüneburger_Heide

Literatur zum 100-jährigen Jubiläum:
Landkreis Soltau Fallingbostel (Hg.): Jahrbuch 2009
Verein Naturschutzpark (Hg.): Naturschutz und Naturparke (2009), Heft 214

Autoritäten auf den Wandbildern des Augsburger Pfettner-Hauses

Leider verfügen wir weder über ein Corpus profaner Wandmalereien des Mittelalters noch über eine Zusammenstellung literarisch relevanter Bildzeugnisse außerhalb der Handschriften. Sakrale Werke dominieren in der Zusammenstellung von Johannes Wilhelm: Augsburger Wandmalerei 1368-1530 (1983).

Um 1416 datiert Wilhelm (S. 164-168 Katalog Nr. 15) den Turnierkampf mit Keulen und Schwertern aus dem Stettenhaus Martin Lutherplatz 3/5 (Nachzeichnung und Fragmente erhalten). Ob tatsächlich nur das im August 1416 überlieferte Turnier als Anlass in Betracht kommt, bleibt zu überprüfen.

Zur späteren Pflege des Turnierwesens durch Augsburger Bürger (Turnierbuch Marx Walthers):

http://archiv.twoday.net/stories/948994034

Zeitlich früher liegen die Malereien des Pfettner-Hauses (S. 140-148 Katalog Nr. 3), 1968 bei Umbauarbeiten des Hauses Philippine-Welser-Straße 20 aufgedeckt. Aufgrund der Darstellung einer Katze bringt Wilhelm die Jagd-Darstellungen mit dem wichtigen Augsburger Ratsherrn Paul Pfettner, der 1366 und 1367 Augsburger Stadtpfleger war und eine schleichende Katze im Wappen führte, in Verbindung. Da Pfettner nach 1368 das Haus nicht mehr bewohnt, setzt Wilhelm die Bilder vor 1368 an, was stilistisch von Kunsthistorikern zu überprüfen wäre.

Die Bilder zeigen: “Hirschhetze mit Jagdgefolge”, “Hirschhetze” und eine von Wilhelm um 1370 datierte Darstellung “Wand mit Brustbildern berühmter Männer”. Wilhelm schreibt: “Es entspricht sicherlich nicht dem Normalbild eines Patriziers, sich auf Hochwildjagd, noch dazu vom Pferd aus, zu begeben” (S. 144). Das scheint mir die historischen Verhältnisse zu verkennen: Vornehme Patrizier lebten adelsgleich und pflegten selbstverständlich die Jagd auf hohem Ross.

Unglücklich ist die für das 14. Jahrhundert in Deutschland eher anachronistische Bezeichnung “berühmte Männer” für zwei Brustbilder barhäuptiger Männer, die jeweils ein Spruchband mit Inschrift halten. Wilhelm liest:
“I wár vbel zwár .. all nam wu.. wár” (bei Wilhelm steht statt á a mit einem – darüber, desgleichen bei dem v in vber)
“Der ze lang …”

Wer möchte, kann ja auf Abbildung 7 im Anhang von Wilhelm die Lesung überprüfen. Vielleicht helfen dereinst die Deutschen Inschriften weiter (oder das, was von ihnen nach Auslauf der Akademienfinanzierung übriggeblieben ist …).

Meines Erachtens handelt es sich um Darstellungen von sogenannten “Autoritäten”, also im Mittelalter bekannten Persönlichkeiten, denen man Sprüche in Prosa oder Versen in den Mund legte. Die Worte Zwar und war deuten in diesem Fall auf gereimte Sprüche hin. Wilhelm sagt zu Recht, dass die Barhäuptigkeit gegen die Darstellung von Propheten, die sonst dem ikonographischen Typus entsprechen, spricht (S. 147), zeigt sich aber wenig kenntnisreich, wenn er zugleich behauptet: “Auch der Standort in dem Saal eines Privathauses ist mit der Prophetenausdeutung nicht vereinbar”. Gerne hat man im Mittelalter auch im profanen Kontext Autoritäten-Sprüche den Propheten in den Mund gelegt.

Zu Autoritäten-Sprüche außerhalb von Handschriften, also auf (meist profanen) Sachzeugnissen, kann man sich im Netz auf einer Seite des Freidank-Repertoriums

http://www.mrfreidank.de/inschriften

unterrichten und vor allem in dem von Ulrich Seelbach verantworteten “Repertorium deutschsprachiger Autoritäten”

http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra
http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra/siglen.html
[neue Adresse siehe unten bei Ulm]

Ärgerlich ist das Fehlen einer Volltextsuche; immerhin scheint die lokale Suchmaschine der Uni Bielefeld brauchbar.

Solche Sprüche waren im Spätmittelalter in Rathäusern (z.B. in Magdeburg) sicher beliebter als es die fragmentarischen Bezeugungen nahelegen.

Weder bei Seelbach noch im Freidank-Projekt berücksichtigt sind die Ulmer Wandbilder im Ehinger Hof, obwohl Norbert H. Ott auf Freidank-Sprüche aufmerksam gemacht hatte.

http://books.google.de/books?id=a7W6GRG0G0UC&pg=PA164

Wenig hilfreich ist es, als einzige Sekundärliteratur einen extrem entlegenen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1971 zu nennen – mit der recht hypothetischen Behauptung eines Zusammenhangs mit den Bozener Runkelsteinbildern (in Bozen wirkte der Ulmer Maler Hans Stocinger).

Ich habe im Augenblick nur den Aufsatz von Karl Siegfried Bader zur Hand: Zur Deutung des alten Gemachs und seiner Fresken im ehemaligen Ehinger Hof in Ulm, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 6 (1942), S. 305-322. Bader gibt S. 310f. den Wortlaut der Sprüche.

Nordwand:
“Es ist wol das im guot geschicht der rainen frowen guotes get”
“Marian raines keusches lebe(n) hat allen frowen preis geben”

Nordostwand
“der haillig gaist werket das das die sonne schint durch d(as) glas”
“du sult vessen das da ist die namen vrouwe vatter krist”

Südostwand:
“verlürt sin er hüt ain man er moß ir immel mangel han”
“got est an strengen gerechtigkeit der kein übel die (l)engin vertret”

Südliche Schmalseite:
“lieb ist ain wildiu hab – hüt lib moren schbab”

Es kann dahingestellt bleiben, ob die Verse in Professor Seelbachs Repertorium gehören. Sie stellen aber eine zeitgenössische Parallele zu den Augsburger Wandbildern dar.

In der Wikipedia heißt es zum späteren Ehinger und früheren Reichenauer Hof und dem heute als Minnesängersaal bezeichneten Raum,

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichenauer_Hof_%28Ulm%29

das Haus sei von Bürgermeister Ulrich Krafft erbaut worden, und die Ausmalung stamme von ca. 1370/80. Jedenfalls weisen die Wappen auf vornehme Ulmer Familien des 14. Jahrhunderts. Eine Farbabbildung der Darstellung an der Nordostwand gibt es auf Commons:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ulm_-_Deckenfreske_im_Minnesängersaal_im_Grünen_Hof.JPG

“[U]nzweifelhaft jüdische Physiognomie” wollte der spätere herausragende Rechtshistoriker Bader 1942 (!) bei zwei Weisen der Nord- und Ostwand erkennen (S. 318). Seiner Ansicht, dass Gestalten des Alten Testaments dargestellt werden sollten, kann man jedoch zustimmen.

Der angebliche Freidank-Spruch (“got est …”) findet sich in der Freidank-Handschrift Cgm 523 (eventuell aus Augsburg),

http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra/Mue1.html

gehört aber nicht zum Freidank-Corpus. Zum darüberstehenden Spruch (verliert ein Mann einmal seine Ehre, ist sie für immer verloren) finde ich bei Seelbach eine Parallele in einer Basler Handschrift:

http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra/Ba6.html

(Erwähnt sei noch, dass der ein Liebespaar begleitende Spruch an der südlichen Schmalseite etwas abgewandelt sprichwörtlich war:

http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Gliederung&hitlist=&patternlist=&lemid=GS03150 s.v. schabab)

Aus dem 14. Jahrhundert stammen auch die Erfurter Rundschilde (ehemals im Großen Ratssaal des Erfurter Rathauses) “mit Brustbildern männlicher Personen und Sprüchen aus Freidank”.

http://www.mrfreidank.de/11

Diese Zeugnisse lassen den Schluss zu, dass städtische Oberschichten es im 14. Jahrhundert (anscheinend in der zweiten Hälfte) liebten, auf Wandbildern oder anderen Gegenständen “Autoritäten” darzustellen, denen man prägnante und verbreitete (sonst in Handschriften greifbare) Spruchweisheiten als Inschriften beigab.

Update: Das Landesmuseum Mainz verwahrt Wandmalereifragmente mit der Darstellung eines Propheten (?) aus dem Haus zum Widder in Mainz (Brand 9), zweite Hälfte 14. Jahrhundert. Über ihm befindet sich ein Spruchband mit nicht mehr lesbarer Inschrift. Einer anderen Person (thronend, wohl weiblich) ist ebenfalls ein Spruchband beigegeben: Gutenberg aventur und kunst (2000), S. 62.

Update:

Seelbach hat das Ulmer Zeugnis registriert:

http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra/Ul4.html

[27.11.2025 https://wiki.uni-bielefeld.de/autoritaeten/index.php/Ul4

Video https://archivalia.hypotheses.org/243175]

Und auch das Augsburger:

http://www.uni-bielefeld.de/lili/forschung/projekte/bra/Au3.html

#forschung
#epigraphik

Franzfoto http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Erinnerungskulturen des 20. Jahrhunderts im Vergleich

Erinnerungskulturen des 20. Jahrhunderts im Vergleich / Culture della memoria del Novecento a confronto
(Hefte zur Bozner Stadtgeschichte / Quaderni di storia cittadina 7)
Herausgegeben von Hannes OBERMAIR & Sabrina MICHIELLI
Mit Beiträgen von: Gustavo Corni, Andrea Di Michele, Rolando Dondarini, John Foot, Hannes Heer, Hans Heiss, Stefan Lechner, Giorgio Mezzalira, Sabrina Michielli, Hannes Obermair, Günther Pallaver, Paola Trevisan & Cinzia Villani
Broschur, 207 Seiten, mit Abbildungen
© Stadt Bozen / Città di Bolzano 2014
ISBN 978-88-907060-9-7
EUR 15,00

Online unter
https://www.academia.edu/8864674/Erinnerungskulturen_des_20._Jahrhunderts_im_Vergleich_-_Culture_della_memoria_del_Novecento_a_confronto

International Encyclopedia of the First World War

http://encyclopedia.1914-1918-online.net

Die Beteiligung der BSB garantiert eigentlich schon, dass es sich bei der gestern freigeschalteten englischsprachigen Enzyklopädie um Murks handelt.

INHALTLICHE QUALITÄT

Ich bin kein Fachmann für den Ersten Weltkrieg, aber vorerst ist davon auszugehen, dass die oft mit Einzelnachweisen und stets mit einer Bibliographie versehenen Artikel von ausgewiesenen internationalen Experten verfasst wurden und den Forschungsstand gut wiedergeben. Aber das ist bei einem Online-Nachschlagewerk nicht alles.

QUERVERWEISE

Die internen Links beziehen sich auf andere Artikel oder den Gesamtindex. Sonderlich durchdacht ist das Verweissystem nicht. Sucht man nach venice (Venedig) mit der Volltextsuche, erhält man 7 Treffer, während der Index unter Venice nur drei Artikel listet. Woher soll man wissen, dass es neben dem Ort Venice auch noch eine eigene Ortsangabe “Saint Mark’s Cathedral, Venice” gibt?

Unverknüpft sind auch Tannenberg und Allenstein.

Unverständlich ist, wieso die in den Noten angegebenen Literaturtitel nicht in die Bibliographie aufgenommen wurden, in der man einen Nachweis findet, in welchen Artikeln die Arbeit zitiert wird.

Eher eine Spielerei, aber hoch-innovativ sind die Grafiken in “Related Articles”.

VOLLTEXTSUCHE

Es gibt keine echte Volltextsuche. Noten und External Links sind nicht erfasst.

Aus
http://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/Womens_Mobilization_for_War_(Russian_Empire)
Anm. 1 wird nicht gefunden:
Kuban Cossack Elena Choba
Zhenskii vestnik

Unter den Links von

http://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/Moroccan_crises_1905-1911

erscheint ein RGBl.-Eintrag von Wikisource. Wikisource wird aber von der Suche nicht gefunden.

Erfasst sind dagegen anscheinend die Bilderläuterungen.

ONLINE-NACHWEISE

Weiterführende Angaben gibt es in den Noten (unverlinkt), in der Bibliographie, den externen Links und den “Resources”.

Die Nichteinbeziehung der Noten ist bei einem Artikel wie

http://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/Historiography_1918-today_(Africa)

unverzeihlich, da der Forschungsüberblick sich auf die in den Anmerkungen genannten Titel bezieht.

Zur Bibliographie: Ärgerlich (und vom Historischen Lexikon Bayerns wohlbekannt) ist, dass Online-Nachweise nur sporadisch ermittelt wurden und nicht beim Titel selbst, sondern in den externen Links stehen.

Zu
http://encyclopedia.1914-1918-online.net/bibliography/D7KPDVTC
wäre zu zitieren
http://utpjournalsreview.com/index.php/CJOH/article/view/8948/7825

Wenn es sich um Zeitschriftenartikel oder Buchbeiträge handelt, ist die in der Bibliographie angebotene Weiterleitung zu den Katalogen der Library of Congress und der Deutschen Nationalbibliothek, zu Gallica und zum Worldcat in der Regel völlig sinnfrei. Hier müsste man auf Google Scholar oder CrossRef verweisen.

Mitunter erscheint JSTOR unter den externen Links ohne Angabe, dass es sich um eine lizenzpflichtige Ressource handelt.

Da sich die Bibliotheken soviel auf ihre Toll-Access-Datenbanken zugutehalten, wäre zu erwarten, dass bei aktuellen Zeitschriftenartikeln, die auch online angeboten werden, stets der DOI oder die URL genannt wird.

Bei den External Links wird die Unterscheidung zwischen Article (das sind auch Bücher!) und “Primary Sources” völlig inkonsequent gehandhabt. Auch wird mitunter auf die Open Library verlinkt statt – sinnvollerweise – auf das Internet Archive.

Ein Verzeichnis aller Primärquellen in den externen Links existiert nicht.

Die Wikipedia wird, wie bei der BSB nicht anders zu erwarten, ignoriert.

Der ätzende Lemo-Relaunch hat dazu geführt, dass bei diesem brandneuen Nachschlagewerk im Tannenberg-Artikel der externe Link auf den Artikel zum Tannenberg-Denkmal in LeMO ins Leere führt.

http://www.dhm.de/index.php?id=22191

der Inhalt ist anscheinend nicht mehr im Netz, es gibt nur noch eine Postkarte:

https://www.dhm.de/fileadmin/lemo/suche/search/?q=Tannenberg

“Resources” bietet – in der Regel wenig wertvolle – Abfragen in der Europeana und im WorldCat.

NORMDATEN

Man wird abzuwarten haben, ob es eine BEACON-Datei zum Angebot für die Personenartikel gibt. Eher nicht, denke ich.

Statt auf die Normdaten direkt zu verweisen/verlinken, werden Suchen in den Normdaten veranlasst. Das führt beispielsweise dazu, dass bei Charles, Count of Flanders (1903-1983) in allen Angeboten nichts Relevantes gefunden wird. Dabei gibt es eine GND:

http://d-nb.info/gnd/119110164

Dass es ein Skandal ist, dass man immer noch nicht vom GND-Eintrag zum BEACON-Findbuch kommt, sei nur am Rande angemerkt.

Unter den Metadata wird am Fuß jeden Artikels auch auf die GND Subject Headings verwiesen, aber schwachsinnigerweise führt der Link auf eine Suche statt auf den Normeintrag z.B. zur Schlacht von Tannenberg:

http://d-nb.info/gnd/4184408-7

Die BEACON-Abfrage dazu

http://beacon.findbuch.de/seemore/gnd-aks?format=sources&id=4184408-7

hat Einträge im HBZ-Katalog und SWB-Katalog, aber nichts vom BVB! Siehe auch

http://archiv.twoday.net/stories/805774290

Die Einbeziehung von Normdaten muss als missglückt betrachtet werden.

LIZENZ

Nicht von ungefähr gelten CC-BY bzw. CC-BY-SA als Standardlizenzen für Open Access. Das Angebot setzt sich kaltschnäuzig über diesen Standard hinweg. Eine triftige Begründung fehlt:

http://encyclopedia.1914-1918-online.net/project/faq

Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Germany-CC BY-NC-ND 3.0 ist für ein Nachschlagewerk ein Witz, da Inhalte nicht verändert werden dürfen und 1:1 übernommen werden müssen.

Selbst für die Subjects wird (vermutlich unbegründet) ein Urheberrechtsschutz beansprucht und auch diese werden nur mit restritkiver Lizenz statt als Linked Open Data unter CC0 freigegeben: “The Subjects are published under the Creative Commons License (Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Germany-CC BY-NC-ND 3.0) and can thus be used to cross-link other online resources to relevant articles in the encyclopedia.”

Erbärmlich!

WEB 2.0

Fehlanzeige! Kommentare oder andere Beteiligungsmöglichkeiten sind nicht vorgesehen.

BILDER

Völlig misslungen ist die Einbindung der Bilder. Es wird immer nur ein Bild (andere Medien wie Videos oder Tonaufzeichnungen habe ich – an dieser Stelle – nicht gefunden) angezeigt, was bei einem Artikel wie France bedeutet, dass man eine endlose Diashow durchschauen muss (wenn der geneigte Leser denn überhaupt bemerkt, dass das Bild womöglich für eine Reihe weiterer Bilder steht). Die Bildverwendung in der Wikipedia ist demgegenüber sachgerecht und leserfreundlich.

Da Bilder häufig in mehreren Artikeln verwendet werden, hat man auf die Ermittlung möglichst vieler aussagekräftiger und wenig bekannter Bilder aus dem ganzen Wust der unüberschaubaren Digitalisierungsangebote zum Ersten Weltkrieg keinen Wert gelegt.

Leider gibt es kein zentrales Bilderverzeichnis. Hilfsweise kann man den Reiter Images der Suche nutzen (z.B. bei der Suche nach Tannenberg).

Zu klein und ohne anklickbaren Link wird angezeigt:

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/96003705

Häufig stammen Bilder aus Wikimedia Commons. Diese sind nach Stichproben alle korrekt lizenziert.

Ungenügend ist die Bildauswahl zur Schlacht bei Tannenberg:

http://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/Battle_of_Tannenberg

Hier hätte man sich mehr Bilder vom Tannenberg-Denkmal gewünscht, siehe etwa

https://commons.wikimedia.org/wiki/Tannenberg-Denkmal

ZITIEREMPFEHLUNG

Gern wüsste ich, wie man

Sammartino, Annemarie: Paramilitary Violence, in:
1914-1918-online. International Encyclopedia of the First
World War, ed. by Ute Daniel, Peter Gatrell, Oliver Janz,
Heather Jones, Jennifer Keene, Alan Kramer, and Bill
Nasson, issued by Freie Universität Berlin, Berlin
2014-10-08. DOI: 10.15463/ie1418.10398 Last modified:
2014-10-05.

in einem deutschen geisteswissenschaftlichen Zitierstil wiedergibt (Tipp: was bedeutet “issued by”?), aber was von Steinhauer und Umstätter auf meine Frage gerade in INETBIB kam, war argumentativ eher unter aller Sau. Wenn man keine Lust hat, eine Frage angemessen zu beantworten, sollte man einfach mal stille sein. So sehr ich Steinhauer zustimme, dass Zitieren keine eigene Wissenschaft ist und Zitate a) eindeutig und b) einheitlich sein sollen, so wenig hilfreich ist seine Wurstigkeit, wenn Studierende sich um Einheitlichkeit bemühen. Und Einheitlichkeit meint dann doch wohl auch, dass man nicht einfach eine englische Zitierempfehlung C&P übernimmt. Dümmlich ist die Wortmeldung Umstätters, der die Notwendigkeit, Studierende an Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi heranzuführen, ignoriert.

Übrigens: Dass der DOI nicht als Link ausgewiesen wird, entspricht nicht den CrossRef-Leitlinien und ist extrem benutzerunfreundlich:

http://archiv.twoday.net/stories/16539613

MOBILE GERÄTE

Mit einem älteren iPad ist das Angebot nicht bequem zu benutzen. Der Screenshot unten belegt, dass Bilder nicht angemessen dargestellt werden.

FAZIT

Einmal mehr bestätigt sich: Online-Nachschlagewerke müssen dringend von der Wikipedia lernen, sonst ergibt sich wie hier Murks. Ich habe aus meiner Sicht gravierende Defizite bei wichtigen Aspekten der digitalen Kultur aufgezeigt.

Ein Online-Nachschlagewerk scheitert, sieht man es nur als eine statische Textsammlung. Die möglicherweise teilweise exzellenten Artikel werden angesichts des 1914-1918-Booms rasch veralten – und dann?

Update: Kritik im Vorfeld

http://archiv.twoday.net/stories/64963796

Peter Meurer von Citavi schrieb mir:

“Der nach unserer Beobachtung am meisten verbreitete Zitationsstil ist APA. In dessen deutscher Übersetzung (DGPs) stellt sich der Eintrag im Literaturverzeichnis wie folgt dar:

Sammartino, A. Paramilitary Violence. In U. Daniel, P. Gatrell, O. Janz, H. Jones, J. Keene, A. Kramer et al. (Hrsg.), International Encyclopedia of the First World War. Berlin. Zugriff am 08.10.2014. Verfügbar unter 10.15463/ie1418.10398

Vom Chicago-Stil ist uns eine offizielle deutsche Übersetzung nicht bekannt. Wir haben den Chicago-Stil (16. Aufl.) „inoffiziell“ auf deutsch übersetzt. Hier sähe das Ergebnis wie folgt aus:

Sammartino, Annemarie. „Paramilitary Violence.“ In International Encyclopedia of the First World War. Hrsg. von Ute Daniel et al. Berlin. Zuletzt geprüft am 08.10.2014. doi:10.15463/ie1418.10398. ”
https://www.flickr.com/photos/34028941@N00/15322130608

Ebenfalls aus der Sicht der Literaturverwaltungsprogramme nahm Stellung Lambert Heller, wofür ich ihm danken möchte:

http://www.ub.uni-dortmund.de/listen/inetbib/msg54071.html

weltkrieg_enzyklopaedie

Städtegeschichte.de

“Beschreibung Städte bilden einen zentralen Lebensraum für Menschen. All die Aspekte menschlichen Lebens wie Politik, Wirtschaft, Religion, Kommunikation und Kultur hinterlassen Spuren im Bild einer Stadt. Seit Kurzem sind Texte, Karten und Abbildungen sowie Literatur zu zahlreichen deutschen Städten frei in einem neuen Internet-Portal zugänglich. Dieses neue Netz-Angebot, das mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vom Institut für vergleichende Städtegeschichte (IStG) entwickelt wurde, bietet Studierenden, Wissenschaftlern sowie interessierten Laien die Möglichkeit zu einer individuellen Auseinandersetzung mit dem Thema „Stadt“. Dies geschieht sowohl durch die Bereitstellung grundlegender Informationen als auch durch einen modernen Wissenschaftsservice mit Anregungen für weiterführende Forschungen. Neben einem Newsticker zu aktuellen Tagungen, Publikationen sowie Ausstellungen bietet das Portal vier unterschiedliche „Abteilungen“: Einführungen in die Städtegeschichte in Form eines Tutorials, interaktive Stadtkarten zu verschiedenen Themen, eine Informationsplattform für das multinationale Projekt „Europäische Städteatlanten“ sowie eine Mediensuche zu Literatur, Karten, Ansichtskarten, Stadtinformationen. Vor allem die Mediensuche bietet die Chance, Informationen zu Aussehen, Entwicklung und konkreter Lage einer Stadt oder deren Beziehungen zu anderen Orten abzurufen. Wissenschaftler können die Bibliographie zur vergleichenden Städteforschung mit derzeit mehr als 150.000 Titeln durchsuchen, um Anregungen für weiterführende Arbeiten zu erhalten.
URL http://www.staedtegeschichte.de ” (CLIO online)

Sehr kartenlastig.

Keine Volltexte aus Instituts-Publikationen.

Keine Online-Nachweise in den Bibliographien.

Das Turnier auf dem Holbeintisch (1515)

Die Monographie von 1990 ist online:

Der sogenannte “Holbein-Tisch” : Geschichte und Inhalt der bemalten Tischplatte des basler Malers Hans Herbst von 1515 : ein frühes Geschenk an die Burger-Bibliothek Zürich, 1633

Autor: Wüthrich, Lucas
DOI: http://dx.doi.org/10.5169/seals-378967

Er wurde in Schaffhausen ausgestellt, siehe Johannes Waldschütz

http://archiv.twoday.net/stories/936781648

Im Katalog Ritterturniere (Luzern 2014), S. 172f. Nr. 23 (Peter Jezler) vermisse ich

– den Hinweis auf vergleichbare Bildertische (studiert von Kohlhaussen im Anzeiger des GNM 1929 und in einem englischen Band hrsg. von Biddle zur Winchester-Artus-Rundtafel

http://books.google.de/books?id=pxh__CRXm9wC&pg=PA52 )

– die bibliographische Zusammenstellung zum Tisch

http://books.google.de/books?id=jVaBAAAAQBAJ&pg=PA505 (u.ö.)