JZ schreibt mir:
Interessante Story:
“Who are you, Dragan Rodriguez?”
Chinesen erfinden einen westlichen Forscher, mit dem sie zusammen publizieren. Das minimiert das Risiko, dass der Artikel als Fälschung auffällt.
Kommentar unter dem Artikel:
“It looks like instead of using a paper-mill they are using an author-mill.”
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Klaus Graf (19. August 2023). 15 Studien und ein Fake Autor. Archivalia. Abgerufen am 16. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/cidj
Aufziehende orkanartige Unwetter auf der hohen See des Wissenschaftsbetriebs im MINT-Bereich
In dem hier geschilderten Fall geht es auf den ersten Blick um die an sich schon Spannung genug verbürgende Frage, ob sich hinter einem Co-Autoren-Name fachwissenschaftlicher Aufsätze in Zeitschriften tatsächlich eine real existierende Person verbirgt. Zugleich gewähren die darüber hinaus und daran anknüpfenden Kommentare zu diesem Fall aber auch tiefe Einblicke in die Schwierigkeiten und Untiefen des Wissenschaftsbetriebs (Zitierkartelle, Ranking, künstliche Intelligenz u.a.m.), mit denen sich nicht nur Herausgeber und Gutachter wissenschaftlicher Zeitschriften aus dem Bereich der MINT – Fächer – über diesen Einzelfall hinaus – neuerdings zunehmend und immer stärker konfrontiert sehen.
Zu dieser immer shwerer zu durchschauenden und zu meisternden Gemengelage äußert sich sich ein betroffener Herausgeber bei retraction watch wie folgt:
“There is this rather false belief among the papermills, or as the article coins the authormills, that if they include a western affiliation and/or western names, whether fake or legit they might get better acceptance. As an editorial unfortunately I observed the success of the strategy when comparing the reviewers comments. Thus, adding the USA affiliation contributed in the increasing rate of the acceptance and the success of the above mentioned fake name. Pubpeer is full of such cases where often Chinese-based authors made partnership with the senior western professors to publish their fake articles with no contribution needed from the western professors. Sadly, they often damage the reputation of the professors. The solution would be moving towards Double-Blind Peer Review.” (Concerned Editor – Comment, 17. August 2023)
Wer bzw. was ist “Pubpeer”?
siehe dazu den entsprechenden Wikipedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Pubpeer
Das zeigt, dass mit der Fachwelt etwas nicht stimmen kann. Warum? Weil es beim akademischen Nachwuchs längst nicht mehr auf Inhalte ankommt, sondern auf die Erfüllung von Karrierekriterien und Erwartungshaltungen. Die verantwortlichen Entscheidungsträger wollen polyglotte, höchsterfolgreiche, wortgewandte, elegante, sportlich aktive, vielgereiste, societygewandte, berufserfahrene, allseits verwendbare, “tuffe” Alleswisser.
Auf gut Deutsch: Schwätzer.
Dass bei soviel nicht erfüllbarer Attitüde massenweise plagiiert wird, ist nun wirklich kein Wunder. Der Nachweis, im Team arbeiten zu können, ist ein weiteres Karrierekriterium, daher ist es nur logisch, dass auch im Team plagiiert wird, indem man klugerweise einen fiktiven Autor vorschiebt.
Würde mich interessieren, ob man bei Bewerbungen demnächst FaceApps verwendet um sich schlanker zu machen oder sich einen Busen digital wachsen lässt, um die Frauenquote zu erfüllen. Styling ist schließlich alles. Styling macht jede Krähe schön. Muss ja nicht manipuliert sein, kann auch ein altmodisches Foto sein, das 20 Jahre alt ist. Damit es authentisch wirkt. Mich wundert, dass noch niemand einen Film darüber gedreht hat, wie man möglichst faltenfrei Professor-in* wird, ganz ohne Botox und Hyaloronsäure.