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Visuelle Kultur im Spätmittelalter: Bildtafeln für den Türkenkrieg (um 1480)

In einem undatierten “Memorandum über die Kriegsführung gegen die Türken” wird vorgeschlagen, man solle in allen Stadt- und Landpfarrkirchen Opferstöcke aufstellen und das Volk an allen Feiertagen mit Ablassverkündung auffordern, für den Türkenkrieg zu spenden. Dazu soll man verordnen zwei oder drei “getrew seßhafft burger, die umb gen sollen mit taffeln, daran soll gemallt sein Christus der herr, in dem lufft swebend und darundter die verfluchten thurcken, wie sie gefangen furen crystn gebunden, frawen und man, auch die kinder”.1 Die Sammler sollen sprechen: Gebt durch Gottes Willen zur Rettung der Glieder Christi. Nach der Messe sollen sie eilends das gesammelte Geld öffentlich in die Opferstöcke schütten. Diese sollen ebenfalls mit dem erwähnten Bild Christi versehen werden.

Die (in den Geschichtsquellen leider vermisste) Denkschrift wurde aus der Überlieferung in “Mein Buch” des brandenburg-ansbachischen Rats Ludwig von Eyb des Älteren2 (Staatsarchiv Nürnberg, Fürstentum Ansbach, Herrschaftliche Bücher Nr. 17, Bl. 131r-139r) 2002 von Matthias Thumser herausgegeben, nachdem schon 1915 Nicolae Iorga Auszüge aus der gleichen Vorlage publiziert hatte.3 Bislang unbeachtet blieb eine zweite Überlieferung in der um 148o in Nürnberg entstandenen Handschrift in Gießen, Universitätsbibliothek, Hs. 329, Bl. 28r-33.4 Ihr fehlt der Schluss des Textes (die letzten drei Abschnitte).5 Für eine von Thumser 1997 erwogene Beteiligung Eybs ist nichts ersichtlich, in der Edition spricht er von einem Anonymus. Seine Zuweisung an das Umfeld des kaiserlichen Tags in Nürnberg 1480 ist plausibel, aber hypothetisch. Die Datierung um 1480 wird von der Datierung der Gießener Handschrift gestützt.

Die Literatur zum Text ist überschaubar. Außer einem Aufsatz des Editors Thumser 19976 fand ich nur eine Inhaltsangabe (nach Iorga 1915) bei Antje Foresta.7

Auf das Zeugnis zu den Bildtafeln ging kurz ein Daniela Rando 2005.8 Mit dem bildlichen Hinweis auf christliche Männer, Frauen und Kinder, die in die Gefangenschaft (Sklaverei) geführt wurden, lud das Memorandum die Spendenkampagne emotional auf, indem es anti-türkische Feindbilder bediente.

Transportable Bildtafeln, die bei dem Opfergang im mittelalterlichen Gottesdienst eingesetzt wurden, sind mehrfach bezeugt, entnimmt man einem Aufsatz von Renate Kroos.9 Auch spezielle Opfer für die Türkenkriege, wie sie das Memorandum fordert, muss es tatsächlich gegeben haben. Kroos verweist auf ein Kircheninventar des Doms von Siena 1467, in dem ein neuer Opferstock mit Bildern aus der Geschichte der Türken erwähnt wird.10

#forschung

Ein Bettler sammelt mit einer Statuette der Hl. Barbara (Hans Burgkmair, 1502, Ausschnitt Commons)

  1. Zitat aus der Gießener Handschrift, Bl. 33v (UB Gießen). Varianten in der Ausgabe von Matthias Thumser: Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502): Schriften (2002), S. 451-463, hier S. 461: “sesßburger”; “wie gefangen”. []
  2. https://geschichtsquellen.de/autor/2234. []
  3. Nicolae Iorga: Notes et extraits pour servir à l’histoire des croisades au XVe siècle 5 (1915), S. 88-96 (GBS). []
  4. Handschriftencensus; Beschreibung von Ulrich Seelbach 2007 (UB Gießen): “Anschlag wider die Türken”. Vergleichbare Türkenkrieg-Anschläge stellte zusammen Frieder Schanze. In: Verfasserlexikon 2. Auflage 9 (1995), S. Sp. 1164-1167. []
  5. Thumser 2002, S. 462. Die laut Randbemerkungen in Unordnung geratene Abschrift weist Blattverlust auf. []
  6. Matthias Thumser: Türkenfrage und öffentliche Meinung. Zeitgenössische Zeugnisse nach dem Fall von Konstantinopel (1453). In: Europa und die osmanische Expansion im ausgehenden Mittelalter (1997), S. 59-78, hier S. 64-68 (duncker-humblot). []
  7. Antje Foresta: Sebastian Brant als Historiker. Zur Perzeption des Reichs und der Christenheit im Schatten der Osmanischen Expansion. Dissertation Freiburg i. Br. 2004, S. 154f. (Freidok). []
  8. Daniela Rando: Antitürkendiskurs und antijüdische Stereotypen. Formen der Propaganda im 15. Jahrhundert am Beispiel Trient. In: Osmanische Expansion und europäischer Humanismus = Pirckheimer-Jahrbuch 20 (2005), S. 31-52, hier S. 44f. []
  9. Renate Kroos: Opfer, Spende und Geld im mittelalterlichen Gottesdienst. In: Frühmittelalterliche Studien 19 (1985), S. 502-519, hier S. 507f., 509-511 (MGH ohne die Tafeln). []
  10. Jules Laberte: L’église cathédrale de Sienne […] (1868), S. 28 (GBS). []

Ständebilder

Eines meiner Lieblingsbücher ist Hartmut Boockmanns „Die Stadt im späten Mittelalter“, das man übrigens im Internet Archive ausleihen kann. Mehrere Bilder sind der Handschrift der GWLB Hannover IV 661 entnommen, die als Farbdigitalisat im Netz steht (Handschriftencensus).

Torwächter

Boockmann: „Das Bild ist einer 1456 in Deutschland entstandenen Handschrift mit dem lateinischen Text des Schachbuchs entnommen, das Jacobus de Cessolis im 13. Jahrhundert als eine Beschreibung und allegorische Ausdeutung des Schachspiels verfaßte. Der in vielen Handschriften verbreitete Text zählt unter den Vertretern typisch städtischer Berufe auch den custos civitatis auf. Der Torwächter ist einmal durch die überdimensionalen Stadtschlüssel als Wächter und zum anderen durch die Schnellwaage in der linken Hand und den schellenbesetzten Beutel am Gürtel als Zolleinnehmer charakterisiert. Seine extravagante Kleidung, an der vor allem die turbanartige Kopfbedeckung mit einer langen Schleppe und der knielange, unten geschlitzte Rock auffallen, erweisen ihn als den Repräsentanten einer Sozialgruppe, die zwischen den Handwerkern und Kaufleuten auf der einen und den Söldnern auf der anderen Seite steht.“

Tuchhändler

250 Jahre USA in 27 Bildern

https://www.geo.de/wissen/weltgeschichte/250-jahre-usa-in-27-bildern-37637260.html

1830er: Der Trail of Tears
Ein dunkles Kapitel US-amerikanischer Geschichte begann 1830 unter Präsident Andrew Jackson: Mit dem Indian Removal Act wurde die Zwangsumsiedlung nordamerikanischer Ureinwohner besiegelt. Über den “Trail of Tears” (Pfad der Tränen) wurden Abertausende indigene Menschen aus ihren angestammten Gebieten im fruchtbaren Südosten nach Oklahoma deportiert. Bei den Umsiedlungen von 1838/39 starben allein unter den Cherokee 4000 bis 5000 Menschen.

Johann Sebald Baumeister (1775-1829), Zeichenlehrer in Schwäbisch Gmünd

Mit Dekret der württembergischen Organisationskommission vom 14. August 1803 wurde Johannes Sebald Baumeister von Augsburg zum ersten Lehrer der Zeichnungkunst in Schwäbisch Gmünd ernannt und ihm als Gehalt 300 Gulden, sechs Malter Dinkel und sechs Klafter Holz angewiesen.1 Über den 1775 in Augsburg geborenen Sohn des Malers Samuel Baumeister weiß man nicht viel. Das Bekannte versucht der von mir erheblich ausgebaute Artikel in der Wikipedia zusammenzustellen.2 Baumeister starb 1829 in Schwäbisch Gmünd.

Einige persönliche Angaben sind dem Nachruf seines Sohns, des Tiermalers Johann Wilhelm Baumeister (1804–1846), im Repertorium der Thierheilkunde 7 (1846), hier S. 95-98 (HathiTrust) zu entnehmen:

Johann Wilhelm Baumeister, Professor und Hauptlehrer an der k. Thierarzneischule zu Stuttgart, war der Sohn des im Jahre 1829 verstorbenen Zeichnungslehrers Johann Sebald Baumeister und der noch jetzt lebenden Frau Elise Baumeister, geb. Merz. Seine beiden Eltern stammen von alt protestantischen Familien aus Augsburg. Der Vater, welcher sich durch ein höchst schätzenswerthes Talent als Zeichner und Miniaturmaler auszeichnete, wurde im Jahre 1803 auf geeignete Empfehlungen hin von dem höchstseligen König Friedrich nach Gmünd berufen, damit die dortigen Goldarbeiter einen Künstler zum Zeichnungslehrer bekämen und dadurch der Kunstgeschmack in ihren Arbeiten gehoben würde. Der Vater, der in seinem Wirkungskreise in der genannten Beziehung sehr viel Gutes wirkte, hat sich, wiewohl nur in kleineren Kreisen, durch Herausgabe genealogischer Prachtwerke wie einer Gallerie der Familienbilder des Hauses Hohenstaufen, der Regenten Baierns, des Hauses Hohenzollern etc. rühmlicher Anerkennung zu erfreuen gehabt, und wurde von den betreffenden Höfen für diese Arbeiten durch Belobung und Ehrengeschenke aufgemuntert. Er versuchte diese Gallerien im Drucke herauszugeben, aber dieser Versuch scheiterte daran, dass der gewissenhafte Künstler es nicht über sich vermochte, fabrikmässig zu malen, sondern jedes Portrait mit sauberer Genauigkeit selbst en gouache ausführte. Hiedurch wurden dem grösseren Publikum diese Kunstwerke nicht zugänglich gemacht, und der Name des Verfassers erfreute sich nicht der allgemeinen Anerkennung, welche er verdient hatte. Ausserdem sind noch vom Vater Baumeister verschiedene malerische Ansichten von vaterländischen Gegenden, sowie eine Anleitung zum Freihandzeichnen vorhanden.

Das Loos der Familie Baumeister war in Gmünd kein glänzendes. Der Gehalt, den der Vater Baumeister als Zeichnungslehrer bezog, war nicht hinreichend, um eine sorgenfreie Stellung zu gewähren,3 allein an Arbeitsamkeit gewöhnt und freudigen Sinnes, wäre es ihm unschwer gewesen, sich und den Seinen ein behagliches Leben zu gründen, wenn nicht der Umstand, dass die Familie Baumeister, höhere Beamtenfamilien ausgenommen, die einzige protestantische im Orte war, bei dem zu jener Zeit noch in Gmünd herrschenden Geiste der religiösen Unduldsamkeit eine unversiegliche Quelle von Störungen kleinerer und grösserer Art gewesen wäre, welche dem ruhigen Genusse eines wenn auch bescheidenen Glückes oft in den Weg traten. […]

Baumeister wurde den 27. April 1804 in Gmünd geboren; er machte seine erste Bildung unter Anleitung seines Vaters durch und zeigte schon als ein Kind von sechs Jahren grosses Talent zur Kunst. Der Vater aber hatte über das Loos des Künstlers zu bittere Erfahrungen gemacht, als dass er zugegeben hätte, dass sein Sohn Künstler werden sollte, daher bestimmte er ihn erst zum Rechtsgelehrten, dann, weil der Sohn Abneigung gegen dieses Fach zeigte, zum Architekten und endlich, da auch diese Richtung nicht den beiderseitigen Wünschen entsprach, zum Geistlichen. Baumeister kam daher im Alter von 14 Jahren in das Präceptorat nach Aalen, wo er die Vorbereitungsstudien zum academischen Studium machen sollte. […]

Sein Vater entschloss sich nun dazu, den Sohn zuerst nach Augsburg und von dort nach München gehen zu lassen, um ihm die Gelegenheit einer höheren Ausbildung in der Kunst darzubieten. Obgleich die Mittel nicht mehr als zwei Jahre hiezu gestatteten, so brachte es Baumeister doch durch angestrengten Fleiss in dieser kurzen Zeit dahin, sich so weit auszubilden, dass er, nach Gmünd zurückgekehrt, einige werthvolle Gemälde vollendete, deren Ertrag ihm die Mittel zu seinen künftigen Studien verschafften. […]

Das Jahr 1829 führte für die Familie Baumeister einen harten Schlag herbei. Der Vater starb und hinterliess ausser dem Sohne eine Wittwe mit zwei jüngern Töchtern. Der Sohn, der durch dieses Ereigniss den Seinigen ihre Hauptstütze entzogen sah, war nun entschlossen, alle seine Kräfte darauf zu verwenden, um ihnen diese Stütze zu ersetzen; daher versah er – wiewohl nur ein Jahr lang provisorisch das Amt des Vaters […].

Bekannt wurde Baumeister als Künstler durch seine gedruckten Serien von Familienbildnissen, frühe Beispiele kostümgeschichtlicher Dokumentation.4 1805 legte er die “Gallerie der Familien Bilder des ehemals Kaiserlichen Hauses der Hohenstauffen” vor, die er den Stauferbildnissen (um 1530) in der Lorcher Klosterkirche entnahm.5 Zur “Abbildung der Statuen in der wöllwarthischen Todtenhalle in dem Kloster Lorch. Ein Beytrag zur Geschichte der Kunst und des Geschmacks im vierzehenden, fünfzehenden und sechzehenden Jahrhundert” (1808) steuerte der bekannte Publizist Johann Gottfried Pahl historische Erläuterungen bei.6 Weniger bekannt sind die Reihen zu den Herren von Rechberg (anhand der Grabsteine), den Hohenzollern (nach einer Ahnengalerie in Hechingen), den Regenten Bayerns und die nur handschriftlich überlieferte Serie zu den Herzögen von Württemberg. Alle entstanden im Zeitraum 1805 bis 1827.

1801 erschien bei dem Schwäbisch Gmünder Buchdrucker Johann Georg Ritter die im KVK nur im Stadtarchiv Augsburg nachgewiesene “Kurze Anleitung zur Zeichnung mit freier Hand”. Vermutlich hat sie zur Berufung nach Gmünd 1803 beigetragen. Ebenfalls den Namen Ritters trägt der Druck zur Wöllwarth-Grablege. Aus einer Anzeige im Litterarischen Eilboten vom 25. April 1810 (GBS) ergibt sich, dass auch zwei weitere Publikationen Baumeisters, beide heute nicht nachweisbar, bei Ritter erschienen:

– “technologische Zeichnungsblätter, 1. Suite. 12 Blätter […]”7
– “neue Muster für das Beuteltuch […] zum Gebrauch in Nähschulen”

Nicht unwahrscheinlich ist die Annahme, dass Ritter auch weitere nicht mit seinem Namen versehene Druckschriften Baumeisters gedruckt hat.

Rätselhaft ist eine Angabe von Edeltraud Brockmüller: Von Hohenzollernahnen und Gmünder Bürgern. Zur Neuerwerbung eines Buches von Johann Sebald Baumeister. In: Unicornis. Beiträge zur Landschafts- und Kulturgeschichte im Raum Schwäbisch Gmünd. Mitteilungen des Förderkreises Museum e.V., des Naturkundevereins e.V. und des Städtischen Museums Schwäbisch Gmünd 1 (1981), Heft 2, S. 36–38, hier S. 38, Baumeister habe zwei Zeitungen herausgegeben: das Magazin für Kunst und Handarbeit 1806 und das Magazin für Kunst und Gewerbe-Erzeugnisse 1826. Baumeister nenne sich darin “öffentlicher Lehrer der Zeichnung, Mitglied des polytechn. Vereins im Königreich Bayern”. Vom Periodikum 1826 finde ich keinerlei Spur, während es zu dem Magazin für Kunst und Handarbeit eine Ankündigung in Pahls National-Chronik der Teutschen 1803 gibt, die das Erscheinen ab Januar 1804 ankündigte. Es sollte ein Magazin von “geschmackvollen Ideen in verschiedenen Gattungen von Handarbeiten” werden. Offenbar lagen Brockmüller die Zeitschriften vor, aber zumindest im Gmünder Museum sind sie nicht auffindbar.8

Den größten Bestand an Baumeister-Zeichnungen verwahrt das Museum in Prediger in Schwäbisch Gmünd. Derzeit sind bereits 77 Objekte online. Zusätzlich hinzuweisen ist auf drei Skizzenbücher Baumeisters aus den Monaten Januar, Februar und März 18159 und Illustrationen zur Salvatorbeschreibung des Anton Herlikofer.10

Die Anerkennung durch die Höfe, von der im zitierten Nachruf die Rede ist, traf zu. In der Allgemeinen Zeitung vom 3. November 181011 las man:

Der als erster Lehrer an der Zeichnungsschule zu Gmünd angestellte Herr Johann Sebald, Baumeister [!], hat jüngsthin für seine sehr gelungene Abbildung der in der Klosterkirche zu Lorch befindlichen Gemälde der schwäbischen Kaiser aus der Familie der Hohenstauffen von Sr. Majestät dem Kaiser von Frankreich 25 Napoleonsd’or, und von Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen von Baiern ausser einem schmeichelhaften Schreiben eine schöne goldene Uhr zum Geschenk erhalten. Der nemliche Künstler gibt auch eine Abbildung des Berges unweit Göppingen, auf welchem vormals das Stammschloß der Hohenstauffen stand, heraus. Se. Majestät der König von Würtemberg haben ihm für die Originalzeichnung eine kostbare goldene Uhr geschenkt, und ihm die Erlaubniß ertheilt, das Blatt Allerhöchstihnen zu dediziren.

Nachdem Pahl in seiner National-Chronik vom 16. April 1806 die Lorcher Bilderserie gelobt hatte, erhielt er eine Zuschrift, die er am 7. Mai des Jahres veröffentlichte. Sie enthält den Wortlaut des dankenden Kabinettsdekrets des bayerischen Königs Max Joseph (GBS) nach Übersendung eines Exemplars. Er schenkte dem Geschmack und Fleiß des Künstlers den “vollkommensten Beyfall”. Noch mehrfach äußerte sich Pahl sehr anerkennend über Baumeister als Künstler.12 So schrieb er 1807 (GBS):

Der Hr. Zeichenlehrer Baumeister in Gmünd hat zum Anfange einer Suite mahlerischer Darstellungen von vaterländischen Gegenden, die Abbildungen der Städte Schorndorf, Gmünd, Göppingen und Aalen, herausgegeben. Man findet in ihnen die bekannte, leichte und gefällige Manier dieses Künstlers wieder, welche mit Fleiß und Wahrheit, Geschmack, Sanftheit und Milde einigt.

Bilder

Zusätzliche Nachweise sind ermittelbar über Commons und die Wikipedia.

Skizzenbuch März 1815 mit Selbstbildnis (rechts oben)
Zeichnung in einem Stammbuch 1790
Klosterkirche Lorch (1805), Museum Gmünd
Barbarossa
Lorcher Wöllwarth-Grablege (1808), Museum Gmünd
Familienbilder Hohenzollern 1817, MDZ
Herzog Christoph von Württemberg (1818)
Schloss Laubach (ca. 1810/15), Museum Gmünd

#forschung

  1. Bruno Klaus 1896, S. 322 (GBS). []
  2. Wenig ergiebig ist die Karteikarte im Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd: Commons. []
  3. Die erwähnte Karteikarte erwähnt eine Bitte 1821 um Erhöhung seines Gehalts an der lateinischen Schule, die der Stadtrat ablehnte. 1823 unterrichtete Baumeister an der privaten polytechnischen Lehranstalt in Gmünd: Wikisource. []
  4. Nachweise zu den Werken (gedruckte und handschriftliche Überlieferung) in der Wikipedia. []
  5. Zu ihnen Hermann Kissling im Heimatbuch Lorch 1990 (UB Heidelberg) und meine Gmünder Chroniken (1984), S. 201 (Internet Archive). []
  6. Zur Grablege: https://archivalia.hypotheses.org/128365. []
  7. Das Allgemeine Künstler-Lexikon erwähnt 1885 sie als “Technologische Zeitungsblätter, 1. Suite, 12 Blätter mit Erklärungen. Gmünd. 4°” (GBS); gleichzeitig erwähnt bei Rattermann 1885 (HathiTrust), dessen Angaben über Ritters Drucke mit größter Vorsicht aufzunehmen sind. Zeitungsblätter in Zeichnungsblätter von R. korrigiert 1911 (Internet Archive). []
  8. Mail vom 21.4.2026: “Die im Artikel von Brockmüller genannten beiden Zeitschriftentitel können wir leider nirgends in unseren Beständen nachweisen. Wir haben mit allen denkbaren Findemitteln und auf allen möglichen Wegen gesucht, auch unter Einbeziehung von Frau Dr. Boosen, aber die Titel sind in keinem unserer Kataloge, Verzeichnisse und Datenbanken enthalten.” Da mein Kontakt zu Edeltraud Brockmüller (GND/LMU) lange abgebrochen ist, kann ich sie nicht fragen. Die Kunsthistorikerin, die in Hamburg studiert hatte, war ab Anfang 1981 Volontärin am Gmünder Museum und froh, als sie ans Städtische Museum in Albstadt wechseln konnte. Wir haben uns damals angefreundet und sind in einem Weihnachtsurlaub gemeinsam nach Venedig gefahren. []
  9. Teilweise abgebildet von Walter Dürr in: Gmünder Leute (1983), S. 49-51. Die Abbildungen auch auf Commons. []
  10. Das Bändchen trägt die alte Signatur 9348 (Mitteilung des Museums) und wurde erwähnt von Rudolf Weser 1916 (UB Heidelberg). []
  11. DDB = MDZ. []
  12. Fundstellen über die Volltextsuche der in Wikisource nachgewiesenen Digitalisate (National-Chronik und Eilbote). []

Ölbild 1853 zum Thema Hexenprozesse – so nicht, Deutschlandfunk!

https://www.deutschlandfunkkultur.de/hexenverfolgung-kirche-glauben-religion-klima-buchdruck-100.html

Statt der Bildunterschrift “Bei Hexenprozessen galten auch angebliche Hexenmale am Körper der Beschuldigten als Beweise © picture alliance / Bildagentur-online / Sunny Celeste” wäre korrekt: Ausschnitt aus einem Ölgemälde von Thompkins H. Matteson über die Hexenprozesse von Salem 1853

Ich habe Gemini zur Bebilderung im journalistischen Kontext befragt:

“Das ist ein absolut berechtigter Kritikpunkt. In der Tat gibt es im Journalismus – gerade bei historischen Themen – oft eine gewisse „Bilderblindheit“. Historische Darstellungen werden häufig als bloße Dekoration missverstanden, anstatt sie als eigenständige Quellen mit eigener Agenda zu behandeln. Der DLF-Beitrag, den du ansprichst, tappt hier in eine klassische Falle: Ein Werk der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts (oft romantisiert oder dramatisiert) wird zur Illustration von Ereignissen der Frühen Neuzeit genutzt, ohne den zeitlichen und künstlerischen Abstand zu thematisieren.

Hier sind die gängigen Empfehlungen und Richtlinien für den Umgang mit solchen Bildern:

1. Die Wikipedia-Empfehlung (Visual History)

In der deutschsprachigen Wikipedia gibt es unter Wikipedia:Artikel illustrieren und in den Fachredaktionen (wie Geschichte) klare Leitlinien. Die zentrale Empfehlung lautet: Vermeidung von Anachronismen: Ein Bild sollte idealerweise zeitgenössisch zum beschriebenen Ereignis sein. Quellenkritik in der Bildunterschrift: Wenn ein später entstandenes Bild (wie das von dir erwähnte Ölbild von 1853) verwendet wird, muss dies in der Bildunterschrift explizit erwähnt werden. Beispiel: Statt “Hexenverbrennung” sollte dort stehen: “Die Verbrennung der XY, Historiengemälde von [Maler], 1853. Das Bild spiegelt die Sichtweise des 19. Jahrhunderts wider.”

2. Empfehlungen des Deutschen PresseratsDer Pressekodex ist hier zwar allgemeiner, aber unter Ziffer 1 (Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde) und Ziffer 2 (Sorgfalt) lässt sich ableiten: Symbolbilder müssen gekennzeichnet sein: Wenn ein Bild nicht das reale Geschehen dokumentiert (was bei 1853 vs. Hexenprozesse faktisch unmöglich ist), sollte es als Symbolbild oder künstlerische Darstellung markiert werden, um den Leser nicht über den Dokumentationswert zu täuschen.

3. Standards der “Visual History” (Fachjournalismus)

Historiker und Medienwissenschaftler (z.B. über das Portal Visual History) empfehlen für Redaktionen folgende Checkliste:

Aspekt Empfehlung
Urheberschaft Wer hat das Bild wann und in welchem Kontext gemalt/fotografiert?
Intention War es Dokumentation, Propaganda oder (im Fall des 19. Jhd.) romantische Verklärung?
Zeitliche Distanz Ist das Bild eine Primärquelle (zeitgenössisch) oder eine Sekundärquelle (spätere Interpretation)?
Bildunterschrift Enthält sie zwingend das Entstehungsjahr des Bildes, nicht nur das Datum des Ereignisses?

Warum das beim Thema “Hexen” besonders kritisch ist

Gerade bei Hexenprozessen sind die Bilder des 19. Jahrhunderts oft problematisch, weil sie Klischees (wie den spitzen Hut oder bestimmte Folterszenen) erst popularisiert haben, die es so in der Frühen Neuzeit gar nicht gab. Ein ungekennzeichnetes Bild von 1853 verkauft dem Hörer/Leser des DLF eine Interpretation der Romantik als historische Realität.” (nur formal leicht redigiert)

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Artikel_illustrieren

Auf Nachfrage gab die KI zu, dass ihre Checkliste so nicht im Portal Visual History zu finden ist.

Im Pressecodex heißt es: “Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden.” An der Sorgfalt mangelt es beim DLF, oder?