In einem undatierten “Memorandum über die Kriegsführung gegen die Türken” wird vorgeschlagen, man solle in allen Stadt- und Landpfarrkirchen Opferstöcke aufstellen und das Volk an allen Feiertagen mit Ablassverkündung auffordern, für den Türkenkrieg zu spenden. Dazu soll man verordnen zwei oder drei “getrew seßhafft burger, die umb gen sollen mit taffeln, daran soll gemallt sein Christus der herr, in dem lufft swebend und darundter die verfluchten thurcken, wie sie gefangen furen crystn gebunden, frawen und man, auch die kinder”. Die Sammler sollen sprechen: Gebt durch Gottes Willen zur Rettung der Glieder Christi. Nach der Messe sollen sie eilends das gesammelte Geld öffentlich in die Opferstöcke schütten. Diese sollen ebenfalls mit dem erwähnten Bild Christi versehen werden.
Die (in den Geschichtsquellen leider vermisste) Denkschrift wurde aus der Überlieferung in “Mein Buch” des brandenburg-ansbachischen Rats Ludwig von Eyb des Älteren (Staatsarchiv Nürnberg, Fürstentum Ansbach, Herrschaftliche Bücher Nr. 17, Bl. 131r-139r) 2002 von Matthias Thumser herausgegeben, nachdem schon 1915 Nicolae Iorga Auszüge aus der gleichen Vorlage publiziert hatte. Bislang unbeachtet blieb eine zweite Überlieferung in der um 148o in Nürnberg entstandenen Handschrift in Gießen, Universitätsbibliothek, Hs. 329, Bl. 28r-33. Ihr fehlt der Schluss des Textes (die letzten drei Abschnitte). Für eine von Thumser 1997 erwogene Beteiligung Eybs ist nichts ersichtlich, in der Edition spricht er von einem Anonymus. Seine Zuweisung an das Umfeld des kaiserlichen Tags in Nürnberg 1480 ist plausibel, aber hypothetisch. Die Datierung um 1480 wird von der Datierung der Gießener Handschrift gestützt.
Die Literatur zum Text ist überschaubar. Außer einem Aufsatz des Editors Thumser 1997 fand ich nur eine Inhaltsangabe (nach Iorga 1915) bei Antje Foresta.
Auf das Zeugnis zu den Bildtafeln ging kurz ein Daniela Rando 2005. Mit dem bildlichen Hinweis auf christliche Männer, Frauen und Kinder, die in die Gefangenschaft (Sklaverei) geführt wurden, lud das Memorandum die Spendenkampagne emotional auf, indem es anti-türkische Feindbilder bediente.
Transportable Bildtafeln, die bei dem Opfergang im mittelalterlichen Gottesdienst eingesetzt wurden, sind mehrfach bezeugt, entnimmt man einem Aufsatz von Renate Kroos. Auch spezielle Opfer für die Türkenkriege, wie sie das Memorandum fordert, muss es tatsächlich gegeben haben. Kroos verweist auf ein Kircheninventar des Doms von Siena 1467, in dem ein neuer Opferstock mit Bildern aus der Geschichte der Türken erwähnt wird.
#forschung
Ein Bettler sammelt mit einer Statuette der Hl. Barbara (Hans Burgkmair, 1502, Ausschnitt Commons)