Danke an DW.
Kategorie: Genealogie
US-Präsident Thomas Jefferson zeugte mindestens zwei Kinder mit der von ihm versklavten Sally Hemings
Medieval English genealogy
Familiennamenatlas der Deutschschweiz
Open Access (?) https://www.narr.de/familiennamenatlas-der-deutschschweiz-fds-mit-ausblicken-auf-die-ro-1451-1/
Ein freier Download ist nicht möglich. Man muss sich bei der Kasse registrieren.
Tagesschau berichtet über Familysearch der Mormonen
Zuschrift
„ Hello Mr. Graf,
my name is Filippo Manetti and I write from Venice, Italy. I just want to inform you that my grandmother’s surname was Von Lichtenstern – Weinsberg. She knew all her ancestors starting from the beginning of the 13th century, origins in the city and castle of Weinsberg.“
Das Deutsche Personenstandsverzeichnis
Da hat man sich sehr viel vorgenommen.
Via
https://www.compgen.de/2026/08/das-deutsche-personenstandsverzeichnis-depeve/
Eine veraltete Stammtafel der Konradiner
Genealogische Linkliste des “Roland”
https://tng.rolandgen.de/showmedia.php?mediaID=1160
Hier ließe sich natürlich sehr viel ergänzen. Für Vorarlberg z.B. die genealogische Datenbank https://archivalia.hypotheses.org/263570.
Alle Links sollten kontrolliert werden, soviel Zeit muss sein.
https://apps.vorarlberg.at/vorarlberg/vorarlberg/bildung_schule/bildung/landesarchiv/weitere/nuetzliches/familienforschung.htm führt ins Leere. Jetzt:
https://vorarlberg.at/-/personenstandsbuecher-fuer-familienforschung
Die NZZ ist nicht nur bis 1914 online: Neue Zürcher Zeitung (1780-2020)
Bei den Ärztebriefen müsste die Ärztedatenbank ergänzt werden: https://archivalia.hypotheses.org/262840
Man sieht: Archivalia wird nicht regelmäßig ausgewertet.
Genealogische Datenbank für Vorarlberg (vor allem Bregenzer Wald)
https://www.wer-wir-waren.at/ mit Copyfraud-Lizenz.
Vergleich der Recherchetools für die NSDAP-Mitgliederkartei
Löschung von Taufeinträgen nach Kirchenaustritt?
https://katholisch.de/artikel/69525-gericht-prueft-loeschung-von-taufeintraegen-nach-kirchenaustritt
Hat eine Person, die als Minderjährige getauft wurde und sich nach Eintritt der Volljährigkeit von der römisch-katholischen Kirche distanzieren möchte, ein Recht auf Löschung ihrer personenbezogenen Daten aus dem Taufregister? Das muss der EuGH entscheiden.
„Auf einen weiteren Aspekt verweist der Verband deutschsprachiger Berufsgenealogen. Kirchenbücher seien die wichtigste Quelle für Ahnenforschung. Bis zur Einführung des staatlichen Personenstandsregisters in Deutschland 1876 seien Kirchenbücher meist die einzig erhaltene Aufzeichnung zu Geburten, Familienzugehörigkeit und dem sozialen Umfeld eines Menschen – alle Bevölkerungsschichten abdeckend. “Für mich sind Kirchenbücher weit mehr als religiöse Mitgliedschaftsnachweise. Sie sind historische Primärquellen und Kulturgut, das für die Rekonstruktion von Familien- und Sozialgeschichte unersetzlich ist”, sagte Andrea Bentschneider, Ahnenforscherin und Vorsitzende des Verbands auf KNA-Anfrage.
“Kirchenbücher häufig die einzige Quelle”
Für das vergangene Jahrhundert seien dann auch Standesamtsurkunden eine weitere wichtige Quelle. “Dennoch enthalten Kirchenbucheinträge bis heute Informationen, die sich in Urkunden nicht finden, etwa zu Paten, Konfession oder familiärem Umfeld”, so Bentschneider. “Für Menschen, die ihre Herkunft erforschen, etwa Adoptierte, Nachfahren von Auswanderern, Vertriebenen oder Familien, deren Unterlagen im Krieg verloren gingen, sind Kirchenbücher häufig die einzige Quelle.”
Was Bentschneider mit Blick auf das Urteil betonte: “Die Relevanz eines Eintrags entsteht nicht sofort, sondern oft erst mit zeitlichem Abstand.” Ein heute vorgenommener Eintrag möge für die betroffene Person selbst unerheblich erscheinen, für deren Nachkommen und für Historiker künftiger Generationen sei er es nicht. “Eine Löschung heute entzieht nicht nur der aktuellen, sondern auch jeder zukünftigen Forschung die Quelle, unwiderruflich.”“
Kuno von Öhningen, ein Scherbenhaufen
Als ich mich in den 1990er Jahren viel mit der Genealogie des schwäbischen Adels befasste, las ich auch die Studien zu Kuno von Öhningen. Ich legte mir das Buch von Eduard Hlawitschka von 1987 zu und verschaffte mir Kopien von Donald C. Jackmans (enttäuschender) Konradiner-Monographie 1990. Hermann Jakobs schenkte mir sein Buch von 1968.
Dann verlor ich die Debatte, die Thomas Zotz eine „Forschungsdiskussion gigantischen Ausmaßes“1 nannte, etwas aus den Augen, weshalb ich erst vor kurzem auf den explosiven Aufsatz von Katrin Baaken 2011 stieß, der von der Forschung zu Kuno von Öhningen nur einen Scherbenhaufen übrig ließ. Zwar konnte Wolf 2013, S. 351-353 noch kurz reagieren, aber die „Luft war raus“. Niemand sah sich, soweit ich sehe, veranlasst, eine Neubewertung des Problems anhand einer kritischen Überprüfung der Ergebnisse Baakens vorzunehmen. Ohnehin sind die meisten der in der Bibliographie (über 60 Titel) genannten Autoren und Autorinnen inzwischen verstorben.
Leider zeichnete sich die Kontroverse durch ein hohes Maß an Redundanz aus. So war es aus meiner Sicht unnötig, dass Hlawitschka, nachdem er dem Disput 2003 eine eigene monographische Darstellung gewidmet hatte, den ganzen Sachverhalt 2008 auf etwa 100 Seiten erneut ausführlich darlegte. Unschön war zudem der Diskussionston. Während Armin Wolf und Hlawitschka einigermaßen respektvoll miteinander umgingen, haben Johannes Fried und Jackman polemische Töne eingebracht. Die Rezension von Hlawitschka 2003 durch Caspar Ehlers steht für das Unbehagen, das der Tonfall wohl bei vielen Mediävisten auslöste.
Welche allgemeinen Einsichten erbrachte die Kontroverse? Dass die Quellenarmut und die uneindeutige Überlieferung der genealogischen Erkenntnis enge Grenzen setzen, hätte man schon vorher wissen können.
Wolf und Hlawitschka waren beide Anhänger der Erbtheorie in Bezug auf den Thronwechsel 1002. An ihr hatte Althoff 1989 Kritik geäußert. Weder Wolf noch Hlawitschka konnten die Abstammung Herzog Hermanns II. von Schwaben von den Ottonen überzeugend sichern. Eine Einigung zur Konradiner-Genealogie konnte ebenfalls nicht erzielt werden.
Der quellenkundliche Ertrag war ebenfalls bescheiden. Nennenswerte neue Erkenntnisse zur Beurteilung der Genealogia/Historia Welforum sucht man vergebens.
Immerhin erwies sich das zur Nahehen-Problematik zusammengetragene Material als nützlich (dazu Graf 2025). Hlawitschkas Kritik an der Akzeptanz von Nahehen durch Wolf, Fried und Jackman war aus meiner Sicht voll und ganz berechtigt.
In einer Rezension von Hlawitschkas “Ahnen” Band 3 benannte Wolf 2015 zusammenfassend die Differenzen (die Fußnoten zu den Quellen habe ich ergänzt):
“Seit über 40 Jahren wird die Kontroverse ausgefochten, wie die mütterliche Verwandtschaft Herzog Hermanns II. von Schwaben dessen Thronkandidatur 1002 begründen konnte. War Hermanns Mutter nach Hlawitschka Judith (Tochter Adalberts von Marchtal) oder nach A.Wolf, D. C. Jackman und J. Fried die in einer Reichenauer Memorialnotiz aus dem 10. Jahrhundert2 genannte Richlint? Dieser Name steht dort in der von einem Cuonradus comes angeführten Gruppe von 10 Namen. Diese entsprechen weitgehend, was schon Karl Schmid feststellte, den in der Genealogia Welforum von 1125/26 (und der Historia Welforum von 1167/74) 3 genannten Kindern des Chuono comes nobilissimus und seiner Ehefrau, einer filia Ottonis magni imperatoris (Richlint). Da eine Tochter Ottos des Großen namens Richlind sonst nicht überliefert ist, war sie meines Erachtens – aufgrund von Namenswiederholungen – keine Tochter, sondern eine Enkelin (filia heißt auch Nachkommin, vom Stamme) des Kaisers über dessen vorverstorbenen Sohn Liudolf von Schwaben (A. Wolf XV 5, XVI 13). Nach Hlawitschka war diese Richlind „nicht existent“. Einigkeit besteht aber über die Identität des Chuono nobilissimus comes der welfischen Überlieferung (Kuno ‚von Öhningen‘) mit Herzog Konrad von Schwaben, dem Vater Herzog Hermanns II. von Schwaben (A. Wolf 1980, Hlawitschka 1985, 1987). Einigkeit besteht ebenfalls darüber, dass die in der zeitgenössischen Memorialnotiz nach dem „sehr edlen Grafen“ Konrad genannten Liutoldus laicus Cuonradus laic. Herimannus Ita [de Oningen] seine Kinder sind. Die dann in der gleichen Reihe mit der Tochter Ita folgende Iúdita war nach H. Jakobs, A. Wolf, D. C. Jackman und J. Fried ebenfalls eine Tochter und die gleichnamige Ehefrau des Grafen Adalbert von Metz. Nach Hlawitschka war diese Iúdita jedoch nicht Tochter des Chuono nobilissimus comes, sondern seine Ehefrau, und beide waren identisch mit dem in einer Bestätigung von 1128 genannten Dux Cuno de Beckilnheim et uxor eius Iutta.4 Dieser Herzog Konrad von Böckelheim war nach H. Witte, J. Wagner, W. Vogt, R. Kaiser und A. Wolf allerdings eher der salische spätere Herzog Konrad I. „von Kärnten“, der mit seiner sonst nicht überlieferten ersten Frau Jutta die 1128 genannte Tochter Uda gehabt haben kann. Weil einerseits diese Uda in der Reichenauer Memorialnotiz und der welfischen Überlieferung gar nicht vorkommt und andererseits die bekannten Kinder Konrads von Schwaben in der Böckelheimer Urkunde fehlen, kann Konrad von Böckelheim schwerlich mit Konrad von Schwaben identisch sein. – Der Vater Herzog Konrads von Schwaben war nach einer seit dem 19. Jahrhundert vertretenen und von Hlawitschka verteidigten Tradition Graf Udo von der Wetterau und im Rheingau, nach D. C. Jackman, J. Fried und A. Wolf aber Graf Konrad in der Ortenau (Herzog im Elsass?) (A. Wolf XV 8)”
Hlawitschkas Ablehnung der Richlind-These aufgrund der dann anzunehmenden Nahehen überzeugt. Seine eigene Ableitung der hypothetischen Gemahlin Herzog Konrads von Schwaben ist dagegen in hohem Maße spekulativ. Dass dieser mit einer Jutta verheiratet war, kann nicht als gesichert gelten, da die Identität Konrads mit dem Herzog Kuno von Böckelnheim zwar möglich ist, aber nicht feststeht. Dafür, dass diese hypothetische Jutta eine Tochter Adalberts von Marchtal war, gibt es kein Quellenzeugnis oder starke Argumente. Der Udalrichinger Udalrich hatte aus der Ehe mit einer Sächsin Wendilgart, einer Ottonenverwandten (aus der Quellenstelle “Heinrici regis de filia neptis” muss Hlawitschka “de filia” eliminieren), eine Tochter, die Hlawitschka kurzerhand mit der unbekannten Gemahlin Adalberts von Marchtal gleichsetzt. Diese genealogischen „Erfindungen“ lassen es nicht als geraten erscheinen, den eigenen Hypothesen Hlawitschkas ohne nähere Prüfung irgendetwas zu glauben. Nicht nur Wolf, Jackman und Fried haben methodisch fahrlässig und spekulativ gearbeitet, sondern auch Hlawitschka!
Größerer Widerspruch gegen die Urkundenuntersuchung von Baaken 2011 wurde nicht laut. Wolf 2013 und Meyer 2019 stimmten zu. Andreas Bihrer formulierte 2025: “Die Vermutung, Kuno habe in Öhningen eine geistliche Institution gestiftet, ist […] in gleicher Weise spekulativ wie alle anderen Hypothesen, die einen späteren Gründungszeitpunkt favorisieren.” Wenn die Stiftung Öhningens durch Kuno spekulativ ist, entfällt auch die Güterliste als Quelle für seinen Besitz. 2014 formulierte Joachim Dahlhaus: “Durchaus akzeptabel ist die These, das schon lange als unecht erkannte D O.I. †445 sei erst um 1200 angefertigt worden und der dort als Stiftsgründer genannte Graf Kuno von Öhningen eine bloße, durch die Historia Welforum angeregte Erfindung des Fälschers, womit die vieldiskutierten „Probleme“ um Kuno sich erledigten. Der sensationell anmutenden Herabstufung der Ausfertigung des D F.I. 519, die die Monumentisten für ein Kanzleiprodukt hielten, zu einem gelehrten Machwerk des 18. (!) Jahrhunderts muss indes bis zur Vorlage härterer Beweise mit Reserve begegnet werden”. Dieser Kritik an der Einschätzung des D F.I 5195 möchte ich mich anschließen. Die Merkwürdigkeiten im Formular verdichten sich nicht zum eindeutigen Nachweis von Anachronismen. Nicht erkennbar ist, wo die vermeintlichen Fälscher im Umkreis von St. Blasien das echte Diplom Barbarossas vom Vortag für das Hospital am Semmering einsehen konnten. Was die Besitzliste Öhningens angeht, so stimmt sie mit dem nach Baaken um 1200 gefälschten Diplom Ottos des Großen6 überein. Da von den 26 Ausstattungsorten 15 später keinen nennenswerten Öhninger Besitz aufweisen, geht Baaken davon aus, dass die Besitzliste fiktiv war. Folgt man dieser Hypothese, muss man auf jegliche Schlüsse zum Besitz Kunos und seinem Zusammenhang mit dem Besitz der sogenannten Rheinauer Stiftersippe verzichten. Baaken nimmt an, dass die Besitzorte nach Vorlagen aus Rheinau und Schaffhausen erfunden wurden (S. 43f.). Der „erfundene Graf Konrad“ könne nicht mit der Schluchsee-Schenkung7 in Verbindung gebracht werden (S. 51) – die notwendige Begründung dafür fehlt aber.
Baaken lehnt die bisher gültige Identifizierung von “Oningen”, nach dem Kunos mit einem Welfen verheiratete Tochter Ita genannt wird, mit Öhningen ab, macht aber keinen Alternativvorschlag, sondern verweist unbestimmt auf die “Region im weiten Kreis östlich von Augsburg” (S. 54). Sie stimmt nicht der allgemein akzeptierten Gleichsetzung Kunos von Öhningen mit dem Konradiner Herzog Konrad II. von Schwaben zu, die Wolf 1980 aufbrachte und Hlawitschka 1987 ausführlich begründete. Baaken setzt neue Hypothesen an die Stelle des bisher Angenommenen, sie bietet keineswegs gesichertes Wissen.
Es ist durchaus möglich, die bisherigen Thesen zu Kuno von Öhningen beizubehalten, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es sich um bloße Möglichkeiten handelt, die man als nicht sonderlich wahrscheinlich einschätzen muss. Wenn man der Kritik an Kuno als Stifter folgt und die Besitzliste ablehnt, was aus meiner Sicht plausibel ist, stellt sich die Frage, welche Aussagen über Kuno noch vertretbar sind. Baakens Ablehnung der Identifizierung von “Oningen” mit Öhningen ohne Alternativvorschlag ist nicht sehr überzeugend. Aber man muss in jedem Fall die Verbindung mit Öhningen mit einem großen Fragezeichen versehen. Was die Gleichsetzung mit Herzog Konrad II. von Schwaben angeht, so wird man anerkennen müssen, dass diese inzwischen erheblich weniger wahrscheinlich ist. Hlawitschka hielt seine Argumentation für die Identität für “unabweisbar”, was nicht mehr akzeptabel erscheint.
Wolf 2013, S. 353 bezieht sich auf die von Baaken akzeptierte Identität mit dem Grafen Cuonradus in der Reichenauer Memorialnotiz und betont: “Diese Übereinstimmung und die Unwahrscheinlichkeit, dass es gleichzeitig in Schwaben zwei hochadlige Vater-Sohn-Paare Kuno/Konrad-Hermann gab, ohne dass wir von deren Konkurrenz oder unterscheidenden Beinamen erfahren, spricht doch dafür, dass »der sogenannte Kuno von Öhningen, genauer der ›sehr edle Graf Kuno‹, wie ihn die welfische Tradition nennt, identisch ist mit Konrad, 983–997 Herzog von Schwaben«.” In der Tat enthält der Verwandteneintrag des Verbrüderungsbuchs neben Konrad auch einen Verwandten Hermann. Dass es sich um ein Vater-Sohn-Paar handelt, ist ein Fehlschluss Wolfs. Solche Paare Konrad-Hermann kann es um 1000 gegeben haben, ohne dass sie notwendigerweise in den Quellen mit Herzog Konrad und seinem Sohn Hermann in Beziehung gesetzt werden mussten. Im D O III. 352 aus dem Jahr 1000 waren ein Graf Kuno und ein Hermann an einem Streit um Burgbernheim beteiligt.8
Hlawitschkas Rekonstruktion der Nachfahren Herzog Konrads zeigt ihn als Vorfahr der Schluchsee-Schenker. Aber man sollte den stark hypothetischen Charakter dieser Genealogie nicht übersehen. Bevor nicht eine neuerliche Prüfung vorgenommen wurde, lässt sich nicht ausschließen, dass es einen anderen Grafen Konrad gab, der als Erblasser in Betracht kommt. Es gibt nur eine einzige quellenmäßig bezeugte Filiation, die von Herzog Hermann II. von Schwaben, Herzog Konrads Sohn, zu einem Schluchsee-Schenker, nämlich zum Echebertus comes de Saxonia (Markgraf Ekbert II. von Meißen), führt. Einen parallelen Besitzgang sieht Hlawitschka bei den Marchtaler Pfründen. Obwohl die Marchtaler Historia Bertha von Kellmünz, die Tochter Rudolfs von Rheinfelden, direkt von Hermann und seiner Gattin Gerberga ableitet, nimmt Hlawitschka eine quellenmäßig nicht bezeugte Einbehaltung des Heiratsguts der Kaisertochter Mathilde durch Rudolf von Rheinfelden an. Mathilde ist so keine Vorfahrin von Bertha.
Die Schluchsee-Schenkerin Ida von Elsdorf wird von Hlawitschka hypothetisch als Schwester des genannten Ekbert angesetzt. Wolf 2012 sieht sie dagegen als Tochter des Brunonen Liutger.
Hypothetisch ist Hlawitschkas Ableitung der Schluchsee-Schenker Graf Otto mit Sohn Graf Friedrich. Man wird in ihnen Grafen von Dießen/Andechs sehen dürfen. Aufgrund von in der Forschung angenommenen Verwandtschaftsbeziehungen der Eppensteiner und der Dießener zaubert Hlawitschka die Ehe einer Tochter der Eppensteinerin Beatrix mit Graf Otto von Dießen aus dem Hut. Es ist zwar wahrscheinlich, dass Beatrix eine Tochter von Hermann und Gerberga war, aber keinesfalls unbestritten. Wolf sieht in Kunizza von Dießen dagegen eine Tochter Kunos von Öhningen.9 Obwohl mehr für Hlawitschkas Ansicht, dass die Dießener Quellen von der Historia Welforum abhängen, spricht, ist aus meiner Sicht nicht auszuschließen, dass Wolf mit der Annahme einer unabhängigen Überlieferung Recht hat.
Eine überzeugende Ableitung des Schluchsee-Schenkers Hezelo weiß Hlawitschka nicht anzugeben. Bei Tuto von Wagenhausen darf man davon ausgehen, dass sein Anteil vom Kloster Schaffhausen und damit von der Stifterfamilie der Grafen von Nellenburg stammt. Für Hlawitschka könnte Ita, die Gemahlin Eberhard des Seligen von Nellenburg, eine Nachkommin Herzog Konrads von Schwaben gewesen sein, und zwar einmal über dessen Sohn Konrad und zum andern über den Sohn Liutold/Liutho. Eine dritte Möglichkeit wäre die Ableitung von Kunos Tochter Ita, die mit dem Welfen Rudolf verheiratet war. Heinz Bühler und Sönke Lorenz waren von der hypothetischen Ableitung des Hauses Achalm von Liutold überzeugt, die schon Schenk zu Schweinsberg 1900, S. 376 vorgeschlagen hatte. Starke Argumente gibt es dafür nicht. Weder der Namensbefund noch die Besitznachbarschaft von Achalmern und Nellenburgern lassen die Hypothese als plausibel erscheinen.
Fazit: Angesichts der Vielzahl hypothetischer Annahmen bleibt Hlawitschkas Rekonstruktion insgesamt wenig belastbar und ist von einem „großen Wurf“ weit entfernt. Eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Identität Kunos von Öhningen mit Herzog Konrad II. von Schwaben wird man daher heute kaum noch annehmen können.

Bibliographie
Gerold Meyer von Knonau (1843-1931): Die Bestätigung der Stiftung der Kirche zu Oehningen und die Weingartner Geschichte der Welfen. In: Anzeiger für Schweizerische Geschichte NF 1 (1870/73), S. 3-5 (e-periodica.ch)
Wilhelm Gisi (1843-1893): Der Ursprung des Hauses Rheinfelden. In: Anzeiger für Schweizerische Geschichte NF 5, b (1886/89, erschienen 1887), S. 25-40 (e-periodica.ch)
Gustav Frhr. Schenk zu Schweinsberg (1842-1922): Genealogische Studien zur Reichsgeschichte. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde NF 3 (1904), S. 349-377 (Internet Archive)
S. 370-376 Die Grafen von Öhningen und die Brunonen von Braunschweig, ein Zweig der Konradiner [31.7.2026 Tafel II auf Commons]
Anselm Heinrichsen († 1952): Süddeutsche Adelsgeschlechter in Niedersachsen im 11. und 12. Jahrhundert. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 26 (1954), S. 24-116 (historische-kommission.niedersachsen.de)
S. 39-42 zu Ida von Elsdorf
Karl Schmid (1923-1993): Königtum, Adel und Klöster zwischen Bodensee und Schwarzwald (8. – 12. Jahrhundert). In: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des großfränkischen und frühdeutschen Adels (1957), S. 225-334, hier S. 313-322 (UB Bielefeld)
Hans Dobbertin (1925-2007): Das Verwandtschaftsverhältnis der “schwäbischen” Edlen Ida von Elsdorf zum Kaiserbruder Ludolf IV. von Braunschweig († 1038) und zu Papst Leo IX. († 1054). In: Braunschweiger Jahrbuch 43 (1962), S. 44-76 (TU Braunschweig)
Karl Schmid: Probleme um den Grafen Kuno von Öhningen. Ein Beitrag zur Entstehung der welfischen Hausüberlieferung und zu den Anfängen der staufischen Territorialpolitik im Bodenseegebiet. In: Dorf und Stift Öhningen (1966), S. 43-88 (MGH)
Wieder in: Karl Schmid: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter (1983), S. 127-179
Mit älterer Literatur
Kurt Hils: Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert, ihre Stellung zum Reich und zur Kirche (1967)
S. 26-45 Beziehungen der Grafen von Nellenburg zu den Tradenten des Predium Schluchsee
Helmut Naumann: Die Schenkung des Gutes Schluchsee an St. Blasien. Ein Beitrag zur Geschichte des Investiturstreites. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 23 (1967), S. 358–404 (MGH)
Hermann Jakobs (1930-2025): Der Adel in der Klosterreform von St. Blasien (1968)
S. 168-235 Die “Öhninger”
Hans Dobbertin: Neues über Ida von Elsdorf. In: Braunschweiger Jahrbuch 53 (1972), S. 49-66 (TU Braunschweig)
Hans Dobbertin: Berichtigungen zum Fragenkreis um Ida von Elsdorf. In: Braunschweiger Jahrbuch 55 (1974), S. 224-225 (TU Braunschweig)
Thomas Zotz (* 1944): Der Breisgau und das alemannische Herzogtum. Zur Verfassungs- und Besitzgeschichte im 10. und beginnenden 11. Jahrhundert (1974) (UB Heidelberg)
S. 118-130, 211-229
Hans Dobbertin: Ekbert von Elsdorf war ein Babenberger. In: Braunschweiger Jahrbuch 61 (1980), S. 143-150 (TU Braunschweig)
Eduard Hlawitschka (* 1928): Wer waren Kuno und Richlind von Öhningen? Kritische Überlegungen zu einem neuen Identifizierungsvorschlag. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 128 (1980, erschienen 1981), S. 1-49
Wieder in: Eduard Hlawitschka: Stirps regia. Forschungen zu Königtum und Führungsschichten im früheren Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze (1988), S. 421-469. Mit Nachträgen S. 570-572
Armin Wolf (1935-2025): Wer war Kuno “von Öhningen”? In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 36 (1980), S. 25-83 (MGH)
Mit Nachwort wieder in: Genealogisches Jahrbuch 39 (1999), S. 5-56
Das Nachwort erweitert wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 341-353
Hans Dobbertin: Auch Kaiserin Gisela war eine Öhningerin. In: Braunschweiger Jahrbuch 62 (1981), S. 157-161 (TU Braunschweig)
Hans Constantin Faußner (1925-2024): Kuno von Öhningen und seine Sippe in ottonisch-salischer Zeit. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 37 (1981), S. 20-139 (MGH)
Manfred Hellmann (1912-1992): Ottonen und Rjurikiden. Bemerkungen zur Wiederaufnahme einer Diskussion. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas NF 29 (1981), S. 569-576 (MDZ)
Anneliese Müller (* 1936): Überlegungen zu Kuno von Öhningen. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 40 (1981), S. 251-261
Hans Dobbertin: Bruno der Ältere von Braunschweig und die Königswahl von 1002. In: Braunschweiger Jahrbuch 63 (1982), S. 111-119 (TU Braunschweig)
Peter Hilsch (* 1938): Regenbach und die Schenkung der Kaiserin Gisela. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 42 (1983), S. 52-81 (MGH)
Zu den Konradinern
Heinz Bühler (1920-1992): Studien zur Geschichte der Grafen von Achalm und ihrer Verwandten. In: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 43 (1984), S. 7-87
Wieder in: Heinz Bühler: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze (1997), S. 735-823, hier S. 707-818
Eduard Hlawitschka: Königin Richeza von Polen – Enkelin Herzog Konrads von Schwaben, nicht Kaiser Ottos II.? In: Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift für Josef Fleckenstein zu seinem 65. Geburtstag (1984), S. 221-244 (MGH)
Kritik an Faußner 1981
Eduard Hlawitschka: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um »Kuno von Öhningen« (1987) (UB Heidelberg)
Rezensionen:
Albrecht Graf Finckenstein in: Historische Zeitschrift 250 (1990), S. 402f.
Hans-Werner Goetz in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 106 (1989), S. 371-372
Donald C. Jackmann in: Ius Commune 17 (1990), S. 421-424
Paul Baur: Kuno von Öhningen. Ein Identifizierungsproblem im Spiegel neuerer Forschungsergebnisse (1966-1987). In: Öhningen 1988 (1988), S. 47-62
Hans Dobbertin: War Herzog Konrad von Schwaben der Stiefvater Ekberts von Stade? In: Braunschweiger Jahrbuch 69 (1988), S. 147-151 (TU Braunschweig)
Eduard Hlawitschka: Stirps regia. Forschungen zu Königtum und Führungsschichten im früheren Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze (1988)
Inhaltsverzeichnis
Gerd Althoff (* 1943): Die Thronbewerber von 1002 und ihre Verwandtschaft mit den Ottonen. Bemerkungen zu einem neuen Buch. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 137 (1989), S. 453-459 [1.9.2026 online]
Kritik an Hlawitschka 1987
Eduard Hlawitschka: Nochmals zu den Thronbewerbern des Jahres 1002. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 137 (1989), S. 460-467
Kritik an Althoff 1989
Christian Lübke (* 1953): Ottonen, Rjurikiden, Piasten. Ergänzende Bemerkungen zum Verwandtenkreis Kunos „von Öhningen“. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 37 (1989), S. 1-20 (MDZ)
Donald C. Jackman (1954-2023): The Konradiner. A Study in Genealogical Methodology (1990)
Inhaltsverzeichnis
Rezensionen:
Gerd Althoff in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 41 (1991), S. 333-335
William Urban in: Speculum 67 (1992), S. 428–430
Armin Wolf in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 108 (1991), S. 400-403, wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 355-359
Armin Wolf: Königskandidatur und Königsverwandtschaft. Hermann von Schwaben als Prüfstein für das „Prinzip der freien Wahl“. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 47 (1991), S. 45-118 (MGH)
Erweitert wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 163-238
Eduard Hlawitschka: Der Thronwechsel des Jahres 1002 und die Konradiner. Eine Auseinandersetzung mit zwei Arbeiten von Armin Wolf und Donald C. Jackman. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 110 (1993), S. 149-248
Kritik an Wolf 1991, Jackman 1990
Johannes Fried (1942-2026): Prolepsis oder Tod? Methodische und andere Bemerkungen zur Konradiner-Genealogie im 10. und frühen 11. Jahrhundert. In: Papstgeschichte und Landesgeschichte. Festschrift für Hermann Jakobs zum 65. Geburtstag (1995), S. 69-119
Donald C. Jackman: Das Eherecht und der frühdeutsche Adel. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 112 (1995), S. 158-201
Armin Wolf: Quasi hereditatem inter filios. Zur Kontroverse über das Königswahlrecht im Jahre 1002 und die Genealogie der Konradiner. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 112 (1995), S. 64-157
Erweitert wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 239-339
Christian Settipani (* 1961) Christian/Jean-Pierre Poly (*1941): Les Conradiens: Un débat toujours ouvert. In: Francia 23, 1 (1996), S. 135-166 (MDZ)
Donald C. Jackman: Criticism and Critique. Sidelights on the Konradiner (1997)
Inhaltsverzeichnis
Nicht eingesehen
Rezensionen:
Benjamin Arnold in: Medieval Prosopography 20 (1999), S. 216-217
Matthias Becher in: Francia 27.1 (2000), S. 324f. (UB Heidelberg)
Uta-Renate Blumenthal in: Speculum 76 (2001), S. 179–180
Johannes Fried in: Historische Zeitschrift 267 (1998), S. 750–753
Alois Gerlich in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 118 (2001), S. 496f.
Josef Heinzelmann (1936-2010): Spanheimer-Späne: Schachwappen und Konradinererbe. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 25 (1999), S. 7-68 (E-Text manfred-hiebl.de)
Heinz Bühler: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze (1997)
Inhaltsverzeichnis
Registerband S. 83
Armin Wolf: Wer war Kuno ’von Öhningen’? Überlegungen zum Herzogtum Konrads von Schwaben († 997) und zur Königswahl vom Jahre 1002. In: Genealogisches Jahrbuch 39 (1999), S. 5-56
Nachdruck von Wolf 1980 mit Nachwort S. 49-56. Dieses erweitert wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 341-353
Sönke Lorenz (1944-2012): Graf Luitold von Achalm († 1098). Ein Klosterstifter im Zeithorizont des Investiturstreits. In: Liutold von Achalm († 1098), Graf und Klostergründer. Reutlinger Symposium zum 900. Todesjahr (2000), S. 11-55
S. 10-29 zu Liutho, Sohn Kunos, als Vorfahre der Achalmer
Hans Dobbertin: War der Kaiserneffe Ekbrath (tot 1001) Richtlints Sohn? Ein Beitrag zur Konradiner-Genealogie. In: Genealogisches Jahrbuch 41 (2001), S. 29-43
Walter Greiner (1926-2024): Richlind von Öhningen und die Heiratspolitik des Hochadels vom 8. bis zum 12. Jahrhundert (2001)
Inhaltsverzeichnis
Nicht eingesehen
Rezensionen:
Hans-Martin Maurer in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 63 (2004), S. 555f.
Ursula Berktold in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 67 (2004), S. 753-755 (MDZ)
Alois Schütz (1944-2017): Die Grafen von Dießen und Andechs, Herzöge von Meranien. In: Königliche Tochterstämme, Königswähler und Kurfürsten (2002), S. 225-315 (MGH)
Eduard Hlawitschka: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput (2003)
Inhaltsverzeichnis
Kritik an Wolf 1995, Jackman 1995, Fried 1995, Settipani/Poly 1996, Jackman 1997, Heinzelmann 1999, Greiner 2001, Schütz 2002
Rezensionen:
Caspar Ehlers in: Concilium medii aevi 7 (2004), S. 1017-1018 (UB Heidelberg)
Franz-Reiner Erkens in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 122 (2005), S. 491-493 (E-Text koeblergerhard.de)
Donald C. Jackman in: Francia 32.1 (2005), S. 236-239 (UB Heidelberg)
Laurence Leleu in: Revue Historique 2005, S. 391-394 (Cairn)
Nathaniel L. Taylor in: The Medieval Review (ohne Datum) (IUScholarWorks)
Johannes Fried: Konradiner und kein Ende oder die Erfindung des Adelsgeschlechts aus dem Geist der Kanonistik. Eine Auseinandersetzung mit Eduard Hlawitschka. In: Zeitschrift der
Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Germanistische Abteilung 123 (2006), S. 1–66
Kritik an Hlawitschka 2003
Josef Heinzelmann: Konradiner und kein Schluss oder: Die Erfindung des Adelsgeschlechtes aus dem Geist der Mentalitätsgeschichte. Randbemerkungen zu Johannes Frieds “Auseinandersetzung mit Hlawitschka” und nebenbei mit mir. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 33 (2007), S. 7-22 (E-Text regionalgeschichte.net)
Kritik an Fried 2006
Eduard Hlawitschka: Konradiner-Streitfragen. Ein Feld nur für unverbindliche Hypothesen, nicht auch für Plausibilitätsargumente und Logikbeweise? In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 71 (2008), S. 1-101 (MDZ)
Kritik an Fried 2006
Katrin Baaken (1940-2024): Fälschungen mit fatalen Folgen. Das Stift Öhningen. In: Text und Kontext. Historische Hilfswissenschaften in ihrer Vielfalt (2011), S. 23-58
Stellungnahme von Joachim Dahlhaus in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 73 (2014), S. 375 (WLB)
Hans-Dieter Lehmann: Die Geschäfte des Grafen Eberhard von Nellenburg. Zur Ausstattung des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen und zu Herkunft und Umfeld seiner Stifter. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 160 (2012), S. 49-104 (BLB)
S. 98-104 Ita von Stade, nicht identisch mit Ida von Elsdorf
Armin Wolf: Wer war Ida von Elsdorf? Die Verwandtschaft der »Tochter eines Bruders Kaiser Heinrichs III. und einer Schwester Papst Leos IX.« und die Tochterstämme der Brunonen. In: Rotenburger Schriften 92 (2012), S. 45–67
Erweitert wieder in: Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013), S. 445-467
Armin Wolf: Verwandtschaft – Erbrecht – Königswahlen (2013)
Inhaltsverzeichnis
S. 163-238 Königskandidatur und Königsverwandtschaft: Hermann von Schwaben als Prüfstein für das »Prinzip der völlig freien Wahl«
S. 239-339 Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002: Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts
S. 341-353 Zur Diskussion über Konrad ›von Öhningen‹ und die Konradiner-Genealogie 1980–2011
S. 355-359 The Konradiner (Rezension Donald C. Jackman)
S. 445-467 Wer war Ida von Elsdorf? Die Verwandtschaft der »Tochter eines Bruders Kaiser Heinrichs III. und einer Schwester Papst Leos IX.« und die Tochterstämme der Brunonen
Michael Buhlmann (* 1957): Die „Schluchseeschenkung“ an das Kloster St. Blasien (1074/77) (2015)
www.michael-buhlmann.de
Armin Wolf: Rezension zu: Eduard Hlawitschka: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige und Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk, Band III: 1198–1250 (2013), in: Mediaevistik 28 (2015), S. 518-522 (ingenta)
Andreas Bihrer (* 1970): Öhningen. In: Handbuch der Stiftskirchen in Baden-Württemberg (2019), S. 451-456
Fredy Meyer (1945-2024): St. Peter, Paul und Hippolyt in Öhningen. Eine kultgeschichtliche Studie zum Patrozinium und zur Gründungsgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts. In: Freiburger Diözesan-Archiv 139 (2019), S. 7-66 (BLB)
Fredy Meyer: St. Peter, Paul und Hippolyt in Öhningen. Eine kultgeschichtliche Studie zum Patrozinium und zur Gründungsgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts. In: Hegau 78 (2021), S. 31-60
Nicht eingesehen
Andreas Bihrer u.a.: Öhningen, Augustinerchorherren. In: Badisches Klosterbuch (2025)
Online-Version LEO-BW
Klaus Graf (* 1958): Richwara von Zähringen und das Problem der Nahehen. In: Archivalia vom 20. August 2025
- Thomas Zotz in: Schwaben vor tausend Jahren (2002), S. 19. [↩]
- MGH Libri memoriales N.S. 1 (1979), p. 135 (dMGH). [↩]
- Zu den Quellen: Geschichtsquellen.de; ebenda. [↩]
- Mainzer Urkundenbuch 1 (1932), Nr. 553 (Dilibri). [↩]
- dMGH; Regesta Imperii; Lichtbildarchiv. [↩]
- D O I. 445; Regesta Imperii. [↩]
- Bezeugt im D H.V 275 von 1125: MGH; Johann Wilhelm Braun: Urkundenbuch des Klosters St. Blasien im Schwarzwald 1 (2003), Nr. 126. [↩]
- Regesta Imperii. Hinweis Wilhelm Störmers an Josef Heinzelmann: regionalgeschichte.net. [↩]
- Die Grabinschrift der 1020 verstorbenen Kunigunde ist erhalten: https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/sammlung/00022676. [↩]
Francesco I. de Medici wurde nicht vergiftet, er starb an Malaria
Seelenregister des gesamten evangelischen Kirchspiels Lorch
Opfer des Nationalsozialismus – Linksammlung zur Namensrecherche (2025)
Menschliche DNA kann über Tausende von Jahren an Höhlenwänden erhalten bleiben
Sudetendeutsche Genealogen machen jetzt Casino-Werbung

Nach Aufgabe des Blogs müllt Casino-Werbung den RSS-Feed der Genealogie-Blogs zu. Ich habe „Der Genealoge“ gestern darauf hingewiesen, aber vielleicht ist er im Urlaub oder liest seine Nachrichten nicht.
Update: Gemini belehrte mich:
Die Angreifer haben es in der Regel nicht darauf abgesehen, die Startseite zu zerstören (kein klassisches “Defacement” mit Hacker-Logos), da das sofort auffallen würde. Sie wollen unsichtbar bleiben.
Die Sicherheitslücke: Viele Vereinswebseiten nutzen Content-Management-Systeme wie WordPress, Joomla oder Typo3. Wenn hier Plugins, Themes oder das CMS selbst länger nicht aktualisiert werden, entstehen Sicherheitslücken.
Das Einschleusen der “Parasiten-Inhalte”: Die Hacker nutzen automatisierte Bots, um diese Lücken aufzuspüren. Einmal drin, erstellen sie tief in der Ordnerstruktur neue, eigene Unterseiten (wie den Pfad /golden-crown-casino-quickplay-slots-live-games-and/).
Die Tarnung: Oft werden diese Seiten so programmiert, dass sie für den normalen Administrator, der sich im Backend anmeldet, gar nicht sichtbar sind. Manchmal spuckt die Seite den Casino-Inhalt auch nur dann aus, wenn der Besucher von einer Suchmaschine (wie Google) kommt. Ruft man die Adresse direkt auf, sieht man unter Umständen nur eine Fehlermeldung oder die normale Vereinsseite.
Warum machen die Hacker das?
Sie missbrauchen die hervorragende Reputation des Vereins bei Google. Da die Vereinigung vermutlich seit Jahren seriöse, saubere Inhalte zu historisch-genealogischen Themen veröffentlicht, stuft Google die gesamte Domain als absolut vertrauenswürdig (“High Authority”) ein.
Indem die Hacker ihre Casino-Unterseite dort platzieren, “schmarotzen” sie an diesem Vertrauen. Google denkt, die neue Unterseite gehört zum seriösen Angebot des Vereins, und rankt die Casino-Werbung in den Suchergebnissen extrem weit oben.
Was sollte der Verein jetzt dringend tun?
Wenn jemand Kontakt zu den Administratoren der Vereinigung hat, sollte folgendes dringend weitergegeben werden:
Inhalte prüfen & löschen: Per FTP-Zugang oder über die Dateiverwaltung des Servers müssen die fremden Ordner und manipulierten Dateien (oft tarnen sie sich als .php-Dateien mit kryptischen Namen) radikal gelöscht werden.
Passwörter ändern: Alle Passwörter (FTP, Datenbank, CMS-Admins) müssen sofort erneuert werden.
Updates einspielen: Das CMS und alle installierten Erweiterungen/Plugins müssen auf den neuesten Stand gebracht werden, um die Sicherheitslücke zu schließen.
Google Search Console prüfen: Der Verein sollte seine Website in der Google Search Console anmelden. Dort sieht man sofort, welche “Sicherheitsprobleme” Google erkannt hat und welche URLs indexiert wurden, die dort nicht hingehören. Nach der Bereinigung kann man Google dort bitten, die infizierten Seiten aus dem Index zu löschen.
Solche Angriffe schaden leider langfristig dem Ruf der mühsam aufgebauten Vereins-Website bei den Suchmaschinen, weshalb hier schnelles Handeln nötig ist.
Das Stammbuch der Theresia Migyelka
Von Lajos Adamik, Inscriptiones Alborum Amicorum
Das im Literarischen Archiv der Slowakischen Nationalbibliothek unter der Signatur snk44 YYY 13 aufbewahrte Album amicorum anonymer Urheberschaft („pamätník nezistenej osoby”, siehe die Beschreibung zum Digitalisat: DIKDA, Registrierungspflicht) enthält 26 Einträge, die zwischen dem 20. Sept. und 2. Okt. 1798 in Eperjes (slow. Prešov) datiert sind, einen einzigen Eintrag aus Nagyszabos (slow. Slavošovce, bis 1932 Veľká Slaboška), datiert auf den 20. Oktober 1801, und schließlich vier, teils undatierte Einträge, die allesamt im Spätherbst 1806 in Vichodna (slow. Východná) entstanden sein dürften.
Die Einträge aus dem Jahr 1798 richten sich an eine Schülerin bei ihrem Abschied von der Schule. Neben dem Apotheker Johann Samuel Gertinger, der in der Beschreibung zum Digitalisat als nennenswerter Einträger hervorgehoben ist (zu ihm s. BLS III, 125, DIKDA, sowie Wikipedia), seiner Frau Maria Elisabeth (∞2.10.1781, FS) und wohl ihrer erstgeborenen Tochter Maria Elisabeth (*23.08.1782, FS) trugen noch weitere prominente Mitglieder der evangelischen Gemeinde der königlichen Freistadt Eperjes zum Gedenkbuch bei:
– der Goldschmied Paul Szakmáry (über ihn und sein Siegel an einer Zuckerdose s. den Aufsatz von András Grotte, Művészettörténeti Értesítő 1997/3-4, 207-220, hier: 214, MTAK.HU), seine Frau (Anna) Rosina, geb. Roll (∞08.02.1779, FS) und ihre Töchter (Maria) Rosina und (Maria) Sophia
– Andreas Mayer, Lehrer und Konrektor, ab 1803 Rektor der evangelischen Schule von Eperjes[1] und seine Frau Maria (∞22.11.1790, FS – „bey uns aufgebothen u. in Caschau a R. Sam Sonntag copuliert worden mit Jungfer Maria, Rev. Dni Johannis Greskovits, Min. Slavorum in Caschau, einziger Jungfrau Tochter”; die Taufen der Kinder wurden dann im Kirchenbuch der slowakischen evangelischen Gemeinde von Eperjes eingetragen)
– Susanna Elisabeth Sennowitz, die Frau des Lehrers in der Mädchenklasse Matthias Sennowitz[2]
– Johann Kmetty, damals selbst Schüler von Andreas Mayer, später Pfarrer in Verbic (slow. Vrbica; Ordination 1807, Hungaricana)
– Elisabetha Ludovika Petry, Ehefrau des Schullehrers Thomas Petry und ihre Tochter Karolina, und noch einige mehr.
Hinter dem Monogramm M. S. verbirgt sich wohl Martin Szontagh, Mitglied einer weit verzweigten Adelsfamilie aus dem Zips, in den Annales Evangelicorum 1794 als als Lehrer der Knaben und Mädchen in der Schule von Eperjes genannt („Classis nationis germanica pueri puellaeque sub institutione viri humanissimi, Martini Szontag, ad lecturam, scripturam, arithmeticam, historiarum biblicarum notîtiam, & religionem ducentur”, Hungaricana).
Die vollständige Liste der Einträger soll demnächst in unserer Datenbank und im Repertorium Alborum Amicorum erfasst werden.
Wer war also die Adressatin der Widmungen, die im Herbst 1798 die Schule von Eperjes verließ?
Nun, der evangelische Pfarrer von Nagyszabos, Johann Pauer (Ordination 1790, Hungaricana), der seine Worte „seiner werthesten Schwägerin” widmet, war mit der Tochter Susanna seines Kollegen Johann Migyelka[3] verheiratet (∞27.06.1791 in Szielnic, slow. Liptovska Sielnica, FS), während Jacob Hrobony, der evangelische Pfarrer von Vichodna, wo die letzten Einträge im Gedenkbuch zu verorten sind, 13 Jahre später Susannas Schwester Theresia heiratete (∞24.09.1804, FS).[4] Bei der Taufe ihres ersten Kindes (27.10.1806, FS) standen drei katholische Adelige aus der Umgebung Pate: Paul Okolitsany von Okolicsnó (slow. Okolicna) sowie das Ehepaar Johann und Agnes Podhorszky von Hibbe (slow. Hybbe) – kein Zufall also, dass letztere in ihrem Eintrag vom 27. November desselben Jahres der Halterin und ihrem Ehemann ein langes und glückliches Leben wünscht. Jene Nannette Podhorszky wiederum, die gleich drei Seiten im Stammbuch mit Versen füllte, dürfte die 1789 geborene Tochter Anna Maria Magdalena dieses Ehepaars gewesen sein (Taufe 23.04.1789 Hibbe, FS), die 1809 einen Hofbeamten aus Prag heiratete (∞24.10.1809 Hibbe, FS).
Der Wunsch der Taufpatin ist durchaus in Erfüllung gegangen. Jacob Hrobony starb nach 54 Jahren im Dienst seiner Kirche, mit 81 Jahren am 29. März 1853 in Szielnic (FS, Bild 161) – er hatte 1819 das dortige Amt von seinem Schwiegervater übernommen, und bei dessen Tod ein Jahr später würdigte er ausführlich die Laufbahn seines Vorgängers (I. Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde Szielnic, Sterberegister S. 97, FS). Theresia Migyelka überlebte um vier Jahre seinen Ehemann (†16.07.1857, FS, Bild 176).
Man kann nur bedauern, dass sie ihr Gedenkbuch nach der Geburt des ersten Sohns für immer beiseitelegte. Denn ihre Urheberschaft an dem Büchlein dürfte nach all dem hier Gesagten nicht mehr im Zweifel stehen. Wenn der Eperjeser Lehrer Martin Szontagh im Vierzeiler, den er dem „Handbuch für Mädchen von reiferm Alter” entnimmt (GB), das Wort „Mädchen” durch „Theres” ersetzt, bestätigt er ebenfalls diese Urheberschaft.
In Kenntnis der Halterin und ihres Alters (*27.11.1783, FS) können wir noch einen weiteren Kreis der Inskribenten erkennen: den der Mitschülerinnen in der Eperjeser Mädchenklasse. Zu ihnen dürfte gehören jene „N. N.“, für die „Schulbekanntschaft“ eine feste und dauerhafte Freundschaft darstellt, dann die mit Theresia Migyelka ungefähr gleichaltrige Tochter des Eperjeser Riemers Samuel Botyko (*07.05.1784. FS), die sich neben ihrer Mutter Rosina (∞31.07.1781 Kassa, FS), eine geborene Mihoky, und ihrer knapp zwei Jahre jüngeren Schwester Susanna (*27.03.1786, FS) im Stammbuch verewigte. Ungefähr gleichaltrig mit der Halterin war auch Johanna Pauer, am 30. 11.1784 als Tochter des Eperjeser Kaufmanns Gottfried Pauer geboren (FS). Bei Namen, die sich in Eperjes nicht nachweisen lassen (Sophie Pottornyay, Julianna Ratz und Luise Textoris – letztere vielleicht die am 10.11.1785 in Lőcse, slow. Levoča, geborene Tochter des Kaschauer „adjuratus mathematicus“ Johann Textoris, FS), können wir Ähnliches, auch und vor allem in Ermangelung einer Schulmatrikel, nur vermuten.
Die eingeklebte Landschaftszeichnung gegenüber dem Eintrag des Goldschmieds Paul Szakmáry sowie die drei anderen Bildbeigaben – ein frommes Blatt des Nürnberger Künstlers Johann Georg Remmele und zwei galante Stiche seines Prager Kollegen Johann Balzer – passen gut zur Zeit und zum Geist der Einträge. Ob das sich auch für die beiden Illustrationen am Schluss des Gedenkbuchs, einmal signiert von „Ignatz Abrahamfy” und mit der Abkürzung „D. M.”, das zweite Mal nur mit dem Monogramm I. M. und demselben, vermutlich als „donavit monumentum” aufzulösenden Kürzel versehen, behaupten lässt, ist insofern etwas unsicher, als die Jahreszahl nach dem ersten „D. M.” auch als 1789 gelesen werden könnte, und dann würden diese zwei individuell geschmückten Seiten aus dem zeitlichen Rahmen des Stammbuchs fallen. Die zweite Zahl jedenfalls wurde vom Schreiber selbst korrigiert. Der Goldschmied Michael Abrahamides/Abrahamfy und sein Sohn Ignaz, 1775 in Pest geboren (FS), sind in der einschlägigen Literatur bekannt (Dr. Kapossy János: Magyarországi ötvösök a XVIII-XIX. században, in: Levéltári Közlemények, 11. (1933) 3–4, 253, 271, Hungaricana). War der im Jahr 1799, damals 24 Jahre alt, als Lehrling im Land unterwegs?[5] Das könnte seinen bildnerischen Beitrag zum Gedenkbuch der Pfarrerstochter erklären.





[1] Zu Mayer siehe den Eintrag im im IV. Band des Slovenský Biografický Slovník, 125 (DIKDA). – Die Herausgeber der Schulmatrikel bieten einen ausführlichen Überblick über die Geschichte der Schule: Durovics Alex u. Kónya Péter, Az eperjesi kollégium felsőfokú hallgatói, Budapest 2015, MTAK.HU.
[2] „In der Mädchenklasse, die aus 57 Schülerinnen bestand, unterrichtete Matúš Szenowitz. Der Unterricht der Mädchen konzentrierte sich auf Fächer wie Religion, Kirchengeschichte, Deutsch und Ungarisch, Geografie, Physik, Naturwissenschaften, Arithmetik, Rechtschreibung, Psychologie, ungarische Geschichte sowie Allgemeine Geschichte. Die Mädchen wurden dazu angeleitet, ihr Gedächtnis, ihre Begabungen sowie ihre Besonnenheit zu schulen und handwerkliche Fertigkeiten zu erlernen” – schreibt Gabriela Ol’šavská in ihrer Abhandlung über das evangelische Eperjes im 18./19. Jahrhundert (Evanjelici v Prešove v 18. a v prvej polovici 19. storočia, Prešov 2018, 79), hier in Deepls Übersetzung wiedergegeben.
[3] 1768 in Zsegnye, slow. Žehňa, ordiniert (Hungaricana), kam er von dort zuerst nach Komlóskeresztes, slow. Chmeľov, und von hier nach Szielnic, wo er von 1783 bis 1819 Pfarrer war.
[4] Zu Jacob Hrobony (Ordination 1799, Hungaricana) und seiner Familie siehe vor allem den Aufsatz von Zdenko Ďuriška: Pôvod A príbuzenské vzťahy Hroboňovcov, in: Genealogicko-heraldický hlas Jg. 5 (1995) Nr. 1, 81-29 (DIKDA), hier 18-20, 22-24 u. 27-28. – Über den Schwiegervater wird auf S. 22 berichtet.
[5] “1803 erhält er seine Meisterzeichnung (einen Kelch), 1807 einen letzten Aufschub für die Fertigstellung des Meisterstücks, 1815 noch einmal erwähnt, 1828 gestorben”, steht über ihn in einem Verzeichnis Pester Gold- und Silberschmiede (Horváth Henrik, Szentpéteri József ötvöművész művészete, in: Budapest Régiségei, Jg. 12 (1937, 252, Hungaricana).
Datenbank Schorndorfer Familien
Ruth Blank (gest. 2016) wertete Kirchenbücher des Schorndorfer Raums aus.
Stammbaum-Darstellungen der Grafen von Dillingen im 16. Jahrhundert
Um 1500 kam es im Reich zu einer Blüte genealogischer Studien, nicht zuletzt befördert durch die von Maximilian I. initiierten Forschungen über die Ahnen der Habsburger. Man beschäftigte sich nicht nur mit den Vorfahren der regierenden Dynastien, sondern richtete den Blick zurück auch auf ausgestorbene Geschlechter. Am bekanntesten ist die Rückbesinnung auf die Geschichte der Staufer. Doch auch die über Familie des schwäbischen Landesheiligen St. Ulrich wollte man damals mehr erfahren. Aus dem 16. Jahrhundert sind Zeugnisse genealogischer Darstellungen in Stammbaumform aus Schwaben und der Schweiz erhalten, die den Augsburger Bischof in die Familie der Grafen von Dillingen oder Kyburg einordneten.
Ich kann hier nur einen vorläufigen Überblick anhand der gedruckten Literatur und digitalisierter Quellen geben. Ich unterscheide vier Hauptversionen: 1. die Arbeiten des Matthäus Marschalk von Pappenheim, 2. der verschollene Wormser Stammbaum und seine Schweizer Ableitungen, 3. die Aufstellungen von Wolfgang Lazius 1557, und 4. eine Fassung aus St. Ulrich und Afra, gedruckt von Welser bzw. Stengel.1
1. Matthäus Marschalk von Pappenheim
Der Augsburger Domherr Matthäus Marschalk von Pappenheim (1458-1541), über den ich den Artikel im Humanismus-Verfasserlexikon verfasst habe (Freidok), war einer der Väter der modernen Genealogie. Schon 1494 erstellte er für die Benediktiner von St. Ulrich und Afra in Augsburg Stammbäume der Patrone St. Ulrich und Simpert, die auf Tafeln am jeweiligen Grab angebracht waren. Das berichtet der Chronist Wilhelm Wittwer (ed. Steichele 1860, S. 374, MDZ). Erhalten sind beide Stammbäume nicht. Ich verdanke die Kenntnis der Stelle der Arbeit von Schmidt 1985, S. 121, der auf eine kleine genealogische Abhandlung über die Familie des hl. Ulrich in der 1513 datierten Handschrift 2° Cod. 195 der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Bl. 147r-166v (Beschreibung von Herrad Spilling im Handschriftenportal) aufmerksam machte. Sie sei – vielleicht vom Augsburger Benediktiner Sigismund Lang – aus Werken Sigismund Meisterlins erstellt und fuße möglicherweise auf Pappenheims Stammbaum von 1494. Spilling dachte an einen Zusammenhang des Texts mit der später von Welser gedruckten Genealogie (siehe unten). Da Heckmann 1996 den Text nicht kannte, konnte sie sich nicht zu einem möglichen Zusammenhang mit der von ihr S. 826-831 breit referierten und nur sehr vage in das 16. oder 17. Jahrhundert datierten “Comitum de Kyburg genealogia” im Münchner Clm 1592 äußern.
Für Vergleichszwecke steht mir derzeit nur die Stammtafel Pappenheims in seinem “Liber genealogiarum”, WLB Stuttgart Cod.Don.576, von 1520/21 zur Verfügung (Digitalisat WLB).
Heckmann 1996, S. 823-825 konnte den genealogischen Sammelband Pappenheims in der Thurn und Taxis Hofbibliothek Regensburg Ms. 166, Bl. 72r-78r (Abschnitt über die Grafen von Dillingen) auswerten und eine im Pfarrarchiv Wittislingen erhaltene Abschrift des frühen 19. Jahrhunderts benutzen. Sie ist 1524 datiert und dürfte aus dem Regensburger Codex, der sich früher in Neresheim befand, abgeschrieben sein. Laut Schlegel 2022 (Anm. 17) stammt einer der drei Dillinger Stammbäume aus dem 16. Jahrhundert im Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 90 Nr. 8 (Findmittel) von Pappenheim und ist ebenfalls 1524 datiert.
2. Der Wormser Stammbaum (verschollen)
Der Leiter des Stadtarchivs Worms, Gerold Bönnen, bestätigte mir 2021 und vor kurzem nochmals, dass der von Schröder im Wormsgau 1926-1933 abgedruckte und in einer Schwarzweiß-Fotografie vorgestellte Stammbaum in Worms nicht mehr auffindbar ist und somit vermutlich als Kriegsverlust zu gelten hat. Heckmann, Gamper und Schlegel gingen dagegen von seiner Existenz aus. Nach Schröder entstand das 58 x 76 cm große Pergamentblatt mit hübschen Illustrationen 1513/18 in der Benediktinerabtei Heiligkreuz in Donauwörth.
Erwähnt wird auf dem Stammbaum eine 1513 von Kaiser Maximilian an das Kloster gestiftete Monstranz. Es ist durchaus möglich, dass Maximilian mit der Erstellung dieses Stammbaums etwas zu tun hatte, denn er zählte den hl. Ulrich zu den Heiligen seines Hauses und die Kyburger zu seinen Vorfahren. Über die Teilnahme Maximilians an der Grundsteinlegung des Chors von St. Ulrich und Afra im Jahr 1500 berichtet Clemens Jäger in seinem “Ehrenspiegel”, der König habe sich “ain ewige gedächtnus” aufrichten wollen, denn der liebe Herr St. Ulrich sei aus dem Geblüt der Grafen von Kyburg geboren, aus welchem Geschlecht der König von mütterlichem Geblüt herkomme. Die Mutter König Rudolfs von Habsburg sei nämlich eine geborene Gräfin von Kyburg gewesen.2 Das als “Epitaphium” bezeichnete Denkmalprojekt eines Reiterstandbilds bei St. Ulrich und Afra wurde jedoch nicht realisiert3.

Gamper verglich den Abdruck Schröders mit dem auf der Kyburg bei Winterthur überlieferten illuminierten Stammbaum (Abbildung: Gamper S. 123) und stellte nur wenige Abweichungen fest. Auf dieses Stück werden von Gamper und Schlegel zurückgeführt: eine Abschrift von Georg Binder 1544 in der Zentralbibliothek Zürich, Graphische Abteilung, und der prächtige Stammbaumteppich im Schweizer Landesmuseum (Sammlung online), den 1568 der Zürcher Junker Bernhard von Cham (1509–1576) und seine Frau Agnes Zoller in Auftrag gaben.
Verena Rothenbühler vom Staatsarchiv Zürich hat im Verein mit Christian Sieber (Staatsarchiv Zürich) und Silvia Schlegel (Museum Schloss Kyburg) meine Frage nach dem Stück ehemals auf der Kyburg so beantwortet: “Der Stammbaum des Heiligen Ulrich (GS 567) kam im August 1990 ins Staatsarchiv. Er war ursprünglich im Schloss Kyburg ausgestellt. Die Denkmalpflege des Kantons Zürich hatte 1987 beschlossen, den Stammbaum in Zürich durch das Schweizerische Landesmuseum begutachten und restaurieren zu lassen. In der Kyburg sollte danach eine Reproduktion ausgestellt werden, während das Original im Staatsarchiv aufbewahrt werden sollte. Im August 1990 kam der Stammbaum nach der Begutachtung und Restaurierung ins Staatsarchiv. Das Landesmuseum kam in seinem Gutachten zum Schluss, dass es sich beim Stammbaum entgegen der bisherigen Annahme […] um eine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von anonymer Hand angefertigte Kopie handelt («Deckfarben mit Bleichstiftvorzeichnung auf Papier»). Das Gutachten spricht von einem «Falsifikat nach altbayrischer Quelle». […] Dass im Gutachten des Landesmuseums von einem «Falsifikat» gesprochen wird, was auch im Eintrag zu GS 567 im Online-Archivkatalog aufgenommen wurde, geht vielleicht darauf zurück, dass man offenbar lange von einem Stück aus dem 16. Jahrhundert auf Pergament ausgegangen ist”. Sie wies auf Gubler 1978 hin.
Diese Schweizer Zeugnisse waren Heckmann 1996 noch nicht bekannt.

3. Wolfgang Lazius 1557
Von der neueren Forschung (Bühler und Heckmann) nicht erwähnt wurden die Genealogien des Wiener Gelehrten Wolfgang Lazius (1514-1565), die er in seinem Werk “De aliquot gentium migrationibus” (1557) veröffentlichte. Wie Rolf Götz 2007, S. 58f. am Beispiel der Herzöge von Teck zeigen konnte, hatte Lazius Zugriff auf Ausarbeitungen Pappenheims.
4. Die Fassung aus St. Ulrich und Afra in Augsburg (Welser, Stengel)
Die mehrfach gedruckte Stammtafel, zuerst 1595 von Marcus Welser, soll aus einer Handschrift der Bibliothek des Klosters St. Ulrich und Afra stammen. Bühler erwähnt zwar zusätzlich ein deutschsprachiges Werk Carl Stengels 1620, nicht aber die gelehrte lateinische Fassung des Benediktiners aus dem Vorjahr (1619). Welser und Stengel hatten offenbar eine gemeinsame Vorlage.
Zusammenhang der Zeugnisse
In der Reihe der Fassungen sehe ich eine dominierende Rolle der Genealogien des Matthäus von Pappenheim, dessen für 1494 belegter Stammbaum aber nicht erhalten ist. Da er prominent in der Kirche von St. Ulrich und Afra angebracht war, konnten sich spätere Genealogen leicht darauf beziehen. Gehen womöglich die drei anderen Fassungen auf ihn zurück? Eine genauer Vergleich aller Versionen ist jedoch erst sinnvoll, wenn alle verfügbar sind.
Unklar ist die Rolle des Chorherrenstifts Heiligberg bei Winterthur, einer Gründung der Kyburger. Heckmann 1996, S. 823 sagt, “wahrscheinlich” habe Pappenheim seinen Stammbaum aus einer Vorlage des im 16. Jahrhundert eingegangenen Chorherrenstifts4 abgezeichnet. Sie beruft sich aber nicht auf eine Quellenstelle der Neresheimer Handschrift. Den Namen Heiligenberg nennt Schröder S. 165 Anm. mit Blick auf die Abschrift des frühen 19. Jahrhunderts im Pfarrarchiv Wittislingen, die mit dem Wormser Stammbaum “weitgehend” übereinstimme. Diese Abschrift ist aber wohl eine Kopie der genannten Neresheimer Handschrift, aus der Heckmann keine entsprechende Angabe zu einer Vorlage zitiert. Zutreffend ist wahrscheinlich die umgekehrte Reihenfolge, wie sie seit Stumpf 1546 Schweizer Autoren behaupten: Der Stammbaum kam aus Augsburg ins Stift Heiligenberg und von dort auf die Kyburg.5 Matthäus von Pappenheim hat sicher eigene Forschungen angestellt und nicht einfach nur eine Vorlage kopiert.
Literatur
Johannes Stumpf: Gemeiner loblicher Eydgnoschafft […] Chronick […] 1548 Bd. 2, Bl. 105r (e-rara.ch)
Wolfgang Lazius: De gentium aliquot migrationibus […] (1557), S. 534-538 (MDZ)
Stemma Kyburgensium comitum. In: Marcus Welser: De Vita S. Udalrici […] (1595), Anhang (GBS; im MDZ unausgefaltet)
Carl Stengel: Monasteriologia [1] (1619), nicht paginiert (MDZ)
Carl Stengel: Der weitberüehmbten […] Reichs Statt Augspurg […] kurtze Kirchen Chronick […] (1620), S. 69 (GBS)
Franz Josef Leichamschneider: SanCtVs VDaLrICVs […] (1735) (GBS)
Predigt vor der schwäbischen Landsmannschaft in Wien
Hans Heinrich Bluntschli: Memorabilia Tigurina. 3. Ausgabe (1742), S. 265 (GBS)
Hans Jacob Leu: Allgemeines helvetisches, eydgenössisches […] Lexicon 11 (1756), S. 266 (e-rara.ch)
Alfred Schröder: Der “Stammbaum St. Ulrichs” in der Stadtbibliothek zu Worms. In: Der Wormsgau 1 (1926-1933), S. 164-169 (worms.de)
Hans-Martin Gubler: Die Bezirke Pfäffikon und Uster (1978), S. 193f. (ekds.ch)
Heinz Bühler: Die Herkunft des Hauses Dillingen. In: Die Grafen von Kyburg (1981), S. 9–30 (UB Heidelberg)
Rolf Schmidt: Reichenau und St. Gallen (1985) (UB Heidelberg)
Marie-Luise Heckmann: Die Ulrichstradition der Dillinger und Kyburger. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 59 (1996), S. 807–834 (MDZ)
Franz Bischoff: Burkhard Engelberg (1999)
Rolf Götz: Wege und Irrwege frühneuzeitlicher Historiographie (2007)
Rudolf Gamper: Wie die Grafen von Kyburg eine ehrenvolle Geschichte erhielten. Die Erforschung der Kyburger Geschichte im 16. Jahrhundert. In: Die Grafen von Kyburg (2015), S. 118-129 (e-periodica.ch)
Silvia Schlegel: Verknüpfte Geschichte. Ein Zürcher Wandteppich von 1568 mit Dillingen-Kyburger Stammbaum. In: Jahresbericht 2022 Verein Museum Schloss Kyburg, S. 14-23 (schlosskyburg.ch)
#forschung #fnzhss
- Vermutlich ebenfalls noch dem 16. Jahrhundert gehört an die im Rahmen der Ausgabe der Konstanzer Bischofschronik Jakob Mennels wiedergegebene Stammtafel bei Pistorius 1607, S. 664 (MDZ). [↩]
- Cgm 896, Bl. 179r (MDZ). Zitiert bei Bischoff 1999, S. 254. Zur Quelle: Wikisource. [↩]
- Bischoff 1999, S. 254f. Entwurf Burgkmairs: Albertina. Dazu der Katalog: Maximilian I. 1459-1519. Kaiser. Ritter. Bürger zu Augsburg (2019), S. 296f. Nr. 72. [↩]
- Ihre Literaturangabe im LThK zielt irrtümlich auf den Heiligenberg bei Heidelberg! [↩]
- Gubler S. 193 gibt nach dem Historiographen Hans Jakob Leu (Handschrift in der Zentralbibliothek Zürich) das Jahr 1540 an. Im 18. Jahrhundert erwähnen die Herkunft aus dem Stift Heiligenberg Bluntschli 1742 und Leu 1756. [↩]
KI entziffert Grabsteine
Heuchelberg-Zabergäu-Gebiet: Kirchenbuch-Transkriptionen von Dr. Otfried Kies (34 Parochien, 242.000 Einträge) online
Amsterdamer Ausländerkarten online
BreakingNews: SPIEGEL schämt sich nicht, seine Aufbereitung der NSDAP-Kartei mit Paywall zu verrammeln
Siehe https://archivalia.hypotheses.org/?s=NSDAP
Dr. Arnold Ruge wird dank missverstandenem u-Haken zu Rüge!
Hilfen für die NSDAP-Kartei
Abzocke-Angebot Archion kooperiert mit Transkribus
Neue Digitalisate in den Sächsischen Staatsarchiven
Die deutschen Vorfahren von Trump und Ketchup-Heinz kamen aus Kallstadt
Natürlich Paywall: https://www.spiegel.de/geschichte/trumps-und-heinz-deutsche-vorfahren-die-gluecksritter-aus-kallstadt-a-99f1403c-1a47-4bb1-98b3-69dcbe071b5e
“Eine Winzeridylle, einerseits. Doch Kallstadt war immer etwas anders. Die »Brulljesmacher«, die Angeber, lautet der regionale Spitzname für die Dorfbewohner. Und das lange bevor im Weißen Haus ein Ober-Brulljesmacher mit Kallstädter Wurzeln regierte.”
Siehe hier: https://archivalia.hypotheses.org/?s=trump+kallstadt
Apud optimum amicum – bloß bei welchem?
Von Lajos Adamik, Inscriptiones Alborum Amicorum
Aus dem umfangreichen Stammbuch des Pfarrers und Lyrikers Bohuslav Tablic[1] (sk.wikipedia; BLKÖ; Digitalisat der Handschrift: DIKDA) hatte bereits Albert Prazák einige Einträge veröffentlicht (Studentský památník Bohuslava Tablice, in: Bratislava 2 [1928], 204-206, schlechter Scan bei GoogleBooks, guter Scan, allerdings mit den recht lästigen Wasserzeichen, bei DIKDA), Rudo Brtán wertete es in seiner grundlegenden Monografie (Bohuslav Tablic: život a dielo, Bratislava, 1974, DIKDA) umfassend aus, um Tablics Wege und Kontakte vor, während und nach dem Jenaer Studium zu rekonstruieren – doch um einen Eintrag machten beide Autoren, bewusst oder unbewusst, einen weiten Bogen. Wenige Tage vor Tablics Aufbruch zur Rückreise in die Heimat – am 9. September 1792 war er noch in Jena, am 11. bereits in Halle, am 24. in Prag und am 11. Oktober in Preßburg – verewigte sich der Landsmann Johann Karats mit einem Zitat aus Ovid im Stammbuch (Bl. 191v, DIKDA; IAA, 16827). Allerdings widmete er seine Worte nicht dem Eigentümer, sondern ihrem gemeinsamen Landsmann und Mitstudenten Johann (Samuel) Hauser, der seinen Namen an anderer Stelle ins Stammbuch gesetzt hatte (IAA, 16794). Während Tablic und Hauser das Studium bereits hinter sich hatten – beide hatten sich am 23. April 1790 in Jena immatrikulieren lassen (THULB JENA) und verbrachten dort nach eigener Aussage zweieinhalb Jahre (Ordinationscurriculum Hauser: „duos annos et six mensis”, Hungaricana; Tablic: „exactis annis duobus et dimidio”, Hungaricana) –, hat es für Karats gerade erst begonnen (immatr. 30.04.1792, THULB JENA; er wurde schließlich reformierter Pfarrer in Nagyrév).
Kartats’ offensichtliche Verwechslung des Adressaten steht exemplarisch für die Spontaneität und Flüchtigkeit, die so viele Stammbucheinträge, bedingt allein schon durch das kleine Format, auszeichnet. Während solche, für den privaten Gebrauch angelegte Gedenkbücher in erstaunlich großer Zahl auf uns gekommen sind und seit mehr als zwei Jahrhunderten gesammelt und erforscht werden,[2] können wir uns den Schreibakt selbst, vorbereitet durch die wie auch immer höfliche Aufforderung, nur vage vorstellen, denn an Beschreibungen solcher, eben der Flüchtigkeit verpflichteten Situationen fehlt es, soweit ich das übersehen kann, weitgehend.
Versuchen wir uns also jene Situation auszumalen: Zwei Jenaer Studenten kurz vor der Heimreise, ein dritter, erst seit kurzer Zeit dazu Gestoßener, in einer Bierstube sitzend, ihre Stammbücher, um Einträge bittend, herumreichend; die Zahl der geleerten Krüge trägt nicht unerheblich zum Rausch des feierlichen Augenblicks bei. Hauser… Tablicz… Karats… wessen Büchlein liegt gerade vor mir, wem tue ich gerade einen netten Spruch, eine freundschaftliche Widmung eintragen? Dass solche Alba weder von Hauser noch von Karats auf uns gekommen sind, braucht uns hier nicht zu stören, denn die Zahl der verschollenen Exemplare der Gattung dürfte, wenn vielleicht nicht so hoch wie der erhaltenen, immer noch ziemlich hoch sein; auf jeden Fall ist sie eine Dunkelziffer.
Laut KI könnte jene Schreibsituation so ausgesehen haben:

So oder ähnlich, oder vielleicht doch ganz anders?
***
In Tablic’ Stammbuch mit über dreihundert, zwischen 1789 und 1820 entstandenen Einträgen gibt es neben dem von Johann Karats noch einen zweiten, dieses Mal auch von Brtán zitierten Eintrag, der streng genommen aus dem Rahmen fällt. Auf der letzten beschriebenen Seite ergänzte ein Neffe des Halters, Samuel Tablic, den Eintrag des Pfarrers Georg Jozeffy und dessen Ovid entnommenes Motto (IAA, 16868) um ein Distichon aus Ovids Elegie auf den Tod des Tibull sowie um ein Chronostichon. Das tat er genau fünf Jahre nach dem Tod seines Onkels und am Ort dessen Wirkens, in Egyházmarót (slow. Kostolné Moravce, heute Teil von Hontmarót/Hontianske Moravce), wie er das selbst vermerkt („haec gratia memorae apposuit patruo suo defuncto … mortem lugens Die et anno quo obiit”). Brtán geht auf die Person des Neffen nicht weiter ein, weiß nur zu berichten (a. a. O., S. 101), dass er eine Zeit lang das Stammbuch besessen habe sowie dass sein Onkel in seinen letzten Lebensjahren sich um ihn, den Juristen in Preßburg, um einen weiteren Neffen Andreas sowie die [früh verwitwete] Schwester und deren Kinder kümmerte (Brtán, S. 253).
Brtáns Hinweis auf Preßburg bestätigt unsere Vermutung, den Neffen im zeitweisen Besitz des Stammbuchs mit dem 1807 in Szerencs geborenen Mitglied der Familie Tablic (nach älteren Schreibweisen Tablicz, Tablitz, Tablich, Tablics) identifizieren zu dürfen, der ab 1827 am Lyzeum Preßburg[3] und ab 1828 am Lyzeum von Eperjes (slow. Presov) studierte (Matrikel Preßburg, hrsg. v. A. Durovics u. V. Keresztes, MTAK.HU, Nr. 5425; Matrikel Eperjes, hrsg. v. A. Durovics u. P. Kónya, MTAK.HU, Nr. 2002) und sich in Korpona (slow. Krupina), nur 4 bayerische Meilen von Egyházmarót entfernt, niederließ, wo er als Fiskal tätig war und 1854 aus dem Leben schied (Sterbeeintrag FamilySearch). Eine umfassende Ahnentafel der Sippe ist mir nicht bekannt, doch lassen sich die verwandtschaftlichen Beziehungen aus den im 18. Jahrhundert zumindest bis zum Toleranzedikt Josephs II. oft recht lückenhaften, wenn überhaupt vorhandenen Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinden des historischen Ungarns mit einiger Mühe rekonstruieren. Bohuslavs Vater Martin, der zuletzt in Csővár als Schulleiter wirkte, stammte aus Losonctamási (slow. Tomášovce, Taufeintrag 5. Nov. 1736, FS). Ein Matthäus/Matej Tablicz erscheint dort bereits 1713 mit seinem Heirat im Kirchenbuch (FS), das vom Pfarrer Johann Lowczani (nach moderner Schreibweise: Lovcan bzw. Lovcsány, s. sein Ordinationscurriculum, Hungaricana) nach einem von ihm eingeführten, teilweise recht ausgeklügelten System geführt wurde (s. seine Erklärungen dazu, FS). In welchem Verhältnis dieser Matthäus, der bei der Konskription 1718 als Dorfrichter des benachbarten Videfalva (slow. Vidiná) erscheint (mnl.gov.hu), zum Großvater Michael des Stammbuchhalters stand, konnte ich nicht feststellen. Nach 1760 jedenfalls tauchen bereits die ersten Nachkommen der beiden „Urväter” mit ihren Ehen und Kindern im Kirchenbuch von Losonctamási auf. Der Neffe Samuel war demnach Enkelssohn von Martins Bruder Stephan (*1739, FS). Dieser ließ sich um 1760 in Egyházasdengeleg nieder, heiratete dort 1766 die verwitwete Susanna Zatroch, und 1767 kam ihr Sohn Samuel zur Welt. Ab 1772 finden wir das Ehepaar bereits im katholischen Kirchenbuch des nahegelegenen Heréd mit drei weiteren Nachkommen. Eine wohl dort geborene, im Kirchenbuch nicht belegte Tochter Barbara heiratete 1802 in Aszód. Dieser Eheschließung verdanken wir die einzige Erwähnung des Stephan Tablitz in einer modernen Quelle, in einer Analyse der Bräuche und Lebensverhältnisse Aszóder Lutheraner zwischen 1776-1812 aufgrund der Kirchenbücher (Detre János, Az Aszódon élő evangélikusok szokásai és körülményei az anyakönyvek alapján 1776-1812 között, in der Festschrift István Asztalos, S. 205 (Arcanum, Paywall). Die Nennung der Eltern und des Herkunftsortes Heréd im entsprechenden Trauungseintrag (FS, Eintrag Michael Königer – Barbara Tablitz) ist mehr oder weniger die einzige solche in unserem Kontext. In den Kirchenbüchern von Szirák, Heréd und Szerencs fehlen solche Informationen weitgehend. Doch nur so, über die Migrationswege Losonctamási – Szirák – Heréd – Szerencs lässt sich jene im Nachtrag zum Stammbuch genannte verwandtschaftliche Beziehung erklären. Dessen Autor, der Korponaer Fiskal, war der Enkel von Michaels Sohn Stephan und Sohn von Stephans Sohn Samuel, der 1800 in Szerencs heiratete und dort 1824 verstarb. Das dabei angegebene Lebensalter von 55 Jahren (FS) entspricht in etwa dem Geburtsjahr 1767. Sein 1807 geborener Sohn Samuel (FS) war demnach Bohuslavs Neffe 2. Grades, ebenso wie sein Cousin Andreas, 1808 als Sohn des 1776 geborenen Johann und Enkel von Urvater Michaels 1751 geborenem Sohn Andreas in Losonctamási geboren (FS). Dieser zweite Neffe 2. Grades des berühmten Bohuslav heiratete 1832 die adelige Anna Gyurgyik von Folkusfalva (FS) und ließ sich mit ihr ebenfalls in Korpona nieder, wo Onkel Bohuslav einst für zwei Häuser die Miete gezahlt hatte (Konskription 1828, AOL, Nr. 576).
Beachtenswert in dieser Familiengeschichte ist die teilweise große Mobilität ihrer Mitglieder: Das nach 150 Jahren Osmanenherrschaft über weite Strecken verheerte Niederungarn wurde ja neben den sog. Donauschwaben durch Siedler aus dem damaligen Oberungarn, der heutigen Slowakei, neubevölkert. Diese klassische, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Arbeitsmigration setzte sich bis in das frühe 19. Jahrhundert und noch darüber hinaus fort. Beeindruckend ist auch, um bei den Tablic zu bleiben, der immer wieder erfolgreiche Aufstieg der Kinder von Bauern und Handwerkern über den Bildungsweg zu respektierten Personen innerhalb ihrer Gemeinden. Neben Andreas studierte noch ein weiterer Sohn von Johann Tablicz, Martin, in Preßburg (Matrikel Nr. 4893). Laut Matrikel ging er anschließend zum Militär („militia nomen dedit”). Ob er das wirklich tat, und wenn ja, wann und wo, konnte ich nicht eruieren.
Bohuslav Tablics Wirkungsorte im Vergleich mit den Lebensorten der anderen Familienmitglieder:

Die Stammesfolge von Michael Tablicz’ hier erwähnten Söhnen, Enkeln und Urenkeln, von KI kunstvoll dargestellt:

Bei Familysearch habe ich den bereits vorhandenen, recht lückenhaften Stammbaum von Stephan Tablicz um die hier gewonnenen Daten ergänzt (FS).
[1] Die slowakische Nationalbibliothek hat drei Handschriften des Autors Bohuslav Tablic digitalisiert: Umĕnj Básnjřské, DIKDA, Pamatné přjhody Štěpana Pilarjka, DIKDA, Anglické múzy w česko-slowenském oděwu, DIKDA.
[2] „Sennovitz in Eperjes hat mir Elias Hellners Stammbuch, von welchem ich Ihnen einst schrieb, gestern zugeschickt. Hellners Sohn war so gütig, es ihm für mich zu leihen, aber es ist ihm um keinen Preis feil”, schreibt Ferenc Kazinczy am 7.11.1810 an Georg Karl Rumy (kritische Online-Edition seiner Werke, deba.unideb.hu). In Ungarn war er einer der ersten, der den historischen Wert der Gattung erkannte und Stammbücher zu sammeln begann. – Im Repertorium Alborum Amicorum sind heute mehr als 30.000 Stammbücher erfasst.
[3] Onkel Bohuslav, sein Vater Martin sowie sein Neffe Andreas studierten ebenfalls in Preßburg (Nr. 2465, Nr. 1152 u. Nr. 5340 in der Matrikeledition).
