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Beitrag: Deutsche geistliche Handschriften in einem Katalog des Augsburger Antiquariats Fidelis Butsch 1847

https://maniculae.de/index.php/maniculae/article/view/104 bzw. später https://doi.org/10.21248/maniculae.92

Heute erhielt ich die Mitteilung über die Veröffentlichung. Am 1. August hatte ich das Manuskript Jürgen Wolf übermittelt, der es am 3. August der Redaktion weiterleitete. Das wertvolle Peer Review war schon am 8. August absolviert.

Der Beitrag identifiziert, anknüpfend an den Hinweis vom 15. Oktober 2025 https://archivalia.hypotheses.org/239790 die meisten der 40 geistlichen deutschen Handschriften im Katalog XXIII der Augsburger Antiquariatsbuchhandlung Fidelis Butsch 1847.

Schlagworte: Handschriftenhandel, Buchhandlung Fidelis Butsch Augsburg, Chorfrauenstift Inzigkofen, Dominikanerinnenkloster Medingen

Mechthild von der Pfalz und die Literatur an ihrem Rottenburger Hof

Der in der Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 84 (2025), S. 83-99 (die Marburger Professorin, die ihn schrieb, bleibe ungenannt) erschienene Aufsatz ist ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte: mit schlechter Literaturkenntnis die gleichen Quellen ergebnislos hin und her wendend, neue Funde dabei ignorierend.

Püterichs Bücherkatalog: 2015 stellte ich eine bessere Überlieferung vor, Frank Fürbeth edierte sie 2020: https://www.handschriftencensus.de/25502.

2015 schrieb ich: “1991 hatte Felix Heinzer auf ein wichtiges Zeugnis aufmerksam gemacht, das leider nur in Zusammenfassung durch Martin Crusius erhalten ist: ein 1468 entstandenes deutschsprachiges Reimpaargedicht ‘Pfauenherz’ (“Pfowenhertz”) eines Autors, der sich als Sohn des Dichters Hermann von Sachsenheim zu erkennen gibt (möglicherweise der Hirsauer Mönch Michael von Sachsenheim). Es rühmt die Tugenden Erzherzogin Mechthilds. Anscheinend hat die literaturwissenschaftliche Forschung keine Notiz von diesem Hinweis genommen.” Das gilt auch hier.

Test der Nutzungsmöglichkeiten von ChatGPT für das (Geschichts-)Studium

Die Nutzung von KI für Recherche- und Lernzwecke ist nach wie vor riskant. Ich wollte mir eine Erklärung für ein Modell der Geschichtsdidaktik ausgeben lassen, damit die KI es mir erklären kann, während ich anderweitig beschäftigt bin, beispielsweise mit Wäschewaschen oder Spülen. Ohne Vorwissen zum Thema hätte ich allerdings Falschinformationen erhalten. Die KI hat mehrfach halluziniert und dabei Dinge erklärt, die schlichtweg nicht stimmten.

Der Prompt lautete: „Kannst du mir das FUER-Modell aus der Geschichtsdidaktik erklären?“ Die KI gab zwar eine Erklärung aus, die sinnvoll und glaubwürdig klang, jedoch nicht vollständig zutraf. Bereits der erste Abschnitt enthielt eine Falschinformation:

„Ja. Das FUER-Modell ist eines der einflussreichsten Kompetenzmodelle der deutschsprachigen Geschichtsdidaktik. Es wurde von der FUER-Gruppe entwickelt (der Name steht ursprünglich für den Forschungsverbund der beteiligten Universitäten) und beschreibt, welche Kompetenzen Menschen benötigen, um historisch denken zu können. Es geht also weniger darum, möglichst viele historische Fakten zu kennen, sondern darum, Geschichte reflektiert zu verstehen und mit ihr umzugehen.“

Der Name des Forschungsverbunds setzt sich jedoch nicht aus den beteiligten Universitäten zusammen.

Mit dem nächsten Prompt: „Woher sind deine Quellen? Bitte mach es neu und gib deine Quellen an. Denn in der letzten Antwort sind Fehler.“ hat die KI deutlich länger „nachgedacht“ und anschließend tatsächlich eine korrekte Antwort geliefert. Jeder Absatz war zudem mit passenden Internetquellen belegt.

Diese Erfahrung mit KI hat wieder einmal gezeigt, was bereits häufig gesagt wurde und wovor immer wieder gewarnt wird: Die generierten Antworten entsprechen der wahrscheinlichsten Antwort, also dem, was statistisch am ehesten zutrifft, nicht zwangsläufig der richtigen Antwort. Das hängt damit zusammen, wie KI-Modelle trainiert werden. Die ausgegebene Antwort wird also nicht automatisch auf ihre Richtigkeit überprüft. Das kritische Denken bleibt uns daher nach wie vor selbst überlassen.

Um weiterzumachen, habe ich mir den bislang geschriebenen Text auf Grammatik- und Zeichenfehler überprüfen und anschließend korrigiert ausgeben lassen. Diese Aufgaben scheinen für KI besser geeignet zu sein. Meiner Überprüfung nach hat die KI alles richtig gemacht und mir einen grammatikalisch korrekten Text ausgegeben, ohne den Originaltext wesentlich zu verändern. Auch Bibliografien und Quellenangaben zu vereinheitlichen, erledigt die KI recht zuverlässig, weshalb ich sie dafür bei Hausarbeiten sehr gerne nutze.

Nun wollte ich noch eine letzte Sache testen. Letztes Jahr war es ein Trend, die KI einen bestimmten Buchstaben in Wörtern zählen zu lassen. Deshalb wollte ich überprüfen, ob sie auch die Zeichenanzahl eines Textes korrekt bestimmen kann. Die Antwort lautete:

„Der korrigierte Text umfasst:
• 2.096 Zeichen (inklusive Leerzeichen)
• 1.814 Zeichen (ohne Leerzeichen)

Falls du stattdessen die Zeichenzahl ohne die Zitatformatierung (z. B. *, >, **) oder als reinen Fließtext benötigst, kann ich diese ebenfalls ausrechnen.“

Bevor ich das überprüfte, nahm ich noch den Vorschlag an, die Zeichenzahl als reinen Fließtext anzugeben. Da mein Text ohnehin keine Markdown-Formatierung enthielt, war ich gespannt, ob sich dadurch etwas ändern würde. Die Antwort lautete:

„Als reiner Fließtext (ohne Markdown-Formatierung wie >, * oder **) umfasst der Text:
• 2.078 Zeichen (inklusive Leerzeichen)
• 1.787 Zeichen (ohne Leerzeichen)

Wenn du den Text zusätzlich ohne Absatzumbrüche als einen einzigen Fließtext meinst, bleibt die Zeichenzahl bis auf die entfernten Zeilenumbrüche nahezu identisch. In diesem Fall wären es 2.074 Zeichen inklusive Leerzeichen (da die vier Zeilenumbrüche entfallen).“

Die Zeichenzählung von Word ergab 1.787 Zeichen ohne Leerzeichen, was mit der zweiten Zählung übereinstimmte. Mit Leerzeichen wurden jedoch 2.069 Zeichen angezeigt. Es haben sich also anscheinend neun zusätzliche Leerzeichen eingeschlichen. Ich kann mir allerdings nicht erklären, woher diese stammen. Die Differenz ist jedoch so gering, dass ich sie als insignifikant betrachte. Offenbar haben die Entwickler*innen das frühere Problem bei der Zeichenzählung inzwischen weitgehend behoben.

Diese Tests haben mir insgesamt erneut nahegelegt, dass ich KI für Aufgaben im Studium nutzen kann, die lediglich Zeit kosten würden. Inhaltliche oder kreative Arbeiten bleiben jedoch weiterhin meine eigene Aufgabe.

 

Theoderich überdauerte in der Dietrichdichtung

https://www.fr.de/kultur/literatur/theoderich-der-grosse-stirbt-vor-1500-jahren-und-wird-in-vulkan-gestossen-94464508.html

#heldensage

Nachtrag:

https://www.welt.de/geschichte/article6a8fdfda14f40f555e0a3159/ostgotenkoenig-theoderich-die-ungeheure-groesse-des-gemetzels-verkuendete-den-vollstrecker.html

Visuelle Kultur im Spätmittelalter: Bildtafeln für den Türkenkrieg (um 1480)

In einem undatierten “Memorandum über die Kriegsführung gegen die Türken” wird vorgeschlagen, man solle in allen Stadt- und Landpfarrkirchen Opferstöcke aufstellen und das Volk an allen Feiertagen mit Ablassverkündung auffordern, für den Türkenkrieg zu spenden. Dazu soll man verordnen zwei oder drei “getrew seßhafft burger, die umb gen sollen mit taffeln, daran soll gemallt sein Christus der herr, in dem lufft swebend und darundter die verfluchten thurcken, wie sie gefangen furen crystn gebunden, frawen und man, auch die kinder”.1 Die Sammler sollen sprechen: Gebt durch Gottes Willen zur Rettung der Glieder Christi. Nach der Messe sollen sie eilends das gesammelte Geld öffentlich in die Opferstöcke schütten. Diese sollen ebenfalls mit dem erwähnten Bild Christi versehen werden.

Die (in den Geschichtsquellen leider vermisste) Denkschrift wurde aus der Überlieferung in “Mein Buch” des brandenburg-ansbachischen Rats Ludwig von Eyb des Älteren2 (Staatsarchiv Nürnberg, Fürstentum Ansbach, Herrschaftliche Bücher Nr. 17, Bl. 131r-139r) 2002 von Matthias Thumser herausgegeben, nachdem schon 1915 Nicolae Iorga Auszüge aus der gleichen Vorlage publiziert hatte.3 Bislang unbeachtet blieb eine zweite Überlieferung in der um 148o in Nürnberg entstandenen Handschrift in Gießen, Universitätsbibliothek, Hs. 329, Bl. 28r-33.4 Ihr fehlt der Schluss des Textes (die letzten drei Abschnitte).5 Für eine von Thumser 1997 erwogene Beteiligung Eybs ist nichts ersichtlich, in der Edition spricht er von einem Anonymus. Seine Zuweisung an das Umfeld des kaiserlichen Tags in Nürnberg 1480 ist plausibel, aber hypothetisch. Die Datierung um 1480 wird von der Datierung der Gießener Handschrift gestützt.

Die Literatur zum Text ist überschaubar. Außer einem Aufsatz des Editors Thumser 19976 fand ich nur eine Inhaltsangabe (nach Iorga 1915) bei Antje Foresta.7

Auf das Zeugnis zu den Bildtafeln ging kurz ein Daniela Rando 2005.8 Mit dem bildlichen Hinweis auf christliche Männer, Frauen und Kinder, die in die Gefangenschaft (Sklaverei) geführt wurden, lud das Memorandum die Spendenkampagne emotional auf, indem es anti-türkische Feindbilder bediente.

Transportable Bildtafeln, die bei dem Opfergang im mittelalterlichen Gottesdienst eingesetzt wurden, sind mehrfach bezeugt, entnimmt man einem Aufsatz von Renate Kroos.9 Auch spezielle Opfer für die Türkenkriege, wie sie das Memorandum fordert, muss es tatsächlich gegeben haben. Kroos verweist auf ein Kircheninventar des Doms von Siena 1467, in dem ein neuer Opferstock mit Bildern aus der Geschichte der Türken erwähnt wird.10

#forschung

Ein Bettler sammelt mit einer Statuette der Hl. Barbara (Hans Burgkmair, 1502, Ausschnitt Commons)

  1. Zitat aus der Gießener Handschrift, Bl. 33v (UB Gießen). Varianten in der Ausgabe von Matthias Thumser: Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502): Schriften (2002), S. 451-463, hier S. 461: “sesßburger”; “wie gefangen”. [↩]
  2. https://geschichtsquellen.de/autor/2234. [↩]
  3. Nicolae Iorga: Notes et extraits pour servir à l’histoire des croisades au XVe siècle 5 (1915), S. 88-96 (GBS). [↩]
  4. Handschriftencensus; Beschreibung von Ulrich Seelbach 2007 (UB Gießen): “Anschlag wider die Türken”. Vergleichbare Türkenkrieg-Anschläge stellte zusammen Frieder Schanze. In: Verfasserlexikon 2. Auflage 9 (1995), S. Sp. 1164-1167. [↩]
  5. Thumser 2002, S. 462. Die laut Randbemerkungen in Unordnung geratene Abschrift weist Blattverlust auf. [↩]
  6. Matthias Thumser: Türkenfrage und öffentliche Meinung. Zeitgenössische Zeugnisse nach dem Fall von Konstantinopel (1453). In: Europa und die osmanische Expansion im ausgehenden Mittelalter (1997), S. 59-78, hier S. 64-68 (duncker-humblot). [↩]
  7. Antje Foresta: Sebastian Brant als Historiker. Zur Perzeption des Reichs und der Christenheit im Schatten der Osmanischen Expansion. Dissertation Freiburg i. Br. 2004, S. 154f. (Freidok). [↩]
  8. Daniela Rando: Antitürkendiskurs und antijüdische Stereotypen. Formen der Propaganda im 15. Jahrhundert am Beispiel Trient. In: Osmanische Expansion und europäischer Humanismus = Pirckheimer-Jahrbuch 20 (2005), S. 31-52, hier S. 44f. [↩]
  9. Renate Kroos: Opfer, Spende und Geld im mittelalterlichen Gottesdienst. In: Frühmittelalterliche Studien 19 (1985), S. 502-519, hier S. 507f., 509-511 (MGH ohne die Tafeln). [↩]
  10. Jules Laberte: L’église cathédrale de Sienne […] (1868), S. 28 (GBS). [↩]

Former US archivists warn that Trump’s effort to ignore records law jeopardizes national security and government continuity

https://edition.cnn.com/2026/08/26/politics/former-archivists-briefing-presidential-records-act (Thanks DS)

Destruktive KI-Scans von Büchern

Aus österreichischer Sicht beleuchtet das Problem:

https://www.derstandard.de/story/3000000335984/heimliches-ki-training-amazon-zerstoert-massenhaft-alte-buecher

Ein US-Antiquar schrieb mehrere Beiträge, darunter

https://downtownbrown.substack.com/p/all-the-companies-destructively-scanning-books-for-ai

Ein Video zeigt das Vorgehen:

https://www.instagram.com/p/DcVRs-HOjAc/

Ein weiterer Blogbeitrag

https://cardcatalogforlife.substack.com/p/books-have-always-been-destroyed

Die Schattenbibliothek Anna‘s Archive ruft zum Scannen und Hochladen von Büchern auf.

https://www.golem.de/news/wegen-destruktiver-ki-scans-anna-s-archive-ruft-zum-scannen-von-buechern-auf-2608-212195.html

Gern wiederhole ich die KI-Illustration von https://archivalia.hypotheses.org/263321