Durch die rapide Evolution der Künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren ergeben sich gerade im Hinblick auf die Visualisierung und das „Erlebbar machen“ von Geschichte neue Möglichkeiten zur Wissensvermittlung. Mithilfe künstlicher Intelligenz können längst verstorbene Persönlichkeiten relativ einfach in Videoform zum Leben erweckt werden.
Ein Blick in die Zukunft der Wissensvermittlung könnte das Projekt @ichbinsophiescholl sein. Dieses Social-Media-Projekt der Sender SWR und BR startete 2021 auf Instagram und erzählt in Social Media Beiträgen die letzten Monate aus dem Leben von Sophie Scholl. Das 2021 gedrehte Projekt wurde mit einem Team aus Schauspielern und Schauspielerinnen realisiert. Sophie Scholl, dargestellt von der Schauspielerin Luna Weder, nimmt hier Selfie-Bilder und Videos auf und berichtet aus ihrem Alltag. Ziel war es gerade ein jüngeres Social-Media affines Publikum anzusprechen und so Geschichte erlebbar zu machen.
Stellte das Projekt damals ein Novum dar, so hat sich die digitale Landschaft heutzutage stark verändert. KI generierte Videos mit zweifelhafter historischer Genauigkeit finden sich zuhauf auf den gängigen Video- und Social-Media-Plattformen. Durch die großen Fortschritte bei der KI-Bildgenerierung ließe sich das Format des Projektes mittlerweile mit KI anstatt realer Schauspieler realisieren, da KI die Erstellung kurzer Videoclips mittlerweile problemlos bewältigen kann. Zumal die kurzen Videoclips auf dem Account in ihrer Aufmachung frappierend an gängige KI generierte Inhalte erinnern.
Ist das Projekt also als Blaupause für ähnliche, mit KI erstellte Projekte geeignet? Immerhin besitzt der Account mittlerweile über 488.000 Follower (Stand 31.07.2026).
Die Umsetzung des Projektes bringt einige Probleme mit sich. Zur Erzählung der Geschichte wurden fiktionalisierte Inhalte mit eingewoben, so dass die Trennung zwischen historischem Fakt und „erzählerischer Freiheit“ nicht immer klar ist. Die starke, wenn auch nicht vollständige Fokussierung auf eine einzelne Akteurin sorgt zwar für einen emotionaleren Zugang zum Thema „Weißen Rose“, rückt aber auch die anderen Mitglieder der Gruppe in den Hintergrund. Auch stellt sich die Frage wie stark Inhalte um Zugänglichkeit zu garantieren vereinfacht werden sollten, so ist bei den einzelnen Beiträgen oft kein weiterer Kontext gegeben. Somit gerät das eigentliche Ziel der Wissensvermittlung beziehungsweise das Animieren zu einer tiefer gehenden Beschäftigung mit dem Thema oft in den Hintergrund und die Beiträge bieten nur einen geringen wissenschaftlichen Mehrwert.
Das Projekt bleibt ein interessanter Ansatz zur historischen Wissensvermittlung. Geschichte in dieser Form erlebbar zu machen bringt allerdings durchaus Herausforderungen mit sich um den Spagat aus Algorithmus freundlicher Zugänglichkeit und seriöser wissenschaftlicher Wissensvermittlung zu schaffen. Die Kontextualisierung der Inhalte und die Anregung zur weiteren Recherche sind hier unverzichtbare Bausteine um eine wissenschaftlich fundierte Vermittlung zu gewährleisten.
Das Projekt @ichbinsophiescholl ist abrufbar unter https://www.instagram.com/ichbinsophiescholl/?hl=de
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
alwilh (11. August 2026). Das Projekt @ichbinsophiescholl als Ausblick für die Wissensvermittlung im Zeitalter von KI? Archivalia. Abgerufen am 8. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/16nu9